Gotham 2x14

Gotham 2x14

Könnten wir mit This Ball of Mud and Meanness endlich den lang ersehnten Anfang von Bruce' Weg zum dunklen Ritter bekommen? Während dieser in Gotham endlich den Mörder seiner Eltern stellen darf, treten die restlichen Plots leider ziemlich auf der Stelle.

Bruce (David Mazouz) macht sich mit Selina (Camren Bicondova) auf den Weg. / (c) FOX
Bruce (David Mazouz) macht sich mit Selina (Camren Bicondova) auf den Weg. / (c) FOX

Mit This Ball of Mud and Meanness schließt Gotham nicht nur endlich den Fall des Mörders der Wayne-Eltern ab, sondern setzt auch einen entscheidenden Punkt für die Entwicklung des jungen Milliardärssohn Bruce (David Mazouz) zum späteren Fledermausmann. Während der bisher stillgestandene Plotteil somit Schwung bekommt, verlieren derweil das GCPD und das Arkham Asylum an Fokus. Hoffentlich werden die Konsequenzen der heutigen Entwicklungen stringent weiterverfolgt.

Referenzen ohne Impakt

Wer kann sich noch daran erinnern, als sich Gotham zu Beginn der ersten Staffel vor allem darum drehen wollte, wer wohl der Mörder des superreichen Wayne-Ehepaars sein könnte und dahinter große Verschwörungen andeuten wollte? Wie wir alle wissen, wurde dieses recht zielstrebige Vorhaben schnell von einem Haufen Nebenplots, Entwicklungen und Fällen der Woche abgedrängt und ist bei vielen in Vergessenheit geraten. Umso überraschender also, dass sich Bruce (David Mazouz) heute tatsächlich dem Mörder gegenüberstellen darf.

Doch zunächst folgt natürlich eine kleine Schnitzeljagd durch den Gothamer Untergrund, bis dieses Ziel erreicht werden kann. Über einen kleinen Untergrundkampf zwischen dem Schläger Terence „Cupcake“ Shaw (Jamar Greene) und dem leichtfüßigen Bultler Alf (Sean Pertwee) geht es weiter zu der die „Maniax“ Jerome (Cameron Monaghan) verehrenden Jeri (die aus Orange Is the New Black bekannte Lori Petty). Beide dürfen dabei ein paar Hinweise auf das Comic- und Filmuniversum der Vorlage hinterlassen.

Alfred (Sean Pertwee) vernascht seinen Cupcake (Jamar Greene). © FOX
Alfred (Sean Pertwee) vernascht seinen Cupcake (Jamar Greene). © FOX

Zwar scheint Terence trotz des gleichen Nachnamens wie Mark „Star-Tsar“ Shaw keine wirkliche Comicgrundlage zu haben, dennoch verweist Alfred auf dessen „Fight Club“ als „Mutants“, welche vor allem in dem berühmten Comic „The Dark Knight Returns“ von Frank Miller bekannt sind. Ebenfalls werden Teile des punkigen Looks in Gotham-Variante aufgezeigt, wenn die Mitglieder vor Irokesen und Nasenringen in ihrer Rebellion unterstrichen werden.

Jeri kommt derweil als eine Art überalterte Crossoverversion aus dem Joker und Harley Quinn daher, die mit ihrer Punkband passend zu projizierten Videos der ehemaligen „Maniax“ ihr Outfit an den verstorbenen Jerome anpassen darf. Sicherlich macht dieser kurze Cameoauftritt allen Spaß, die sich mit dem prominentesten Anwärter auf den Oberschurkenthron anfreunden konnten. Für die Plotentwicklung bleibt sie lediglich als Fußnote zu sehen, die aufzeigt, dass der Kult um Jerome neben den immer wieder eingeblendeten Graffiti weitere feste Züge annimmt.

Sollte dieser nach einer potentiellen Reinkarnation durch die Versuche in „Indian Hills“ wieder das Licht der Welt erblicken, könnten Jeri und Co bereits die Handlanger dessen formen. Des Weiteren sind sowohl ihre Schminke als auch die Verhörszene mit Jim Gordon (Ben McKenzie) als Verweis auf Heath Ledgers Narbengesicht zu sehen, was für alle Freunde der Christopher-Nolan-Filme ein kleines Bonbon darstellen dürfte. Leider gleicht der Gastauftritt des ehemaligen „Tank Girl“ eher dem von der „Missy“-Lady (Michelle Gomez), welcher ebenfalls ein bisschen Fanservice aus einer anderen Serie abliefert, der Geschichte jedoch keinen wirklichen Impuls geben durfte.

Jeri (Lori Petty) kommt als Mischung aus Heath Ledgers Joker und Harley Quinn daher. © Warner Bros. / FOX / Interactive Entertainment
Jeri (Lori Petty) kommt als Mischung aus Heath Ledgers Joker und Harley Quinn daher. © Warner Bros. / FOX / Interactive Entertainment

Guns are not for show, Bruce

Am Ende dieser Kette von Weiterleitungen darf Bruce nun endlich dem lang gesuchten „Matches“ Malone (Michael Bowen) in die Augen blicken und in diesem nicht mehr als einen einfachen Auftragsmörder erkennen. Dieser kann sich nicht mehr so ganz an jeden einzelnen Mord erinnern, den er jemals begonnen hat, die Perlenkette von Bruce' Mutter läutet dann aber doch ein kleines Glöckchen in seinem Gedächtnis. Hat mich die künstlich in die länge gezogene Suche nach Malone auch eher mit Langeweile erfüllt, so schaffte es diese abschließende Szene doch noch, mich auf ihre Seite zu ziehen.

Das liegt vor allem daran, dass es Gotham wider Erwarten schafft, nachvollziehbar zu erklären, warum Bruce doch nicht den Abzug seiner Waffe ziehen muss. Malone nimmt nämlich eine ähnliche Rolle wie der aus „Watchmen“ bekannte Edward „The Comedian“ Blake (Jeffrey Dean Morgan) ein und ist am Ende seiner unmoralischen Tage von Verdrängung und Reue durchzogen. So bittet er Bruce regelrecht darum, seinem elendigen Dasein ein Ende zu setzen und darf derweil seinen eigenen Einfluss auf die spätere Entwicklung des einzigen Heldens der Stadt betonen, wenn er Bruce als Sohn anspricht.

Doch der Besuch und das elendige Bild Malones reichen aus, um den Dämon des Elternmörders durch einen einfachen Mann zu ersetzen und deshalb die Gnade walten zu lassen, die sich Malone selbst nicht zugesteht. Gotham schafft es also, den angeteaserten Tod Malones umzusetzen, ohne die mordfreie Moral des späteren Batman zu brechen. Dafür bekommen wir mit dem Abschiedsbrief an Alfred endlich die Chance geliefert, Bruce aus dem Sud der Verbindungen zu den sich aufschwingenden Bösewichten zu ziehen und endlich dessen Selbstsuche und Ausbildung einzuleiten.

Zwar begibt sich Bruce zunächst nur mit Selina (Camren Bicondova) auf die Straßen Gothams, um die Stadt von unten kennenzulernen, sein Versprechen, dadurch irgendwann Gotham City helfen zu wollen, lässt den Gedanken zu, dass dies vielleicht der Beginn der aus der Vorlage bekannten Weltreise darstellen könnte. Würde diese zwar auch wesentlich früher als in der Vorlage angesetzt sein, so wäre diese Entscheidung dennoch für die weitere Dynamik der Serie sicherlich ein Pluspunkt.

Patrick %26bdquo;Matches%26ldquo; Malone (Michael Bowen) scheint kein allzu rosiges Ende beschert zu sein. © FOX
Patrick %26bdquo;Matches%26ldquo; Malone (Michael Bowen) scheint kein allzu rosiges Ende beschert zu sein. © FOX

Denn neben den Polizei- und Schurkengeschichten in Gotham sah die Geschichte des jungen Milliardärs doch immer recht blass aus. Entweder wurde er immer wieder in die Beziehungen zu den agierenden Bösewichten gezogen oder durfte sich im Schneckentempo der Suche nach dem Mörder seiner Eltern widmen. Natürlich ist der eigentliche Strippenzieher hinter dem Mord noch nicht aufgedeckt, dafür konnte Bruce durch die Konfrontation am Ende der Episode seinen Frieden mit der Suche machen. Ich würde mir wünschen, dass Gotham diese Chance nutzt, um Bruce etwas verfrüht auf die Weltreise zu schicken, die ihn zum späteren Batman macht. Derweil könnten sich sämtliche Schurken von ihm isoliert entwickeln, ohne dass bereits Beziehungen aufgebaut werden, die die spätere Entwicklung behindern würden.

I Scream, You Scream, We All Scream for Ice Cream!

Nebenbei ermitteln Leslie (Morena Baccarin) und Jim noch ein bisschen in Richtung verschwundene Miss Kringle (Chelsea Spack), was schließlich von Edward Nygma (Cory Michael Smith) mit einem verschwörerischen, grünen Fragezeichen auf dem Gesicht des Supercops belohnt wird. Dieser Plotteil dient zwar nur dem langsamen Aufbau von Nygmas weiterer Entwicklung, trotzdem verwirrt es mich, dass der Forensiker sich nach seinem letzten Auftritt überhaupt nicht über die Wiederauferstehung auf seinem Seziertisch wundert. Stattdessen scheint der Besuch von Mr. Freeze (Nathan Darrow) Schnee von gestern zu sein. Das bisschen Reinkarnation interessiert doch keinen in Gotham City...

Auch in Arkham müssen die in der letzten Episode angedeuteten Wiederbelebungsversuche erst einmal ruhen, denn Hugo Strange (BD Wong) hat sich zunächst der psychischen Heilung Oswald Cobblepots (Robin Lord Taylor) verschrieben. Diese besteht vor allem darin, dessen Gewaltpotential auszumerzen, was durch den besonderen „Ice-Cream-Test“ geprüft wird. Wer sich des Weiteren wie ich seit den überzogenen Sperenzchen der „Maniax“ gefragt hat, was eigentlich aus Aaron „Amygdala“ Helzinger (Stink Fisher) wurde, der darf diesen wie zuvor auch Barbara (Erin Richards) nun recht unmotiviert in der psychischen Anstalt wiederfinden.

Oswald reagiert - wie erhofft - auf sämtliche Tests äußerst friedfertig, bietet Helzinger sogar seine Hilfe an und will sich am Ende der Episode so gar nicht recht aus Arkham entfernen. Hätte man sich für diese Entwicklung vom König der Unterwelt zum Diener aller Herren etwas mehr Zeit gelassen, so würde ich diese sicher mit mehr Akzeptanz annehmen. So bleibt nur der fade Beigeschmack, dass sich Oswald nach seinem Freigang durch irgendeinen Schlüsselmoment wieder an die Spitze der bösen Buben erinnern wird.

Edward (Cory Michael Smith) hat sein ? auf Jim (Ben McKenzie) gesetzt. © FOX
Edward (Cory Michael Smith) hat sein ? auf Jim (Ben McKenzie) gesetzt. © FOX

Fazit

Der Fokus der Episode The Ball of Mud and Meanness liegt ganz klar auf dem lang aufgebauten Aufeinandertreffen von Bruce und Patrick Malone. Leider verschwendet die Episode mal wieder zu viel Zeit damit, die Schnitzeljagd zu diesem in Szene zu setzen und kann dadurch erst zum Ende hin Spannung aufbauen. Dazwischen folgen ein paar Fanservices für Comic-, Serien- und Filmfans, die zwar nicht schlecht in Szene gesetzt werden, jedoch den Plot eher in die Länge ziehen sollen.

Die Heilung des einstigen Königs von Gotham wirkt dagegen äußerst gerafft und hinterlässt nicht wirklich den Eindruck, dass dieser lang anhaltende Veränderungen in diesem hinterlassen hat. Für mich bleibt am Ende die Hoffnung, dass Gotham vielleicht den Mut und die Konsequenz aufbringt und Bruce endlich auf den Weg ins Exil und weg von den Entwicklungen Gotham Citys bringt, die später erst seine Rückkehr als Held motivieren würden. Da sich Gotham jedoch immer wieder einen Spaß daraus macht, eben solch drastische Entwicklungen zu entkräften, betrachte ich diesen Wunsch mit einer gesunden Portion Skepsis.

Trailer zur kommenden Episode der US-Serie „Gotham“, „Mad Grey Dawn“ (2x15):
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 15. März 2016

Gotham 2x14 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 14
(Gotham 2x14)
Deutscher Titel der Episode
Tag der Abrechnung
Titel der Episode im Original
Wrath of the Villains: This Ball of Mud and Meanness
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 14. März 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. September 2016
Autor
Jordan Harper
Regisseur
John Behring

Schauspieler in der Episode Gotham 2x14

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?