Homeland 5x05

Homeland 5x05

Ihr Titel Better Call Saul passt vielleicht besser zu dieser Homeland-Episode als zu den bisherigen Folgen der Serie, die er referenziert. Darin bekommen wir erneut eine bedächtig vorgetragene, deswegen aber nicht weniger spannende Spionagestory vorgesetzt.

Das Traumduo ist wieder vereint. / (c) Showtime
Das Traumduo ist wieder vereint. / (c) Showtime

Die abermalige Neuausrichtung des Showtime-Dramas Homeland hat in der vierten und bisher auch in der fünften Staffel frischen Schwung in das Format gebracht. Ein angenehmer Nebeneffekt davon ist der Wille der Autoren, ihre Inhalte nicht mehr ganz so ernst wie in den ersten Staffeln vorzutragen. Bisweilen werden nun also comic relief-Momente eingebaut - wenn auch nur kurz. Die Episode Better Call Saul kann dafür beispielhaft herangezogen werden, wie ihr augenzwinkernder Titel schon verrät.

Somebody betrayed us

Dabei ist diese Anspielung die unsubtilste von allen. Als sich die auf der Flucht befindliche Carrie (Claire Danes) mit Astrid (Nina Hoss) trifft, um deren Hilfe zu erfragen, staunt die deutsche Spionin über den Aufzug ihres amerikanischen Counterparts nicht schlecht: „You look like one of the Baader-Meinhof-Gang.“ Unrecht hat sie damit nicht. Der im Sterben liegende Quinn (Rupert Friend) ermahnt Carrie indes „to get the hell out of Dodge“ - ein Spruch, der durch die Westernserie Gunsmoke („Rauchende Colts“, 1955-1975) berühmt wurde.

Das alles trägt zur Auflockerung eines Plots bei, der in dieser Episode gemächlich, aber weiterhin spannend vorangetrieben wird. Nach der Explosion des Privatjets, in dem sich der syrische General Youssef befand, den Saul (Mandy Patinkin) als Ersatz für Diktator Assad einsetzen wollte, versucht die CIA unter Führung von Dar Adal (F. Murray Abraham), Passagierliste und Hintergrundinformationen so lange wie möglich vor den Schweizer Behörden und der Presse geheimzuhalten.

Die für uns Zuschauer als Doppelspionin entlarvte Allison Carr (Miranda Otto) ist indes damit beschäftigt, dem israelischen Geheimdienst Mossad die Schuld für den Anschlag zuzuschieben. Hierzu spielt sie Saul eine Information zu, die zu seinem Kontaktmann und Freund Etai (Allan Corduner) führt. Saul beißt an, konfrontiert seinen langjährigen Fahrensmann jedoch sogleich mit den neuen Erkenntnissen. Der reagiert auf amüsante Weise, was gleichzeitig offenlegt, wie verzwickt die derzeitige weltpolitische Lage ist: „We didn't murder the general you never met to discuss the coup you weren't planning.

Wer hilft wem wobei? Wer ist wofür verantwortlich? Kämpfen die einzelnen Parteien überhaupt noch für etwas oder haben sich die Konflikte längst verselbstständigt? Die mutmaßlich fabulierte Verbindung zum Mossad soll die wahre Connection zum russischen Auslandsgeheimdienst SWR verdecken, dem Allisons Kontaktmann Ivan (Mark Ivanir) angehört. Die Russen haben ein offensichtliches Interesse an der Machterhaltung Assads, was derzeit so stark mit der Wirklichkeit korrespondiert, wie es die Homeland-Autoren wohl niemals zu träumen gewagt hätten.

What the fuck, Carrie?

Echtes Selbstbewusstsein strahlt Allison gegenüber Ivan nicht mehr aus - zu schnell könnte die Spur zu ihr führen, würden Saul und sein hitman Quinn über vergangene oder zukünftige Aufträge sprechen. Bei der Arbeit im CIA-Hauptquartier gelingt es ihr jedoch - und dafür ist Miranda Otto großes Lob auszusprechen - die Fassade zu wahren. Dort verläuft zunächst alles nach Plan, wäre da nur nicht die verflixte Carrie, die in gewohnter Manier hinter den Kulissen am Einsturz des Lügengebäudes arbeitet.

Selbstverständlich missachtet sie sämtliche Ratschläge Quinns, das Versteck schnellstmöglich zu verlassen. Aus irgendeinem Grund glaubt er wirklich, dass sie sich damit begnügen könnte, den Rest ihres Lebens als Flüchtige zu verbringen. Vielleicht leidet er ja wegen seines hohen Fiebers an akuten Wahnvorstellungen. Jedenfalls bekommt Carrie von Astrid die gewünschten Informationen, die sie als Bittstellerin zur nächsten Figur schicken, von der sie Erkenntnisse braucht, die sie aber nicht besonders mag. Für Carrie war das noch nie ein besonders großes Hindernis.

Laura Sutton (Sarah Sokolovic) ist gerade mit eigenen Recherchen zu einem vermeintlichen Skandal beschäftigt, der von Hacker Numan (Atheer Adel) veröffentlicht wurde. Weil sein Kumpel Korzenik und dessen Freundin in der letzten Episode von Ivans Handlangern ermordet wurden, will er nun einen öffentlichen Protest, einen call to arms anfachen - was erstaunlich einfach gelingt. Von allen Handlungsbögen gibt dieser den größten Anlass zur Kritik: So realistisch es Homeland in dieser Staffel bisher gelungen ist, Hacker- und Spionagearbeit darzustellen, so wenig nachvollziehbar sind diese Handlungsabläufe.

Würde Numan wirklich gleich zu diesem Mittel greifen? Stünden ihm als Hacker nicht ganz andere Methoden zur Verfügung? Würde sich so schnell eine wütende Protestmenge versammeln? Würde die deutsche Polizei so martialisch auftreten und die Versammlung sofort gewalttätig auflösen? Die Antwort zu allen diesen Fragen lautet: nein. Hier wird das Ansinnen des Kreativteams deutlich, so viele aktuelle welt- und gesellschaftspolitische Entwicklungen wie möglich abzudecken. Was beim Porträt der syrischen Gemengelage ganz gut funktioniert, läuft bei der Abbildung enthüllungsjournalistischer Tätigkeiten nicht so reibungslos ab.

Un-fucking-believable

Man hätte hier mit ein wenig mehr Bedacht vorgehen können - die Protestierenden weniger klischeebehaftet zeichnen, den Hacker weniger rachsüchtig, die Journalistin weniger wütend. Weil das aber nicht allzu viel Raum einnimmt, ist es leicht zu verkraften. Schließlich bekommen wir in Better Call Saul die Rückkehr des Dream Teams Carrie und Saul, das durch ein ganz besonderes, wenn auch profanes Geheimsymbol wieder zusammengeführt wird. Ein Kaugummi der Marke Black Jack signalisiert dem CIA-Europachef, dass sein Schützling noch am Leben ist und seine Hilfe braucht.

Manchmal ist es schon ein bisschen verwunderlich, wie viele Leute dazu bereit sind, ihr Leben für Carrie Mathison ganz oder teilweise aufzugeben. Quinn gelingt es am Ende, seinem Aufpasser Jonas (Alexander Fehling) zu entwischen. Sein anschließender Selbstmordversuch wird jedoch von einem Gläubigen unterbrochen, der Quinn mit sanfter Stimme daran hindert, die AJ-Soprano- und Kevin-Garvey-Methode anzuwenden. Wer dieser geheimnisvolle Besucher ist, wird sich hoffentlich bald herausstellen - ein ganz normaler Passant wird es sicherlich nicht gewesen sein.

In meinen bisherigen Reviews zur fünften Staffel bin ich nur selten auf die visuelle Umsetzung eingegangen. Regietechnisch sind die neuen Episoden routiniert, aber nicht besonders bemerkenswert umgesetzt. Was jedoch auffällt, ist das tolle location scouting beziehungsweise die ebenso ansehnliche Ausstattung. Vor allem die Möbel in der CIA-Station erinnern an alten DDR-Mief/Schick, wirken aber in Kombination mit neueren Elementen überaus geschmackvoll. Und auch in der Gefahr, mich nun auf unbekanntes Territorium vorzuwagen, muss ich die Kostümabteilung lobend erwähnen. Vor allem Allison und Astrid sind äußerst stilsicher eingekleidet. Könnte ich solche Sachen tragen, würde ich mich glatt nach dem Designer erkundigen.

Homeland schafft es mit diesen neuen Episoden, auf vielfältige Weise zu überraschen. Das macht derzeit große Freude.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 2. November 2015
Episode
Staffel 5, Episode 5
(Homeland 5x05)
Deutscher Titel der Episode
Verrat
Titel der Episode im Original
Better Call Saul
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. November 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 17. April 2016
Autoren
Benjamin Cavell, Alex Gansa
Regisseur
Michael Offer

Schauspieler in der Episode Homeland 5x05

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