Homeland 5x08

Die Mitte einer Staffel ist fĂŒr eine Dramaserie nie besonders einfach zu ĂŒberbrĂŒcken. Ihr fĂ€llt die Aufgabe zu, den aufregenden Beginn mit dem potentiell noch aufregenderen Schluss zu verbinden. Eine Serie, die damit in diesem Jahr besonders groĂe Schwierigkeiten hat, ist Homeland. Als bisher bestes Beispiel kann hierfĂŒr die Episode All About Allison herangezogen werden, die sich zwar bemĂŒht, dem titulĂ€ren Bösewicht mehr KomplexitĂ€t zu verleihen, in den ĂŒbrigen Handlungsbögen aber auf der Stelle tritt.
That is beyond crazy
Hierzu setzt DebĂŒtautor Ron Nyswaner ein Stilmittel ein, das in âHomelandâ sehr selten verwendet wird. In mehreren RĂŒckblenden erhellt die Episode die Geschichte von Allison Carr (Miranda Otto) und wie sie zur Doppelagentin der Russen wurde. Mehrmals springen wir dafĂŒr zurĂŒck ins Jahr 2005. Zwei Jahre, nachdem die USA dem irakischen Diktator den Krieg erklĂ€rt haben, lĂ€uft der Aufbau zivilgesellschaftlicher und politischer Strukturen so schlecht, dass sich die dorthin abgeordnete Allison âStevensâ gegenĂŒber ihrer Nachfolgerin Carrie âOrserâ (Claire Danes) zu folgendem Urteil veranlasst sieht: „You can't shove democracy down people's throats.“
Als schwierigstes Ăbergabeelement stellt sich der irakische ZutrĂ€ger Ahmed Nazari (Darwin Shaw) heraus, der sich weigert, mit Carrie zusammenzuarbeiten. Stattdessen schlĂ€gt er Allison vor, mit ihm und seinen unterschlagenen Millionen in die Karibik abzuhauen. VordergrĂŒndig spielt Allison die Empörte, beim nĂ€chsten Treffen will sie die Flucht jedoch wagen - und tappt in die Falle der von Ivan Krupin (Mark Ivanir) angefĂŒhrten russischen Geheimdienstdelegation. Ihr bleibt jetzt nur noch eine Entscheidung: Entweder sie wandert wegen Landesverrats ins GefĂ€ngnis oder sie kooperiert mit den Russen und macht Karriere.
Carrie findet diese Verbindung erst am Ende der Episode. Zuvor ist es lediglich Allisons Milde zu verdanken, dass sie vom russischen ScharfschĂŒtzen nicht ausgeschaltet wird. Ein Urlaubsfoto auf Nazaris Laptop (den Carrie in der letzten Episode aus dessen Amsterdamer Wohnung entwendet hatte) verrĂ€t schlieĂlich die unheilvolle Allianz. Carrie weiĂ nun, wer ihr vorenthalten hat, dass ihr Kontaktmann Samir Khalil (Makram Khoury) versucht hatte, sie ĂŒber den immer noch lebenden Nazari zu informieren. Die nĂ€chsten Schritte gegen Allison dĂŒrften jedoch weniger einfach anzugehen sein, als es zunĂ€chst scheint.

SchlieĂlich ist Carrie derzeit als EinzelkĂ€mpferin unterwegs, weil ja auch Saul (Mandy Patinkin) bei seiner eigenen Heimatbehörde in Ungnade gefallen ist. Am Ende von Oriole hatte er sich seinem Freund und israelischen Kollegen Etai Luskin (Allan Corduner) noch als ĂberlĂ€ufer angeboten, nun macht er jedoch einen RĂŒckzieher. GegenĂŒber einer ranghöheren Mossad-Offizierin muss er denn auch zugeben, dass er seiner ungenannten Agentin (Carrie) mehr Zeit erkaufen will. Sie gewĂ€hrt ihm ein paar zusĂ€tzliche Stunden.
Watch your back
Ăhnlich wie der Handlungsbogen von Saul fĂ€hrt auch der um Quinn (Rupert Friend) trotz unerwarteter Wendung im Kreis. WĂ€hrend Saul in einer Wohnung festsitzt, macht Quinn ebendas in einem Lieferwagen. Der Plan der Terrorgruppe, in die er sich eingeschleust hat, Ă€ndert sich indes. Reiseziel ist jetzt nicht mehr Syrien, sondern wieder Berlin. Dort plant die Gruppe einen verheerenden Anschlag mit Chemiewaffen, deren einzelne Zutaten im Kosovo aufgeladen wurden - eine schauerliche Parallele zu den momentanen Ereignissen in Paris und BrĂŒssel.
Quinn ist also bald wieder am Ausgangspunkt und Saul bewegt sich nicht vom Fleck - nicht gerade die idealen dramaturgischen Zutaten fĂŒr einen aufregenden Thrillercocktail. Ăberdies lĂ€sst sich bisher nicht erkennen, wie der ErzĂ€hlstrang von Quinn mit den ĂŒbrigen verbunden werden könnte. Homeland verlĂ€sst sich derzeit ein wenig zu sehr auf Twists in 24-QualitĂ€t, die fĂŒr meinen Geschmack zu oft verwendet werden - und sich damit gegenseitig die narrativen Impulse rauben. In der letzten Episode hatte sich Saul noch als ĂberlĂ€ufer prĂ€sentiert, nun ist die Wirkung vollstĂ€ndig verpufft. Die Offenbarung der Terroristen, Berlin angreifen zu wollen, hat hernach schon weniger Eindruck hinterlassen.
Ebenso unbeeindruckt bin ich von Allisons Vorgeschichte. Als Antagonistin fĂ€llt es dieser Figur derzeit schwer, eine echte - vor allem aber eine interessante - Gefahr auszustrahlen. Anders als frĂŒhere Gegenspieler handelt sie nicht aus Ăberzeugung, sondern aus reinem Selbstschutz. Böte ihr Carrie nun also einen Deal an, könnte sie ganz leicht wieder auf die Seite der CIA gezogen werden. Das klingt nicht unbedingt nach einem explosiven letzten Staffeldrittel. Weil es die Serie aber auch in der vierten Staffel sehr gut - unter Einsatz halsbrecherischer Actionszenen - geschafft hat, einen packenden Schlussspurt abzuliefern, will ich die Hoffnung fĂŒr die ausstehenden Episoden dieser durchwachsenen fünften Staffel noch nicht aufgeben.
Trailer zu Episode 5x09, âThe Litvinov Ruseâ, der US-Serie âHomelandâ
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 23. November 2015Homeland 5x08 Trailer
(Homeland 5x08)
Schauspieler in der Episode Homeland 5x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?