Homeland 6x06

Homeland 6x06

Mit der trefflich titulierten Episode The Return erholt sich die Spionageserie Homeland vom Zwischentief einer ansonsten sehr gelungenen sechsten Staffel. Die von Quinn aufgedeckte Verschwörung hat dabei tödliche Folgen, und es kommt zu einem Überraschungsauftritt.

FBI-Agent Conlin (Dominic Fumusa) wird es zum Verhängnis, Carrie (Claire Danes) zu glauben. / (c) Showtime
FBI-Agent Conlin (Dominic Fumusa) wird es zum Verhängnis, Carrie (Claire Danes) zu glauben. / (c) Showtime
© BI-Agent Conlin (Dominic Fumusa) wird es zum Verhängnis, Carrie (Claire Danes) zu glauben. / (c) Showtime

Mit Ausnahme der letzten Episode hatte es sich das Autorenteam von Homeland für die sechste Staffel ganz offensichtlich in den Kopf gesetzt, seine Geschichte möglichst bedächtig vorzutragen. So gelang ihm ein zwar nicht furchtbar aufregender, aber doch spannender - und vor allem nachvollziehbarer - Start. Die Ereignisse rund um Quinn (Rupert Friend) in der Episode Casus Belli ließen dann befürchten, dass die Serie wieder in Richtung ihres geistigen Verwandten 24 abdriftet.

Face down fear

In der Episode The Return werden nun sogleich Korrekturen vorgenommen, wobei auch die Bedürfnisse der Actionfans berücksichtigt werden. Und selbst diejenigen Zuschauer, die es lieben, überrascht zu werden, bekommen ihre Genugtuung. In der Review zur letzten Folge hatte ich geklagt, dass Quinn durch sein enorm gefährdendes Verhalten und die darauf folgende Verhaftung in eine dramaturgische Sackgasse geraten sei. Aus dieser wird er zwar befreit, aber das auch nur mit Hilfe eines klassischen Deus ex Machina, der hier in Form von Astrid (Nina Hoss) auftaucht.

Zuvor versucht Carrie (Claire Danes) alles in ihrer Macht Stehende, um zumindest zu Quinn vorgelassen zu werden. Nachdem sie die Bilder auf seinem Handy gefunden und festgestellt hat, dass es nicht nur die Paranoia war, die da aus ihm sprach, eröffnet sie ihm, dass sie nun eigene Recherchen anstelle - und das ausgerechnet bei FBI-Agent Conlin (Dominic Fumusa), zu dem sie ein äußerst gespaltenes Verhältnis pflegt. Quinn erkennt darin gleich schon wieder die nächste verhängnisvolle Verwicklung, wobei er sich dieses Mal vielleicht doch zu sehr von seinen Ängsten beeinflussen lässt.

Carrie kennt dieses Problem sehr gut, das die Arbeit von Spionen äußerst heikel und eine Serie wie Homeland in ihren besten Momenten so spannend macht. Wie sich nämlich herausstellt, sind Quinns Befürchtungen einer tiefgreifenden Verschwörung gar nicht allzu weit hergeholt, auch wenn sie aus einer anderen Richtung kommen als von ihm angenommen. Im Gegensatz zu seiner Vorstellung rührt sie nicht von staatlicher Seite, sondern kommt aus dem Privatsektor. Für diese Erkenntnis zahlt Conlin mit seinem Leben - plötzlich bricht der schockierendste Teil des Spionagealltags mit brachialer Wucht hervor.

Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) steht Rede und Antwort.
Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) steht Rede und Antwort. - © Showtime

Wahrscheinlich ist Conlin etwas zu forsch der Sache nachgegangen. Dafür, dass er Carrie bislang stets mit offener Antipathie entgegengetreten ist, lässt er sich nun überraschend schnell von ihr überzeugen, dass Sekou gar nichts von der Bombe in seinem Truck gewusst hat. Seine Recherchen führen ihn zum Gebäude eines ominösen Sicherheitsunternehmens namens Onyx, wo er sich als Versicherungsvertreter ausgibt, um schließlich als Teil eines Assessment Centers tief im Keller zu landen. Dort bleibt ihm nur wenig Zeit, bevor er entdeckt und abgeführt wird.

On the outside looking in

Wie sich bald herausstellt, wird dem FBI-Mann dieses unvorsichtige Schnüffeln zum Verhängnis. Als Carrie ihn das nächste Mal sieht, liegt er bereits mit Loch im Kopf auf dem Boden seines eigenen Badezimmers, mit der Waffe im Anschlag. Das Attentat dürfte nur wenige Minuten zurückliegen, befindet sich der Täter doch noch im Haus. Es ist genau derjenige, den Quinn völlig korrekt als Dunkelmann von gegenüber identifiziert hatte. Carrie sucht nun nicht die offene Konfrontation, sondern die Flucht, weil sie schlussfolgert, dass auch sie und ihre Tochter in akuter Gefahr sind.

Zur Unterstützung lässt sie abermals den guten Max (Maury Sterling) anrücken, wobei trotzdem überrascht, dass sie sich zurück nach Hause traut. Eigentlich müsste der Ort doch angesichts der jüngsten Ereignisse eine verbotene Zone sein. Mit ebensolchen kennt sich ihr ehemaliger Vorgesetzter Saul (Mandy Patinkin) besonders gut aus, wenngleich er hier feststellen muss, dass er sich dieses Mal selbst darin befinden könnte. Von seinem Kontaktmann beim russischen Auslandsgeheimdienst SWR erfährt er nämlich, dass sich Dar Adal (F. Murray Abraham) und die Israelin Tova Rivlin (Hadar Ratzon Rotem) hinter seinem Rücken treffen.

Dem alten Spionagehaudegen Saul könnte ich wahrlich stundenlang zuschauen, wie er klassische Methoden anwendet - das Treffen an einem öffentlichen Ort, die Dokumentenübergabe im Umschlag -, um Informationen zu gewinnen. Auf ähnlich interessantem Pfad wandelt in The Return die designierte Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel), die sich mithilfe ihrer ominösen Bewacherin Marjorie (Deborah Hedwall) aus der Quarantäne schleicht, um nach New York zurückzukehren. Die Autofahrt nutzen sie für ein persönliches Gespräch über ihre Söhne, die beide im Krieg gefallen sind. Hernach beschließt Keane, auch die Öffentlichkeit an ihrem Schicksal teilhaben zu lassen.

Die Mischung aus solchen emotionalen Momenten, grundlegender Spionagearbeit und Actionelementen bringt Homeland nach einem kurzen Durchhänger zurück auf den Pfad nachhaltigen Storytellings. So kann es gerne weitergehen.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 28. Februar 2017
Episode
Staffel 6, Episode 6
(Homeland 6x06)
Deutscher Titel der Episode
Die Söhne und der Krieg
Titel der Episode im Original
The Return
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. Februar 2017 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Juli 2017
Autor
Charlotte Stoudt
Regisseur
Alex Graves

Schauspieler in der Episode Homeland 6x06

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