Homeland 5x03

Homeland 5x03

Crazy Carrie is back! Die Episode Super Powers offenbart, was das Autorenteam für einen der wichtigsten Handlungsbögen von Homeland hält. Der so vielversprechend gestarteten fünften Staffel verpasst das leider einen ersten Dämpfer. Dabei ginge es so leicht auch ohne.

„Honeeeey, I'm home!“ / (c) Showtime
„Honeeeey, I'm home!“ / (c) Showtime

Noch eindeutiger als zu Beginn der vierten Staffel haben Showrunner Alex Gansa und sein Autorenteam mit der fünften Staffel einen Neubeginn versucht. Das ist stets eine Chance, sich dramaturgischer Altlasten zu entledigen und einer Serie wie Homeland eine neue, frische Ausrichtung zu verpassen. Bisher ist das auch gelungen, die ersten beiden Episoden versprachen einen hoffnungsvollen Neustart in eine spannende Spionagegeschichte. Und obwohl Super Powers keine schlechte Episode ist, dämpft sie die anfängliche Euphorie etwas, weil sie eine Altlast der Serie prominent hervorkehrt.

If you aim to kill, don't miss

Dabei verrät schon der Episodentitel, dass die Kreativen den neuerlichen Abflug ihrer Hauptfigur Carrie (Claire Danes) ins Wolkenkuckucksheim überhaupt nicht als Altlast betrachten. Im Gegenteil - die einfache Tatsache, dass mit Gansa der Showrunner und mit Meredith Stiehm eine einflussreiche Produzentin die Episode höchstpersönlich geschrieben haben, ist ein Indiz dafür, wie wichtig ihnen dieser Handlungsbogen ist. Für mich ist es hingegen umgekehrt: Die Episode wäre besser gewesen, hätte dieser Erzählstrang nicht stattgefunden - und würde er zukünftig überhaupt nicht mehr stattfinden.

Wie wichtig es Gansa und Stiehm jedoch ist, die Geschichte von Carries geistiger Instabilität weiterzuspinnen, erkennt man indes an den Umwegen, die sie dafür in Kauf nehmen. Es ist ein ganzer Haufen Exposition notwendig, um ihren Freund Jonas (Alexander Fehling) und uns (erfolglos) davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, die Psychopharmaka abzusetzen. Keine Ahnung, ob das nun ein großer Twist sein soll - die Wendung, die sich dargeboten hätte (dass Carrie ohne Medikamente klarkommt), ließen die Autoren jedenfalls ungenutzt. Also dürfen wir ebenjenen mimischen Verrenkungen beiwohnen, denen wir mindestens einmal pro Staffel begegnen, die aber, soviel sei zugegeben, von Danes weiterhin brillant gespielt werden.

Damit hätten sich die positiven Aspekte dieses Handlungsbogens auch schon erschöpft. Einen echten Beitrag zu erhöhter Spannung oder dramaturgischer Überraschung wird nicht geleistet. Das, was am Ende der Episode passiert, hätte auch ohne den Einsatz von Crazy Carrie passieren können. Da liegt sie in den Armen von Quinn (Rupert Friend) - aber nicht etwa so, wie man sich das nach der letzten Staffel hätte denken können.

Interessanter als Carries Zusammenbruch I: Laura Sutton (Sarah Sokolovic) © Showtime
Interessanter als Carries Zusammenbruch I: Laura Sutton (Sarah Sokolovic) © Showtime

Weil sie die Warnung des Hisbollah-Kontaktmanns am Ende der letzten Episode als authentisch einschätzt, trifft Carrie Vorkehrungen, um ohne Ablenkung nach ihren Verfolgern fahnden zu können. Vorkehrung Nummer eins: Sie lässt ihre Tochter im Privatjet von Otto Düring (Sebastian Koch) in die USA ausfliegen, damit sie nicht ins Visier der Jäger gerät. Vorkehrung Nummer zwei: Sie baut sich einen eigenen crazy-room, der nicht nur über eine, sondern gleich über vier crazy-walls verfügt.

Who's after me?

Niemand außer Jonas weiß, dass sie sich dort aufhält und anhand der Daten aus dem Freedom of Information Act nach ihren Häschern sucht. Der besondere Twist dabei: Carrie glaubt, ohne ihre Medikamente effektiver arbeiten zu können, was zwar schon Dutzende Male (auch hier innerhalb weniger Stunden) widerlegt wurde, von Jonas aber geschluckt (pun intended) wird, weil er sie noch nicht so lange kennt. Und sie liebt, oder so.

Der Handlungsbogen hätte vielleicht noch vor der Bedeutungslosigkeit gerettet werden können, wäre Carrie unvermittelt abgehauen. So jedoch wird sie von Quinn gefangengenommen, der keinen halben Tag braucht, um sie zu finden und zu überwältigen. Dabei schlägt der clevere hitman zwei Fliegen mit einer Klappe: Indem er den Sohn von Jonas entführt, sorgt er dafür, dass Carrie alleine in ihrem Versteck ausharren muss. Nach erfolgreich absolvierter Teilmission scheint jedoch selbst der abgebrühte Auftragskiller etwas perplex zu sein angesichts der Person, die da gerade bewusstlos in seinem Schoß liegt: „Motherfucker.

Das ist ein bisschen witzig und setzt den dramatischen Schlusspunkt unter eine Episode, die viel spannendere Geschichten zu erzählen hatte als die von Carries Geistesschwäche. Dazu gehört ebenjene um die Journalistin Laura Sutton (Sarah Sokolovic), die sich so nah an den wahren Begebenheiten rund um Edward Snowden bewegt, dass es eine wahre Freude ist, eine solch brandaktuelle Thematik in fiktionalisierter Version zu sehen. Sutton scheint jedoch zunächst zu einem Spielball von Hacker Numan (Atheer Adel) zu werden, der ihr keine neuen Informationen zuschanzt, seinem Kompagnon gegenüber jedoch genau das behauptet. Der hatte von Beginn an andere, aus moralischer Sicht weniger nachvollziehbare Motive, für deren Durchsetzung er nun die Steilvorlage bekommt.

Interessanter als Carries Zusammenbruch II: Alison (Miranda Otto) und Saul (Mandy Patinkin) © Showtime
Interessanter als Carries Zusammenbruch II: Alison (Miranda Otto) und Saul (Mandy Patinkin) © Showtime

Äußerst nebulös bleiben indes die Vorgänge im CIA-Hauptquartier Berlin und der amerikanischen Botschaft (tatsächlich wurde am Originalschauplatz gedreht). Saul (Mandy Patinkin) fragt zunächst bestimmt, aber freundlich, dann immer unwirscher bei Otto Düring nach Carrie, wo er jedoch keinerlei Erfolg verbuchen kann. Nachfolgend spielen er und Alison (Miranda Otto) Scharade für ihre Kollegen, um - ja, warum eigentlich?

I'm not a statesman, I'm a spy

Sicher wissen wir nur, dass Saul und Alison ein Paar sind. Ob nun ein ehrliches oder doch nur ein zweckmäßiges, das lässt sich bislang nicht feststellen. Ihre Liebelei könnte jedenfalls der Grund dafür sein, warum Alison ihren Posten behalten darf und stattdessen der bedauernswerte Botschafter das Bauernopfer spielen und nach Texas zurückkehren muss, um „die Deutschen“ zu besänftigen. Inwiefern Alison in die geheimen Pläne von Saul und Dar Adal (F. Murray Abraham) eingeweiht ist, bleibt offen. Dabei muss uns aber sowieso erstmal ersichtlich werden, welche Pläne das überhaupt sind. Sie haben grünes Licht bekommen - aber wofür?

Muss Quinn seinen Auftrag nun zu Ende ausführen und Carrie umbringen? Überlegt er es sich in letzter Sekunde anders und missachtet den Tötungsbefehl? Woher kommt ebenjener? Haben Saul und Dar Adal etwas damit zu tun? Falls nicht, wer dann? Welche Rolle spielt Alison in diesem Szenario? Und warum versucht Numan, sein Verbindungsstück an die Öffentlichkeit - Laura - zu sabotieren? All diese Fragen lechzen gierig nach Auflösung. Ihre Handlungsbögen entwickeln sich in gewohnt hoher Homeland-Geschwindigkeit, wurden in Super Powers aber leider von einem Schlagloch namens Crazy Carrie ausgebremst.

Weil am Ende schon wieder mehrere neue Ausgangssituationen geschaffen wurden, sehe ich der weiteren Entwicklung dieser Staffel trotzdem überaus optimistisch entgegen. Vielleicht braucht das Autorenteam ja diese eine Episode pro Staffel (in der letzten war es Redux), um sein Verlangen nach Dada-Carrie zu stillen. Wäre das organischer in die Handlung eingebaut worden, hätte ich damit auch kein so großes Problem gehabt. Hier fühlt es sich jedoch an wie aufgezwungen, weil es beinahe jeglicher Grundlage entbehrt. Es wurde zuvor nie hinreichend etabliert, dass Carrie ohne Medikation die bessere Ermittlerin ist. Ein wenig mehr dramaturgische Sorgfalt wäre hier geboten gewesen - oder besser: gleich ganz weglassen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 19. Oktober 2015
Episode
Staffel 5, Episode 3
(Homeland 5x03)
Deutscher Titel der Episode
Die Summe meiner Sünden
Titel der Episode im Original
Super Powers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 18. Oktober 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 10. April 2016
Autoren
Alex Gansa, Meredith Stiehm
Regisseur
Keith Gordon

Schauspieler in der Episode Homeland 5x03

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