Homeland 6x10

Homeland 6x10

Diese Serie kann es einfach nicht lassen: Nachdem beinahe die gesamte sechste Homeland-Staffel ohne einen nennenswerten Ausbruch von Crazy Carrie vorübergegangen ist, kehrt ebenjene Version der Hauptfigur in der Episode The Flag House zurück.

Carrie (Claire Danes) nimmt Maß. / (c) Showtime
Carrie (Claire Danes) nimmt Maß. / (c) Showtime
© arrie (Claire Danes) nimmt Maß. / (c) Showtime

Wegen eines besonders hohen Erzähltempos wird die sechste Staffel von Homeland sicherlich nicht mehr in die TV-Annalen eingehen. Jedoch fließen zu ihrem Ende die aufgespannten Handlungsbögen sehr organisch ineinander, weshalb es umso überraschender ist, dass es einen abermaligen Auftritt von „Crazy Carrie“ gibt - und das in Abwesenheit ihrer Hauptpersona Carrie (Claire Danes). Dabei hätte man sich schon nach Ablauf des Vorspanns denken können, dass es dazu kommen würde, schließlich ist der Drehbuchautor von The Flag House niemand Geringeres als Serienschöpfer Alex Gansa.

Stifling dissent

In Kooperation mit Regisseur Michael Klick entwirft er eine sehr ruhige Episode, in der die Hauptfiguren kleine Fortschritte in ihren Erzählsträngen machen. Carrie ist dabei hin- und hergerissen zwischen ihren mütterlichen Pflichten und denjenigen für ihr Vaterland. Um dem korrupten Treiben an der Spitze der CIA, das von Dar Adal (F. Murray Abraham) personifiziert wird, ein Ende zu bereiten, hat sie sich eigentlich von der designierten US-Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) dazu überreden lassen, ihn gegenüber dem Justizminister anzuschwärzen und so zu Fall zu bringen.

Allerdings reicht Adals Einfluss weit, was Carrie nicht nur selbst zu spüren bekommt, sondern was er seiner Widersacherin Keane auch ganz unverblümt mitteilt. Er beauftragt das Jugendamt, das gerade über Carries Tochter Frannie wacht, damit, einen vereinbarten Besuchstermin aus fadenscheinigen Gründen abzusagen. Erst, als Carrie ihm mitteilt, dass sie nicht mehr gegen ihn aussagen wolle, klappt es mit dem ersehnten Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter. Für eine Serie wie „Homeland“, in der Familienangelegenheiten stets eher als Ärgernisse dargestellt wurden, ist es bemerkenswert, dass sich die Protagonistin so eindeutig für das eigene Privatleben und gegen die vermeintlich patriotische Handlung entscheidet.

Auch für seinen Zwist mit Keane hält Adal einen Trumpf. So offen wie nie zuvor kommuniziert er gegenüber Talkshow-Moderator und Fake-News-Produzent O'Keefe (Jake Weber), dass kein gutes Haar an der ersten Präsidentin in der Geschichte Amerikas gelassen werden soll. Der Beauftragte zielt daraufhin dorthin, wo es Keane am meisten schmerzt. Das Video, das ihren Sohn als Feigling darstellt, und nicht als der Kriegsheld, der er wirklich war, erhält große Aufmerksamkeit im Internet und verbreitet sich rasant. Wie damit umzugehen ist, wissen weder Keane noch ihr Beraterstab. Der beste Ratschlag lautet noch: „Change the subject.

Saul (Mandy Patinkin) bereitet seine Flucht aus Amerika vor.
Saul (Mandy Patinkin) bereitet seine Flucht aus Amerika vor. - © Showtime

Immerhin gibt es einen Kämpfer für die gute Sache, der noch genau daran glaubt. Max (Maury Sterling) filmt ein Handyvideo, das Adal und O'Keefe zeigt, die gerade die nächsten Schritte in der öffentlichen Schlammschlacht gegen Keane besprechen. Das treibt zwar den Plot voran, ist aber auch schwer nachzuvollziehen, würde sich Adal doch kaum in die Nähe einer Organisation wie der von O'Keefe begeben. Für Max könnte es derweil eng werden: Er wird bei der Handynutzung beobachtet und angeschwärzt. Immerhin schafft er es, das Beweismaterial vorher an Carrie zu schicken.

Keeping America safe

Die ist jedoch nicht die erste, die es auf dem heimischen Laptop in Empfang nimmt. Dort verschafft sich Saul (Mandy Patinkin) Zutritt zu ihrem „Crazy Room“, der nicht nur ihre berühmt-berüchtigte „Crazy Wall“ beinhaltet, sondern auch ihren privaten Laptop, den sie offensichtlich nicht mal mit einfachem Passwort schützt. Saul hatte die Episode eigentlich damit verbracht, seine Flucht zu planen, geht er doch die ganze Zeit davon aus, dass Carries Aussage nicht nur Dal, sondern auch ihn stürzen wird. Umgestimmt wird er von seiner Exfrau Mira (Sarita Choudhury), die uns mit einem unerwarteten Gastauftritt beehrt.

Carrie erfährt unterdessen von Quinns ehemaliger Junkiefreundin, dass er sich längst nicht mehr in Haft befindet, sondern an einem geheimen Ort. Die Episode The Flag House nutzt er dazu, sich seinem Häscher an die Fersen zu heften. Das führt ihn nicht nur in ein Ausbildungshaus der CIA, wo er einst selbst einen Teil seines Agententrainings unter Führung des heutigen Generals McClendon (Robert Knepper) absolviert hatte, sondern liefert auch einen sehr eindeutigen Beweis dafür, dass der Bombenanschlag in New York von dem Geheimdienst orchestriert und aller Wahrscheinlichkeit nach auch von Dar Adal selbst befohlen wurde.

In den letzten beiden Episoden der sechsten Staffel wird es nun also für Carrie, Quinn und Saul darum gehen, Dar Adals dunkle Machenschaften so nahtlos beweisen zu können, dass er in den Augen des von ihm angeleiteten Sicherheitsapparats nicht mehr als Doyen, sondern als Verräter dasteht. Er ist nun wahrlich zum big bad der Serie aufgestiegen, was schon bedauerlich ist, weil wir ihn bald wohl nicht mehr zu sehen bekommen werden. Der Serie hat diese Dynamik indes wieder neues Leben eingehaucht. Homeland wird vielleicht nie mehr an vergangene Glanzzeiten anknüpfen - spannend und unterhaltsam ist es momentan trotzdem.

Trailer zu Episode 6x11: 'R for Romeo'

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 27. März 2017

Homeland 6x10 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 10
(Homeland 6x10)
Deutscher Titel der Episode
Feigheit liegt in der Familie
Titel der Episode im Original
The Flag House
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. März 2017 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 4. August 2017
Autor
Alex Gansa
Regisseur
Michael Klick

Schauspieler in der Episode Homeland 6x10

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