Gotham 2x15

Gotham schafft es mit Mad Grey Dawn endlich, das kriminelle Kalkül des zukünftigen Riddlers Edward Nygma (Cory Michael Smith) auszuspielen. Während dieser also alles daran setzt, Jim Gordon (Ben McKenzie) hinter schwedische Gardinen zu bringen und somit von seinem eigenen Mord an Kristen Kringle (Chelsea Spack) abzulenken, finden Bruce (David Mazouz) und Oswald (Robin Lord Taylor) auf neuem Terrain etwas Halt.
Who framed James Gordon?
Bereits seit der ersten Szene Nygmas aka des Dexter von Gotham malte ich mir bereits aus, wie dieser mithilfe seiner Doppelrolle und des aus den Comics bekannten Kalküls das „GCPD“ an der Nase herumführt. Nachdem Jim schon in der letzten Episode durch die Suche nach Miss Kringle auf dessen Pelle gerückt wurde, bekommt er nun die Kehrseite dieser Blickrichtung zu spüren. So macht ihn nicht nur der Mord an Theo Galavan (James Frain) zum Hauptverdächtigen, Nygma schiebt Gordon zudem noch den Mord an jenem Kollegen in die Schuhe, welchen er zuvor als Zeugen inszeniert hatte.
Endlich schafft es Gotham dabei, sowohl die Ermittlungen Gordons und des „GCPD“s als auch die Plandurchführung Nygmas auf glaubwürdige Weise darzustellen. Im Gegensatz zu vorherigen Ermittlungen, in denen die Hinweise Jim und Bullock (Donal Logue) auf dem Silbertablett präsentiert wurden, sehen wir nun, wie diese zum Beispiel den Bombenzünder zurückverfolgen oder die Quelle der Zeugenaussage herausbekommen wollen. Endlich bekommt man ein bisschen Gefühl dafür, warum Bullock und Gordon nicht nur als Superschützen, sondern auch als gute Ermittler gefeiert werden.

Doch auch die Rätselauflösung macht einen wesentlich durchdachteren Eindruck als beispielsweise der holprige Cobblepot-Falcone-Twist im Mid Season-Finale der ersten Staffel. Wir sehen, wie sich die einzelnen Versatzstücke von Nygmas Arbeit als Forensiker zu einem beinahe wasserdichten Tatbestand zusammensetzen. Nygmas Charakterentwicklung gehörte stets zu einer der stringentesten, trat zwar ab und an etwas auf der Stelle, zeigt nun jedoch endlich, welches Potential in ihr steckt.
Dass zudem nicht nur die Inhaftierung Gordons in Blackwater aus dieser Tat entsteht, sondern auch die überzeugende Beziehung zwischen ihm und Leslie Thompkins (Morena Baccarin) inklusive zukünftigen Kinds aufs Spiel gesetzt wird, erhöht die Dramatik dieser Aktion noch mehr und zeigt auf, dass es der Serie wesentlich besser steht, gut aufgebaute Charakterkonstellationen zu bedrohen als die Leben derer, die aus weiteren Entwicklungsgründen eh nicht ins Gras beißen dürfen. Was mit dem abschließenden Aufwachen von „Crazy Babs“ (Erin Richards) und dessen angedeuteter Therapie durch Hugo Strange (BD Wong) noch passieren wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht bekommen wir ja noch ein „Maniax: Reborn“ serviert.
The Taste of Blood
Okay, die von mir in der letzten Episode erwünschte Auszeit von Bruce (David Mazouz) wird uns natürlich nicht in dem Ausmaß gegönnt, wie ich es erhofft hatte, dafür darf sich dieser aber auf eine gewaltbereite Existenzsuche begeben. Während dabei der plötzliche Auftritt der kleinen Ivy (Clare Foley) als Magic-Mushroom-Züchterin der Unterwelt Gothams und die gesamte Band um Sonny Gilzean (Paul Pilcz), den Neffen unseres Lieblingsstumpfes Butch (Drew Powell), etwas überzeichnet und abstrus wirken, trifft Gotham am Ende dennoch den richtigen Ton in der Entwicklung des jungen Bruce.

Ähnlich wie bei Edward sehen wir auch hier, wie einzelne Versatzstücke der vorherigen, zähen Entwicklung des Charakters in die richtige Richtung gelenkt werden. So provoziert er den jungen Sunny, um sich in der unausgeglichenen Schlägerei an die Worte seines kampfaffinen Butlers Alfred (Sean Pertwee) zu erinnern. Besonders durch die musikalische Untermalung und die brachiale Verwüstung des Milliardärssohngesichtes überzeugt dessen Erkenntnis, seine eigene Leere und Verwirrung im Kampfrausch vertreiben zu können. Sicherlich hätte der junge Bruce auch einen guten „Green Street Hooligan“ dargestellt.
Papa Pinguin
Der schwächste Plot der Episode dreht sich jedoch weiterhin um den einstigen König Gothams, der seit seinem Aufstieg in der ersten Staffel von einem emotionalen Tief zum nächsten watscheln darf. Nach seiner nicht wirklich überzeugenden „Heilung“ im „Arkham Asylum“ versucht er nun, seinen neuen friedfertigen Weg bei seinem ehemaligen Untergebenen Butch durchzusetzen. Dieser präsentiert uns dieses Mal mit seinem Stumpf der Woche eine kleine Hommage an Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) aus Game of Thrones.
Geteert und gefedert flattert er zu seinem ehemaligen partner in crime Nygma, der ebenfalls Korruption über Moral stellt und wenig Zeit für ihn hat. Schließlich kommt es am Grab seiner verstorbenen Mutter zu einem Überraschungstreffen mit seinem Vater Elijah van Dahl (Paul Reubens), der nichts von seinem Nachfahren wusste. Wir erfahren zudem, dass Gertrud Kabelput (Carol Kane) als Köchin bei dem stinkreichen Schnösel angestellt war und von dessen Eltern nach ihrer Empfängnis aus dem Weg geräumt wurde.

Wie wir zudem dem Trailer zur kommenden Episode entnehmen können, wird sich Oswald nun an seiner neuen Familie aus Vater und Halbgeschwistern abarbeiten dürfen. Dennoch bekamen wir bereits in der ersten Hälfte der zweiten Staffel einen Plot serviert, im Zuge dessen Oswald aus seiner passiven Verarbeitung wieder in Richtung Kriminalität gelenkt werden musste - und leider fühlt sich dieser gesamte Pfad nach einer simplen Wiederholung dessen an. Leider weiß Gotham seit dem Aufstieg des Königs nichts Richtiges mit diesem anzufangen, was besonders im Kontrast zum ersten Staffelfinale besonders bitter ist.
Fazit
Gotham baut die Qualität der letzten Episode weiter aus und zeigt mit dem ersten Rätsel Edward Nygmas einen spannenden Weg auf, den dieser in seiner Doppelfunktion als Schurke und Forensiker des „GCPD“ zu gehen vermag. Besonders durch das schwere Gewicht der Trennung bekommt dessen skrupelloser und beinahe wasserdichter Plan einen bitteren Beigeschmack. Sicherlich werden Bullock und vielleicht auch Bruce in den kommenden Episoden die Unschuld Gordons herausarbeiten, es bleibt dennoch zu hoffen, dass Gotham nicht wieder sämtliche Entwicklungen dieses Plots auf null setzt.
Denn auch wenn die Qualität der zweiten Staffel von Gotham augenscheinlich über der ersten schwebt, ist diese noch lange nicht vor Fehlern sicher. Dabei droht derzeit vor allem Oswald in einer Mischung aus Bedeutungslosigkeit und Wiederholung zu versinken, welche hoffentlich ein klares Ziel verfolgt, das dann mehr zutage bringt als eine weitere Rückkehr in die Korruption. Zudem bleibt zu hoffen, dass sich Bruce' Suche nach seiner eigenen Identität noch etwas länger ziehen wird und dabei ähnlich packende Schlüsselmomente wie in den letzten Episoden servieren darf. Auf jeden Fall lässt das verbeulte und zugenähte Gesicht des jungen Milliardärssohn langsam eine Vorstellung zu, wie sich dessen Charakter mit dem des zukünftigen dunklen Ritters verbinden ließe.
Trailer zur kommenden Episode von „Gotham“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 22. März 2016Gotham 2x15 Trailer
(Gotham 2x15)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x15
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