Homeland 5x09

Zwar hieß die letzte Homeland-Episode All About Allison, doch auch The Litvinov Ruse dreht sich um kaum eine andere Figur. Wirklich viel passiert in der Folge nicht, jedoch gerät sie ungleich spannender als die letzten beiden, die versuchten, wenig Plot möglichst großflächig auszuwalzen. Weil das Autorenteam hier einen äußerst praxisbezogenen Ansatz wählt, geraten vermeintlich unwichtige Details und kleine Unachtsamkeiten zu potentiell folgenschweren Plotelementen.
Time to move
Noch erstaunlicher daran ist, dass Carrie (Claire Danes) dieses Mal nicht Mittelpunkt des Geschehens ist, sondern über weite Strecken nur Beobachterin. Zu Beginn wird sie von Mossad-Agent Etai (Allan Corduner) zu ihrem Mentor Saul (Mandy Patinkin) geführt, wobei wir Zuschauer erfahren, wodurch es zum großen Streit zwischen den beiden gekommen ist. Carrie spielte demnach eine wichtige Rolle in der Verhinderung von Saul als kommenden CIA-Chef. Nun gibt es jedoch größere Aufgaben, die gebieten, persönliche Querelen hintanzustellen.
Trotzdem kommt es zur Versöhnung. Carrie muss dafür nicht viel tun - sie spricht einfach nur seinen Namen und bricht in Tränen aus, was ihr Vaterersatz nicht lange mitansehen kann. Die nachfolgende Umarmung sagt mehr als jedes Wort. Allzu lange verharren sie jedoch nicht in der Position, denn es gibt drängendere Angelegenheiten zu beratschlagen. Zunächst will Saul nicht glauben, dass seine Freundin Allison (Miranda Otto) die Zuträgerin des russischen Geheimdienstes ist, denn die von Carrie vorgebrachten Beweise sind tatsächlich nicht besonders stabil.
Weil er aber ein so unverrückbares, jetzt wieder hergestelltes Vertrauen in ihren Instinkt und ihr Spionagetalent hat, lässt er sich dazu bewegen, eine gemeinsame Operation mit dem BND anzuleiern. Jetzt schaltet die Episode in den nächsthöheren Gang, der in den letzten beiden verloren zu sein schien. Zunächst will Allison nicht anbeißen, denn auch sie ist eine begabte Agentin mit einem beinahe untrüglichen Gespür für Gefahr. Regisseur Tucker Gates fängt diese Parallele zwischen ihr und Carrie mit einigen schönen Match Cuts wunderbar ein. BND-Agentin Astrid (Nina Hoss) hat jedoch den passenden Einfall - sie behauptet einfach, dass es einen russischen Überläufer gebe, der den Maulwurf im Berliner CIA-Quartier aufdecken wolle.

Weil es für Allison keinen echten Verdachtsmoment gegen Astrid gibt, fällt sie auf die Finte rein. Sie durchläuft sämtliche Schritte, die in einem solchen Fall einzuhalten sind, lässt sich von ihrer Sekretärin eine Zugverbindung buchen, entledigt sich ihres Handys, steigt in einen Fluchtwagen und sucht Unterschlupf in einem safe house der Russen. Dabei vergisst selbst die erfahrene Geheimagentin die ausgreifenden, bisweilen furchteinflößenden Überwachungsmöglichkeiten des staatlichen Sicherheitsapparats.
Time to run
Ob der BND nun in Sekundenschnelle auf sämtliche öffentlichen Überwachungskameras zugreifen kann, sei einmal dahingestellt - unvorstellbar ist das sicherlich nicht. Doch selbst die Störsignale auf dem weitläufigen Gelände des russischen Geheimdienstes können nicht verhindern, dass die eingesetzte Drohne (wieder: scary!) den Zuschauenden eindeutige Bilder liefert. Begrüßt wird Allison von Ivan Krupin (Mark Ivanir), was Saul zum sofortigen Eingreifen veranlasst. Er ordnet die Stürmung des Geländes an, wobei Allison ausreichend Zeit bleibt, um sich einen Notfallplan zurechtzulegen.
Im Verhör mit Dar Adal (F. Murray Abraham) macht sie davon Gebrauch. Sie behauptet einfach, Ivan sei der Doppelagent gewesen und sie beziehe seit über einer Dekade wertvolle Erkenntnisse über die Arbeit des russischen Geheimdienstes von ihm. Dies ist nun eine Wendung, die ich nicht vorhergesehen habe - ganz einfach, weil sie ein bisschen unspektakulär daherkommt. Überdies dürfte diese Behauptung nicht allzu lange aufrecht zu halten sein, schließlich müsste Allison bald Beweise für die behauptete Kooperation vorbringen. Vorausgesetzt, sie hat für diesen Fall nicht vorgesorgt, dürften diese schwer zu beschaffen sein.
Wie auch immer die Geschichte fortgeführt wird - mit The Litvinov Ruse wurde eine spannende Ausgangslage für die drei ausstehenden Episoden geschaffen. Einzig der Handlungsbogen um Quinn (Rupert Friend) will nicht so recht funktionieren, auch wenn sich nun endlich abzeichnet, wie er mit dem Rest des Plots verbunden werden wird. Ein Actionheld Quinn jedoch, der seit mehreren Folgen entweder krank, gefesselt oder ausgeknockt ist, kann kein guter Quinn sein. Überdies bekommt er nun zum zweiten Mal schon den nahezu identischen Cliffhanger zugedacht, der auch hier wieder nicht die erhoffte Wirkung erzielt, weil wir alle wissen, dass er nicht sterben wird.
Ein bisschen ärgerlich ist auch, wie wenig das Autorenteam uns Zuschauern zutraut. Noch mehr als in früheren Folgen musste hier jedes kleine Handlungsdetail, jede Verbindung von einer Figur erklärt werden. Ein BND-Agent fordert Carrie einmal sogar explizit dazu auf („Explain please“), obwohl es äußerst unwahrscheinlich ist, dass er nicht versteht, wovon sie spricht. Solche Expositonsausschüttungen haben die Serie - vor allem aber wir Zuschauer - nicht nötig. Das sind aber nur kleine Wermutstropfen in einer guten Episode, die Homeland zurück zu altbekannter Stärke verhilft.
Trailer zu Episode 5x10: 'New Normal'
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 30. November 2015Homeland 5x09 Trailer
(Homeland 5x09)
Schauspieler in der Episode Homeland 5x09
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