House of Cards 2x07

House of Cards 2x07

Kapitel 20 von House of Cards führt einmal mehr exemplarisch vor, was die Serie daran hindert, zu einem spannenden Thriller zu werden. Außer der üblichen Gier nach Macht und Geld treibt die Charaktere nichts an. Wären diese Politiker nicht viel besser im Privatsektor aufgehoben?

Kurze Zeit nach ihrem Streit hat Frank (Kevin Spacey, r.) den Präsidenten (Michael Gill) wieder um den Finger gewickelt. / (c) Netflix
Kurze Zeit nach ihrem Streit hat Frank (Kevin Spacey, r.) den Präsidenten (Michael Gill) wieder um den Finger gewickelt. / (c) Netflix

House of Cards sieht wunderbar aus und hat viele tolle Darsteller. Bisher haben wir außerdem hinreichend etabliert, dass es sich dabei nicht um ein realistisches Porträt amerikanischer Politik handelt - und wohl auch nicht handeln soll. Dafür wird Politik hier viel zu sehr am Rande abgehandelt, es geht nur selten um echte Inhalte. In der ersten Staffel gab es die von Frank Underwood (Kevin Spacey) angeschobene Bildungsreform, zu Beginn der zweiten Staffel die Reform des Arbeitsmarkts. Beide wurden in wenigen Episoden versendet.

The presidency is a great precious thing. Loneliness is the price.

Und nun? Seit mehreren Episoden sehen wir Frank Underwood schon dabei zu, wie er zwischen Wirtschaftsbossen, Diplomaten, Journalisten und seinem Vorgesetzten hin- und herlaviert, ohne dass es auch nur einmal um konkrete politische Inhalte gehen würde. Wozu also diese ganzen Intrigen? Bei Frank ist es wohl tatsächlich so, dass es ihm um den reinen Machtgewinn geht. Aber was will er tun, wenn er an der Spitze angekommen ist? Hat er eine Vision, die er durchsetzen möchte? Nein. Will er zum Wohle des Landes regieren? Ganz sicher nicht. In dieser Serie über Politik fällt vor allem die eklatante Abwesenheit von Politik auf.

Spät in der Episode scheint Frank ausnahmsweise einmal einen Misserfolg hinnehmen zu müssen. Da blitzt er bei Daniel Lanagin (Gil Birmingham) ab, einem Kasinobesitzer aus Missouri, der sich von Raymond Tusk (Gerald McRaney) als großer Parteispender ausnutzen lässt. Als Frank seinen Willen nicht durchsetzen kann, reagiert er wie ein verzogenes Kleinkind, das nicht sofort genau das bekommen hat, was es unbedingt wollte. Eine weitere großartige Charaktereigenschaft, die ihm von den Autoren da zugeschrieben wurde. Warum soll irgendein Zuschauer nur mit dieser Figur mitfiebern? Wenn er doch wenigstens irgendwelche Ideale oder auch nur eine halbwegs nachvollziehbare Motivation vorweisen könnte.

Kann er aber nicht - was übrigens auch für den Großteil der übrigen Figuren gilt. Wie ist Milchbubi Garrett Walker (Michael Gill) nur zum Präsidenten aufgestiegen - und warum? Hat er denn eine Vorstellung seiner eigenen Politik? Zu Beginn dieser Episode begutachten er und seine engsten Vertrauten eine attack ad des Super-PAC („Political Action Committee“) „Friends for a Better America“. Walker beklagt sich danach kaum über den Inhalt, sondern nur über die Wirkung, die diese Werbung für die in einigen Monaten bevorstehende „Midterm Elections“ (Neuwahl des Repräsentantenhauses und eines Teils des Senats) haben könnte.

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In der Welt von House of Cards denken Politiker nur an den eigenen Machterhalt und von Wahl zu Wahl. Das mag nicht allzu weit entfernt von der Realität sein - trotzdem ist es maßlos übertrieben, Politiker zu porträtieren, die an echter Politik vollkommen desinteressiert sind. Für die Seriencharaktere ist sie ein Mittel zum Zweck - zu welchem Zweck, das wird freilich nicht verraten. Diese ominöse Abwesenheit von Motiven macht im Übrigen nicht vor den Politikern Halt. Auch die Geschäftsleute Raymond Tusk, Daniel Lanagin oder Xander Feng (Terry Chen) lassen keinerlei Einblick in ihr Seelenleben zu.

I'm offering you something that's far more valuable than money

Warum lässt sich Lanagin von Tusk ausnutzen, indem er dessen Geld verschiedenen Parteien in seinem Namen zukommen lässt? Hat er als Geschäftsmann nicht genau das gleiche Interesse wie Tusk, dass sein Name nämlich nicht mit einer bestimmten Partei in Verbindung gebracht wird? Wie profitiert er von dieser Geschäftsbeziehung? Gegenüber Frank gibt er sich schließlich als knallharter Verhandlungspartner, wieso lässt er sich dann von Tusk instrumentalisieren? Warum will Feng unbedingt diese Brücke bauen?

Eine weitere zentrale Frage: Wieso trauen sich die Autoren von House of Cards nicht, Frank eine echte Hürde in den Weg zu stellen? In dieser Episode enthüllen sie, dass sich der neue Medienberater Seth Grayson (Derek Cecil) von Remy Danton (Mahershala Ali) bezahlen lässt, um Schmutz über die Underwoods auszugraben. Als ihn Frank jedoch konfrontiert, gibt er dies freimütig zu und offenbart ihm, dass er sein großes Vorbild sei: „I want to work for you, not sail a yacht. Money doesn't interest me.“ („Ich will für Sie arbeiten und nicht mit ner Yacht segeln gehen. Geld interessiert mich dabei nicht.“) Es hätte interessant werden können, hätte Grayson tatsächlich mit Danton zusammengearbeitet. So fliegt Frank nur ein weiterer geschickter Verbündeter zu, ohne dass er dafür einen Finger hätte krummmachen müssen.

Etwas Gegenwind könnte er in Zukunft von einer Journalistin des Wall Street Telegraph bekommen. Ayla Sayyad (Mozhan Marno) recherchiert die Zusammenhänge zwischen Underwood, Tusk und Feng. Momentan stößt sie dabei jedoch auf taube Ohren. Hier misst House of Cards wieder einmal mit zweierlei Maß. Frank und Konsorten schaffen es in wenigen Minuten, die Hintergründe ominöser Spenden an die Republikanische Partei zu entziffern. Ihre Gegenspieler schaffen es jedoch auch nach mehrwöchiger Recherche nicht, etwas gegen ihn auszugraben, obwohl er gleich mehrere (buchstäbliche!) Leichen im Keller hat.

Seth Grayson (Derek Cecil) hätte Frank Underwood gefährlich werden können - passiert aber nicht. © Netflix
Seth Grayson (Derek Cecil) hätte Frank Underwood gefährlich werden können - passiert aber nicht. © Netflix

Doug Stamper (Michael Kelly) bekommt von Frank also den Auftrag, im Casino von Daniel Lanagin abzusteigen und dort die Zusammenhänge mit Tusk zu recherchieren. In Windeseile findet er heraus, dass regelmäßig eine chinesische Delegation zu Gast ist - angekarrt mit dem Privatjet von Xander Feng. Alles einfach so herausgefunden, sofort, ohne Komplikationen. Nebenbei hat Stamper sogar noch Zeit, sich von einer Kellnerin verführen zu lassen - eine Szene übrigens, die ein sehr zweifelhaftes Frauenbild der Autoren aufwirft. Sollen wir ihnen allen Ernstes abnehmen, dass sich diese schöne junge Dame sofort diesem durchschnittlichen Typen anbiedert?

You do not leave until you have an answer

Sein nächster Auftrag führt ihn nach Peking, wo er Xander Feng mit den neuen Erkenntnissen konfrontieren soll. Der begrüßt ihn erst mal mit dem chinesischen Brauch, ein erstes Angebot zunächst abzulehnen. Doug tut es ihm gleich, als er den nächtlichen Besuch zweier Prostituierter ablehnt. Er kehrt mit einer neuen Option nach Washington zurück. Diese beinhaltet den Bau der viel thematisierten Port-Jefferson-Brücke. Feng hat es sich auf einmal anders überlegt und will die Brücke nun doch finanzieren. Und wieder öffnet sich eine Tür für Frank Underwood.

Für seine Gegenspieler bleiben die meisten indes verschlossen. Zu Beginn der Episode hat es den Anschein, als wolle sich Präsident Walker nicht länger als Prügelknabe missbrauchen lassen. Gegenüber Frank spricht er ein deutliches Machtwort. Statt darauf aufzubauen, entschließen sich die Autoren jedoch dazu, Frank einen weiteren Punktsieg zuzugestehen. Dieser kommt besonders einfach zustande: Frank schenkt dem Präsidenten einen Sandsack und eine Entschuldigungskarte. Walker ist sofort wieder versöhnt - und entschuldigt sich sogar selbst bei Frank!

Ich wiederhole die Frage gerne noch einmal: Wie ist dieser Mensch nur Präsident geworden? Und wie hat seine Ehefrau Tricia (Joanna Going) die nervenaufreibende Wahlkampfzeit überstanden? Sie wird schließlich als höchst unsicheres, manipulierbares Mäuschen porträtiert, das sich von Claire nach Strich und Faden verarschen lässt. In der amerikanischen Politik kann scheinbar nur ein Mensch mit Frank Underwood mithalten - und das ist seine Ehefrau. Eine spannende Geschichte sieht anders aus.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 14. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 7
(House of Cards 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Spendengelder
Titel der Episode im Original
Chapter 20
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 14. Februar 2014 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 14. April 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Autor
Bill Kennedy
Regisseur
James Foley

Schauspieler in der Episode House of Cards 2x07

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