Homeland 5x10

Homeland 5x10

Die letzte Episode von Homeland stellte wohl nur einen vorübergehenden Höhepunkt dar, denn in New Normal schleppt sich der Spionagethriller wieder der Ziellinie dieser fünften Staffel entgegen. Bisweilen erinnert die Terrorfahndung an ebenjene aus generischen Crime-Procedurals.

Carrie's (Claire Danes) got a gun. / (c) Showtime
Carrie's (Claire Danes) got a gun. / (c) Showtime

Falls diese oft sehr unterhaltsame, bisweilen aber auch ziemlich langweilige fünfte Staffel von Homeland das New Normal der Serie sein sollte, wäre das ziemlich enttäuschend. Die neue Episode ist symptomatisch für die Entwicklung dieser Staffel. Die beiden Cliffhanger aus The Litvinov Ruse werden hier unspektakulär aufgelöst, wobei einer davon bis zum Ende der Episode hinausgezögert wird, was wohl Spannung erzeugen soll, bei mir aber leider nur ein müdes Schulterzucken verursachte.

Angry by nature

Bitte einmal aufzeigen, wer nach der letzten Episode ernsthaft geglaubt hat, dass Quinn (Rupert Friend) trotz der Atropin-Injektion durch Qasim (Alireza Bayram) stirbt. Es wäre wohl einer der unglamourösesten Tode einer Serienhauptfigur gewesen. Ordentlich inszeniert und aufwühlend gespielt ist sein Todeskampf allemal, nur leider bleibt der gewünschte Effekt aus. Weil wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wissen, dass Quinn nicht so zu Tode kommen wird, können wir auch nicht von seinen plötzlichen Bewegungen überrascht sein.

Carrie (Claire Danes) kann das natürlich, denn sie kennt die Regeln der Seriendramaturgie nicht. Nachdem ihre Aufdeckung von Allison (Miranda Otto) als Maulwurf des russischen Geheimdienstes nicht das gewünschte Resultat (oder irgendein nennenswertes Resultat) nach sich zieht, erinnert sie sich nach neun (ja: 9!) Tagen daran, dass ein schwerverletzter Quinn aus der Obhut ihres damaligen Freundes Jonas (Alexander Fehling) fliehen konnte. Weil sie gerade nichts Besseres zu tun hat, beschließt sie also, nach ihrem Exlover (den sie sich mit BND-Frau Astrid (Nina Hoss) teilt) zu fahnden.

Der Fahndungsprozess ist von den Drehbuchautorinnen Meredith Stiehm und Charlotte Stoudt sowie Regisseur Dan Attias aber so trocken inszeniert wie ein wochenaltes Knäckebrot. Hinweis A führt zu Hinweis B, der wiederum durch einen Datenabgleich zu mehreren möglichen Unterschlüpfen der Terroristen führen könnte. Gleich beim ersten haben Carrie und Astrid Glück - sie finden zwar nicht die IS-Terrorzelle, aber wenigstens den noch lebenden Quinn. Die Terroristen, deren Anführer Bibi (Rene Ifrah) zugunsten seines Verwandten Qasim einen unschuldigen Verräter erschossen hat, sind da aber schon unterwegs zum Hauptbahnhof, wo sie einen Terrorangriff mit Saringas planen.

Der spannendste Konflikt dieser Episode - um Laura Sutton (Sarah Sokolovic) - kommt leider zu kurz. © Showtime
Der spannendste Konflikt dieser Episode - um Laura Sutton (Sarah Sokolovic) - kommt leider zu kurz. © Showtime

Bei Allison weckt das unschöne Erinnerungen an den Anschlag auf die Tokioter U-Bahn durch die Aum-Sekte im Jahre 1995. Stutzig wurde ich indes bei ihrer folgenden Äußerung: „Nobody wants to see another Paris.“ Wurde das nachträglich eingebaut (es wird off-screen gesagt), um brandaktuelle Relevanz herzustellen oder bezieht sich Allison dabei auf die Anschläge auf die Redaktionsräume der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 7. Januar dieses Jahres? Es ist wahrlich traurig, dass wir mittlerweile eine Unterscheidung treffen können, welches „Paris“ wohl gemeint ist.

We're still killing them, they're still coming after us

Jedenfalls kann die in Ungnade gefallene Berliner CIA-Bürochefin gegenüber Dar Adal (F. Murray Abraham) glaubhaft versichern, dass sie in dieser Krisensituation von großem Nutzen ist. Natürlich bleibt sie weiterhin bei ihrer Behauptung, Ivan Krupin (Mark Ivanir) sei ihr Spitzel - und nicht umgekehrt. Auch ihn bringt sie ins Spiel, indem sie sein Wissen hinsichtlich übriggebliebener syrischer Chemiewaffenbestände abfragt. Saul (Mandy Patinkin) will davon nicht allzu viel wissen, sagt zu geheimdienstlichen Erkenntnissen aber auch nicht nein.

Als einzige Vorsichtsmaßnahme hängt ihr Dar Adal einen menschlichen Wachhund an - wir dürfen gespannt sein, wie lange es dauert, bis sich Allison seiner entledigt. Echte Spannung verspricht auch dieser Plot nicht, wohingegen die Auseinandersetzung zwischen Düring-Anwalt Jonas und Investigativjournalistin Laura Sutton (Sarah Sokolovic) mehr Feuer entfacht. Sie streiten sich um den richtigen Umgang mit einem potentiellen Antiterrorzeugen, der nach einer fehlerhaften Verurteilung erst kürzlich aus der JVA Plötzensee entlassen wurde und nun Wiedergutmachung vom deutschen Staat fordert.

Nach langer Abwägung entscheidet sich Otto Düring (Sebastian Koch) dazu, die Angelegenheit seinem Freund Saul anzuvertrauen, was sich bald als Fehler herausstellt - obwohl man das, je nach Sichtweise, auch als Durchbruch für die Terroristenjäger verbuchen könnte. Im Auftrag Sauls entführen BND-Agenten den Mann einfach auf offener Straße - ohne Erklärung, ohne Papiere, ohne alles. Die Bilder sind furchteinflößender als sämtliche andere der Episode und zeigen eindrucksvoll, in welchem Dilemma der demokratische Rechtsstaat im Kampf gegen den Terrorismus steckt.

Diese Konflikte sind für unser zukünftiges Zusammenleben, für eine freiheitliche Gesellschaft entscheidende. Es ist schön, dass Homeland sie aufgreift. Die dramatisierten Geschichten um Carrie, Quinn, Saul und Allison können derzeit leider keine ähnliche Aufregung erzeugen.

Trailer zu Episode 5x11, „Our Man in Damascus“, der US-Serie „Homeland“:

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 7. Dezember 2015

Homeland 5x10 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 10
(Homeland 5x10)
Deutscher Titel der Episode
Brutal normal
Titel der Episode im Original
New Normal
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 6. Dezember 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 1. Mai 2016
Autoren
Meredith Stiehm, Charlotte Stoudt
Regisseur
Daniel Attias

Schauspieler in der Episode Homeland 5x10

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