Hannibal 2x06

Hannibal 2x06

In der Episode Futamono prescht die Handlung mit schnellem Schritt voran. Während Will dabei im Kampf gegen den Kannibalen Hannibal neue Verbündete gewinnt, kann besonders auch die Figur des Dr. Chilton begeistern.

In der Serie „Hannibal“ kommt Alana Bloom (Caroline Dhavernas) ihrem Mentor Dr. Lecter (Mads Mikkelsen) unangenehm nahe. / (c) NBC
In der Serie „Hannibal“ kommt Alana Bloom (Caroline Dhavernas) ihrem Mentor Dr. Lecter (Mads Mikkelsen) unangenehm nahe. / (c) NBC

Was für ein köstlicher Wahnsinn, der den Zuschauern von Hannibal in Futamono aufgetischt wird! Es gibt eine besonders kunstvoll arrangierte „Baum-Leiche“ zu sehen, und nicht nur in dem vermutlich letzten Mahl für Abel Gideon (Eddie Izzard) manifestieren sich hübsche Anspielungen auf die Verfilmungen der Thomas-Harris-Romane.

Während neben Will Graham (Hugh Dancy) nun auch Dr. Frederick Chilton (Raúl Esparza) und sogar Jack Crawford (Laurence Fishburne) in Erwägung ziehen, dass Dr. Lecter (Mads Mikkelsen) seine Diät durch unorthodoxe Zutaten erweitert, ist der Kannibale seinen Widersachern am Ende doch immer einen Schritt voraus. Ob sich das nach dem spektakulären Cliffhanger der Episode wohl ändern wird?

Im Rausch der Wahrheit

Will übt sich weiterhin als Meister der Manipulation, indem er den Soziopathen Abel Gideon (Eddie Izzard) einschüchtert und zum Sprechen bringt. Schließlich weiß Graham, dass er sich dabei gleichzeitig auch Chiltons Aufmerksamkeit sicher sein kann. Dann geht es auf einmal überraschend schnell: „If the Ripper is killing, you can bet that Hannibal Lecter is planning a dinner party.

Die Tatsache, dass die unappetitliche Wahrheit dem Agenten Jack Crawford bereits jetzt so unmissverständlich von Will präsentiert wird, treibt den Puls in die Höhe. Und das, obwohl man sich doch eigentlich sicher sein konnte, dass die Ergreifung des Kannibalen noch mindestens ein paar Episoden auf sich warten lassen würde.

Es ist dabei regelrecht berauschend zu beobachten, wie sich Crawford mit Chilton über den renommierten Psychiater Lecter und dessen potentielle Machenschaften austauscht. Hierbei tut sich der Leiter des Baltimore State Hospital for the Criminally Insane zur Abwechslung einmal nicht durch seine unangenehme Art hervor, sondern durch seinen Fachverstand. So interpretiert Chilton prägnant und sicherlich auch zutreffend Hannibals Kannibalismus als Machtdemonstration.

Ode an einen Kotzbrocken

Überhaupt wertet Chiltons Charakter praktisch jede Szene auf, in der er in Futamono zugegen ist. Dies liegt zum einen in der hervorragenden Leistung des Schauspielers Raúl Esparza begründet, der den ruchlosen Mann in vielen verschiedenen Nuancen präsentiert. Zum anderen wohnt einem Großteil von Fredericks Betragen - und besonders auch seinen Aussprüchen - ein bestechender Humor inne. Egal ob er als erstes in der Serie von „Hannibal the Cannibal“ spricht, allzu „verdächtiges“ Fleisch mit spitzen Fingern von sich weist oder Abels Lügen gegenüber Jack mit einem Anflug von Bockigkeit quittiert - dies ist ein Chilton in Hochform.

Du bist, was du isst?

Im Gegensatz zu der bemitleidenswerten Beverly Katz ist Jack Crawford ein Meister des Pokerface. Als Hannibal - unmittelbar im Anschluss an Wills Prognose - eine kleine Dinnerparty ankündigt, zuckt der Agent nicht einmal mit der Wimper. Umso erstaunlicher ist es aber, dass er bei der entsprechenden Abendveranstaltung vollends in die Offensive geht, indem er von Lecter sein Essen „to go“ bestellt. Ist Jack sich seiner Sache so sicher? Oder hat sein Vorgehen lediglich den Hintergedanken, dass die fragwürdigen Häppchen kaum vor Gericht Verwendung finden dürften, wenn sie heimlich stibitzt worden wären?

Nachdem Jack die Fleischproben an sich genommen hat, zwinkert Hannibal Dr. Chilton gänzlich unbesorgt zu. Spätestens nach dieser Geste hätte man erahnen können, dass hier vielleicht doch nicht die neuesten Opfer des Chesapeake Ripper gereicht werden. Dennoch leistet die Serie gute Arbeit dabei, die Zuschauer durch dezente Gesten und Hinweise ins Zweifeln zu bringen. Und doch drängt sich hier nun die Frage auf, ob Hannibal an diesem Abend tatsächlich ausschließlich Vertreter der Tierwelt serviert hat - und was in diesem Falle aus seinem Vorrat an Menschenfleisch geworden ist.

Der unwiderstehliche Hannibal

Als Lecter gegenüber Alana Bloom (Caroline Dhavernas) von seinen Albträumen berichtet, ist man fast geneigt, dem Kannibalen zu glauben. Will scheint es ernsthaft gelungen zu sein, Lecter kurzzeitig zu verunsichern: „You have found a way to hurt me“, gesteht er Will.

Doch fast im gleichen Atemzug verfliegt jeder Eindruck von Schwäche in einer Drohung, die sich kaum noch als unterschwellig klassifizieren lässt: „I wonder how many more people are going to get hurt by what you do. I will give Alana Bloom your best.“ Auch die Tatsache, dass auf Wills „Who does he have to kill before you open your eyes?“ die Kamera nach einem auffällig abrupten Szenenwechsel direkt auf die Psychologie-Professorin gerichtet wird, weckt böse Befürchtungen. Doch zum Glück für Alana begnügt sich Hannibal fürs erste damit, sie nur in sexueller Hinsicht zu vernaschen - bevor er sie betäubt, und als Alibi missbraucht, versteht sich.

Die Tatsache, dass Alana in dieser Episode ganz offenkundig Hannibals Nähe sucht, und sich dabei nicht von Jacks neuer Skepsis abschrecken lässt, mag vielleicht stutzig stimmen. Doch man muss auch bedenken, dass sie sich nach Wills moralischer Entgleisung in einem verwundbaren Stadium - der „Beerdigungs-Phase“ - befindet. Eine solche Schwäche vermag ein Psychopath wie Lecter selbstverständlich gekonnt auszunutzen. Zudem darf der Tatsache gar nicht genug Rechnung getragen werden, dass Bloom Hannibal schon seit einer gefühlten Ewigkeit zu kennen glaubt, und er zudem als ihr Mentor fungierte.

Der andere Hannibal...

Die Dialoge sind in dieser Episode von Hannibal wieder einmal so kunstvoll und stimmig ausgearbeitet, dass die Rezensentin sie am liebsten in ihrer Gänze transkribiert hätte. Es werden wie immer erfrischend hochgestochene Konversationen inszeniert. Umso wirkungsvoller ist dann der Effekt, als Jack sich in Anlehnung an das Lied „Big Yellow Taxi“ plötzlich zu dem popkulturellen Einwurf „The councilman paved paradise and put up a parking lot“ hinreißen lässt.

Zudem werden immer wieder Referenzen an die berühmten Verfilmungen in die Handlung der Serie eingeflochten. So erwähnt Hannibal gegenüber Alana beispielsweise einen Volkszähler, der ihn einst zu allzu früher Stunde belästigt habe. Unweigerlich dürfte man dabei an Anthony Hopkins' Hannibal denken, der in „Das Schweigen der Lämmer“ gesteht, die Leber eines Vertreters ebendieser Berufsgruppe verspeist zu haben - bevor er Clarice Starling (Jodie Foster) so unvergleichlich kultig entgegenzüngelt.

Verstörend und grenzenlos unterhaltsam zugleich ist zudem die Szene geraten, in der Lecter Abel sein eigens Bein serviert, nachdem er ihn aus seinem Krankenbett entführt hat: „You intend me to be my own last supper?“, fragt der arme Abel in einem Anflug von Unbehagen und erinnert dabei auf angenehm unaufdringliche Weise an den FBI'ler Paul Krendler (Ray Liotta). Dieser wurde in dem „Hannibal“-Film von 2001 schließlich ebenfalls an sich selbst verfüttert.

In Anbetracht dessen
In Anbetracht dessen

Stirnrunzeln

In Futamono wird man im Vergleich zu den letzten Vorgängerepisoden zwar öfter dazu angehalten, ein wenig mit der Stirn zu runzeln. Der zeitliche Aufwand, den Hannibal betrieben haben muss, um den „Baum-Mann“ mitsamt all seinen schaurigen Details zu erschaffen, muss schon sehr erheblich gewesen sein. Doch immerhin hatte der Killer dabei inmitten der Betonwüste seine Ruhe. Wie um Himmels Willen ist es Lecter aber innerhalb der gegebenen Zeit gelungen, Abels Wächter im Krankenhaus derartig kunstvoll zu arrangieren?

Zum Thema Abel: Was hat er sich nur davon versprochen, seine Wärter so lange zu provozieren, bis sie ihn brutal zum Schweigen bringen? Schließlich wird in seinem Gespräch mit Will vom Beginn der Episode doch deutlich, dass ihm etwas an seinem Leben liegt. Auch im Falle von Jack muss man die Motivation für sein Handeln hinterfragen. Denn warum um alles in der Welt sollte er sich mutterseelenallein in ein abgelegenes Gemäuer begeben, in dem er den Stützpunkt eines Serienkillers vermutet? Immerhin wird sein Kamikazeakt am Ende belohnt. Denn in einem schrecklichen Erdloch, das übrigens dem Gefängnis von Buffalo Bills Opfer Catherine Martin in „Das Schweigen der Lämmer“ nicht ganz unähnlich ist, stößt der Agent auf die totgeglaubte Miriam Lass (Anna Chlumsky)!

Fazit

Nach der Episode Mukozuke hatte es noch so ausgesehen, als hätte Will durch seinen Versuch, Hannibal mithilfe von Matthew Brown (Jonathan Tucker) ins Jenseits zu befördern, sämtliche Verbündete von sich gestoßen. Doch in Futamono wendet sich nun das Blatt auf spektakuläre Weise.

Dank Chilton und Crawford scheint sich die Schlinge um Hannibals Hals tatsächlich zuzuziehen, auch wenn dies im Unterschied zur vorangegangenen Episode leider nicht mehr wörtlich zu nehmen ist. Auch Will ist zu einem mächtigen Gegner für den Kannibalen avanciert. Während Alana momentan zwar nicht gerade durch ihre Menschenkenntnis begeistert, trifft sie zumindest in Bezug auf den Profiler den Punkt: „He is not scared. Not anymore. That is what is making him dangerous.“ Und nun, da der Chesapeake Ripper auch Wills vermeintliche Opfer für sich beansprucht, dürfte der Gefangene gar noch an Handlungsspielraum hinzugewinnen.

Allerdings ist es Hannibal selbst, der Will durch die neuen Beweise entlastet, und es wäre schon erstaunlich, wenn er sich nichts davon versprechen würde. In Anbetracht von Lecters Geschick und seinem Perfektionismus scheint es ebenso unwahrscheinlich, dass er die Rinde übersehen haben könnte, die Jack wieder mit seinem Schützling Lass vereint.

Es gibt zwar die bereits angesprochenen Details, die man an dieser Episode von Hannibal kritisieren könnte. Doch dank der spektakulären Entwicklungen, den wunderschönen Spezialeffekten und dem leidenschaftlichen Spiel einer Spitzen-Besetzung kann man es trotz allem kaum erwarten, dass der Kampf zwischen dem erstarkten „Team Will“ und einem Psychopathen mit beängstigender Weitsicht endlich in die nächste Runde geht.

Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 5. April 2014

Hannibal 2x06 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 6
(Hannibal 2x06)
Deutscher Titel der Episode
Suite für Cembalo
Titel der Episode im Original
Futamono
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 4. April 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. August 2014
Regisseur
Tim Hunter

Schauspieler in der Episode Hannibal 2x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?