Homeland 6x09

Homeland 6x09

Weil in der Homeland-Episode Sock Puppets Charaktere zu alter Stärke zurückfinden, lässt sich leichter verschmerzen, dass so mancher Handlungsbogen arg konstruiert daherkommt. In der Mischung ergibt das einen guten Start in den Schlussabschnitt der sechsten Staffel.

Zwei ehemalige Weggefährten finden nur schwerlich wieder zueinander. / (c) Showtime
Zwei ehemalige Weggefährten finden nur schwerlich wieder zueinander. / (c) Showtime
© wei ehemalige Weggefährten finden nur schwerlich wieder zueinander. / (c) Showtime

Befindet sich eine Serie in ihrer mittlerweile sechsten Staffel, hat sie einiges an eigener Geschichte angehäuft. Homeland war jahrelang bekannt dafür, zu lange an einer Figur - Brody - festgehalten zu haben, weil die in der ersten Staffel einen großen Teil des Erfolgs ausgemacht hatte. Heute weiß man, dass man ihn wohl besser an deren Ende hätte sterben lassen sollen. Dass man der eigenen Vergangenheit aber nicht entfliehen kann, illustrieren die Autoren Chip Johannessen und Evan Wright sehr schön in der Episode Sock Puppets.

Smoking meth and masturbating

In Kooperation mit Regisseur Dan Attias nehmen sie einen historischen Rundumschlag vor. Gleich in der Auftaktszene darf Claire Danes ihr außergewöhnliches Schauspieltalent beweisen, indem sie ihre Figur Carrie an vergangene Fehler denken lässt, an die sie dank ihrer Tochter Frannie ständig erinnert wird. Einem Therapeuten muss sie erklären, was dazu geführt hat, dass sie versuchte, Frannie in einem Haus mit Peter Quinn (Rupert Friend) großzuziehen. Zu ebenjenen Fehlern gehört auch ihr Umgang mit Brody.

Bis zur vierten Staffel hing das Autorenteam so sehr an der Dynamik zwischen Carrie und Brody, dass es den Verflossenen noch als Halluzination zurückkehren ließ. Erst mit der Umsiedlung nach Berlin in Staffel fünf gelang es endgültig, den Totenkult aufzugeben. Aber auch von dort - und aus Islamabad, dem Handlungsort der vierten Staffel - werden unsere Protagonisten von vergangenen Fehltritten eingeholt. Max (Maury Sterling) erinnert uns bei seinem Bewerbungsgespräch mit Talkshowhost O'Keefe (Jake Weber) an seine umgekommene Kollegin Fara, und Saul (Mandy Patinkin) wird von seiner Beziehung zur russischen Spionin Allison (Miranda Otto) heimgesucht.

Diese historisch beschwerte Gemengelage bereitet den Boden für eine Episode, die sich durch starke Charaktermomente auszeichnet, uns allerdings auch ein paar dramaturgische Wendungen andrehen will, die nicht ganz einfach hinzunehmen sind. Nachdem Dar Adal (F. Murray Abraham) nach allerlei Verrenkungen nun endlich das bekommen hat, was er die ganze Zeit wollte - einen härteren außenpolitischen Kurs der designierten Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) -, kommen seine eigenen Betrügereien bald zu ihm nach Hause - und das in wörtlichem Sinne.

Keane (Elizabeth Marvel) hat Dar Adal (F. Murray Abraham) im Fadenkreuz.
Keane (Elizabeth Marvel) hat Dar Adal (F. Murray Abraham) im Fadenkreuz. - © Showtime

Viel zu oft verhält sich Dar nämlich so, wie sich ein erfahrener CIA-Agent niemals verhalten sollte. Wie ein schnurrbartzwirbelnder Bösewicht in schlechten Actionfilmen verrät er beispielsweise gegenüber seinen Widersachern, was er mit ihnen angestellt hat oder noch anzustellen gedenkt. Oder er telefoniert über eine ungesicherte Leitung. Oder er lässt ein Hotelzimmer von seinen Schergen nicht nach zurückgelassenen Spuren und Kommunikationsmitteln durchsuchen. All das führt dazu, dass er nicht nur bei Keane schnell wieder in Ungnade fällt, sondern auch bei seinem einstigen Ziehsohn Quinn.

A gift from a doomed man

Der harrt verwunderlicherweise in seiner Waldhütte an der Seite von Astrids Leiche aus, bis die von einem Nachbarn gerufene Polizei angerückt ist. Dann erst begibt er sich auf den Weg zurück in die Stadt. Sein Ziel ist klar: Dar Adal ausfindig machen und zur Rede stellen. Schließlich kann nur er es gewesen sein, der den Mörder geschickt hat. Unterwegs darf er wieder in seine alte, von mir so innig geliebte, Superagentenrolle schlüpfen und sich mit Waffen und Munition eindecken. Danach taucht er nur noch als Schatten aus Dars schlimmsten Träumen auf - und bekommt den Beweis, nach dem er gesucht hat.

Die Schlinge um Dars Hals zieht sich also immer enger, weshalb man sich zurecht wundern darf, ob er in zukünftigen Staffeln überhaupt eine Rolle spielen wird. Neben Quinn arbeiten nämlich auch Carrie, Saul und Keane daran, den vermeintlich Unangreifbaren zu stürzen. Dabei kommt es zu einem ebenso dramatischen wie amüsanten Streitgespräch zwischen Saul und Carrie, in dem sie sich gegenseitig vorwerfen, mit wem sie in ihrer Vergangenheit fatalerweise geschlafen haben: „Maybe you shouldn't have been fucking a Russian mole“, wirft Carrie ihrem ehemaligen Mentor vor. Woraufhin der berechtigterweise entgegnet: „Coming from someone who fucked a guy in a suicide vest, that means a lot.

In der ansonsten so trüben Homeland-Welt ist das eine willkommene Abwechslung, die bei mir mehr als nur ein kurzes Schmunzeln ausgelöst hat. Wie bereits mehrmals erwähnt, bilden Saul und Carrie für mich das Herz dieser Serie, weshalb jede ihrer wenigen gemeinsamen Szenen einen Höhepunkt bildet. Weniger gelungen ist hingegen das Einschleusen von Max in die Fake-News-Organisation von Brett O'Keefe, weil die IT-Spezialisten dort zu einseitig gezeichnet, das Unternehmen zu gut ausgerüstet, der gesamte Habitus viel zu sinister daherkommt.

Die Erzählstränge von Carrie, Quinn und Saul befinden sich aber auf gutem Weg, weshalb mit positiver Aussicht auf die abschließenden Episoden der sechsten Staffel geblickt werden darf.

Trailer zu Episode 6x10: 'The Flag House'

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 22. März 2017

Homeland 6x09 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 9
(Homeland 6x09)
Deutscher Titel der Episode
Die Lügenfabrik
Titel der Episode im Original
Sock Puppets
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. März 2017 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 4. August 2017
Autoren
Chip Johannessen, Evan Wright
Regisseur
Daniel Attias

Schauspieler in der Episode Homeland 6x09

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