Grey's Anatomy 15x19
Die Grey's Anatomy-Episode Silent All These Years konzentriert sich sehr stark auf eine Figur und ein bestimmtes Thema: Jo (Camilla Luddington) und das Thema der Vergewaltigung. Dabei erfahren wir, wie Jos Treffen mit ihrer biologischen Mutter (Michelle Forbes) abgelaufen ist. In der Zwischenzeit verfolgen wir sie bei der Behandlung einer Patientin, die - wie sich später herausstellt - sexuell missbraucht wurde.
It should be protocol
Bereits des Öfteren hat „Grey's Anatomy“ es sich herausgenommen, bedeutende Geschichten zu erzählen, die höchste Relevanz in unserer Gesellschaft haben (sollten). So wurde mehrmals die Diskriminierung von Afroamerikaner/-innen, Waffen-, aber auch häusliche Gewalt (1-800-799-7233) angesprochen. Dabei geht das Drama stets sehr belehrend und berührend mit den angesprochenen Themen um, versucht, einen Überblick über die aktuelle Lage sowie Lösungsansätze zu geben. Zudem werden diese oft mit den (Handlungssträngen der) Figuren verknüpft, so dass sie auch eine Bedeutung für das Drama selbst bieten.
Erst im Laufe der Episode wird deutlich, dass die einzelnen Handlungsstränge mit dem Thema sexueller Missbrauch verknüpft sind. Indem wir nicht nur eine, sondern gleich mehrere Handlungsstränge über dieses Themengebiet präsentiert bekommen, wird zum einen eine mehrdimensionale Perspektive dargeboten. Zum anderen wird es, indem man Figuren aus der Serie einbindet, nicht nur uns nähergebracht, sondern gibt der Serie so auch einen Mehrwert für den weiteren Handlungsverlauf.
Dabei steht Jo im (Epi-)Zentrum der Handlung und der Debatte der Folge. Wie sich herausstellt, ist sie das Ergebnis einer Vergewaltigung. Aus diesem Grund wurde sie auch von ihrer Mutter weggegeben und daher ist ihr Leben auch so miserabel verlaufen, wie es nun mal eine Zeit lang verlaufen war. Dies gibt sie ihrer Mutter auch erneut unmissverständlich mit auf den Weg. Jedoch ist es noch umso bewundernswerter, dass - obwohl ihr Leben aus einem so grauenvollen Ereignis entstanden ist und ihre Kindheit und ihre erste Ehe alles andere als blendend verlaufen waren - sie es innerhalb kürzester Zeit so weit geschafft hat. Dennoch ist sie sichtlich niedergeschlagen über die Infos, die sie von ihrer Mutter erhalten hat - und kann diese erst mal gar nicht in Worte fassen, auch nicht gegenüber ihrem Ehemann Alex (Justin Chambers). Im Laufe des Gesprächs offenbart sie uns und ihm aber auch, dass sie von ihrem ersten, sie schlagenden Ehemann schwanger war und dieser durch seine Prügeleien den Embryo umgebracht hatte. Soweit uns bekannt ist, hatte Jo Alex bisher noch nicht davon erzählt. Ihr Muster, wichtige Ereignisse ihres Lebens zu verschweigen, setzt sich also konsequent fort. Sie verheimlicht eine Ehe, eine Schwangerschaft und nun die Hintergründe ihrer Geburt. Mal schauen, wie lange dieses Verhalten gutgehen kann...
An dieser Stelle sollte unbedingt erwähnt werden, dass Camilla Luddington in dieser Episode eine außerordentliche Performance abliefert. Sie leistet einfach grandiose Arbeit. Dank ihr geht uns dieses schwierige und tragische Thema noch viel näher, als man es sowieso für möglich gehalten hätte. Luddington trägt die Episode komplett!
If she stops having fun, we just playing stop. Time out, game over.
Auf den ersten Blick fiel für mich Baileys (Chandra Wilson) Handlungsstrang mit ihrem Sohn, der anfängt, sich (auf sexuelle Art und Weise) für Mädchen zu interessieren, aus dem Rahmen. Doch, als sich schließlich herauskristallisierte, was für eine Geschichte die Episode erzählen möchte, leuchtete mir diese Involvierung überaus ein und letzten Endes stellte sie für mich eine harmonische Ergänzung zum Rest der Episode dar.
Dabei wird die Episode einfach perfekt mit dem Vater-Sohn-Gespräch zwischen Ben (Jason George) und Tuck (BJ Tanner) abgerundet. Genauso sollte die Vorbereitung eines Vaters auf das bevorstehende aktive Sexleben seines Sohnes sein. Natürlich gehen diese nicht davon aus, dass ihr Jüngling mal zu einem Vergewaltiger werden würde. Das Problem heutzutage ist nur leider, dass wir dieses verschrobene Bild von Vergewaltigung im Kopf haben und dieses nicht mehr mit der Realität in einen Einklang zu bringen ist. So werden sexuelle Übergriffe und Missbräuche oftmals damit gerechtfertigt, wenn das Opfer sich freizügiger angezogen oder zu viel getrunken hatte. Diskussionen darüber, was genau eine Vergewaltigung ist, konnte man immer wieder während der #MeToo-Debatte erleben. Indem die Episode dieses Gespräch als Abschluss wählt, dient es in gewisser Art und Weise als „Moral der Geschichte", als eine Art Lösungsansatz, wenn man so will.
Die ganz klar stärkste und emotionalste Szene der Episode ist für mich die, als die Patientin, welche im Mittelpunkt der Episode steht, in den OP gefahren wird. Dabei wird sie vor den Blicken der Männer geschützt, indem eine Wand aus Frauen um sie herum aufgebaut wird. Hier soll aber auch demonstriert werden, dass sie und ihre Lage ernst genommen wird, dass sie ihr glauben und sie nicht damit alleine ist. Es soll ihr Kraft spenden. Diese Anteilnahme berührt sie sichtlich und zeigt Wirkung. Eine äußerst gelungene Szene!
Fazit
Indem Grey's Anatomy immer mal wieder solchen Geschichten in seiner Handlung Platz gibt, demonstriert das Drama, warum es eben nicht einfach nur eine weitere Krankenhausserie, sondern vielmehr ein Drama ist, das vom realen Leben erzählt und es sich nicht nehmen lässt, uns über unsere Gesellschaft aufzuklären und zu belehren. Somit wird das Drama selbst zu einem der wichtigsten seiner Art beziehungsweise der heutigen Zeit. Mit Silent All These Years wird uns die wohl ergreifendste, bedeutendste und beste Folge der bisherigen 15. Staffel präsentiert. Für mich stellt sie schon jetzt eines der Highlights des diesjährigen Serienjahres dar.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „Grey's Anatomy":
Verfasser: Maike Karr am Freitag, 29. März 2019Grey's Anatomy 15x19 Trailer
(Grey's Anatomy 15x19)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 15x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?