Hannibal 2x07

Hannibal 2x07

In der Episode Yakimono kann sich der durchtriebene Dr. Lecter wieder einmal selbst übertreffen. Obwohl man sich von dem düsteren Zauber der Serie Hannibal weiterhin nur zu gern in Beschlag nehmen lässt, stimmen einige Entscheidungen der Figuren doch stutzig.

In der Serie „Hannibal“ begeben sich Will Graham (Hugh Dancy) und Jack Crawford (Laurence Fishburne) in die Höhle des Löwen. / (c) NBC
In der Serie „Hannibal“ begeben sich Will Graham (Hugh Dancy) und Jack Crawford (Laurence Fishburne) in die Höhle des Löwen. / (c) NBC

Nach der Sichtung der Episode Yakimono war ich ein bisschen hin-, und hergerissen. Zum einen gelingt es der Serie Hannibal wieder einmal ausgezeichnet, vor einer phänomenalen Kulisse eine haarsträubende Spannung heraufzubeschwören. Gleichzeitig erfordert es die Tatsache, den Psychopathen Lecter (Mads Mikkelsen) trotz aller Verdachtsmomente noch einmal davonkommen zu lassen, dass sich sowohl Jack Crawford (Laurence Fishburne) als auch einige der anderen Charaktere beizeiten etwas merkwürdig aufführen...

Ein trauriger Verlust

Eine der großen Stärken von Hannibal ist die Tatsache, dass man sich niemals darüber in Sicherheit wiegen kann, was als nächstes geschieht - nicht einmal, wenn man mit den Vorlagen des Thomas Harris vertraut ist. Bedauerlicherweise geht eine der bislang wohl prägnantesten Überraschungen zu Lasten einer Figur, der im harris'schen Paralleluniversum noch das Vergnügen zuteil wird, Hannibal hinter Gittern zu erleben.

Raúl Esparza macht in seiner Rolle des Dr. Frederick Chilton auch in Yakimono wieder eine derartig gute Figur, dass der Mord an dem Psychiater einen nicht nur schockieren, sondern auch traurig stimmen dürfte. Schließlich begeistert Chilton durch einen Humor, der nicht nur besonders erquicklich geraten ist, sondern in der Serie auch viele der dringend benötigten, heiteren Momente beisteuerte.

Von Böcken und Lämmern

Doch leider geht Fredericks frommer Wunsch - „I would like to remain not dead for the foreseeable future“ - nicht in Erfüllung. Wider erwarten endet er jedoch nicht als erlesene Hauptspeise einer Dinnerparty, sondern lediglich als metaphorischer Sündenbock. Und dieser wird dank Hannibals langjähriger, perfider Planung ausgerechnet von einem Opferlamm geschlachtet. In ihrer zweijährige Gefangenschaft hat der Psychopath den Geist der Agenten-Anwärterin Miriam Lass (Anna Chlumsky) infiltriert, und ihr Chilton als wahren Chesapeake Ripper eingeimpft.

Die Feinde des Lecter

Kurz nachdem Lecter seinem BFF Will Graham (Hugh Dancy) den Weg aus dem Baltimore State Hospital for the Criminally Insane heraus ebnete, gelingt es ihm, sich auch selbst von den erdrückend anmutenden Anschuldigungen reinzuwaschen. Zunächst dürfen die Zuschauer allerdings noch mit Freude beobachten, wie sich aus Chilton und Graham ein mitreißendes Team formiert. Während sie darüber fachsimpeln, den Kannibalen zu Fall zu bringen, blickt gleichzeitig auch Jack Crawford endlich der düsteren Wahrheit ins Gesicht.

Die überwältigende Weitsicht des Bösen

Doch der Super-Schurke Lecter kann nicht nur Wills Prognosen gegenüber Jack vorausahnen und dementsprechend auch seinen eigenen Fingerabdruck in den Hinterlassenschaften des Rippers positionieren. Darüber hinaus leitet er den Fund von der lebendigen Miriam und dem erst kürzlich verblichenen Abel Gideon (Eddie Izzard) genau zum richtigen Zeitpunkt in die Wege, um Chilton vollends als Ripper zu brandmarken.

Die neuen, alten Freunde des Lecter

Alana Bloom (Caroline Dhavernas) ist nach wie vor von Lecters Unschuld überzeugt. Es wirkt zwar aus der weitsichtigeren Perspektive der Zuschauer grenzenlos engstirnig, dass sie sich nicht den geringsten Zweifel gestattet. Doch ihre lange, auch körperliche Beziehung zu ihrem Mentoren wiegt schwer.

Alana fungiert dabei in gewisser Weise als Stimme der Moral, was auch im Rahmen der Übergabe von Wills Hunden wieder deutlich gemacht wird: „What was done to you doesn't excuse what you did.“ Die Tatsache, dass Graham zum Auftragsmörder wurde, dürfte sie sogar noch in ihrer Einstellung zu Hannibal bestärkt haben. Schließlich stellt Lecter - zumindest in dieser Situation - das bemitleidenswerte Opfer dar.

Doch nach dem Ende von Yakimono ist es Hannibal auch gelungen, Jack wieder auf seine Seite zu manövrieren. Für den Fortgang der Serie ist es nun einmal nötig gewesen, Lecter zumindest vorübergehend wieder rein zu waschen. Und die Serienverantwortlichen im Umfeld von Bryan Fuller leisten verhältnismäßig gute Arbeit dabei, Jack trotz seiner fehlerhaften Schlussfolgerungen nicht allzu dumm dastehen zu lassen. So darf man in Bezug auf den Agenten nicht außer acht lassen, dass er dem Killer zudem das Überleben seiner Ehefrau zu verdanken hat.

Stirnrunzeln

Dennoch regt das Betragen des chronischen Einzel-Agenten Crawford beizeiten zum Stirnrunzeln an. Warum setzt er seinen stark in Mitleidenschaft gezogenen Schützling Lass der Gefahr aus, die mit einer erneuten Hypnose durch Lecter einhergeht? Warum scheint es Jack - und überhaupt niemanden - stutzig zu stimmen, dass ein körperlich derartig in Mitleidenschaft gezogener Mann wie Chilton Hannibals Taten wohl kaum hätte ausführen können? Es ist schon fragwürdig genug, dass es Hannibal - einzig mit feschem Ganzkörperanzug und Chlorophorm bewaffnet - gelingen sollte, zwei misstrauische FBI-Agenten zu überrumpeln. Von den immensen Anstrengungen, die mit den anderen Schreckenstaten des Rippers einher gegangen sein müssen, ganz zu schweigen.

Dr. Chilton (Raúl Esparza) wird sich hoffentlich nicht einer gewöhnlichen Kugel geschlagen geben; oder? © NBC
Dr. Chilton (Raúl Esparza) wird sich hoffentlich nicht einer gewöhnlichen Kugel geschlagen geben; oder? © NBC

Auch die Entscheidungen Chiltons sind nicht gänzlich nachvollziehbar. Warum unternimmt er, gemäß Hannibals Weisung, einen Fluchtversuch, anstatt beispielsweise das Betäubungsmittel in seinem eigenen Körper nachweisen zu lassen? Doch auch unsinnige Anwandlungen wie seinen hoffnungslosen Spurt durch den Schnee darf man seiner verzweifelten Figur wohl vergeben. Schließlich dürfte es einen nicht ganz kalt lassen, einen „halb gegessenen“ ehemaligen Patienten in der eigenen Wohnung aufzufinden...

Applaus!

Sowohl auditiv als auch visuell bekommen wir es in Hannibal wieder einmal mit einem formvollendeten Kunstwerk zu tun: So wunderschön schaurig die Details des aus der Vorgängerepisode Futamono (2x06) bekannten Todes-Baumes inszeniert werden, so schrecklich ist der Anblick des vollkommen verstümmelten Leichnams des Abel Gideon (Eddie Izzard) geraten.

Darsteller Laurence Fishburne und seine Kollegen leisten gewohnt großartige Arbeit. Mikkelsen lässt seinen Lecter, der sich gerade gekränkt als „usual suspect“ missverstanden sieht, dabei unterschwellig eine derartige Bedrohlichkeit ausstrahlen, dass einem ganz schwindelig wird. Dancy kann ebenfalls begeistern, indem er Will Graham eine neue Kaltschnäuzigkeit auferlegt. Die begabten Herren müssen sich die Lorbeeren in dieser Episode jedoch mit Anna Chlumsky teilen. Einzigartig verkörpert sie eine Miriam Lass, die trotz aller Traumata um die Fassung ringt, die sie mit ihrer Berufsehre in Verbindung zu bringen scheint. Besonders der Sequenz, in der Lass ihre Prothese angepasst bekommt, wohnt eine packende Intensität inne. Gleiches gilt im übrigen für die Szene, in der Will seinem Erzfeind überraschend - und ausgerechnet vor dessen Kühlschrank - mit geladener Waffe entgegentritt.

Fazit

Von der ersten Minute sieht man sich auch in dieser Episode von einem mitreißenden Sog erfasst. Zunächst regiert die Ungewissheit über die Rolle von Miriam: „Two years is a long time to have Hannibal in your head.“ Verschweigt sie die Identität des Täters aus Angst? Ist sie vielleicht gar mit dem Teufel im Bunde? Erst Stück für Stück weichen die Verschwörungstheorien, während gleichzeitig das schier übermenschliche Geschick des Lecter zu Tage tritt.

Obwohl Hannibal die Grenzen des real machbaren auch in dieser Episode überdehnt, einige Charaktere beizeiten etwas ungeschickt agieren und man dazu geneigt ist, Alana aus ihrer Verblendung herauszuohrfeigen zu wollen, obsiegt der Unterhaltungsfaktor wieder spektakulär über jegliche Skepsis. Einzig den Mord an Chilton möchte ich Mr. Fuller nicht so einfach vergeben. Doch wer weiß - vielleicht hat Miriams Kopfschuss ja weniger Schaden angerichtet, als es zu erwarten wäre? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Lecter wird in Yakimono reingewaschen, Miriam ist zur Mörderin geworden und Chilton ist (hoffentlich nicht!) tot. Doch Will ist nicht nur frei und frisch frisiert, sondern auch so stark wie nie zuvor. Er hat verstanden, dass sein „Fisch“ Hannibal besonders schwer zu fassen sein wird, nachdem er sich schon einmal vom Haken gerissen hat. Und indem sich Will seinem Feind nun wieder als Patienten präsentiert, scheint er sich selbst als den passenden Köder auserkoren zu haben!

Don't you want to know how this ends,“ fragt Lecter den Profiler. Diese Frage beantwortet nicht nur Will insgeheim mit einem zerknirschten „Ja.“ Gleichzeitig ist es aber auch verlockend, dass sich Fueller bis dahin mit weiteren fünfeinhalb Staffeln noch jede Menge Zeit lassen möchte...

Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 12. April 2014

Hannibal 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(Hannibal 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Theater
Titel der Episode im Original
Yakimono
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 11. April 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. August 2014
Autoren
Steve Lightfoot, Bryan Fuller
Regisseur
Michael Rymer

Schauspieler in der Episode Hannibal 2x07

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