Homeland 3x10

Homeland 3x10

Mit den Elementen eines Kammerspiels erzählt Good Night die Geburtsprobleme eines beinahe zum Scheitern verurteilten Plans. Homeland borgt sich Stilmittel aus 24 und erzeugt damit eine spannende und mitreißende Episode.

Das CIA-Trio bei der Überwachung der Operation. / (c) Showtime
Das CIA-Trio bei der Überwachung der Operation. / (c) Showtime

Vielleicht war die Hinwendung der Showtime-Dramaserie Homeland zu einer actionorientierteren Erzählweise in der letzten Staffel gar nicht so fatal, wie viele angenommen hatten. Die neue Episode beweist zumindest, dass man daraus eine packende Geschichte formen kann, die auf mehreren Ebenen funktioniert. In Good Night sehen wir Action, Drama und Zärtlichkeit und wir werden Zeuge davon, warum wir Carrie Mathison (Claire Danes) und Nicholas Brody (Damian Lewis) einst in unser Serienherz geschlossen hatten.

I have faith

Im Portrait Carries haben die Autoren in der Vergangenheit nämlich den Fehler begangen, dass sie ihr zu viel erratisches Fehlverhalten andichteten. Bei ihren Aktionen fragte man sich oft, warum sie nicht schon längst aus dem Dienst als Geheimagentin entlassen wurde. Diese zwar charakterlich stringente, für die Glaubwürdigkeit des Plots jedoch eher hinderliche Figurenzeichnung wird in der neuen Episode wieder etwas korrigiert. In mehreren Szenen sehen wir eine starke Carrie, die von ihren manipulativen und emotionalen Fähigkeiten Gebrauch macht.

Dar Adal (F. Murray Abraham) und Senator Mike Higgins (William Sadler) begleiten den Fortschritt der Operation. © Showtime
Dar Adal (F. Murray Abraham) und Senator Mike Higgins (William Sadler) begleiten den Fortschritt der Operation. © Showtime

Good Night beginnt mit den Vorbereitungen zu Brodys Feldeinsatz. Die gesamte Episode wird an lediglich zwei Handlungsorten spielen - lässt man die wenigen Szenen mit Dar Adal (F. Murray Abraham) und Senator Mike Higgins (William Sadler) einmal außen vor. Die Erzählform erinnert an ein Kammerspiel und erzielt dadurch die gewünschte Wirkung: hohe atmosphärische Dichte.

Momentan befinden wir uns an einem Punkt, an dem sich die Serie offensichtlich dazu entscheidet, was sie sein will. Eine Kurskorrektur der fragwürdigen dramaturgischen Entscheidungen aus den vergangenen Episoden ist weder zu erwarten noch überhaupt möglich, also begrüße ich es umso mehr, die Serie in ein gut gemachtes Spionage- und Actionspektakel zu verwandeln. Auch in der neuen Episode kommt es zu mancher logischer Ungereimtheit. Diese fallen jedoch stets nicht weiter ins Gewicht, weil die Dramaturgie in der geschlossenen Homeland-Parallelwelt weiterhin funktioniert.

Peter Quinn (Rupert Friend) hat während Carries Krankenhausaufenthalt einen kurzen Blick in ihre Krankenakte geworfen und dadurch von ihrer Schwangerschaft erfahren. In typischer Carrie-Manier schmettert sie all seine Bedenken und Einsprüche ab und negiert Brody als möglichen Vater, was vielleicht Quinn überzeugen kann - uns Zuschauer aber noch lange nicht. Gemeinsam mit dem glückskaugummikauenden Saul (Mandy Patinkin) koordiniert das Trio fortan Brodys Grenzübertritt in den Iran.

We have a backup plan, right?

Dessen cover story ist intakt, weswegen seine Infiltrationshelfer guter Dinge sind und sich in alter Soldatenmanier schmutzige Scherze erlauben. In Brody scheint der alte Geist der „Marines“ wiedererwacht zu sein, jedenfalls haben wir ihn in dieser Staffel zu keinem Zeitpunkt glücklicher und ausgeglichener gesehen als auf diesem kargen Landstrich im irakisch-iranischen Grenzgebiet. Reisen macht eben doch den Kopf frei. Oder, in anderen, fremden Worten: „Join Al-Qaeda, see the world.

Brodys (Damian Lewis) waghalsiges Manöver gelingt - er steht Javadi gegenüber. © Showtime
Brodys (Damian Lewis) waghalsiges Manöver gelingt - er steht Javadi gegenüber. © Showtime

Bei Nacht soll die Operation beginnen. Brody wird sich am iranischen Grenzposten ergeben und offiziell um Asyl ersuchen. Doch schon tauchen die ersten Probleme auf. Eine Drohne fällt aus und das Team bekommt es mit mehreren irakischen Grenzsoldaten zu tun. Gleich beim ersten Kontakt mit ihnen weiß sich Brodys Anführer nicht anders zu helfen, als die Soldaten einfach zu ermorden. Danach scheint die Luft rein zu sein, doch Brody und Konsorten werden nun Opfer eines IED („Improvised Explosive Device“ - „Improvisierte Bombe“).

Beide Zwischenfälle sorgen für erhöhte Aufmerksamkeit bei der irakischen Grenzpolizei. Darum schickt sie eine Truppe los, die schon beim ersten Kontakt mit dem mutmaßlichen Feind kaum zögert, schwere Artillerie einzusetzen. In Washington beobachtet das Team die Geschehnisse mit Schrecken. Schließlich sieht Saul keine andere Möglichkeit, als den Einsatz abzubrechen. Dabei hat er jedoch nicht mit Brody und dessen wiederentdecktem Soldatenethos gerechnet. Der „Dead Man Walking“ begibt sich nämlich auf eigene Faust ins Feindesgebiet, wo er sogleich von einer kleinen Einheit iranischer Soldaten begrüßt wird. Schließlich wird er Javadi (Shaun Toub) vorgeführt, der Brodys Begleiter kaltblütig erschießt und ihn dann auf eine Reise nach Teheran einlädt. „It's show time!

Fazit

In der Vergangenheit wurde Homeland meistens dafür kritisiert, wenn es sich Anleihen bei 24 geborgt hatte. In Good Night ist dies jedoch durchweg gelungen, wobei nicht vergessen wurde, den „,Homeland'-Touch“ zu bewahren. Es gibt immer noch dramatische Szenen zwischen Carrie und Brody - in dieser Episode gleich zwei großartige.

Zum einen beobachtet Carrie Brody über die Aufnahmen der Drohnen dabei, wie er seinem Kameraden nach der Bombenexplosion das Leben rettet und dadurch wieder ein Stück mehr zum echten „Marine“ wird. Zum anderen versucht sie ihn über Funk davon zu überzeugen, dass er sich nicht alleine ins Feindgebiet begeben solle. Brody hingegen glaubt an ihre Fähigkeiten, ihn auch ohne die vorgesehenen Hilfsmittel aus Iran extrahieren zu können.

Carrie reagiert darauf mit einem Satz, der ihre gesamte Beziehung zusammenfassen könnte: „It's a fantasy.“ Fantastisch ist überdies die visuelle Umsetzung von Good Night. Die nächtlichen Actionszenen (teilweise aus Drohnenperspektive), die Szenen vom Überwachungsteam und die nachdenklichen Momente Brodys in der Wüste erzeugen eine atmosphärische Dichte, wie wir sie in den vergangenen beiden Staffeln kaum je bewundern konnten.

Obwohl die Nebenfiguren jeweils nur kurz auftauchen, wirken sie in starken Szenen mit. Senator Andrew Lockhart (Tracy Letts) packt endlich einmal den inneren Politiker weg und lässt dafür den Pragmatiker übernehmen. Und Fara Sherazi (Nazanin Boniadi) wehrt sich eigentlich mit Händen und Füßen dagegen, dass ihr Teheraner Onkel in die CIA-Operation eingebunden wird, kann sich Carries Fähigkeiten zur Manipulation jedoch nicht entziehen. Ich glaube es jedenfalls sofort, wenn Carrie behauptet, sie würde ihre Familie zum Wohle der Nation wissentlich in Gefahr bringen.

Zum Ende der dritten Staffel umarmt Homeland seine Neuausrichtung mit voller Inbrunst - und siehe da: Das Resultat ist positiv. Meinetwegen dürfen die letzten Episoden so actionorientiert bleiben.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 2. Dezember 2013

Homeland 3x10 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 10
(Homeland 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Passagier
Titel der Episode im Original
Good Night
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. Dezember 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 18. Mai 2014
Autoren
Alexander Cary, Charlotte Stoudt
Regisseur
Keith Gordon

Schauspieler in der Episode Homeland 3x10

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