Grey's Anatomy 17x01

© zenenbild zu Grey's Anatomy / (c) ABC
Wie so oft macht eine Doppelfolge den Auftakt zur neuen Staffel Grey's Anatomy: Darin sehen wir auf zwei Zeitebenen den Krankenhausalltag von Meredith (Ellen Pompeo), Bailey (Chandra Wilson) und Co vor und während der Corona-Pandemie, die in der neuen Staffel im Fokus stehen soll. Während das Krankenhauspersonal mit der Ausnahmesituation zurechtkommen muss, bleibt es auch privat spannend: So versuchen Owen (Kevin McKidd) und Teddy (Kim Raver) nach ihrem Seitensprung ihren Beziehungsstand zu klären, Amelia (Camilla Luddington) und Link (Chris Carmack) genießen ihr Babyglück und Webber (James Pickens Jr.) kehrt zum Seattle Grace zurück.
I don't want a Chinese doctor
Webbers Rückkehr zum Seattle Grace wird genutzt, um sowohl ihm als auch uns den neuen Alltag des Krankenhauses in der Corona-Pandemie zu erläutern. Der Hauptfokus des Krankenhauses liegt nun auf dem Behandeln der COVID-19-Patienten. Aus diesem Grund werden außer Notfall-Patienten keine Kranken mehr angenommen. Somit finden auch keine regulären Operationen mehr statt und es wird sich lediglich auf Notfalloperationen konzentriert.
Meredith wurde zur Leiterin der Corona-Intensivstation ernannt. Dabei ist sichtlich zu erkennen, wie sie diese tragische Situation mitnimmt. Sie ist es gewohnt, als Ärztin kranken Menschen helfen zu können. Doch bei diesem neuartigen Virus sind sie und ihre Kollegen vollkommen machtlos und müssen ihren Patienten einfach beim Sterben zusehen.
Neben dem psychischen Druck kommt auch noch die fehlende medizinische Ausrüstung für dieses gefährliche Virus hinzu. So hat zum Beispiel nur ein geringer Anteil des Krankenhauspersonals passende Kleidung, bei der die Luftversorgung zur Außenwelt komplett abgekapselt ist. Die meisten Ärzte laufen mit normalen Stoffmasken und eventuell noch einem Glasschirm vor dem Gesicht herum. Als eine 100.000 Dollar teure Lieferung mit zur Pandemie passender Ausrüstung das Krankenhaus erreicht, sind in dieser zwar eine Menge Anzüge, aber keine Masken, Schirme oder ähnlich Nützliches. Dadurch können weniger Ärzte für den Kampf gegen die Corona-Pandemie eingesetzt werden.
Zu den neuen Maßnahmen gehört es auch, dass Angehörige von Patienten nur in Notfällen ins Krankenhaus dürfen. Dass das eine weitere psychische Belastung darstellt, ist verständlich. In einer solch schwierigen Zeit kann eine Umarmung helfen. Doch ausgerechnet in dieser Pandemie, in der man eine Umarmung am dringendsten benötigen könnte - zum Beispiel, wenn ein Mann erfährt, dass sein 18-jähriger Sohn gestorben ist -, wird diese auf einmal zur Mangelware und zu einem kleinen Wunder... Psychische Nähe kann nicht mehr so einfach über physische Nähe hergestellt werden.
Einen weiteren Aspekt der Corona-Pandemie, den „Grey's Anatomy“ in dieser Doppelfolge behandelt, ist das neue Phänomen der Corona-Partys. Auch Trumps Aussagen, dass das Corona-Virus ein chinesisches Virus sei, werden direkt in der Auftaktfolge aufgegriffen. All das kann also durchaus als Kritik an dem (amerikanischen) Umgang mit der Corona-Pandemie gewertet werden.
Diese Storyline der Doppelfolge finde ich gut gelungen, da sie die verschiedensten Aspekte, die die Corona-Pandemie mitbringt, gut zur Schau stellt. Zudem hat es Sinn, dass sich „Grey's Anatomy“ mit der Corona-Pandemie beschäftigt, denn immerhin hat sich die Serie stets mit aktuellen und wichtigen Themen auseinandergesetzt. Dass die Krankenhausserie dabei nicht vor einer Pandemie Halt macht, ist also nur selbstverständlich.
Ich würde mich freuen, wenn nach diesem Prolog auch ein paar wenige COVID-Fälle detailliert dargestellt werden. Da die ganze Staffel der Corona-Pandemie und den Ärzten, die dieses Virus bekämpfen, gewidmet ist, werden wir aber wohl noch solche gewohnt patientorientierten Folgen erhalten. Abgesehen davon bleibt abzuwarten, wie die Serie in ihrer 17. Staffel das Thema der Corona-Pandemie weiter behandeln wird - es wird also spannend.
Falls jemand das Thema an sich interessant findet: Eine aktuelle Netflix-Serie über einen Aspekt der Corona-Pandemie beziehungsweise des Lockdowns ist Social Distance. In unserem Review haben wir die erste Staffel der Serie bewertet.
I need a sex favor
Auch während der Corona-Pandemie geht das Privat- und Liebesleben des Krankenhauspersonals weiter. Dabei gibt es die verschiedensten Entwicklungen:
Die Liebesbeziehung zwischen Amelia und Link läuft nach der Geburt ihres Kindes besser denn je. Dabei macht es Spaß, dem harmonierenden Paar bei ihrem Babyglück zuzusehen. Auch die sich entwickelnde Beziehung zwischen Maggie (Kelly McCreary) und dem neuen Mann in ihrem Leben tut ihr ausgesprochen gut und entwickelt sich in die richtige Richtung. Zu guter Letzt finden Richard und Catherine (Debbie Allen) nach einer Entschuldigung ihrerseits und Vermittlungsarbeit seitens Jacksons (Jesse Williams) endlich wieder zueinander.
In anderen Beziehungen läuft es jedoch, wie erwartet, nicht so gut. Es hatte sich bereits in der vorigen Staffel abgezeichnet, dass es sowohl zwischen Jackson und Victoria als auch zwischen Owen und Teddy nicht mehr so rund läuft. Bei letzterem Paar gibt es - wie so oft in den letzten Staffeln - die üblichen Dramen verursacht durch Miss- beziehungsweise fehlendes Vertrauen und das große Kommunikationsproblem zwischen ihnen: Dieses Mal hat Teddy Owen an ihrem Hochzeitstag mit Tom (Greg Germann) betrogen, was durch eine aus Versehen aufgenommene Sprachnachricht an ihn ans Licht gekommen ist. Doch anstatt ehrlich damit umzugehen und es ihm zu sagen, als er ihr die Chance dazu bietet, lügt sie - so wie sie es immer tut. Auch eine spätere Entschuldigung und Erklärung ihrerseits kann ihre Beziehung - erst mal - nicht wieder retten.

Die Beziehung zwischen Victoria und Jackson scheint auch zugrunde gegangen zu sein, nachdem sie seine Tochter gesehen hat und bemerken musste, dass sie nicht bereit dazu ist, Harriets Stiefmutter zu werden. Lange ist Jackson jedoch nicht alleine. Jo (Camilla Luddington), die erst von Alex (Justin Chambers) auf abscheulichste Weise verlassen wurde, sucht nach einer Möglichkeit, ihren Schmerz zu verdrängen und möchte einen One-Night-Stand haben. Da ihr das lediglich mit einem Mann möglich ist, dem sie vertraut, wendet sie sich an Jackson und bittet ihn um einen „sex favor“. Dabei läuft die Situation ungefähr so unangenehm, wie man es sich vorstellt. Auch der Abend selbst geht voll in die Hose: Jackson hat den Date-Modus voll angeschaltet, inklusive Kerzen, Wein, einer Käseplatte und Kuschelmusik, während Jo sich auf dem Weg zu ihm schon mal richtig die Kante gegeben hat, um dann schließlich während ihres ersten Kusses zu weinen zu beginnen.
Alles in mir schreit danach, dass die Showrunner von „Grey's Anatomy“ bitte nicht auf die Idee kommen, die beiden miteinander zu verkuppeln. Jo ist kaputt und braucht erst mal ihre Ruhe und Jackson wurde in den letzten Staffeln von einer unpassenden Beziehung in die nächste gedrängt (Maggie, Victoria...). Wenn sie den beiden eine neue Liebes-Storyline geben, dann doch bitte richtig.
Mentale Gesundheit
Neben den ganzen physischen Krankheiten werden im Seattle Grace auch mentale Krankheiten behandelt. Dabei steht in der Doppelfolge der manisch-depressive DeLuca (Giacomo Gianniotti) im Vordergrund. Hier nutzt die Serie die Chance, um eine wichtige Message zu vermitteln: Mentale Krankheiten sind genauso schlimm wie physische Krankheiten und sollten auch genauso ernst genommen werden. Abgesehen davon braucht man sich nicht dafür zu schämen, um nach Hilfe zu fragen, wenn man psychische Probleme hat. Hier ist es auch von Bedeutung, dass man ein soziales Umfeld um sich hat, das einen unterstützt. In DeLucas Fall sind das Dr. Webber, Bailey (Chandra Wilson), Meredith und Carina: Sie alle wollen, dass es ihm besser geht. An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich gespannt bin, welchen Einfluss eine solch alles verändernde Lage wie die Corona-Pandemie auf die Psyche DeLucas haben wird und wie damit umgegangen werden wird.
Wie so viele steht auch Dr. Schmitt unter großer Anspannung durch die Corona-Pandemie. Da ist es nicht besonders hilfreich, dass sein Freund vor kurzem mit ihm Schluss gemacht hat und die Lage zwischen ihnen nun seltsam angespannt ist. Schließlich möchte sich Kim um ihn kümmern und bietet ihm ein Mittel zum stress relief an. Auch Meredith ist durch die aktuelle Lage stark belastet. DeLuca erkennt ihren Zustand und verlangt von ihr, nach Hause zu fahren, um zu schlafen. Doch dort kommt sie nie an: Sie bricht auf dem Parkplatz zusammen und trifft an einem Strand auf Derek. Patrick Dempsey ist also wieder, wenn auch nur für einen Auftritt, zurück. Ob es sich bei ihrem Zusammentreffen lediglich um einen utopischen Traum, ein Wunschdenken oder ein Delirium handelt, bleibt abzuwarten.

Fazit
Dem Staffelauftakt gelingt es ausgesprochen gut, das große Thema der Corona-Pandemie und die laufenden Handlungsstränge miteinander zu verbinden, ohne dass eines der beiden zu kurz kommt. Dabei dient die erste Episode eher als Prolog und Einführung in die Corona-Lage im Krankenhaus und die zweite Episode stellt (fast) schon wieder den gewohnten Krankenhaus-Alltag dar. Dabei gelingt Grey's Anatomy, wie so oft, eine ausgewogene Balance zwischen Drama, Witz und Tragik. Willkommen zurück!
Verfasser: Maike Karr am Freitag, 13. November 2020
Grey's Anatomy 17x01 Trailer
(Grey's Anatomy 17x01)
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