Homeland 3x11

Wie Kollege Axel bereits letzte Woche in seinem Review zu Good Night „55706“ angemerkt hatte, scheint Homeland nun einen anderen Weg einzuschlagen. Zweifellos ist es nicht mehr die Serie, die sie noch in der ersten Staffel war. Leider hat „Homeland“ in seiner dritten Staffel bis dato zu lange gebraucht, um seine neue Ausrichtung zu finden. Erst mit der Episode der letzten Woche beziehungsweise der aktuellen Episode scheinen sich die kreativen Köpfe hinter der Serie auf eine bestimmte Richtung geeinigt zu haben.
In Big Man in Tehran wird im Vergleich zu Good Night das Tempo erst einmal wieder gedrosselt. Hinzu kommen altbewährte Elemente, die uns die erste Staffel der Showtime-Serie haben schätzen lassen und insbesondere in der dritten Staffel bisher immer weniger in die Handlung eingebaut wurden. Die größte Hürde für den Zuschauer dürfte nach wie vor die Plausibilität des Ganzen sein. So wird ihm in „Big Man in Tehran“ wieder einmal einiges an Glauben abverlangt, was einen faden Beigeschmack hinterlässt. Auftrumpfen kann aber vor allem Damian Lewis, der stark abliefert und kein unwesentlicher Grund dafür ist, dass „Big Man in Tehran“ zu den besseren Episoden der dritten Staffel von Homeland gehört.
Looking for asylum
Nachdem Brody (Damian Lewis) in Good Night erfolgreich die Grenze zum Iran überqueren konnte und jetzt von Javadi (Shaun Toub) nach Teheran gebracht wurde, muss er sich zuallererst einmal den Fragen des iranischen Geheimdiensts unter Anleitung von Javadi selbst stellen. Beide spielen ihre Rolle dabei überzeugend, so dass auf den ersten Blick kein Zweifel daran besteht, auf welcher Seite Brody und Javadi stehen. Auch wenn man weiß, dass beide für die CIA arbeiten, nimmt man insbesondere Damian Lewis seine Rolle komplett ab.
Carrie (Claire Danes) hat sich derweil ebenfalls nach Teheran begeben, um von dort aus die geplante CIA-Mission rund um die Ermordung des ranghöchsten Generals der iranischen Revolutionsgarde zu begleiten. Hilfe bekommt sie dabei von Faras (Nazanin Boniadi) Onkel, der Carrie gegenüber zu Beginn jedoch recht skeptisch ist. Es erscheint erst einmal logisch, dass man Carrie für die Mission in Teheran entsendet, gerade im Hinblick auf ihr tiefes Vertrauensverhältnis und ihre Beziehung zu Brody. Doch hat eben diese Beziehung zwischen den beiden in der Vergangenheit auch für viele Probleme gesorgt. Carrie reagiert in Bezug auf Brody viel zu oft übertrieben emotional und subjektiv, was wiederum diverse Operationen gefährdete, wenn nicht sogar scheitern ließ. Auch in „Big Man in Teheran“ ahnt man gleich zu Beginn der Folge, dass einen so etwas auch hier erwarten könnte.
A big man in Tehran
Die Umsetzung des Plans nimmt dann langsam Konturen an, Brody bekommt die Möglichkeit, sein Ziel Danesh Akbari (Houshang Touzie) persönlich zu treffen und diesen mithilfe einer Zyankalispritze dann zu ermorden. Unterstützung bekommt er dabei von Carrie und zwei Mossad-Agenten, die Saul (Mandy Patinkin) nach einem Gespräch mit dem inhaftierten Spion des israelischen Geheimdiensts erstaunlich schnell organisieren konnte. In Langley wird das Geschehen wie immer im war room mitverfolgt. Gerade diese Szenen, in denen die Handlung aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird, wie hier aus der Sicht von Brody, Carrie oder den Anwesenden in einem Raum des CIA-Hauptquartiers, hat Homeland zu seiner Spezialität gemacht. Die Spannung ist auch in diesem Moment absolut greifbar, die rasanten Kamera- und Perspektivenwechsel vermitteln uns ein Gefühl der Unruhe und Ungewissheit, welche auch den einzelnen Figuren anzumerken ist.
Auf ihrem Höhepunkt verpufft die Spannung dann leider ein wenig und Brody trifft in einem eher zweckdienlichen Handlungsstrang auf die Witwe (Naz Deravian) von Abu Nazir (Navid Negahban). So emotional das Gespräch zwischen Brody und ihr auch sein mag und so interessant die Hintergrundinformationen, welche wir bekommen, auch sind, die Spannung flacht ab und der Zuschauer wird ein wenig aus dem Momentum gerissen.
Let's get it done
Im Folgenden spielen die Serienmacher mit uns und lassen uns für lange Zeit im Ungewissen, wo wir Brody wirklich verorten können. Als er nach dem Gespräch mit Nazirs Witwe das Gebäude verlässt, wird er von den jubelnden Massen für seinen Bombenanschlag gegen die USA als Held gefeiert. Brody erhält zunächst weiterhin seine Fassade aufrecht. Als ihm ein Bodyguard jedoch sagt, dass er nun ein „big man in Tehran“ sei, erkennt man eine leichte Veränderung in seinem Gesichtsausdruck. Es folgt ein kleiner Zeitsprung und es wird deutlich, dass Brody jetzt schon seit sechs Tagen nicht mehr mit der CIA in Kontakt getreten ist. Hat er vielleicht wirklich die Seiten gewechselt und sich den Iranern angeschlossen? Wenn dies so wäre, müssten Saul, Dar Adal (F. Murray Abraham) und Senator Lockhart (Tracy Letts) schnell handeln. Immerhin könnte Brody jetzt Javadi gefährden und dessen wahre Absichten auffliegen lassen. Man merkt Saul an, dass er wieder einmal sehr mitgenommen ist, angesichts der Tatsache, dass seine Operation erneut fehlgeschlagen scheint. Konsequent gibt er dennoch den Befehl, Brody um der Sicherheit Javadis willen ausschalten zu lassen.
Es entspinnt sich dann eine Situation, wie wir sie eigentlich erwartet haben: Die beiden Mossad-Agenten bekommen den Auftrag, Brody zu eliminieren, doch natürlich funkt Carrie dazwischen. Die sollte eigentlich schon längst im Flieger nach Washington, D.C. sitzen. Doch aufgrund ihres emotionalen Verhältnisses zu Brody war auch nichts anderes zu erwarten, als dass sie vor Ort bleibt und Kontakt mit Brody aufnehmen will. Sie ist sich sicher, dass Brody nicht die Seiten gewechselt hat und warnt ihn also, dass die CIA ihn ausschalten will. Diese Szene mag im Rahmen der Handlung von „Big Man in Tehran“ Sinn haben, doch man fragt sich - wie bereits zu Beginn des Reviews erwähnt -, was Saul und Co. davon erwartet haben, Carrie nach Teheran zu schicken. Eine solche Szene, so packend sie auch ist, ist ein Paradebeispiel für die vielen komischen Entscheidungen der Produzenten hinsichtlich der dritten Staffel von Homeland.
It all started here
Am Ende von „Big Man in Tehran“ wird es dann aber noch einmal spannend. Brody entkommt den beiden Mossad-Agenten und trifft sich mit Akbari in dessen Büro, um ihn über Javadi zu informieren. Dieser nimmt noch entsetzt wahr, wie Brody das Büro von Akbari betritt und macht sich wohl auf das Schlimmste gefasst. Im Gespräch mit Akbari erzählt Brody ihm die komplette Wahrheit - über Javadi, über die CIA, über sich selbst. Man könnte meinen, er wäre endgültig übergelaufen. Jedoch, und nicht wirklich zur Überraschung des Rezensenten, greift Brody nach dem erstbesten Gegenstand und schlägt damit Akbari bewusstlos. Wann er sich dafür entschieden hat, Akbari doch umzubringen, wissen wir nicht. War das die ganze Zeit sein Plan? Oder hat er sich gerade eben erst dafür entschieden, doch im Sinne der CIA zu handeln? Das alles ist reine Spekulation, fest steht nur, dass Lewis' Darbietung in dieser Szene ganz hervorragend ist.
In einer packenden Szene, welche Erinnerungen an Brodys Mord an Vizepräsident Walden (Jamey Sheridan) in der zweiten Staffel hervorruft, drückt er dem bewusstlosen Akbari ein Kissen ins Gesicht und erstickt ihn damit. Brodys schmerzverzerrtes Gesicht sagt dabei mehr als tausend Worte. Kann er nun endlich diesem beschwerlichen Leben, welches er schon so lange leben muss, entrinnen? In der letzten Szene von „Big Man in Tehran“ ruft er dann Carrie an und sagt ihr, dass er Akbari getötet hat und nun Hilfe bei seiner Flucht benötigt. Das sich erhellende Gesicht von Carrie steht dabei zum einem für ihre Erleichterung, dass Brody doch kein Verräter ist, und zum anderen als Zeichen ihrer Genugtuung, da sie die ganze Zeit wusste, Brody würde weder sie noch seine Tochter Dana (Morgan Saylor) im Stich lassen.
Fazit
Wie bereits Good Night kann auch Big Man in Tehran mit einigen packenden Momenten aufwarten und den Zuschauer so in seinen Bann ziehen. Doch man muss auch zugeben, dass dies „Good Night“ ein wenig besser gelungen war. „Big Man in Tehran“ kann jedoch mit einigen anderen Aspekten punkten. So bekommen wir hier eine Episode in klassischer Katz-und-Maus-Spiel-Manier zu sehen, wie wir es oft in der ersten Staffel der Serie gesehen hatten.
Zwar laufen die vielen Wendungen schlussendlich doch auf das eine Ergebnis hinaus, welches die ganze Zeit über relativ absehbar war, dennoch kann man Big Man in Tehran grundsätzlich als sehr spannend bezeichnen. Die Leichtigkeit, mit der Brody dann jedoch Akbari, einer der am besten beschützten Männer des Landes, umbringen kann, mutet dennoch ein wenig seltsam an. Ein weiteres Beispiel für die wiederkehrenden Plausibilitätsfehler, welche sich seit der zweiten Staffel der Serie andauernd in Homeland einschleichen.
Lobend hervorheben sollte man Damian Lewis, dessen Darbietung mitreißend und absolut authentisch geraten ist. Und hier ergibt sich auch schon ein Dilemma der aktuellen Staffel von Homeland. Damian Lewis beziehungsweise Brody ist ein unglaublich wichtiger Charakter, der die Serie extrem aufwertet. Doch wo geht seine Reise hin? Gelingt es ihm abermals, einer lebensgefährlichen Situation zu entkommen? Konsequent betrachtet müssen die Serienmacher langsam daran denken, ihn das Zeitliche segnen zu lassen, ansonsten verblasst sein Charakter mehr und mehr zu einem einfachen Gimmick. So schade es auch um Damian Lewis, dessen schauspielerische Leistungen immer wieder etwas Unwiderstehliches und äußerst Packendes haben, wäre, sein Charaktertod ist für mich persönlich der nächste logische Schritt.
Wir dürfen also gespannt sein, was man sich für das Finale der dritten Staffel von Homeland nächste Woche ausgedacht hat. Zu hoffen ist, dass man den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht und die Staffel zu einem sinnvollen Ende bringt. Aufgrund der Rückkehr zu den altbekannten Tugenden der Serie in Kombination mit der Tendenz zu (wieder) mehr Action und Spannung, hat Big Man in Tehran eine dementsprechend gute Bewertung verdient.
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 10. Dezember 2013Homeland 3x11 Trailer
(Homeland 3x11)
Schauspieler in der Episode Homeland 3x11
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