Homeland 6x03

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Die von Drehbuchautor Ron Nyswaner und Regisseurin Lesli Linka Glatter angeleitete Homeland-Episode The Covenant reduziert das ohnehin schon sehr niedrige Erzähltempo der sechsten Staffel weiter. Das erlaubt der begabten Darstellerriege zwar, ihr Können zu zeigen, geht aber auch zu Lasten des sehr überschaubaren Plotfortschritts. Sie ist deswegen noch lange keine schlechte oder gar langweilige Episode, jedoch auch keine, an die man sich lange zurückerinnern wird.
A form of insanity
Zu Beginn wacht der von einem schweren posttraumatischen Belastungssyndrom gezeichnete Quinn (Rupert Friend) in den Armen seiner Retterin Carrie (Claire Danes) aus einem Albtraum auf, der sehr nahe an das herankommt, was er in Berlin erlebt hat. Allerdings versteht er Carries Zuwendung falsch, was für den weiteren Verlauf der Episode aber keine Rolle spielt. Vielmehr werden im Folgenden seine paranoiden Anflüge bestätigt, wonach er unter Beobachtung steht. Nur bleibt bis zum Ende der Episode unklar, wer genau die Zielperson des Observateurs ist.
Um sich - und wohl auch Carrie - zu schützen, tritt Quinn jedenfalls in Aktion, wobei er seine alten Qualitäten als Superagent aufblitzen lässt. Beim Kumpel seiner Drogenfreundin holt er sich auf seine ganz eigene Art - mit Strumpfschleuder bewaffnet - das zurück, was ihm gehört. Obendrein erbeutet er eine Pistole, was seinem Sicherheitsgefühl wohl zu-, dem Frieden in Casa Mathison aber äußerst abträglich sein dürfte. Der vermutete Einbruch in die Wohnung wird am Ende der Episode durch deren fortgesetzte Beobachtung ergänzt, was Quinn weiter verunsichern dürfte.
Wenngleich es weiterhin schmerzt, ihn in diesem Zustand zu sehen, so ist es doch eine Wohltat, ihn dabei zu beobachten, wie er zumindest einen ersten winzigen Schritt in Richtung des alten Quinn macht. Hoffen wir, dass der Besitz einer Waffe ihn nicht auf allzu dumme Ideen bringt. Leider lehrt uns der gulte alte Tschechow aber, dass es genau umgekehrt kommen wird. Ein echter Grund, Quinns Handlungsbogen in dieser Episode nicht weiter voranzutreiben, lässt sich indes nicht ausmachen - außer der Absicht des Autorenteams, eine Geschichte möglichst breit auszuwalzen.

Nachdem Carrie die Avancen ihres Untermieters entschieden abgewehrt hat, widmet sie sich ihrem eigentlichen Job, wo - wenig überraschend - neuer Ärger auf sie wartet. Ihr Alleingang für den inhaftierten Sekou (J. Mallory McCree) hat genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie sich vorgenommen hatte. Sekous Bekannter, seines Zeichens FBI-Zuträger, hat Agent Conlin (Dominic Fumusa) vom Treffen mit Carrie berichtet, woraufhin der das von der Richterin auferlegte Kontaktverbot richtigerweise als gebrochen einstuft und den vorgeschlagenen Deal zurückzieht.
This isn't Baghdad
Kollege Reda (Patrick Sabongui) ist darüber verständlicherweise schwer verärgert, weshalb Carrie anbietet, die betrüblichen Nachrichten selbst an Sekou zu überbringen. Hier macht es sich „Homeland“ abermals ein bisschen zu leicht, ist es doch schwer zu glauben, dass Reda seinen Klienten in diesem schweren Moment tatsächlich alleinlassen würde - vor allem angesichts der Tatsache, dass Carrie kaum noch zu vertrauen ist. Sekou reagiert hernach genau so, wie man das von jemandem, der sich zu Unrecht eingesperrt fühlt, erwarten würde. No surprise there.
Wenig überraschend ist auch, dass Carrie aus ihrem Fehler nicht etwa lernt, sondern gleich wieder in dieselbe Richtung stößt. Statt Reda dieses spezielle Feld zu überlassen, wie von ihm gefordert, wendet sie sich hilfesuchend an einen alten CIA-Kollegen, mit dem sie wohl auch mal romantisch verbandelt war, darf man den ausgetauschten Blicken glauben. Wahrscheinlich deshalb gibt er seine anfängliche Abwehrhaltung auf und beliefert Carrie mit den gewünschten Informationen, die sie wiederum einsetzt, um Conlin zu erpressen. Wäre ja auch zu schön gewesen, würde sie sich solche Gelegenheiten entgehen lassen.
Dieser Schlenker dürfte später eingesetzt werden, um Carrie eine Mitschuld an zukünftigen Taten Sekous zuzuschieben. Andernfalls ergibt er aus dramaturgischer Sicht nicht allzu viel Sinn. Es wäre zwar schön, würde „Homeland“ dieses Muster durchbrechen. Allzu viel Hoffnungen habe ich dafür allerdings nicht, schließlich ist die Serie nicht unbedingt bekannt dafür, den Twist immer wieder neu zu erfinden. Andererseits hält sie momentan noch ganz gut unter Verschluss, was Saul (Mandy Patinkin) mit seinem ungeplanten Ausflug ins Westjordanland beabsichtigt.

Bevor er dort ankommt, widmet er sich jedoch seiner Zielperson Farhad Nafisi (Bernard White). Der lässt wissentlich keine Informationen zur vermuteten Atom-Kooperation zwischen dem Iran und Nordkorea springen, verrät sich aber mit der Erklärung von Bewegungen auf einem Geheimkonto. Laut ihm sind diese zum Kauf von Abwehrraketen bestimmt, die unter dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran jedoch völlig legal sind - und deshalb gar nicht von einem Geheimkonto beglichen werden müssten.
There's no bending with a fanatic
Also vermutet Saul, dass das Geld direkt an die nordkoreanischen Kooperateure kanalisiert wird. Er eröffnet das seiner Mitstreiterin vom Mossad, was sich später als Fehler herausstellen könnte, findet er in einem Mülleimer der Übergangszentrale doch ebenjene Zigarettenschachtel, die Nafisi einige Stunden zuvor noch einstecken hatte. Ist die Marke etwa so selten, dass es sofort Aufsehen erregt, wenn sie irgendwo gefunden wird? Nichts anderes suggeriert uns die Serie mit dieser Inszenierung. Aber wäre es für einen Geheimagenten wie Nafisi nicht fatal, würde er ein solches Markenzeichen mit sich herumschleppen?
Er wird jedenfalls ganz sicher noch einmal in die Geschichte zurückkehren. Vielleicht ja in Israel, wo sich Saul nun zu einem weiteren konspirativen Treffen verabredet, von dem wir aber frühestens in der kommenden Episode erfahren werden. In New York spielt der dafür besonders gut bekannte Dar Adal (F. Murray Abraham) derweil sein ganz eigenes Spiel mit POTUS Keane (Elizabeth Marvel). Die hat zu ihrem Glück mit Carrie eine Einflüsterin an ihrer Seite, die sich mit der vagen Sprache der Geheimdienste auskennt.
So kann sie dechiffrieren, was genau es bedeutet, wenn Dar behauptet, die Erkenntnisse über eine Kooperation zwischen Iran und Nordkorea seien „überzeugend“. Ahnungslos hingegen ist sie von der Tatsache, dass Adal ihre Gespräche mithört - und somit weiß, dass sie sich von Carrie beraten lässt, weshalb wohl bald auch Saul weiß, dass er belogen wurde. Zukünftige Konflikte zeichnen sich also überall ab, was für den Fortlauf der Staffel nicht schlecht ist, allerdings ein bisschen schneller vonstatten gehen könnte. Dann müsste The Covenant auch nicht so gemächlich voranschreiten.
Trailer zu Episode 6x04: 'A Flash of Light'
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 30. Januar 2017(Homeland 6x03)
Schauspieler in der Episode Homeland 6x03
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