Homeland 5x04

Homeland 5x04

Das Spionagedrama Homeland wiegt uns über den gesamten Verlauf der Episode Why Is This Night Different? in Sicherheit, bevor sich kurz vor Schluss doch noch die dramaturgische Falltür öffnet. Auch ohne das explosive Ende wäre dies eine weitere gelungene Folge gewesen.

Quinn (Rupert Friend) reagiert gedankenschnell. / (c) Showtime
Quinn (Rupert Friend) reagiert gedankenschnell. / (c) Showtime

Nach der narrativen Auszeit, die sich das Autorenteam mit der homeland/reviews/5x03-super-powers.html,Rückkehr von Crazy Carrie in der letzten Woche genommen hatte, kehrt man in Why Is This Night Different? zu den Erzählmustern zurück, die man schon immer am besten beherrschte: Spannende Spionagegeschichten, gepaart mit überraschenden Wendungen und mitreißenden Actionsequenzen. Autor Ron Nyswaner und Regisseur John Coles nutzen einen Großteil der Episode, um einen klassischen Spionageplot aufzuspannen, bevor sie uns am Ende mit mehreren unerwarteten Ereignissen den Atem zu rauben.

The best thing I've ever done

Nachdem sie am Ende von Super Powers von Quinn (Rupert Friend) entführt wurde, wacht Carrie (Claire Danes) nun in dessen Versteck auf. Schnell stellt sich heraus, dass er keinerlei Interesse an einer Erfüllung seines jüngsten Auftrags hat. Überdies gibt er zu, dass ihr Mentor Saul (Mandy Patinkin) derjenige gewesen sein muss, der den Tötungsbefehl gegeben hat. Carrie will das nicht glauben, wird aber von Quinn dazu gedrängt, ihre Flucht so schnell anzugehen wie möglich. Um ihr einen temporären Vorsprung zu verschaffen, beschmiert er sie mit seinem Blut und macht ein Bild von ihr.

Danach geht es sofort an die Fluchtvorbereitungen, denn er weiß: „Somebody somewhere wants you dead.“ Auch Quinn ist bewusst, dass es nicht zwingend Saul sein muss, der hinter Carrie her ist. Gleichzeitig ist klar, dass nur jemand mit großer Macht und viel Einfluss in Frage kommt. Er erlaubt Carrie, ein Video für ihre Tochter Franny aufzunehmen, überredet sie jedoch schnell dazu, aus dem Lebenszeichen einen Abschiedsfilm zu machen: „If you want Franny to be safe, you have to be dead.“ Danes bekommt hier erneut die Möglichkeit, vorzuführen, was sie am besten kann - und liefert erwartungsgemäß hochqualitativ ab.

Carries emotionale Ansprache und damit einhergehende Erkenntnis, nicht ein Leben lang von Franny getrennt sein zu wollen, lassen sie doch noch einmal bei Quinn für die Suche nach den wahren Verschwörern kämpfen. Von einem stichhaltigsten Argument lässt er sich schließlich umstimmen: Sollte es tatsächlich nicht Saul gewesen sein, der ihm den Tötungsauftrag zugespielt hat, wäre auch er in Gefahr. Bald stellt sich heraus, dass sie mit dieser Einschätzung Recht hat.

Saul (Mandy Patinkin; r.) macht dem syrischen General Youssef (Igal Naor) ein interessantes Angebot. © Showtime
Saul (Mandy Patinkin; r.) macht dem syrischen General Youssef (Igal Naor) ein interessantes Angebot. © Showtime

Während Quinn die Aufnahme der angeblich toten Carrie im entsprechenden Postfach deponiert, behält sie den Vorplatz des Postamts im Auge, um verdächtige Aktivitäten aufzuschnappen. Tatsächlich rollt ein vom Postbeamten alarmierter Auftragsmörder langsam heran, was Carrie zu spät bemerkt, um Quinn zu warnen. Der wäre jedoch nicht ein solches Ausnahmetalent, hätte er nicht längst erkannt, dass er sich in tödlicher Gefahr befindet. Dank eines gedankenschnellen Hechtsprungs kommt er mit einer nicht-letalen Schusswunde davon, während der Attentäter von mehreren Kugeln durchsiebt wird.

It's time to disappear

Carrie komplettiert diese Etappe ihrer Wahrheitssuche, indem sie sich das Handy des Killers schnappt und ein Bild von ihm schießt. Zurück im Versteck versorgt sie den Verwundeten, der die während des lebensbedrohlichen Zwischenfalls gewonnene Erkenntnis konstatiert: „Whoever wants you dead wants me dead.“ So einfach lässt uns Nyswaner jedoch nicht vom Haken - als Carrie die einzige Nummer anruft, die im erbeuteten Handy abgespeichert ist, meldet sich Allison Carr (Miranda Otto), die - soviel dürfte nun wohl feststehen - tatsächlich die große Bösewichtin der fünften Staffel ist.

Sie hält sich gerade in der Schweiz auf, wo sie gemeinsam mit Saul eine weitere hochrangige und -spannende Operation durchführt. Am Flughafen nimmt sie den syrischen General Youssef (Igal Naor) in Empfang, der seine Tochter auf dem Weg zu einer Organtransplantation begleitet. Allison tarnt sich dabei als angebliche Ärztin Denise Keller und bringt die Reisegruppe in die Klinik, wo außer den Chirurgen und Krankenschwestern niemand dem Personal angehört, sondern von der CIA entsandt wurde. Dort unterbreiten Allison und Saul dem General ihren Plan. Mit finanzieller und militärischer Unterstützung solle er die Militärs auf seiner Führungsebene zu einem Putsch gegen Baschar al-Assad überreden.

Youssef lässt sich nicht allzu deutlich in die Karten schauen, offenbart aber zumindest Interesse an dem Umsturzprojekt. Leider wird es dazu nie kommen, denn kurz nach dem Start seines Rückflugs nach Syrien explodiert der Privatjet. Allison steht noch auf der Rollbahn und schaut ungerührt auf den riesigen Feuerball, der sich sehenswert am Himmel entfaltet. Ihr nonchalanter Blick lässt vermuten, dass ihr auch dieser Anschlag zuzurechnen ist. Mit welcher eiskalten Schlange hat sich Saul da nur eingelassen?

Laura (Sarah Sokolovic; l.) braucht die Hilfe von Hackerin Sabine (Janina Blohm-Sievers). © Showtime
Laura (Sarah Sokolovic; l.) braucht die Hilfe von Hackerin Sabine (Janina Blohm-Sievers). © Showtime

So unaufgeregt und professional diese beiden Handlungsbögen vorangetrieben wurden, geschieht es auch mit der Geschichte um Laura Sutton (Sarah Sokolovic) und die Hackergruppe. Weil sie ganz richtig einschätzt, dass Numan (Atheer Adel) ihr nicht ganz freiwillig einen leeren USB-Stick übergeben haben dürfte, versucht sie mit Hilfe von Jonas (Alexander Fehling) und der Hackerin Sabine (Janina Blohm-Sievers), Kontakt zu ihm aufzunehmen.

You know what makes you free?

Das klappt auch, wobei jedoch die Unwucht in Hackerteam A hervorgekehrt wird. Numans erster Verdacht ist sogleich der richtige - sein Partner Korzenik (Sven Schelker) hat ihn hintergangen, um die erhackten amerikanischen Staatsgeheimnisse an russische Hehler zu verhökern. Weil die aber nichts dem Zufall überlassen und Korzenik ein blutiger Anfänger auf dem Gebiet des Spionagehandels ist, muss er für seine Naivität bald mit dem Leben bezahlen. Seine Freundin Katja (Anna Herrmann) ereilt das gleiche Schicksal. Erst, als er ihre Leiche entdeckt, realisiert Numan, auf was er sich eingelassen hat.

Wir Zuschauer wissen mittlerweile auch, auf was wir uns einlassen, wenn wir Homeland einschalten. Als Eintrittspreis haben wir die Bereitschaft zu entrichten, mindestens einmal pro Staffel mit Carrie in vollem Durchgeknallt-Modus konfrontiert zu werden. Wenn wir daraufhin aber mit Episoden wie dieser hier belohnt werden, ist das den Obolus überaus wert. Why Is This Night Different? erzählt mehrere spannende Spionagegeschichten - und das so professionell und unaufgeregt, dass es eine wahre Freude ist.

Auch ohne die turbulenten Ereignisse am Ende wäre ich zu diesem Schluss gekommen. Als Kirsche auf unserem Thriller-Sundae schmecken sie jedoch besonders süß. Schon jetzt sind die Parallelen zur guten vierten Staffel erkennbar, wobei optimistisch stimmt, dass diese zu Beginn noch nicht so stark war. Für alle Fans des will-they-won't-they zwischen Carrie und Quinn gibt es außerdem noch ebenjene brennende Frage zu beantworten. Sie beide legen in Wort und Tat ja durchaus nahe, dass der Funke zwischen ihnen noch einmal neu entzündet werden könnte. Homeland serviert derzeit zu jedem Gang ein spannendes Mahl.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 26. Oktober 2015
Episode
Staffel 5, Episode 4
(Homeland 5x04)
Deutscher Titel der Episode
Das Schließfach
Titel der Episode im Original
Why Is This Night Different?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 25. Oktober 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 10. April 2016
Autor
Ron Nyswaner
Regisseur
John David Coles

Schauspieler in der Episode Homeland 5x04

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