Homeland 2x11

Homeland 2x11

In der vorletzten Episode der zweiten Staffel findet Homeland mit der Besinnung auf alte Stärken zurück in die Spur. Carrie glänzt wieder einmal mit ihrem untrüglichen Gespür und Brody schafft mehr Klarheit in seinem Leben.

Scheut weiterhin keinerlei körperliche Versehrung: Carrie (Claire Danes) auf der Jagd nach Abu Nazir / Foto: (c) Showtime
Scheut weiterhin keinerlei körperliche Versehrung: Carrie (Claire Danes) auf der Jagd nach Abu Nazir / Foto: (c) Showtime

Bis zu der aktuellen Episode The Motherfucker with a Turban konnte sich Homeland in seiner zweiten Staffel bislang nicht richtig entscheiden, was es sein wollte: Actionthriller oder psychologisierendes Spionagedrama? Die neue Ausgabe schafft es, für etwas mehr Klarheit zu sorgen und bringt Homeland zurück auf den in der ersten Staffel eingeschlagenen Pfad.

Homeland back on track

Bis es im letzten Drittel der Episode dazu kommt, ist es jedoch ein etwas holpriger Weg. Vorerst wird Carrie (Claire Danes) als eine Art loose weapon porträtiert, die zwar oftmals das richtige Näschen hat, wenn es um das Aufspüren von Terroristen, Verrätern und anderen Kriminellen geht, die aber bisweilen auch über das Ziel hinausschießt und zu spät merkt, wenn sie sich verrannt hat. Dieses Mal ist das Opfer ihrer falschen Vermutungen Danny Galvez (Hrach Titizian), der beim einen oder anderen Zuschauer wegen seiner längeren Abwesenheit sowieso schon als Maulwurf gebrandmarkt war.

Nach kurzem Handgemenge und einer Standpauke von Carrie schafft er es jedoch, sie und Quinn (Rupert Friend) von seiner Unschuld zu überzeugen. Die Theorie vom Verräter fällt also erst einmal in sich zusammen. Es soll aber noch einige Zeit verstreichen, bis Carrie auf dem Heimweg doch auf des Rätsels Lösung stößt. Zuvor darf sie sich noch ohne Autorisierung der Vernehmung Roya Hammads (Zuleikha Robinson) annehmen. Quinn lässt sie gewähren und muss mit ansehen, wie Carrie das Verhör scheinbar versiebt. Immerhin schafft sie es, Roya zu einer heftigen Reaktion zu provozieren. Auf Arabisch wirft sie Carrie Unflätigkeiten an den Kopf und wird kurz vor Quinns Intervention auch handgreiflich.

Während einer kurzen Kontemplationsphase an der Verkehrsampel durchforstet Carrie noch einmal ihre Gedanken und stößt auf etwas, was Roya ihr auf Arabisch zugeschrien hatte. Abu Nazir (Navid Negahban) renne vor nichts und niemandem davon. Dies sei im arabischen Original wörtlich zu verstehen und bedeute, dass er sich immer noch im Tunnelsystem der alten Industrieanlage befinde, wo er auch Carrie als Geisel gefangen gehalten hatte.

Saul Berenson (Mandy Patinkin) muss sich derweil weiter mit der Gängelung durch David Estes (David Harewood) herumschlagen. Estes' Absichten sind eindeutig: Er will Saul so schnell wie möglich los werden, damit dieser mit seiner (der Zuschauer weiß: richtigen) Theorie vom geplanten Mordanschlag auf Brody (Damian Lewis) kein Gehör findet. Zu diesem Zwecke lässt er Saul in ein Verhörzimmer bringen, wo er sich einem Lügendetektortest unterziehen muss. Ein Vertrauter des stellvertretenden CIA-Direktors führt den Test durch und stellt Saul empfindliche Fragen zum Tod Aileen Morgans (Marin Ireland, die beim Besuch Sauls in einer vorhergehenden Episode Selbstmord beging) und das illegale Abhören Brodys und seiner Familie. Schließlich sammelt der Fragesteller genug inkriminierendes Material, um Estes zufriedenzustellen.

Who the fuck are you?

Zwar ist der geplante Anschlag auf sein Leben momentan Brodys größtes Problem (von dem er noch nichts weiß), die familiären Verwerfungen setzen ihm jedoch in gleichem Maße zu. Außer Sohn Chris (Jackson Pace) kann keiner der Familienmitglieder etwas Gutes an dem goldenen Käfig finden, in dem sie vorübergehend gezwungen sind zu leben. Tochter Dana (Morgan Saylor) rastet angesichts des leeren Milchbeutels aus und bezeichnet Mike (Diego Klattenhoff) als den besseren Vater. Brody und Jessica (Morena Baccarin) steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, sie beide wissen jedoch: Ein klärendes Gespräch ist schon lange überfällig.

Carrie folgt unterdessen ihrem Gespür und schafft es, Quinn zu einer erneuten Durchsuchung des Tunnelsystems zu überreden. Natürlich lässt sie es sich nicht nehmen, die Suche anzuführen. Und wieder beweist sie ein geübtes Auge fürs Detail. In einer der vielen unbeleuchteten Gänge entdeckt sie im Licht der Taschenlampen eine ungewöhnliche Deckenverkabelung. Hinter einem Steuerungselement finden sie schließlich den Zugang zu Abu Nazirs Versteck. Ein spärliches Matratzenlager und einige Verpflegungsmittel referenzieren eindeutig die erbärmlichen Verstecke realer Terroristen oder international Gesuchter wie Saddam Hussein (Erdloch) oder Osama Bin Laden (heruntergekommenes Anwesen).

Nachdem Carrie und ein Mitglied des Sondereinsatzkommandos (SEK) offenbar während ihrer Entdeckung vom Rest der Gruppe getrennt wurden, holt sie Verstärkung. Dies stellt sich als fatal für das namenlose Mitglied des SEK heraus. Abu Nazir taucht aus dem Dunkel auf und durchtrennt kurzerhand seine Halsschlagader. Als Carrie dies hört und zurückeilt, greift er auch sie an. In einer schön choreographierten Sequenz schafft sie es zunächst, ihm zu entkommen, bevor er wieder hinter ihr auftaucht. Jetzt ist jedoch das SEK zur Stelle und tötet Nazir. Der Sandman ist Geschichte.

Als Brody im Kreise seiner Familie die Nachricht erreicht, schafft er es nicht, seine ambivalenten Gefühle zu unterdrücken. Da die Bedrohung für ihn und seine Familie nun gebannt zu sein scheint, können sie endlich wieder zurück in ihr Zuhause. Dort angekommen, führen Brody und Jessica endlich ihr klärendes Gespräch. Beide sind sich einig, dass sie keine gemeinsame Zukunft mehr haben. Als er ihr dennoch die Wahrheit über sich offenbaren will, lehnt sie ab. Er ist nun frei und kann sich der Frau zuwenden, die ihn wirklich kennt: Carrie.

Fazit

Wenngleich immer noch einige erzähltechnische und logische Lücken in der Geschichte auftauchen, schafft es die neue Episode von Homeland, an die starke erste Hälfte der Staffel anzuknüpfen. Das Verhalten der Charaktere folgt mit einzelnen Ausnahmen wieder schlüssigeren Mustern.

Dass Saul etwa im Verhör dem Befrager seine Theorien offenbart und danach gleich bei Estes noch einmal nachlegt, ist etwas unverständlich. Und dass sich Carrie und Brody sofort nach den Ereignissen sämtliche Angelegenheiten über unverschlüsselte Telefonate mitteilen, ist ebenfalls recht unglaubwürdig.

Die großen Handlungsstränge werden jedoch zu einem vernünftigen Ende gebracht. Carrie schafft es wieder einmal, ihrem Gespür folgend den größten Widersacher auszuschalten und Brody zieht die richtigen Schlüsse aus seiner gescheiterten Ehe mit Jessica und beendet ebenjene.

Was bleibt also für die letzte Episode der Staffel? Es läuft wohl alles darauf hinaus, dass Carrie und Saul versuchen, den geplanten Anschlag auf Brody zu verhindern und die Verschwörung innerhalb der CIA aufzudecken. Womöglich war aber auch schon die vorletzte Episode The Motherfucker with a Turban der Höhepunkt des zweiten Teils der zweiten Staffel (wie es doch öfter vorkommt bei den sogenannten Qualitätsserien).

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 10. Dezember 2012
Episode
Staffel 2, Episode 11
(Homeland 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Ein großer Tag
Titel der Episode im Original
In Memoriam
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 9. Dezember 2012 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 3. November 2013
Autor
Chip Johannessen
Regisseur
Jeremy Podeswa

Schauspieler in der Episode Homeland 2x11

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