Homeland 3x05

Homeland 3x05

Wieder lässt sich eine neue Episode von Homeland viel Zeit, um wirklich interessant zu werden. Dabei kommt es jedoch zu einer gelungenen Kurskorrektur, der Rückkehr zweier Publikumslieblinge und einer weiteren, wenngleich weniger überraschenden Wendung.

Alte Männer auf Gänsejagd: Saul (Mandy Patinkin, l.) misst sich mit Senator Lockhart (Tracy Letts). / Foto (c) Showtime
Alte Männer auf Gänsejagd: Saul (Mandy Patinkin, l.) misst sich mit Senator Lockhart (Tracy Letts). / Foto (c) Showtime

The Yoga Play, die neue Episode der dritten Staffel von Homeland, zeigt exemplarisch auf, welche Probleme die Autoren dabei haben, eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Die Schwierigkeiten sind darauf zurückzuführen, dass das Drehbuch sich immer noch nicht entschieden hat, in welche Richtung es in der neuen Staffel gehen wird. Soll wieder an die ausgezeichnete erste Staffel angeknüpft und ein kritischer Kommentar zum amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ formuliert werden? Oder soll die Handlung fortan einen größeren Fokus auf Actionszenen und möglichst effektvolle Wendungen legen?

We don't have to be who we are. We can escape it.

Bestes Beispiel für die scheinbare Unschlüssigkeit der Autoren ist der Handlungsbogen von Dana Brody (Morgan Saylor) und Leo Carras (Sam Underwood). Ihre dreitägige Flucht endet jäh mit einem TV-Bericht über die beiden, den Dana beim Auftanken zufällig sieht. Darin erfährt sie, dass Leo nicht wegen psychischer Probleme in der Klinik behandelt wurde, sondern dort das Urteil eines Jugendgerichts absaß. Er war nämlich schuldig befunden worden, den Selbstmord des eigenen Bruders provoziert zu haben. Nach kurzer Konfrontation merkt Dana, dass Leo ihr nicht aufrichtig antwortet und diverse Ausflüchte sucht. Also lässt sie sich von einem herbeigerufenen Polizisten einsammeln und zurück nach Hause bringen. Dort versichert sie ihrer vor Sorge beinahe verzweifelten Mutter Jessica (Morena Baccarin): „I'm ok. Really.

Dank Carries Hilfe kann Jessica Brody (Morena Baccarin) wieder beruhigter schlafen. Foto © Showtime
Dank Carries Hilfe kann Jessica Brody (Morena Baccarin) wieder beruhigter schlafen. Foto © Showtime

Durch diese Kurskorrektur der Autoren wird deutlich, wie folgenlos - und damit beinahe redundant - der Ausflug Danas war. Er wird keinerlei Konsequenzen für die weitere Geschichte nach sich ziehen. Nun sollte nicht erwartet werden, dass jede einzelne Sequenz einer dreizehnstündigen Dramaserie von großer Relevanz sein muss, solange solche Erzählbögen einer tieferen Charakterisierung der Figuren dient. Da die Geschichte um Dana und Leo auch diesem Ziel nicht gerecht werden, muss sie als Konsequenz der Planlosigkeit der Autoren eingestuft werden. Ein weiteres Indiz dafür ist Nicholas Brodys (Damian Lewis) auffällige Abwesenheit. Die neue Staffel ist nun beinahe zur Hälfte vergangen und die zweite große Hauptfigur der Serie ist erst in einer Episode aufgetaucht. Und darin war es nicht einmal gelungen, Brody eine neue Geschichte zu verpassen.

Wie aus diversen Quellen zu vernehmen ist, sind die Homeland-Macher verzweifelt auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Figur des Brody aus der Geschichte zu schreiben. Vielleicht haben sie in Tower of David mit dem Porträt von Brodys aufkommender Heroinabhängigkeit einen Grundstein dafür gelegt. Ihn jedoch so sterben zu lassen, wäre wahrlich kein meisterlicher Schachzug. Brody jedoch wieder mit der Hauptgeschichte in Verbindung zu bringen - in seinem Aufenthaltsort Caracas wird Terroristengeld gewaschen - wäre ebenso von wenig Glaubwürdigkeit begleitet. Hier muss leider festgehalten werden, dass sich die Autoren mit den Storylines von Brody und seiner Familie in eine Sackgasse manövriert haben, indem sie entgegen ihrer ursprünglichen Planung ihre männliche Hauptfigur nicht am Ende der ersten Staffel sterben ließen.

Damit soll der Rückschau nun jedoch Genüge getan sein. Die neue Episode von Homeland liefert nämlich auch einige erfreuliche Entwicklungen. Darin bekommt nämlich Tracy Letts als Senator Andrew Lockhart wieder einen prominenten Auftritt. Seine Rolle ist die beste Neubesetzung der dritten Staffel. Die als Gegenspieler von Saul Berenson (Mandy Patinkin) angelegte Figur verschafft den Autoren die Möglichkeit, sich auf ihr ursprüngliche Stärke, einen Kommentar zur amerikanischen Anti-Terror-Politik, zu besinnen. Gleichzeitig gelingt es ihnen, Kritik an der aktuellen Entwicklung des US-Geheimdienstapparats zu üben.

Carrie Mathison's a huge fucking draw

Vom Stabschef des Präsidenten werden Lockhart und Berenson zu einem Wochenende bei der Gansjagd eingeladen - was Staatsführer eben so tun, wenn sie Hintergrundgespräche führen wollen. Zuvor wurde Saul nahegelegt, dass er sich auf seine Nominierung als künftiger Chef der CIA vorbereiten solle. Doch beim gemeinsamen Ausharren im Hochsitz eröffnet ihm Lockhart bei einer freundlich gestimmten Auseinandersetzung über die künftige Ausrichtung der Geheimdienstarbeit, dass nicht Saul, sondern Lockhart selbst für den Posten des CIA-Chefs vorgeschlagen werden würde. Die Diskussion der beiden drehte sich zuvor darum, ob denn nun die klassischen Techniken des Geheimdienst, vor allem der Einsatz menschlicher Spione, die besseren Mittel seien oder ob zukünftig verstärkt auf technische Ressourcen wie Drohnen oder die elektronische Datensammlung zurückgegriffen werden sollte.

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Schließlich droht Lockhart Saul damit, ihn zu feuern, sollte er seinen neuen Weg nicht mitgehen wollen. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass Saul gegen eine Kündigung wegen unterschiedlicher politischer Ansichten problemlos gerichtlich vorgehen könnte, doch dieser Einwurf soll nicht allzu großes Gewicht bekommen. Zu dieser Niederlage gesellen sich für Saul jedenfalls noch zwei weitere. Zum einen erwischt er seine Ehefrau Mira (Sarita Choudhury) beim romantischen Candlelightdinner mit einem jungen und gutaussehenden ehemaligen Kollegen. Zum anderen wird sein Schützling Carrie (Claire Danes) am Ende der Episode von den Schergen des nach Amerika eingereisten Topterroristen Majid Javadi (Shaun Toub) entführt.

Gegenüber Peter Quinn (Rupert Friend), den Saul zum Schutze Carries auf sie angesetzt hatte, gibt sich Saul nach der Nachricht von ihrer Entführung noch selbstbewusst: „We know who's got her. We're back in business.“ Da weiß er jedoch noch nicht, dass Javadi Carrie entweder hat beobachten lassen oder ein Maulwurf bei der CIA existiert, der ihn mit Informationen über Carrie versorgt. Hier wird traurige Wirklichkeit, was Saul zuvor noch keine Furcht eingeflößt hatte: „She's always been on her own.

Fazit

Einerseits knabbert die neue Episode von Homeland an Altlasten, andererseits gelingen ihr viele interessante Sequenzen. So haben die Autoren sichtlich Schwierigkeiten damit, Familie Brody eine Geschichte zu verpassen, die echtes Zuschauerinteresse generieren könnte. Bisher lebt dieser Handlungsbogen nämlich nur von den exzellenten Darstellungen ihrer beiden Hauptdarstellerinnen Baccarin und Saylor.

Ansonsten findet The Yoga Play die richtige Mischung aus Actionsequenzen (am Ende), politischem Kommentar und sogar Humor. Letztgenanntes liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an der Rückkehr des ungleichen Brüderpaars Virgil (David Marciano) und „Chandler-Bing-Lookalike“ Max (Maury Sterling). Wusste eigentlich jeder außer mir, dass die beiden Brüder sind? Ihren Job für Carries Yoga-Trick erledigen jedenfalls beanstandungslos. Auch die kleine Anspielung von Carrie im Zwiegespräch mit dem FBI-Agent Hall (Billy Smith) an „Romeo & Julia“, mit dessen Filmversion die Schauspielerin Danes ihren Durchbruch feierte, sorgt für willkommene Abwechslung.

Die Auseinandersetzung zwischen Saul und Senator Lockhart dürfte für den Rest der Staffel genug Material für spannende Kontroversen liefern. Hier haben die Autoren einen guten Weg gefunden, um das Element wieder einzuführen, das die erste Staffel des Dramas so stark gemacht hatte: die kritische Beobachtung amerikanischer Außen- und Antiterrorpolitik.

Unsicher bin ich mir mit der Bewertung der angedeuteten Untreue von Sauls Ehefrau Mira. Wieso musste Saul nach der gescheiterten Beförderung an die Spitze der CIA gleich noch ein zweiter Rückschlag verpasst werden? Außerdem erscheint mir die abermalige Thematisierung von Carries Alkohol- und Tablettenproblemen sehr redundant. Angesichts der Tatsache, dass Homeland gerade für eine vierte Staffel verlängert wurde, fällt es weiterhin schwer, bei Carries Entführung wirklich mitzufiebern. Schließlich haben die Autoren schon einmal bewiesen, dass sie nicht genügend Chuzpe haben, um eine Hauptfigur sterben zu lassen. Homeland hat momentan noch einige Luft nach oben, befindet sich jedoch auf gutem Wege.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 28. Oktober 2013
Episode
Staffel 3, Episode 5
(Homeland 3x05)
Deutscher Titel der Episode
Das Yoga-Spiel
Titel der Episode im Original
The Yoga Play
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. Oktober 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 6. April 2014
Autor
Patrick Harbinson
Regisseur
Clark Johnson

Schauspieler in der Episode Homeland 3x05

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