Halt and Catch Fire 3x10

Halt and Catch Fire 3x10

Zum Abschluss ihrer hervorragenden dritten Staffel gönnt sich die Retroserie Halt and Catch Fire einen Zeitsprung von vier Jahren. Stärker als zuvor konzentrieren sich die Episoden NIM und NeXT auf die persönlichen Verwerfungen im Kreise der Protagonisten.

The gang's back together. / (c) AMC
The gang's back together. / (c) AMC

Ein kleines Wunder ist es angesichts der miserablen Einschaltquoten der AMC-Serie Halt and Catch Fire schon, dass wir hier deren dritte Staffel besprechen können. Noch überraschender ist, dass das Format sogar um eine vierte und letzte Staffel verlängert wurde. Das wussten die Serienschöpfer Christopher Cantwell und Christopher Rogers aber wohl nicht lange genug im Voraus, sonst hätten sie mit NIM und NeXT nicht zwei Episoden produziert, die als wunderbares Serienende hätten herhalten können.

Create change

Es ist erstaunlich, welch positive Entwicklung diese Retroserie hingelegt hat, nachdem ihre erste Staffel noch mit allerlei Kinderkrankheiten behaftet war. In einer Welt ohne #PeakTV wäre sie wohl schnell abgesetzt und vergessen worden, so jedoch erkannten die Verantwortlichen des Kabelsenders das Potential des von ihnen hergestellten Formats. Die zweite Staffel wurde hernach dadurch aufgewertet, dass Rogers und Cantwell ihren Protagonistinnen den Vortritt ließen und die dritte bringt sie alle wieder auf organische Weise zusammen.

In der Welt, in der die Serie nun abgesetzt worden wäre, hätte sie mit einem hervorragenden Epilog ihren Abschied genommen. Dabei war es eine gute Idee der AMC-Programmmacher, die beiden abschließenden Episoden zusammen auszustrahlen. So bleibt genügend Zeit, uns nach einem Zeitsprung von vier Jahren auf den aktuellen Stand der Charaktentwicklung zu bringen, um im Finale dann ein Festival der großen Emotionen und noch größeren Ideen zu feiern. Verabschiedet werden wir mit einem Bild, das gleichzeitig optimistisch in die Zukunft schaut und die gemeinsame Vergangenheit der Figuren referenziert.

Donna (Kerry Bishé) ist nun nicht nur von Gordon (Scoot McNairy) geschieden, sondern auch zur Partnerin in der Firma von Investorin Diane (ohne Auftritt: Annabeth Gish) aufgestiegen. Sie ist es, die die Gruppendynamik erneut ins Rollen bringt, indem sie Joe (Lee Pace) darum bittet, Cameron (Mackenzie Davis) von einer abermaligen Kooperation zu überzeugen. Donna hat nämlich, und das erfahren wir erst in der darauffolgenden Episode, eine großartige Idee, die ausgerechnet die Gründung des Internets beinhaltet.

Plötzlich haben nicht Joe (Lee Pace; l.) und Gordon (Scoot McNairy) ein Problem miteinander;... © AMC
Plötzlich haben nicht Joe (Lee Pace; l.) und Gordon (Scoot McNairy) ein Problem miteinander;... © AMC

Statt jedoch seinen Kurierdienst zu erfüllen, widmet sich Joe lieber der Umgarnung der Frau, die er ganz offensichtlich immer noch liebt. Das erkennen wir lange, bevor er diese Worte gegenüber Gordon ausspricht. Auf der Computermesse Comdex, auf der Cameron als Erfinderin der „Space Bike“-Videospielserie gefeiert wird, verbringen sie ehrliche, betrunkene und schließlich auch intime Zeit. Cameron ermutigt ihren stillen Bewunderer, seine Trauer über Ryans Selbstmord nicht zu unterdrücken, sich dafür aber auch nicht die Schuld zu geben. Er zahlt das mit sehnsüchtigen Blicken zurück.

Anger turned into sadness

Gordon hat sich derweil eine gemütliche Nische als Betreiber eines Unternetzwerks des NSFNets geschaffen, in der ihm viel Freizeit beschieden scheint. Diese füllt er mit seiner neu entdeckten Kochleidenschaft sowie der Suche nach einer Freundin und dem Bändigen der sich nun im Teenageralter befindenden Joanie (Kathryn Newton). Alle drei Beschäftigungen gipfeln in einer wunderbar verqueren Szene, in der Joanie ihren Frust über das Regiment des Vaters an dessen Date Michelle (Amy Seimetz) auslässt. Am nächsten Morgen hat sich dieser Sturm aber wieder gelegt und Gordon darf eine Weisheit seiner vorlauten Tochter vernehmen: „People aren't one thing.

Einblicke in die neuen beruflichen Umfelder der Hauptfiguren bekommen wir in NIM nur selten - und wenn, dann sind sie größtenteils humoristischer Natur. Dafür liefert uns die Abschlussepisode NeXT die volle Breitseite technologischen Geschwurbels. Donna ist es tatsächlich gelungen, die ganze Bande noch einmal in Kalifornien zu versammeln, wobei das Pärchen mit der längsten Anreise die größten Bedenken hat - und daraus keinen Hehl macht.

Das erste Treffen endet abrupt und ohne Ergebnis, woraufhin Donna bereits frustriert aufgeben will. Ihre Idee der Gründung des Internets - ihre Version heißt „WorldWideWeb“ - ist gut, jedoch gibt es zu viele bisweilen berechtigte Einwände, warum es nicht funktionieren kann. Gordon glaubt schlicht, dass es für eine solche Technologie zu früh sei, Camerons eigentlich gar nicht eingeladener Ehemann Tom (Mark O'Brien) lässt seinen persönlichen Differenzen mit Joe freien Lauf und Cameron hat es satt, dass immer alle von einer vagen Zukunft faseln, die doch auch nichts anderes sei als „another crappy version of the present.

...; sondern Donna (Kerry Bishé; l.) und Cameron (Mackenzie Davis). © AMC
...; sondern Donna (Kerry Bishé; l.) und Cameron (Mackenzie Davis). © AMC

Joe, der größte Anhänger revolutionärer Ideen, hat dafür zunächst nur eine schwache Reprise auf Lager: „This future can be different.“ Nach einem Tag Bedenkzeit, den Cameron genutzt hat, um sich von Salty Sailor und Pensionär Bos (Toby Huss) neue Motivation zu holen, fällt dem Visionär jedoch das richtige Produkt und die dazu passende Metapher ein: „All we have to do is build a door.“ Tom, mittlerweile mit dem richtigen Verdacht hinsichtlich Cameron und Joe ausgestattet, geht nun in den handfesten Frontalangriff über.

All there is is now

Zwischenzeitlich haben Donna und Gordon einen versöhnlichen Abend miteinander verbracht, von dem sich Donna im Verlauf offensichtlich mehr erhofft hat. Die nächste Enttäuschung folgt bald darauf: Cameron ist überzeugt davon, nicht mehr mit Donna arbeiten zu können, nachdem die abermals vorgeschlagen hat, ein Teammitglied auszubooten, um schneller voranzukommen - ganz so, wie sie es mit Cameron vor wenigen Episoden gemacht hatte. Eine Szene übrigens, die wohl als eine der besten dieser Serie und vielleicht auch des gesamten Fernsehjahres gelten wird.

Statt jedoch wie vor vier Jahren die eigene Abwehrreaktion zu verstärken, zeigt sich Donna einsichtig. Sie gibt das Projekt, zu dem sie die Idee geliefert hat, kurzerhand an Cameron ab, was ihr Gewissen beruhigen dürfte, sie aber sichtlich frustriert. Ihre einzige Hoffnung ist nun, dass Cameron zu Beginn der vierten Staffel genug Hochmut aufbringen kann, um sie wieder ins Boot zu holen. Derzeit segeln darin allerdings nur drei Matrosen - wie zu Beginn der Serie, als Joe, Gordon und Cameron gebannt auf den Bildschirm ihres IBM-Nachbaus starrten.

Nun sind die Einsätze um einiges höher, was die atemberaubende Entwicklung dieser mittlerweile grandiosen Dramaserie widerspiegelt. Zusätzlich verkompliziert wird der Wettlauf um den Zugang zum Internet durch die Beziehungsstränge, die das Quartett durchdrängen. Am Ende der Finalepisode gesteht Joe gegenüber Gordon, was wir alle längst wissen - er liebt Cameron. Ob es ein gutes Vorzeichen ist, wenn gleich zu Beginn des Projekts solch große Gefühle im Spiel sind? Die abschließende Staffel der kleinen, wundersam überlebenden Serienperle Halt and Catch Fire wird uns darüber aufklären. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürfte sie zum Besten gehören, was wir im nächsten Jahr zu sehen bekommen.

Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 15. Oktober 2016
Episode
Staffel 3, Episode 10
(Halt and Catch Fire 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Vorabend der Revolution
Titel der Episode im Original
NeXT
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 11. Oktober 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 27. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 27. November 2016
Autoren
Christopher Cantwell, Christopher C. Rogers
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode Halt and Catch Fire 3x10

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?