Grimm 5x11

Monroe (Silas Weir Mitchell) nennt Wolfach ein „nice looking little Dorf“, also bitte. Darüber hinaus jedoch ist es wirklich schön zu sehen, wie eng die Serienmacher sich an die wirklichen Begebenheiten halten. Keine Kulisse, die eigentlich vom Bodensee stammt wird als Saarland ausgegeben. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass US-amerikanische Filmemacher die europäische Landkarte nicht so genau anschauen. Anders die Grimm-Macher, sie suchen sich einen kleinen Ort im mittleren Schwarzwald und bleiben dabei.
WTF, Wolfach!
Viele wussten es schon vor Ausstrahlung der Episode Key, welchen Teil Deutschlands wir zu sehen bekommen, wenn Nick (David Giuntoli) und Monroe sich auf die Spur des Schlüsselrätsels begeben. Schließlich war bereits im November ein Filmteam in Ortenau gewesen um Aufnahmen zu machen. Die Stars selbst waren nicht vor Ort, lediglich zwei Körperdouble beschritten für die beiden Freunde den Weg vom Auto zur Kirche. Und doch ist es wunderbar zu sehen, wie die Serienmacher mit der Idee umgehen, einen Teil der Story in den Schwarzwald zu legen. Sie sagen, sie fahren nach Wolfach und das tun sie dann auch. Auch wenn die Aufnahmen, die hinter dem Autofenster herfliegen nicht in jedem Detail zu der Fahrt von Stuttgart nach Wolfach passen, so bleiben sie doch größtenteils nah dran. Wie wunderbar komisch für alle, die sich dort ein bisschen auskennen, wie die Rezensentin selbst. Zu sehen, wie Nick und Monroe über Schiltach in den Ortenaukreis einfahren, ist einfach unterhaltsam. Vieles, was wir sehen, passt zusammen. Den einzigen Fehlern in Sachen Geographie machen die beiden Figuren selbst als sie die Karte der Schlüssel falsch lesen. Doch schließlich stellen sie fest, das große Geheimnis der Schlüssel liegt nahe dem Zusammenfluss von Kinzig und Wolf.
Die Genauigkeit, mit der die Serienmacher ihren Ausflug in den Schwarzwald durchziehen, macht Spaß und zeigt, wieso die Serie trotz vieler Schwächen doch immer schön zu sehen ist. Die Figuren sind liebenswert und aufgeregt, wie die Serie selbst nehmen sie sich nicht zu ernst, sondern achten darauf, stets ihr Bestes zu geben. Und besonders kann man alles, was die Serie ausmacht an Monroe beobachten. Als Nick und er sich durch den nächtlichen Wald schlagen, gibt er seine Version der Bauernkriege zu besten und legt eine historische bis mythische Atmosphäre auf eine Szene, die man ebensogut gruselig oder spannend ausleuchten könnte. Doch nicht Grimm, trotz Märchenwesen und manchmal sogar übernatürlicher Kräfte fußt die Geschichte immer in einem überraschend normalen Alltag, in dem Monroe und Rosalee (Bree Turner) sich auch mal mit Rosalees wilder Vergangenheit auseinander setzen müssen und Monroe einen Klappspaten aus dem Rucksack zieht. Es sind normale Figuren, die auf außergewöhnliche Ereignisse prallen und damit erst einmal umgehen müssen. Unter diesem Aspekt kann man auch die aufkeimende Romanze zwischen Nick und Adalind (Claire Coffee) akzeptieren.
Sie leben als eine Art Paar zusammen weil sie ein Baby haben, dem sie diese Normalität wünschen. Und sie schlafen miteinander, mehr oder weniger als Resultat dieses Zusammenlebens. Wieso Adakind sich nun in Nick verliebt hat, bleibt ein bisschen mysteriös. Abgesehen davon, dass er natürlich attraktiv und nett ist. Doch sie hat nach dem Abschied von ihrem Hexenbiest-Gen ja eine übermenschliche Charakterveränderung durchgemacht, sie hat also Narrenfreiheit.
Wieso Nick hingegen Adalind verfällt, das bedarf noch etwas genauerer Klärung. So seltsam diese Storyline auch ist, man kann den Autoren nicht vorwerfen, Teile der Vergangenheit zu unterschlagen. Nach der Liebesnacht liegt Nick im Bett und denkt an die Zeit, als Adalind mit seinem besten Freund angebandelt hat, um Nick schließlich mit Hanks Sicherheit zu erpressen, um an den Schlüssel zu kommen. Derselbe, der sie nun überhaupt nicht mehr interessiert. Aus dem intriganten und ruchlosen Hexenbiest ist ein Hausmütterchen geworden, der die Sicherheit von Mann und Kind über alles geht. Sie will die Schlüsselsache am liebsten auf sich beruhen lassen, damit niemand sich in Gefahr begibt. Sie geht in der Mutterrolle voll auf, hat zumindest soweit wir wissen, keine anderen Interessen oder Hobbys mehr und wartet im Loft auf Nicks Rückkehr. Dass dieser ihr nun verfällt, wo sie diese recht eindimensionale Rolle eingenommen hat, sagt weniger Schönes über seinen Charakter aus. Aber noch ist in dieser Storyline ja nicht aller Tage Abend, warten wir also erst einmal ab.
Attentat
Auch der lahme Wahlkrimi um Renard (Sasha Roiz) hat ja schließlich eine echte Kehrtwende gemacht. Aus einer Story, die in einzelnen Szenen simpel und flach vor sich hingetröpfelt ist, wird in der Episode Key Move das Zentrum der Vorgänge in Portland. Und gerade diese unauffällige Vorarbeit macht die Sache dabei so bestechend.
Auf der einen Seite entscheiden die Autoren sich für die Variante Attentatsthriller und lassen uns den späteren Schützen durch dessen eher unspektakuläre Vorarbeit begleiten. Außerdem müssen wir uns aufregen, als die Polizei mehrere Chancen vergibt, das Drama zu verhindern. Die Schlimmste von denen ist wohl, dass niemand auf dem Revier zu wissen scheint, dass eine Wahlkampfveranstaltung genau an diesem Ort stattfinden soll. Man sollte doch hoffen, dass die Polizei eine solche aufgrund der Bedrohungslage absagen würde. Doch das fällt Hank (Russell Hornsby) und Wu (Reggie Lee) nicht ein. Sie erinnern sich einfach überhaupt nicht an die Veranstaltung. Es ist die gottverdammte Bürgermeisterwahl und selbst ihr Chef wird auf dem Podium stehen!
Die Polizei von Portland schneidet in der Episode also weniger gut ab. Kaum sind die beiden Hauptfiguren Nick und Renard von der Bildfläche verschwunden, bleibt den anderen nichts mehr als kopflos durch die Gegend zu laufen.
Doch das Resultat dieses Versagens könnte für die Story natürlich wiederum bestechend sein. Wir haben nun ein Politikerattentat in der Geschichte und Renard muss als Unterstützer Dixons darauf reagieren.
Fazit
Die großen Ereignisse passieren erst am Ende der Episode, der Mord an Dixon, der die Storys der Polizei und Hadrian's Wall endlich zusammenlaufen lässt und auf der anderen Seite Nick und Monroe, die durch den Sturz ins Nichts endlich wissen, dass sie einer echten Sache auf den Fersen sind.
Das Geheimnis der Schlüssel, das wir seit der Pilotepisode mit uns herumschleppen und es manchmal ganze Staffeln lang ignorieren, wird also endlich ins Zentrum gerückt. Man könnte es verurteilen, dass die Serie Grimm ganze Storylines so lange fallen lässt, man könnte aber auch sagen, dass die Zeit erst jetzt reif dafür ist und die Vorarbeit innerhalb der Story die ganze Sache erst recht spannend macht.
Trailer zur nächsten Episode, „Into the Schwarzwald“ (5x12), der US-Serie „Grimm“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 5. März 2016(Grimm 5x11)
Schauspieler in der Episode Grimm 5x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?