Homeland 4x05

Homeland 4x05

An diversen Ecken und Enden von Homeland zwickt und zwackt es zwar noch, die übergreifende Handlung kann jedoch auch in About a Boy überzeugen. Wir sehen Spionen unaufgeregt bei ihrer Arbeit zu, was überraschend spannend ist.

Etappenerfolg im Morgengrauen: Carrie (Claire Danes) bekommt von Aayan (Suraj Sharma) die gewünschte Information. / (c) Showtime
Etappenerfolg im Morgengrauen: Carrie (Claire Danes) bekommt von Aayan (Suraj Sharma) die gewünschte Information. / (c) Showtime

Die fünfte Episode der vierten Staffel von Homeland erzählt in verschiedenen Handlungsbögen von der Handarbeit diverser Spione, die auf kleinster Ebene versuchen, den Interessen ihrer Auftraggeber nachzugehen. Zu ihren Aufgaben gehören klassische Tätigkeiten wie Observation, Verführung und Entführung. Das alles dient der Informationsgewinnung und dem nebulösen Ziel, durch geistesgegenwärtiges Handeln einen Vorsprung vor dem Feind zu bekommen.

It can get ugly sometimes

About a Boy zeigt dabei eindrucksvoll, wie einfach die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen können. Sowohl die Agenten der amerikanischen CIA wie auch die des pakistanischen ISI handeln im Interesse ihres Heimatlandes, sie kämpfen alle für ein höheres Ideal - zumindest wird ihnen das so eingebläut. Dabei wird zunehmend eindeutig, wie sehr sich ihre Tätigkeiten gleichen, wie schwierig es ist, zwischen Helden und Bösewichten zu unterscheiden.

Carrie (Claire Danes) und ihre Zielperson Aayan (Suraj Sharma) bleiben über nahezu die gesamte Episode in der Wohnung der angeblichen Journalistin. Sie steht unter Zeitdruck, um Aayan dazu zu bringen, das Überleben seines Onkels, des Talibanführers Haqqani, zu bestätigen. Am Ende der Episode zeitigen ihre Bestrebungen den gewünschten Erfolg. Aayan gibt zu, dass Haqqani (Numan Acar) noch lebt. Zu verdanken hat Carrie dies ihrer Verführungstaktik.

Nun ist es nicht einfach, bei diesen pseudo-zärtlichen Szenen zwischen Carrie und Aayan zuzuschauen. Uns Zuschauer lassen diese eher erschaudern. Trotzdem würde ich die Geschehnisse nicht als unrealistisch einstufen. Schließlich ist (zumindest aus dem popkulturellen Umgang mit Spionagegeschichten) hinlänglich bekannt, dass die Verführung von Zielpersonen zum Repertoire eines jeden fähigen Agenten gehören muss. Ärgerlicher ist da schon die einmal mehr vom Drehbuch oktroyiert wirkende Geschichte um eine vermeintlich sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Carrie und Quinn (Rupert Friend).

Der schwächste Teil der Episode: Carrie (Claire Danes) und ein eifersüchtiger Quinn (Rupert Friend) © Showtime
Der schwächste Teil der Episode: Carrie (Claire Danes) und ein eifersüchtiger Quinn (Rupert Friend) © Showtime

Der unter posttraumatischem Stress leidende Quinn wird von seiner Observationspartnerin Fara (Nazanin Boniadi) einmal mehr darauf gestoßen, dass es zwischen ihm und Carrie ein tieferes Verständnis geben könnte. Drehbuchautorin Meredith Stiehm nimmt diese Beobachtung denn auch am Ende der Episode auf und lässt Quinn - stellvertretend für uns Zuschauer - explodieren, als er gegenüber Carrie seine Eifersucht offenbart: „To me it looks like you're fucking a child.“ („Für mich sieht es so aus, als würdest du ein Kind ficken.“)

You're in it now

Wäre Quinn wirklich der fähige Agent, als der er seit der zweiten Staffel porträtiert wird, würde er Carrie wohl einfach ihren Job machen lassen. Da sich das Autorenteam von Homeland aber offensichtlich darauf versteift hat, dass nach Brodys Abtreten eine neue Liebesgeschichte die entstandene Lücke füllen muss, darf Quinn also eifersüchtig sein. Diese bittere Pille müssen wir als Zuschauer einfach schlucken - was uns jedoch momentan noch sehr einfach fällt, weil der Handlungsbogen rund um Quinn und Fara bestens funktioniert.

Fara entwickelt sich langsam, aber sicher zu meiner neuen Lieblingsfigur. Boniadi spielt sie mit unaufgeregter Begeisterung und kluger Vorsicht. Als sie den Geistlichen (Jamal Mukaddam) wiederentdeckt, den sie zuvor schon beim Wiederauftauchen Haqqanis gesehen hatte, bekommt sie einen kleinen Adrenalinschub und ist darüber beinahe freudig erregt - ein wunderbares kleines Charaktermerkmal. Quinn hatte sie zuvor darin bestärkt, dass sie den richtigen Pfad gewählt habe, denn sie zeige Talent für die Spionagearbeit: „Guess what: You're good at it.“ („Rate mal: Du bist wirklich gut darin.“)

Während sich die beiden also weiter auf der Spur Haqqanis befinden, macht Saul (Mandy Patinkin) kurz vor seinem Rückflug nach Washington eine folgenschwere Entdeckung. Am Flughafen erspäht er Farhad Ghazi (Tamer Burjaq), den mutmaßlichen ISI-Agenten, den Quinn auf einem Video vom Angriff auf Sandy Bachman erkannt hatte. Saul findet heraus, dass Ghazi in die südafrikanische Metropole Johannesburg unterwegs ist und veranlasst die dortige Beschattung. Da weiß er jedoch noch nicht, dass Ghazi längst bemerkt hat, dass er von Saul beschattet wird. Auf der Flughafentoilette lässt Ghazi seinen Verfolger schließlich außer Gefecht setzen und entführen.

Der stärkste Teil der Episode: Fara (Nazanin Boniadi) beim Observieren © Showtime
Der stärkste Teil der Episode: Fara (Nazanin Boniadi) beim Observieren © Showtime

Es ist schon ein großer Zufall, dass Saul den pakistanischen Geheimagenten am Flughafen trifft. Irgendetwas musste sich das Autorenteam wohl einfallen lassen, um Carries Mentor in Islamabad behalten zu können. Die Entführung könnte zwar auch ein Komplott des ISI sein, dagegen spricht aber, dass die Agentin Tasneem Qureshi (Nimrat Kaur) ihrem Kollegen Aasar Khan (Raza Jaffrey) aufgetragen hatte, Saul nicht weiter beschatten zu lassen. Wir wollen also abwarten, welche Motivation hinter der Entführung steckt, bevor wir diesen Handlungsbogen beurteilen.

I'm a spy, I know shit

Später bekommen wir jedoch einen weiteren Hinweis darauf, dass es sich dabei um eine großangelegte Verschwörung handeln könnte. Der Geistliche scheint beste Beziehungen zum Militär zu haben, denn er wird ohne Weiteres durch eine Straßensperre gewunken, obwohl er im Kofferraum den entführten Saul transportiert. Die Verfolgung durch Fara und Quinn ist eine weitere starke Szene zwischen den beiden CIA-Agenten. Quinn drängt Fara dabei zu einer waghalsigen Aktion und offenbart gleichzeitig, dass er nicht so lebensmüde ist wie es bisweilen den Anschein haben mag: „Believe it or not: I don't have a death wish either.“ („Ob du es glaubst oder nicht: Ich habe auch keinen Todeswunsch.“)

Zwischen Botschafterin Martha Boyd (Laila Robins), ihrem Ehemann Dennis (Mark Moses) und dem CIA-Agenten Redmond (Michael O'Keefe) entwickelt sich derweil ein undurchschaubares Abhängigkeitsverhältnis. Martha sucht zunächst nach Quinn und findet nur Redmond. Sie behauptet, Quinn erledige hin und wieder besondere Aufgaben für sie, bleibt dabei aber sehr vage. Später bringt Redmond ihren betrunkenen Ehemann nach Hause, woraufhin sie dem Agenten ihr Eheleid klagt.

Zuvor hatte Dennis beinahe gegenüber Redmond verraten, in welch misslicher Lage er sich befindet. Beim Drink an einer Hotelbar mischt sich auch Qureshi in die Unterhaltung - wahrscheinlich, um Dennis die Dringlichkeit seines Auftrages zu verdeutlichen. Er durchstöbert Carries Wohnung nach möglichem Belastungsmaterial und findet dabei ein Bild von ihrer Tochter und ihre Medikamentensammlung.

Momentan gibt es viele offene Handlungsstränge in Homeland. Diverse Allianzen bleiben unklar, wir bekommen ein verworrenes Bild von Agententätigkeiten in den Schmelztiegeln der Weltpolitik. So macht die Serie viel Spaß - vor allem auch, wenn sie wie in About a Boy von Regisseurin Charlotte Sieling optisch anspruchsvoll umgesetzt ist.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 27. Oktober 2014
Episode
Staffel 4, Episode 5
(Homeland 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Dunkle Wolken
Titel der Episode im Original
About a Boy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. Oktober 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Juli 2015
Autor
Meredith Stiehm
Regisseur
Charlotte Sieling

Schauspieler in der Episode Homeland 4x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?