Homeland 6x05

Homeland 6x05

Dem Aufreger um das Terrorattentat in New York lässt Homeland mit Casus Belli keine gute Episode folgen. In nahezu jeder Einstellung merkt man ihr an, dass sie am Reißbrett konstruiert wurde. Außerdem manövriert sie eine zentrale Figur in die dramaturgische Sackgasse.

Quinn (Rupert Friend) geht es nicht gut. / (c) Showtime
Quinn (Rupert Friend) geht es nicht gut. / (c) Showtime
© uinn (Rupert Friend) geht es nicht gut. / (c) Showtime

Die Homeland-Episode Casus Belli macht den Eindruck, als wäre sie von der eigenen Geschichte überwältigt. Am Ende von A Flash of Light kam es zu einem Terroranschlag, der der bis dahin ruhig, aber keinesfalls langweilig vorgetragenen Geschichte offensichtlich neue Energie verleihen sollte. Stattdessen wenden sich Drehbuchautor Chip Johannessen und Regisseur Alex Graves - beide Veteranen der Serie - einem arg konstruiert wirkenden Handlungsbogen zu, der ziemlich viele logische Ungereimtheiten offenbart.

They do that to scare people

Im Zentrum steht dabei der unter posttraumatischem Stress leidende Quinn (Rupert Friend), der mit der Aufgabe überfordert ist, auf die kleine Franny (Claire Keane und McKenna Keane) aufzupassen und Carrie (Claire Danes) so den Rücken frei zu halten. Die darauf folgenden Ereignisse finden einerseits viel zu schnell statt und lenken andererseits vom eigentlichen Plot ab, der meiner Meinung nach viel spannender gewesen wäre. Die Frage um die wahren Hintermänner des Attentats hätte wohl auch nicht solche Logiklöcher aufgeworfen.

Die Situation in Carries Zuhause eskaliert ungewöhnlich schnell. Eine besonders eifrige TV-Reporterin hat herausgefunden, dass Carrie und ihre Organisation für die Freilassung des vermeintlichen Bombenlegers Sekou verantwortlich sind, weshalb sie nun ihr Haus belagert. Es dauert nicht lange, bis weitere Pressevertreter auftauchen. Die damit einhergehenden Reportagen hernach dazu, dass sich ein wütender Mob dort versammelt, um gegen - ja was genau? - zu protestieren. Gegen Carrie vielleicht, weil sie einem mutmaßlichen Terroristen geholfen hat?

Diese aufwühlende Gemengelage ist für den paranoiden Quinn eindeutig zu viel. Er jagt der neugierigen Journalistin nicht nur einen gehörigen Schrecken ein, sondern wird ihr gegenüber auch schwer gewalttätig, als er sie die Eingangsstufen hinunterstößt. Einzelne Protestierende bewerfen das Haus daraufhin mit Steinen, was Quinn mit einem Pistolenschuss beantwortet, der absichtlich nicht tödlich ist, was aber nur diejenigen wissen können, die ihn kennen. Weil er überdies Franny und ihrer Babysitterin verweigert, das Haus zu verlassen, rückt die Polizei an, um dieses vermeintliche Geiseldrama zu beenden.

Der gesamte Erzählstrang stellt mich vor ein Rätsel, weil er dem bisher zufriedenstellenden Verlauf der sechsten Staffel ohne Not eine solch merkwürdige Wendung gibt. Nachdem Quinn vor den Kugeln des anrückenden Sondereinsatzkommandos gerettet wurde, ist die Figur endgültig in eine dramaturgische Sackgasse geraten, aus der es kaum einen Ausweg gibt. Das ließ sich zwar seit Beginn der Staffel befürchten, da Quinn seitdem unter solch starken Problemen leidet, es ist aber doch ernüchternd, die Entwicklung auch wirklich vollzogen zu sehen.

They're listening

Quinn befindet sich nun also in Haft und es stellt sich die Frage, ob er angesichts der schweren Verbrechen, die er an nur einem Nachmittag begangen hat, jemals entlassen werden wird. Immerhin findet Carrie am Ende sein Telefon (wobei natürlich äußerst unrealistisch ist, dass es vom SEK einfach so liegengelassen wurde), auf dem sie die Beweise für die Überwachung aus dem gegenüberliegenden Haus findet, deren Existenz sie ihm nicht glauben wollte. Dadurch wird sie wohl in zukünftigen Episoden die Verbindung zum Anschlag herstellen können.

Eine weitere mögliche Verbindung ist die Tatsache, dass Carries CIA-Kontakt gar nicht derjenige war, der ihr das Tape von FBI-Agent Conlin (Dominic Fumusa) und seinem Informanten zugespielt hatte, mit dem sie Sekou freipresste. Es muss also einen weiteren Spieler weiter oben in der CIA-Hackordnung gegeben haben, der ein Interesse an Sekou als Sündenbock hat. Ob diese Verschwörung vielleicht sogar mit Dar Adal (F. Murray Abraham) in Verbindung stehen könnte, muss sich erst noch zeigen. Ihm ist jedenfalls sehr daran gelegen, die designierte Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) von der Außenwelt abzuschotten.

Für sie ist der Terroranschlag besonders heikel, hatte sie im Wahlkampf doch stets dafür geworben, keine Panik vor ebensolchen zu schüren. Nun wird sie von einem Fernsehmoderator, der an den unsäglichen Alex Jones erinnern soll, genau dafür scharf angegriffen. Außerdem will es ihr nicht gelingen, ihren Stabschef zu erreichen, was natürlich an dem Satellitentelefon liegen könnte, das ihr von Dar überreicht wurde. Dieser Handlungsbogen ist nicht nur überaus ereignislos, sondern wirkt ebenfalls zu konstruiert. Es ist ja schön und gut, wenn sich Homeland solchen wahnwitzigen Figuren wie Jones annimmt, allerdings sollte das auch in eine spannende Geschichte eingebettet sein.

Die Episode Casus Belli ist also aus vielfachen Gründen eine Enttäuschung. Bleibt zu hoffen, dass sich die zweite Hälfte dieser Staffel wieder dem Erzählstil der Anfangsepisoden zuwendet.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 20. Februar 2017

Homeland 6x05 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 5
(Homeland 6x05)
Deutscher Titel der Episode
Kein sicherer Ort
Titel der Episode im Original
Casus Belli
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. Februar 2017 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Juli 2017
Autor
Chip Johannessen
Regisseur
Alex Graves

Schauspieler in der Episode Homeland 6x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?