Homeland 3x01

Homeland 3x01

Homeland kehrt mit der Auftaktepisode der dritten Staffel stärker zurück, als es in der zweiten Staffel jemals war. Tin Man is Down findet zu jeder Zeit die richtige Mischung aus Drama und Action, Gewalt und Gefühl. Außerdem erleben wir die Wiedergeburt von Jack Bauer.

Carrie (Claire Danes) vor dem Capitol Hill im Auftakt der 3. Staffel von „Homeland“ / Foto (c) Showtime
Carrie (Claire Danes) vor dem Capitol Hill im Auftakt der 3. Staffel von „Homeland“ / Foto (c) Showtime

Viel war diskutiert worden über die zweite Staffel von Homeland. Auch hier wurde Kritik laut, die Dramaserie habe ihren in der ersten Staffel eingeschlagenen Pfad verlassen und würde sich fortan dem Spektakel verschreiben. Oftmals wurde der Vergleich zur legendären Actionserie 24 gezogen, jedoch beinahe ausschließlich zu deren negativen Merkmalen. Zu viele, kaum nachvollziehbare Wendungen, zu starke Konzentration auf die Action-Elemente, zu wenig Psychologisierung, wenig komplexe Charakterentwicklung. So lauteten die weitgehend einstimmig formulierten Kritikpunkte.

We're not assassins. We're spies.

Gespannt warteten wir also auf die Auftaktepisode der dritten Staffel und die Beantwortung der Frage, ob die Serienschöpfer Alex Gansa und Howard Gordon, die ja beide auch in Führungspositionen bei 24 Verantwortung trugen, die Kritik ernstgenommen hätten. Um es gleich vorwegzunehmen: Sie haben. Und das, was dabei herausgekommen ist, knüpft an die größten Homeland-Momente der ersten Staffel an.

Bedenklich: Carries wirre Notizen sprechen nicht unbedingt für einen gesunden Geist. Foto © Showtime
Bedenklich: Carries wirre Notizen sprechen nicht unbedingt für einen gesunden Geist. Foto © Showtime

Dabei erleben wir in Tin Man is Down eine kleine 24-Reinkarnation. CIA-Agent Peter Quinn (Rupert Friend), dessen Motive in der zweiten Staffel stets etwas im Unklaren vernebelten, eröffnet die Episode mit einer Szene, in der er in einer heruntergekommenen Wohnung eine Bombe bastelt. Zunächst bleibt unklar, für wen diese bestimmt ist. Später wird aufgelöst, dass Quinn Teil einer weltweiten CIA-Anschlagsmission gegen sechs hochrangige Terroristen ist. Sein Versuch, die selbstgebastelte Bombe an der Limousine eines venezolanischen Terrorfinanziers anzubringen, scheitert. Daraufhin dringt er in bester Jack-Bauer-Manier in die schwerbewachte Villa der Zielperson ein und erledigt ihn und seine Mitstreiter mit gezielten Schüssen aus der schallgedämpften Pistole.

Darin erschöpft sich dann aber auch schon wieder die 24-Referenz - vor allem, weil Quinn während seines Ein-Mann-Kommandos auch ein Kind erschießt, ebenjenes, wegen welchem er den Bombenanschlag abgebrochen hatte. Und so findet Homeland wieder zu seiner Doppelbödigkeit zurück, schafft spielend die Aussage, die in der ersten Staffel für begeisterte Resonanz gesorgt hatte. Kein Opfer, so legitim es auch sein mag, kann ohne „Collateral Damage“ geleistet werden. Diese Kritik schwingt auch in den übrigen fünf Auftragsmorden mit, die allesamt per Drohnenangriff erledigt werden. Lautlos, effizient, gespenstisch.

Befohlen werden diese Angriffe von Saul Berenson (Mandy Patinkin), dem neuen Chef der CIA. Nach langer Kontemplationsphase, die ihm in der Öffentlichkeit beinahe schon als Entscheidungsunfähigkeit ausgelegt wird, entschließt sich Saul dazu, den heiklen Befehl zu erteilen. So kehrt die Serie zu ihren Ursprüngen zurück. Ein ebensolcher Drohnenschlag definierte schließlich den endgültigen Wandlungsmoment des vom Soldaten zum Terroristen mutierten Nicholas Brody (Damian Lewis). Damals waren es mehrere Dutzend ziviler Opfer, inklusive des Sohns von Abu Nazir, dem spirituellen Mentor Brodys, die einem solchen Angriff zum Opfer fielen.

Classic counterintelligence. It's straight from your playbook.

Brody taucht in der neuen Episode übrigens kein einziges Mal auf. Dafür wird umso mehr über ihn gesprochen. Das Attentat auf die CIA-Zentrale am Ende der letzten Staffel hatte nicht nur ihn als weltweit meistgesuchten Terroristen in die Flucht getrieben, es zieht auch brutale politische Konsequenzen nach sich. Ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats unter der Führung von Senator Andrew Lockhart (herrlich bissig: Tracy Letts) soll klären, wie es zu dem verheerenden Anschlag kommen konnte.

Vor dem Untersuchungsausschuss lässt Saul Berenson (Mandy Patinkin) jegliche Allianz zu Carrie fallen. Foto © Showtime
Vor dem Untersuchungsausschuss lässt Saul Berenson (Mandy Patinkin) jegliche Allianz zu Carrie fallen. Foto © Showtime

Der Kommissionsvorsitzende erweist sich als harter Hund und als entschiedener Gegner der Agency, er würde die CIA am liebsten ganz abschaffen und mit einer neuen, effizienteren Organisation ersetzen. Daran lässt er zu keinem Zeitpunkt seiner Befragung von Carrie Mathison (Claire Danes) Zweifel. Sie erscheint unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor der Kommission, da ihre Kontaktpersonen geschützt werden sollen. Dabei wird sie zu ihrem Verhältnis zu Brody befragt, woraufhin aus ihr herausplatzt, dass sie nicht an Brody als Attentäter glaube. Mit ihrer Anwältin hat sie sich zuvor darauf geeinigt, bis auf den Anschlagsversuch Brodys am Ende der ersten Staffel sämtliche Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten.

Am Ende der Episode erscheint jedoch ein Zeitungsartikel, der das Verhältnis zwischen Carrie und Brody offenlegt. Carrie, die wieder einmal ihre Medikamente abgesetzt hat und zu alten, selbstschädigenden Verhaltensmustern zurückgekehrt ist, vermutet Saul hinter diesem Leak, da dies seiner Behandlung des Problems entspreche, alle Schuld von sich zu weisen. Zum Schluss bekommt Carrie weitere Bestätigung für ihre Theorie. Bei der öffentlichen Anhörung vor der Untersuchungskommission schiebt Saul alle Schuld auf Carrie. Sie sei über den gesamten Verlauf der Operation „instabil“ gewesen und leide schon lange unter einer bipolaren Störung. Carries Zukunft sieht stockdüster aus.

Fazit

Homeland kehrt mit voller Wucht zurück. Ambitioniert, spannend, kurzweilig. Actiongeladen, gefühlvoll, dramatisch. Die Auftaktepisode Tin Man is Down übertrifft bei weitem die Erwartungen, die ich nach den Enttäuschungen der letzten Staffel an das Format stellte.

Zu hoffen bleibt, dass Carries Abrutschen in alte, verhängnisvolle Verhaltensweisen nicht allzu viel Erzählzeit auffrisst. Das Sujet ihrer psychischen Erkrankung wurde in den bisherigen Staffeln beinahe erschöpfend durchdekliniert.

Der große Rest ist durchweg gelungen. Die Mitglieder der zerrütteten Familie Brody versuchen, irgendwie zur Normalität zurückzukehren. Tochter Dana (Morgan Saylor) hat in Abwesenheit des Zuschauers einen Selbstmordversuch unternommen und musste daraufhin für einige Monate in eine Heilanstalt. Nun wird sie im warmen Schoß der Familie willkommen geheißen. Die Szenen rund um Familie Brody sind zärtlich und sehr liebevoll gestaltet.

Um ein letztes Mal auf den leidigen 24-Vergleich zurückzukommen: Auch die Anleihen der revolutionären Actionserie funktionieren hier. Es kommt weder zu unrealistischen Plot-Twists, noch zu besonders exaltierter Gewaltdarstellung. Die porträtierte Gewalt hat vielmehr einen hohen Preis. Diese Botschaft versprüht Homeland nun aus allen Poren. Ein äußerst gelungener Auftakt, der auf eine spannende, unterhaltsame, intelligente neue Staffel hoffen lässt.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 1. Oktober 2013
Episode
Staffel 3, Episode 1
(Homeland 3x01)
Deutscher Titel der Episode
Sechs oder keiner
Titel der Episode im Original
Tin Man Is Down
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. September 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 9. März 2014
Autoren
Alex Gansa, Barbara Feldon
Regisseur
Lesli Linka Glatter

Schauspieler in der Episode Homeland 3x01

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