Homeland 6x11

Homeland 6x11

Wenngleich manch ein Handlungsbogen in der Homeland-Episode R for Romeo die Grenzen der Glaubwürdigkeit auslotet, so schafft sie es doch, einige packende Charaktermomente hervorzubringen. Derzeit lässt sich kaum absehen, wie die sechste Staffel ausgehen könnte.

Keane (Elizabeth Marvel) stellt sich der Öffentlichkeit. / (c) Showtime
Keane (Elizabeth Marvel) stellt sich der Öffentlichkeit. / (c) Showtime
© eane (Elizabeth Marvel) stellt sich der Öffentlichkeit. / (c) Showtime

Bisher gibt es keine Informationen darüber, ob das Finale der sechsten Staffel von Homeland Überlänge haben wird. Angesichts der vielen offenen Handlungsbögen scheint es jedoch unumgänglich, dass dies der Fall ist. In der vorletzten Episode, R for Romeo, wird nämlich eher Plot dazugeschaufelt statt abgebaut. Am Ende stehen noch mehr Fragezeichen als zuvor. Immerhin gibt es Anzeichen dafür, dass manche Erzählstränge zusammengeführt werden. Wie genau das geschieht, muss die abschließende Episode klären.

Ugly business

Diese hier glänzt jedenfalls mit einigen starken Charaktermomenten, von denen manche glaubwürdiger sind als andere. Zu erstgenannten zählt die Eröffnungsszene mit all ihren Nachwirkungen. In ihr richtet Quinn (Rupert Friend) deutliche Worte an Carrie (Claire Danes): „You made me this way.“ Sie habe stets die Mission vorgezogen vor den Belangen ihrer Mitmenschen - ein Vorwurf, den sie kaum entkräften kann, wie diese Staffel sehr eindringlich bewiesen hat. Dafür muss man sich nur ansehen, was mit ihrer Tochter Frannie geschehen ist.

Obwohl Quinn seine ehemalige Freundin und Wegbegleiterin eindringlich dazu auffordert, ihn fortan in Ruhe zu lassen, planen sie eine letzte gemeinsame Operation. Zusammen hebeln sie die Falle aus, die ihnen vom Anführer des CIA-Deep-Cover-Teams gestellt wurde. Carrie wird zwar von ihm in dem von Quinn observierten Haus überwältigt, kann aber planmäßig von Quinn gerettet werden. Damit ist die Verschwörung aber längst nicht aufgedeckt. Nachdem Carrie den Generalstaatsanwalt über die Geschehnisse informiert hat, ist dieser plötzlich nicht mehr auffindbar.

Gleichzeitig entdeckt Quinn einen verborgenen Hinweis darauf, dass sich das Black-Ops-Team auf dem Weg nach New York befinden könnte. Könnte das etwas mit der designierten US-Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) zu tun haben? Ihr Handlungsbogen wirft in dieser Episode die meisten Fragezeichen auf. Die Schmierkampagne gegen sie und ihren Sohn hat Früchte getragen, vor dem von ihr bezogenen Hotel hat sich eine aufgebrachte Menschenmenge versammelt. Von Saul (Mandy Patinkin) erhält sie indes die Information, dass das Video gegen ihren Sohn fabriziert wurde.

Carrie (Claire Danes) kommt zu spät.
Carrie (Claire Danes) kommt zu spät. - © Showtime

Ihr öffentlicher Aufruf, der dafür Verantwortliche möge sich stellen, wird überraschend schnell von Talkshow-Gastgeber und Fake-News-Overlord O'Keefe (Jake Weber) beantwortet. Er lädt sie zu sich in die Sendung ein, was sie auf Anraten von Saul annimmt: „You can't afford to stay silent.“ So interessant es auch ist, das Ringen der Präsidentin mit den Internet-Trollen zu beobachten (und so sehr man sich als Serienjunkies-Redakteur darin wiederfindet), so wenig glaubwürdig ist das Szenario.

A stream of hate

Würde sich die Präsidentin wirklich in die Höhle des Löwen begeben, ohne die Interviewfragen vorher einzugrenzen oder Anrufe auszuschließen? Würde sie wirklich ihre Informationen über O'Keefes Geheimorganisation preisgeben? Gibt sie ihm mit diesem Auftritt nicht ebenjene Legitimation, die er gar nicht verdient hat? Hätte es nicht viel besser funktioniert, mit den ihr zur Verfügung stehenden Strafverfolgungsbehörden gegen O'Keefe und seine sinistre Maschinerie vorzugehen? Auch Sauls Analogie zu vergangenen CIA-Desinformationskampagnen hinkt gewaltig.

Für Keane geht der Plan jedenfalls nicht auf. Die Proteste außerhalb ihrer Residenz verwandeln sich in einen kleinen Aufstand, den die anwesende Polizei nicht in den Griff bekommt. Auch hier stellt sich wieder die Glaubwürdigkeitsfrage: Wäre der vorübergehende Wohnsitz der Präsidentin nicht besser geschützt vor übergriffigen Demonstranten? Und würde der Secret Service nicht eine andere Unterkunft vorziehen, wenn sich abzeichnete, dass die Zufahrt zur aktuellen blockiert ist? Es darf bezweifelt werden, dass all diese Fragen im Finale zufriedenstellend beantwortet werden.

Glücklicherweise ist Homeland mit solch fähigen Schauspielern besetzt, dass die Konzentration nicht alleinig auf diesen Ungereimtheiten liegt. Überdies kriecht momentan wieder das mittlerweile altbekannte 24-Element in die Serie, was nicht nur zu einer Explosion am Ende dieser Episode führt, sondern auch für ein atemberaubendes Staffelfinale sorgen dürfte. Wer es schafft, bis dahin hinsichtlich der erzählerischen Kohärenz ein paar Augen zuzudrücken, dürfte man daran Gefallen finden. Der Rest hat sich wahrscheinlich sowieso längst von der Serie verabschiedet.

Trailer zur Finalepisode: 'America First'

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 3. April 2017

Homeland 6x11 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 11
(Homeland 6x11)
Deutscher Titel der Episode
R für Romeo
Titel der Episode im Original
R Is for Romeo
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 2. April 2017 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 11. August 2017
Autoren
Chip Johannessen, Patrick Harbinson
Regisseur
Seith Mann

Schauspieler in der Episode Homeland 6x11

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