Homeland 6x07

© uinn (Rupert Friend) geht es weiterhin nicht gut. / (c) Showtime
Diese sechste Staffel von Homeland ist faszinierend. Ihr gelingt es mit wenigen Ausnahmen, die besten und die schlechtesten Elemente der Serie zu vereinen und daraus eine sehr ruhig vorgetragene, aber trotzdem unterhaltsame Geschichte zu spinnen - ohne bemerkenswerte Ausschläge nach oben oder unten. In der nächsten Episode könnte sich das ändern, stehen wir doch eindeutig vor der jährlichen Rückkehr von „Crazy Carrie“. In Imminent Risk funktioniert die Herangehensweise aber noch sehr zufriedenstellend.
We're all beautiful when we're young
Die Episode beginnt mit Quinn (Rupert Friend), dessen Leidenszeit noch lange nicht vorbei ist. Wie schon zu Beginn der Staffel schmerzt es beinahe körperlich, den ehemaligen Elitekämpfer in diesem miserablen körperlichen und geistigen Zustand zu sehen. Am Ende von The Return ist er von BND-Agentin Astrid (Nina Hoss) aus dem polizeilichen Gewahrsam befreit worden - und, wie wir jetzt erfahren, steckt Dar Adal (F. Murray Abraham) dahinter. Wie er überhaupt in beinahe allen Angelegenheiten seine Finger hat, im guten wie im schlechten Sinne...
Bevor sich Dar höchstpersönlich bemüht, Quinn zur Ruhe zu bitten und dabei verrät, dass Carrie (Claire Danes) diejenige ist, die er für seine Gebrechen zur Verantwortung ziehen sollte, versucht der abermals einen Ausbruchsversuch. Weit kommt er damit nicht, wird er doch von Astrid alsbald eingefangen. Hierbei stellen sich mehrere Fragen: Was ist ihr daran gelegen, sich so intensiv um Quinn zu kümmern? Wird sie dafür vom BND freigestellt? Und was versprechen sich die Deutschen davon? Des Weiteren ist mir die derzeitige dramaturgische Nützlichkeit seiner Figur immer noch ein Rätsel - zumindest für diese Staffel, bis zu deren Ende er wohl nicht mehr auf die Beine kommen kann.
Zeigt Dar also in diesem Handlungsstrang seine freundliche Seite, so fährt er gegen Carrie ungleich schwerere - und fiesere - Geschütze auf. Um sie sich vom Leib zu halten, setzt er das Jugendamt auf sie an. Entgegen einer realistischen Darstellung einer solchen staatlichen Behörde handelt es äußerst zügig und effizient. Bald nach dem Adal-Leak wird Frannie aus der Schule abgeholt und zu einer Pflegefamilie gebracht. Vor Gericht bleibt Carrie anschließend nichts anderes übrig, als fassungslos dabei zuzusehen, wie ihre psychologische Schwäche gegen sie verwendet und angeordnet wird, dass ihre Tochter vorerst nicht zu ihr zurückkehren darf.

Ihre Reaktion darauf ist so nachvollziehbar wie verheerend. Nach kurzer Überlegung - „Tu's nicht“, möchte man ihr zurufen - greift sie zur Flasche mit ihrem geliebt-verhassten Weißwein. Betrunken meldet sie sich bei der einflussreichsten Staatsdienerin, die sie kennt, der designierten Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel). Die hat zuvor ein Interview über ihren im Irak-Krieg gefallenen Sohn gegeben, weshalb Carrie glaubt, auf diese Weise eine gemeinsame Basis bilden zu können. Das geht natürlich gründlich schief und dürfte ihr Ansehen bei der ranghöchsten Politikerin im Lande sinken lassen.
No loose ends
Die Wahrscheinlichkeit ist nun groß, dass Carrie in der nächsten Episode einmal mehr ihre Medikamente absetzen und den inneren Wüterich freilassen wird. Von solchen Folgen bekommen wir in jeder Staffel mindestens eine - und sie gehören meist zu den schwächsten. Aber wir wollen nicht allzu vorschnell urteilen, vielleicht kommt Carrie ja noch zu Sinnen. Es wäre jedenfalls schön, würde sie sich bald wieder weniger mit privaten Problemen herumschlagen und in den Kreis der Geheimnishüter zurückkehren. Bisher fällt die sechste Staffel nämlich auch dadurch auf, dass sie und Saul kaum gemeinsame Szenen haben.
Alles, was er momentan macht, gehört indes zum Besten, was die Serie derzeit zu bieten hat. Er liefert sich ein packendes, wenn auch weitgehend geräuschloses Duell mit seinem frenemy Dar. Zu Recht geht er davon aus, dass er auf dessen Anweisung von den eigenen Kollegen überwacht wird. Eine zentrale Rolle dabei spielt Majid Javadi (Shaun Toub), der mit Sauls Hilfe nach New York reist, weil er sich im Austausch gegen exklusive Informationen über das iranische Atomprogramm politisches Asyl in den USA erhofft - und dabei wahrlich keine Gefangenen macht...
So spannend dieser Handlungsbogen gerade ist, so unterernährt erscheint derjenige um die Suche nach dem wahren Bombenattentäter. Schließlich wissen nur wir Zuschauer - und das noch nicht mal mit Sicherheit -, dass Sekou nicht der Täter ist. Die Hintermänner bilden ganz offensichtlich eine mächtige Organisation, von der wir bislang aber nichts Wichtiges erfahren haben. Eigentlich müssten doch beinahe sämtliche Protagonisten ausschließlich an der Aufklärung dieses Terroranschlags arbeiten - Saul, Dar, Keane aber kämpfen allesamt auf Nebenschauplätzen. Die sind zwar nicht uninteressant, aber doch weniger spannend.
Fünf Episoden stehen nun noch aus. Höchste Zeit also, dass das Tempo erhöht wird.
Trailer zu Episode 6x08, „Alt.Truth“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 6. März 2017Homeland 6x07 Trailer
(Homeland 6x07)
Schauspieler in der Episode Homeland 6x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?