Gotham 2x13

Gotham 2x13

Gotham schreitet in A Dead Man Feels No Cold rapide voran, schafft es in der Hektik jedoch leider nicht, so manches Plothole und vor allem dialogische Schwächen auszulassen. Dafür gibt es eine ganze Bandbreite an mysteriösen Experimenten in Indian Hills.

Nora (Kristen Hager) wird in „Gotham“ auf Eis gesetzt. / (c) FOX
Nora (Kristen Hager) wird in „Gotham“ auf Eis gesetzt. / (c) FOX

Die zweite Hälfte der zweiten Staffel von Gotham redet nicht lange um den heißen Brei und liefert uns in der Episode A Dead Man Feels No Cold bereits die gesamte Origin-Story zu Mr. Freeze (Nathan Darrow). Während Soundkulisse und Kostüm größtenteils überzeugen können, fallen die Plot-Löcher und Drehbuchschwächen negativ ins Gewicht.

I believe people can be two things at once.

Nachdem sich Bruce (David Mazouz) letzte Woche noch ausruhen durfte, muss er sich nun den jüngsten Ereignissen stellen: Sein treuer Buttler Alfred (Sean Pertwee) stellt ihm dazu die einzig bekannte Psychiaterin Gotham Citys als seelische Fürsorge zur Seite. Dabei dient der äußerst zähe Dialog zwischen Leslie (Morena Baccarin) und dem zukünftigen dunklen Ritter anscheinend vor allem dazu, dass dieser ein paar Holzhammer-Sätze zu seiner späteren Entwicklung fallen lassen darf.

Diese alles andere als subtil oder gekonnt inszenierte Vorschattierung wird zudem mit einer kräftigen Prise Boxsack-Training in der mickrigen „Batcave“ und moralischen Abwegen gewürzt, die uns noch weiter aufzeigen, dass in Bruce mehr schlummern könnte als ein einfacher Milliardärssohn. Mag diese Entwicklung durch die Suche nach Patrik „Matches“ Malone auch durchaus berechtigt sein - die überzogenen Dialoge mit Leslie werfen dabei vor allem die Frage auf, wie später einmal niemand erahnen wird, dass hinter der Fassade des Playboys Bruce tiefe Abgründe schlummern.

Totgesagte leben länger: Barbara (Erin Richards) schlummert vorbei. © FOX
Totgesagte leben länger: Barbara (Erin Richards) schlummert vorbei. © FOX

Wenn der junge Master also von den Vorzügen einer gespaltenen Persönlichkeit oder über die Abwesenheit des „honest Bruce“ sprechen darf, bekommt man regelrecht das Gefühl, das auf Batman hinweisende Drehbuch mitlesen zu können. Immer noch leuchtet es mir nicht ein, warum das Geheimnis um die Computer- und Boxsackhöhle im Hintergrund verschwindet. Vor allem nach dem aberwitzigen Auftauchen von Lucius (Chris Chalk) vor der Winterpause. Es bleibt zu hoffen, dass sich zumindest dieser Plot nun aber langsam mal wirklich um den Mörder von Thomas und Martha Wayne dreht und nicht wieder durch andere Kleinlichkeiten abgelenkt wird.

Makes sense.

Meine Mutmaßung, dass es vielleicht eine Verbindung zwischen den forensischen Methoden Edward Nygmas (Cory Michael Smith) und der eiskalten Errungenschaft von Victor Fries gibt, scheint derweil niemanden in Gotham City zu interessieren. Stattdessen folgt Victor der offensichtlichen Falle ins „Arkham Asylum“, damit sich endlich die Wege der beiden Superschurken Freeze und Strange (BD Wong) kreuzen können. Hatte ich mich auf diese Entwicklung bereits letzte Woche gefreut, so sehr enttäuscht mich nun die über sämtliche Logiklöcher bretternde Eilhandlung.

Da sich Jim (Ben McKenzie), Bullock (Donal Logue) und Barnes (Michael Chiklis) nämlich bewusst werden, dass Fries vor allem seiner kranken Ehefrau hinterherreist, verlagern sie diese aufgrund der nicht vorhandenen medizinischen Möglichkeiten in die Klapsmühle Gothams und spielen damit der Origin-Story des eiskalten Oberschurken weiter in die Hände. Aber warum ist es klüger, sich auf das unbekannte und vor unberechenbare Insassen strotzende Terrain der psychischen Anstalt zu begeben, anstatt einfach ein Bett und einen Tropf in die bisherigen Unterkunft Noras (Kristen Hager) zu bringen?

Victor (Nathan Darrow) wird zum Jim-Jarmusch-Look-alike. © FOX
Victor (Nathan Darrow) wird zum Jim-Jarmusch-Look-alike. © FOX

Nora landet natürlich in dem „medical room of coincidences“, in dem sich auch die bisher nicht wirklich für tot gehaltene Barbara Kean (Erin Richards) aufhält. Da diese jedoch, als „Sleeping Beauty“ betitelt, erstmal noch durch ihre mentale Abwesenheit auftrumpft, müssen wir wohl noch etwas auf ihre abgedrehte Verrücktheit warten. Dafür darf der strippenziehende Sonnenbrillenträger Strange seine Puppen ein bisschen durch sein Labyrinth jagen.

Clockham Orangylum

Denn selbstverständlich geht der kongeniale Plan der Arkham-Falle nicht so ganz auf, wie sich das die Herren des GCPD vorgestellt haben. Stattdessen trennt Strange sorgfältig Polizisten von Bösewichten und schlägt Fries einen kleinen Coup vor. Er lässt den Wissenschaftler mit seiner Frau gehen, wenn er dafür eine Patrone der Eiseskraft für eigene Experimente behalten darf. Dass Fries dabei brav Stranges Wunsch erfüllt, statt mithilfe seiner mächtigen Kanone seinem eigenen Weg zu folgen, leuchtet nicht wirklich ein.

Zum Schluss bringt er seine Frau zusammen mit der recht unmotiviert mitgeschleppten Leslie in den heimischen Keller, in welchem die Frieses ihrem Schicksal folgen. Während Nora durch ihren frostigen Suizid-Versuch in einen nicht klar zu definierenden Geisteszustand hinabsteigt, wird Victor durch die Beihilfe von Strange recht rasch zum „White WalkerGothams, wie er aus den bekannten Vorlagen bekannt ist. Durch weitere Erklärungen wird zudem natürlich auch der bekannte Anzug angedeutet, den Fries zum Überleben benötigt.

Robin Lord Taylor sieht Danny Devitos Pinguin immer ähnlicher. © FOX
Robin Lord Taylor sieht Danny Devitos Pinguin immer ähnlicher. © FOX

Neben Fries zeigt uns Strange mal wieder eine ganze Bandbreite an bevorstehenden Schurken auf. So darf der letzte Oberschurke Theon Galavan (James Frain) anscheinend ein kleines Reanimationsprojekt über sich ergehen lassen und eventuell irgendwann wieder um die Macht kämpfen. Könnte der Rotschopf daneben bereits Jerome sein und Fish Moony das letzte Glas füllen? Wer ist dann der Mann ohne Arm? Da würde mir spontan nur Caleb Dumas einfallen, was eine ziemlich hanebüchene Reanimation darstellen würde. Das größte Mysterium dreht sich sicherlich um die dunkelhäutige, vierfingrige Hand, die, begleitet von ein paar nicht klar zu definierenden Schleierfäden, gegen die Fensterscheibe eines Experimentes schlägt.

Könnte es sich hierbei um eine noch weiter entstellte Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) handeln? Es wird sehr deutlich, dass in den „Indian Hills“ so ziemlich alles möglich ist - was die Frage aufwirft, wer von unseren bisher totgesagten Charakteren noch alles zurückkehren könnte. Wenn das so weitergeht, könnten sich Jerome (Cameron Monaghan), Mooney und Galavan zu den Overacting-Schurken-Lifa aufbäumen.

Wem gehört diese vierfingrige Hand? © FOX
Wem gehört diese vierfingrige Hand? © FOX

Im Zentrum der psychischen Experimente steht jedoch unser lieber Pinguin Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor), der nicht nur durch Stromschläge und Psychobrille auf den rechten Pfad gebracht werden soll, sondern zudem auch noch schnell mal das Geheimnis um den eigentlichen Galavan-Mörder lüften darf. Dabei fällt mir vor allem das Kostümdesign im Zuge seiner Inhaftierung positiv auf, das durch die dunkleren Zähne und die Abwesenheit der stilsicheren Anzüge deutlich an Danny Devitos Darstellung erinnert.

Auch sämtliche Statisten, die Victor Fries vor die Kanone laufen, werden dermaßen gekonnt in Szene gesetzt, dass es ein Heidenspaß ist, der Kamera zu folgen. Wenngleich mir das Kostüm und auch die musikalische Unterlegung zunehmend gut gefallen, enttäuscht mich dennoch das Artwork des blauäugigen Mr. Freeze, der durch seine plötzlich wasserstoffblonden Haare eher an einen 90er-Jahre-Rave als an einen Angst einflößenden Superschurken erinnert.

Fazit

Das rapide Tempo, das Gotham an den Tag legt, um Nora und Victor Fries in ihre aus der Vorlage bekannten Zustände zu bringen, geht leider auf Kosten von Logik und Dialogarbeit vonstatten. Warum Fries nicht nochmal nachrecherchiert, wie der ehemalige Apotheker überlebte, weshalb Nora unbedingt nach Arkham musste oder Victor blind der Führung von Hugo Strange folgt - all diese hanebüchenen Plotentwicklungen fühlen sich leider alles andere als nachvollziehbar an. Selbst in einer comichaften Serie.

Erwartet uns bald ein Galavan-Comeback? © FOX
Erwartet uns bald ein Galavan-Comeback? © FOX

Des Weiteren stellt sich langsam die Frage, ob Hugo Strange nicht etwas overpowered wird, wenn er anscheinend so ziemlich jeden Bösewichten, der mal das Zeitliche segnete, wieder in die Serie holen kann. Was die genaue Reihenfolge der Ereignisse angeht, lasse ich Gotham mittlerweile freie Hand. Jetzt wurde Victor zum blauen Mr. Freeze, bevor Bruce seine erste Fledermaus gesehen hat - sei's drum. Nichtsdestotrotz könnte man die Entwicklung des späteren Superhelden etwas geschickter schreiben und langsam mal mit einem roten Faden versehen.

Trailer zur kommenden Episode von „Gotham“:
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 8. März 2016

Gotham 2x13 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 13
(Gotham 2x13)
Deutscher Titel der Episode
Tote spüren keine Kälte
Titel der Episode im Original
Wrath of the Villains: A Dead Man Feels No Cold
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 7. März 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. September 2016
Autor
Seth Boston
Regisseur
Eagle Egilsson

Schauspieler in der Episode Gotham 2x13

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