Homeland 5x11

Um den Fortlauf der Handlung dieser fünften Staffel von Homeland überhaupt noch ernst nehmen zu können, muss man darüber hinwegsehen, dass Allison Carr (Miranda Otto) alleine aufgrund ihrer Überredungskunst noch mitmischen darf. Als wäre diese Portion suspension of disbelief noch nicht groß genug, sollen wir Drehbuchautor David Fury aber zusätzlich abnehmen, dass ihr eine elementare Rolle bei der Suche nach den Terroristen zugedacht wird - und dass Carrie (Claire Danes) davon nichts mitbekommt.
Damaged goods
In nahezu jedem Handlungsstrang gibt es fortan kleine Ungereimtheiten, die genau so passieren müssen, damit die Geschichte weitergehen kann. Allison bekommt von einer russischen Agentin ihren letzten Auftrag. Sie soll die kooperierenden deutschen und amerikanischen Geheimdienste auf eine falsche Fährte locken, damit der Anschlag im Berliner Hauptbahnhof reibungslos vonstattengehen kann. Die Russen haben offensichtlich ein gesteigertes Interesse daran, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Terrororganisationen zu richten, um diese hernach effektiver bekämpfen zu können. Darauf muss man erst einmal kommen, wenn man kein reiner Zyniker ist.
Also meldet sich Allison dafür, der Spur eines TU-Professors nachzugehen. Nach kurzer Befragung bringt sie ihren ständigen Begleiter und den Professor um und schießt sich selbst in die Schulter. Hierzu stellen sich mehrere Fragen: Warum überlässt ihr der Bodyguard seine Waffe, obwohl er explizit dazu abgestellt ist, sie zu überwachen? Welche plausible Erklärung hat Allison hernach dafür, dass es keine Kampfspuren in der Wohnung gibt, dafür aber zweieinhalb Leichen? All solche Ungereimtheiten häufen sich in Our Man in Damascus so sehr, dass es schwer fällt, das zugegebenermaßen wieder spannendere Geschehen ernst zu nehmen.
So verhält es sich auch im Erzählstrang um Carrie und Saul (Mandy Patinkin). Zu Beginn versuchen sie in bester Jack-Bauer-Manier, den schwerverletzten Quinn (Rupert Friend) aus dem künstlichen Koma zu holen, um ihm das Anschlagsziel zu entlocken. Weil das nicht gelingt, geht Carrie einer anderen Spur nach. Sie sucht den angeblich im Berliner Untergrund, in Wahrheit aber in einem schicken Einfamilienhaus wohnenden Dschihadi Al-Amin (George Georgiou) auf.

Auch hier bleiben etliche Fragen zurück: Woher hat Carrie seine Adresse? Wenn diese der CIA bekannt ist, wieso ist Al-Amin dann nicht schon längst verhaftet? Und wieso lässt er sich so einfach zu einer Kooperation überreden, wenn er ihr doch einst geschworen hat, sie sein Leben lang zu bekämpfen? Die nächste Spur führt jedenfalls zum Kreuzberger Arzt Hussein (Mehdi Nebbou), der Quinn das Leben gerettet hatte. Dort bekommt sie den Hinweis auf den Schwächsten der Angreifer, Qasim (Alireza Bayram), der gerade damit beschäftigt ist, seinem Anführer Bibi (Rene Ifrah) bei der manuellen Auslösung (das Funkgerät hat einen Defekt - gähn) des Giftstoffes zu assistieren.
Enough for one day
Weil sie in Qasims Wohnung Pläne des Hauptbahnhofs findet, liegt natürlich der Schluss nahe, dass dort der Anschlag stattfinden soll. Carrie alarmiert sofort Saul, der ihr aber eröffnet, dass das wahre Anschlagsziel der Flughafen sei. Carrie nimmt diese Information einfach so hin, ohne nachzufragen, von wem sie kommt. Aber selbst, wenn diese Nachfrage nicht kommt, muss Saul doch stutzig werden, ob seine mit dem russischen Geheimdienst verbandelte Informantin die Unwahrheit sagt. Über so viel Intuition muss dieser erfahrene Schlapphut doch verfügen.
Wenigstens folgt Carrie ihrer Intuition und macht sich auf den Weg zum Bahnhof, wo sich erneut mehrere Zufälligkeiten ereignen, die der Geschichte einen Fortgang ermöglichen. Zum einen findet Carrie unter den tausenden Passagieren, die dort verkehren, den einzigen Terroristen, den sie wiedererkennen kann. Zum zweiten fällt just in dem Moment ihr Handyempfang aus, obwohl man im gesamten Berliner Bahnhofsgebäude - auch im Tiefbahnhof - besten Empfang hat. Statt nun Qasim hinterherzujagen, wie es ihre oberste Priorität sein sollte, verbrennt sie auf der Suche nach einem Funksignal kostbare Zeit. Und drittens lässt Qasim ein Tor offen, so dass Carrie überhaupt erst die Möglichkeit bekommt, den Tunnel zu entern, wo das Giftgas platziert wurde.
Ausgefallene Funkgeräte, fehlender Handyempfang, plötzlich auftauchende Untergrundkämpfer, ein unrealistisches Mordszenario - solcher Plotelemente bedient man sich, wenn die Geschichte keinen Rhythmus findet. Hinzu kommen Entscheidungen von Figuren, die nicht zu ihrer bisherigen Charakterzeichnung passen - siehe Carrie und Saul. Dazu gehört im Übrigen auch der Selbstmord des erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen und vom BND befragten Marwan (Ercan Durmaz), der darüber wohl so verzweifelt ist, dass er keinen anderen Ausweg sieht, als sich aus dem Fenster zu stürzen.
Schade ist auch, dass Quinn seit fast einer halben Staffel auf die Ersatzbank verbannt wurde. Wäre er noch im Spiel, müsste sich die Serie vielleicht nicht so vieler Ungereimtheiten bedienen, um die Geschichte am Leben zu halten. Noch ist nicht ausgeschlossen, dass es ein spannendes Finale sein wird, jedoch sind meine Erwartungen nach zwei schwachen Episoden merklich gedämpft.
Trailer zur „Homeland“-Episode 5x12, „A False Glimmer“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 14. Dezember 2015Homeland 5x11 Trailer
(Homeland 5x11)
Schauspieler in der Episode Homeland 5x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?