Gotham 2x22

Gotham liefert im Staffelfinale Transference den bisher wohl deutlichsten Verweis auf die Joel-Schumacher-Filme und wird dabei in BanalitĂ€ten und AbsurditĂ€ten ertrĂ€nkt, die statt einem packenden Ende mit Namedropping und Fanservice punkten wollen. Kann man von dieser Serie irgendeinen interessanten Ansatz erwarten? Nach zwei Staffeln sage ich nein und kehre der pseudodĂŒsteren Stadt den RĂŒcken zu.
Who rules over Gotham?
Die Episode setzt natĂŒrlich direkt an den Ereignissen der letzten Episode an und prĂ€sentiert uns Bruce (David Mazouz) und Lucius (Chris Chalk) in den FĂ€ngen Edward Nygmas (Cory Michael Smith) und seiner Gaskammer. Dabei werden sowohl die beiden als auch Jim Gordon (Ben McKenzie) auf anderer Ebene darauf getestet, ob sie wissen, wer ĂŒber Wayne Enterprises wacht und im Hintergrund sĂ€mtliche Strippen zieht.
Im Laufe dieses kleinen Ratespiels werden âBruciusâ schlieĂlich mit Giftgas ausgeschaltet und landen zum GlĂŒck in der gleichen Kammer wie Jim, sodass sie sich mit diesem verbĂŒnden können. Jim hat nebenbei durch Hugos (BD Wong) lockere Zunge noch von der Existenz des Geheimrats erfahren und darf dieses Wissen nun an Bruce weiterreichen. Strange selbst plant derweil die Eliminierung seiner Versuchslabore inklusive Insassen, bevor diese das Tageslicht erblicken können.

Doch natĂŒrlich hat er die Rechnung ohne unsere Grande Dame Fish Mooney (Jada Pinkett-Smith) gemacht, welche ihre neuen KrĂ€fte dazu einsetzt, Miss Peabody (Tonya Pinkins) und Co. um den Fingernagel zu wickeln und schnurstracks den Sonderbus nach Gotham mitsamt aller Insassen zu fahren. Nebenbei wird dabei noch etwas Fanservice abgeliefert, wenn Firefly (Michelle Veintimilla) und Victor Fries (Nathan Darrow) ein Lied von Eis und Feuer anstimmen dĂŒrfen oder Butch (Drew Powell) mal wieder die groĂe Munition rausholt.
The Plot of Holes
Nun könnte man sich sicherlich als reiner Batman-Fan ohne jeglichem Anspruch ĂŒber diese Elemente freuen, wĂ€re da nicht einfach die immer wieder bemerkbare SchwĂ€che der Handlungen und Dialoge in Gotham. Neben den ZufĂ€llen wie dem bereits aufgezeigten Zusammenschluss von Brucius und Jim sind das natĂŒrlich das Verwerfen sĂ€mtlicher Charakterentwicklungen und Figurenkonstellationen.
Denn auf einmal verteidigt Bridgit ihre âFreundinâ Selina (Camren Bicondova), der sie in der letzten Episode selbst noch an die Gurgel wollte, wĂ€hrend Butch wieder zum alten Handlanger Cobblepots (Robin Lord Taylor) verkommt und seine Beziehung zu Tabitha (Jessica Lucas) komplett vergessen zu haben scheint. Doch dafĂŒr haben die beiden ja noch den alten Wanderfreak Babs (Erin Richards) in petto, welche zudem die Maskierung des schmerzlich unwitzigen Clayface (auch Ben McKenzie) enthĂŒllen darf.
Das ganze mĂŒndet zum Schluss noch in einem Happy-Family-Ende, in welchem Ben seinem Captain wider Willen (Donal Logue) den RĂŒcken zukehrt, wĂ€hrend Selina ihn noch mit dem verbrauchtesten aller Frauen-RĂŒckeroberungstipps besudelt: „Girls like chocolate.“ Zum GlĂŒck hat sich dabei keiner daran gestört, dass Jim eigentlich gar nicht mehr im GCPD arbeitet oder die platten Aussagen seines DoppelgĂ€ngers nach dem Einsatz der vorherigen Episode niemanden zurĂŒckhalten wĂŒrden.

Was die neu etablierten Bösewichte angeht, so bekommen wir in einer sehr kurzen Nahaufnahme den wohl zukĂŒnftigen Mad Hatter zu sehen, wohingegen sicherlich Bruce' DoppelgĂ€nger am Ende der Episode das gröĂte RĂ€tsel darstellen soll. Unter BerĂŒcksichtigung der Comicvorlage könnte es sich hierbei um Lincoln March handeln, der sich als Mitglied des âCoOâ zudem fĂŒr den jĂŒngeren Bruce hĂ€lt. Vielleicht haben wir es in der Gotham-Version stattdessen mit einem waschechten Klon zu tun, der sich eventuell fĂŒr Bruce' Zwilling halten könnte.
So oder so entlĂ€sst uns Gotham mit den beiden groĂen Themen „Court of Owls“ und „Fish Mooneys Freak Show“ in die kommende, dritte Staffel. Dabei fĂ€llt mir mal wieder der Cliffhanger der ersten Staffel rund um die potentielle Batcave ein, der leider alles andere als zufriedenstellend war. Deshalb komme ich nun zu meinem Staffelfazit.

Staffel-Fazit
Sicherlich hat Gotham im Gegensatz zu der ersten Staffel einen beachtlichen Sprung hingelegt, jedoch schaffte es das Batman-Prequel dennoch nicht, vernĂŒnftige Charaktere und Handlungsbögen zu erzĂ€hlen. Zwar wurde ein neuer Weg eingeschlagen, indem die hanebĂŒchenen Gangster-Plots durch die ĂŒberzeichneten Freaks ersetzt wurden, doch wenn sich weiterhin angedeutete VerĂ€nderungen und Konstellationen im Handumdrehen entschĂ€rfen lassen, stellt sich die Frage, was fĂŒr eine Geschichte Gotham eigentlich erzĂ€hlen will.
FĂŒr Bruce Waynes Geschichte entwickelt sich die Serie zum Beispiel zu langsam und legt viel zu wenig Fokus auf den jungen MilliardĂ€rssohn. Stattdessen verkommt er zu einer Nebenfigur, die immer mal wieder reinschauen und bereits jetzt der beinahe kompletten Bösewichtenliga seines spĂ€teren Alter Egos in die Augen blicken darf. Könnte Gotham also stattdessen die Geschichte der Bösewichte sein?
Auch dieser Aspekt scheint eher verfehlt, da wir einfach dabei zusehen sollen, wie ein bekannter Bösewicht nach dem anderen im Laufband-Modus durchgewunken wird. In der ersten HĂ€lfte war es Galavan (James Frain), in der zweiten HĂ€lfte wurde dieser zum hirngewaschenen Azrael aus dem Hause Strange. Doch was dabei bisher immer noch am stĂ€rksten vermisst wird, ist das GefĂŒhl, dass wirklich die gesamte ErzĂ€hlung zusammenhĂ€ngt und nicht Kapitel fĂŒr Kapitel vor sich her dĂŒmpelt und mit Fanservice in die LĂ€nge gezogen werden soll.
Also bleibt natĂŒrlich noch der gute alte Jim Gordon. Sicherlich erfĂŒllt seine Figur am ehesten die Funktion des Hauptcharakters, doch wie interessant gestaltet sich dieser? In der Schwebe zwischen moralisch zielstrebigem GrĂŒnschnabel und abgebrĂŒhtem Bad Cop mit allerhand Beziehungsproblemen weiĂ Gotham selbst nicht mehr so recht, was es mit ihm anfangen soll. Einerseits darf er dem GCPD immer wieder die ĂŒberzogene Unbeholfenheit der Durchschnittspolizisten aufzeigen, andererseits gerĂ€t er von einem Handlungslimbus in den nĂ€chsten, ohne sich wirklich weiterzuentwickeln.
Mag auch der Comic „Batman: Year One“ als Vorlage der Idee von Gordon als Hauptcharakter gedient haben, so wenig lĂ€sst sich dessen erfolgreiche Verbindung der Schicksale von Batman und Gordon ĂŒbertragen. Gordon rutscht dabei immer wieder in die narrativen Schienen des spĂ€teren dunklen Ritters ab und wĂŒrde nach der aktuellen CharaktererzĂ€hlung einen nachvollziehbareren Batman als Bruce selbst darstellen.

Ich muss mich noch einmal bei jedem Leser entschuldigen, dem meine negative Sichtweise sauer aufstöĂt, jedoch bietet Gotham fĂŒr mich nach zwei Staffeln Batman-Prequel-ErzĂ€hlungen keinen einzigen interessanten Ansatz und liefert stattdessen immer wieder eine recht stiefmĂŒtterlich behandelte NacherzĂ€hlung bekannter ErzĂ€hlmuster, die sich jedoch nicht zu schnell in eine interessantere Richtung entwickeln darf.
Gotham Ends.
Deshalb war dies auch das letzte Review von meiner Seite zu der FOX-Serie. Mit dem wenigen Anspruch, den Gotham an seine Comicvorlage legt, gibt es fĂŒr mich schlichtweg keinen Grund, diese Aneinanderreihung von hĂŒbsch ausgeleuchteten Comicpanelumsetzungen genauer zu besprechen. Vielleicht war mein Anspruch zu hoch, ein „The Dark Knight“ der Serienwelt serviert zu bekommen und ich konnte mich deshalb mit diesem Serien-„Batman & Robin“ nicht anfreunden. Trotzdem bedanke ich mich bei meinen fleiĂigen Lesern und Kommentatoren und schicke Euch zum Abschied einen rosigen Kuss:
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 24. Mai 2016Gotham 2x22 Trailer
(Gotham 2x22)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x22
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?