Gotham 2x12

Gotham zieht einen Schlussstrich unter den „Rise of the Villains“ und legt direkt in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel mit dem „Wrath of the Villains“ nach. Als Ablöse des zuletzt verstorbenen Theo Galavan (James Frain) dürfen dabei der bereits lang angedeutete Hugo Strange (BD Wong) und die tragische Figur des Viktor Fries (Nathan Darrow) die neue Oberschurkenriege besetzen. Derweil fristet Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) sein Dasein im Arkham Asylum, während sich der junge Bruce (David Mazouz) eine kleine Auszeit nehmen darf.
Gotham Stories: Ein kleiner Exkurs
Für alle, die es während der winterlichen Auszeit aus lauter Vorfreude nicht abwarten konnten, präsentierte FOX via IGN ein paar kurze Comicstreifen, in denen Oswald und Fries bereits aufeinandertreffen durften. Für mich ist dabei noch nicht ganz klar, wie sich diese zeitlich in die Handlung einfügen. So könnte der Besuch des Schlachthauses, das ein bisschen an die aus den Comics bekannte „Iceberg Lounge“ erinnert, sowohl vor als auch nach Oswalds Besuch in Arkham angesiedelt sein. Zumindest gibt es in der heutigen Episode noch keinerlei Hinweis darauf, ob sich Oswald und Fries bereits begegnet sind. Da ich jedoch in der letzten Episode den Vater Oswalds als Opfer von Fries zu erkennen glaubte, könnte diese Fehde jedoch auch tiefer gehen, als bisher angedeutet.
Gotham Stories: The Whole Frozen Affair:Dafür, dass die Comic-Episoden vor der heutigen Episode spielen, spricht natürlich Jims (Ben McKenzie) Jagd auf Oswald, die den Anschein erweckt, als würde sie mit der Festnahme von Barnes (Michael Chiklis) gleichgesetzt sein. Es bleibt alles andere als eindeutig, wann diese Überbrückungsepisoden spielen, weshalb ich versuchen werde, im Laufe der kommenden Episoden darauf einzugehen. Festzuhalten bleibt jedoch, dass mir der Comic-Stil in diesen Kurzepisoden sehr gut gefallen hat und für mich sogar ein bisschen besser funktionierte als die comichaften Elemente in der Serie.
True Detective
Bevor die neuen „Villains“ ihrem Zorn frönen dürfen, gilt es zunächst, sich der Altlasten der ersten Staffel zu entledigen. Dafür dient vor allem das Verhör von Gordon durch unseren Lieblingsadvokaten Harvey Dent (Nicholas D'Agosto). Jim setzt seinen moralisch fragwürdigen Pfad fort, indem er den Mord an dem ehemaligen Bürgermeister Oswald Cobblepot in die Schuhe schiebt. Durch die dieser Aussage widersprechenden Flashbacks bekommt der Zuschauer nicht nur ein kleines Update der letzten Handlungen, sondern auch eine kleine Hommage an die erste Staffel der HBO-Erfolgskrimiserie True Detective serviert, in der eine ähnliche Montage zu einem der Highlights der Serie wurde.
Dabei funktioniert die Montage trotz bekanntem Muster recht gut und wird wie in der Vorlage dem Sachverhalt dienlich, Jim langsam zum eigentlichen dunklen Ritter von Gotham City aufzubauen, der seinem eigenen Gesetz folgt, wenn die juristischen Richtlinien nicht genug hergeben. Warum genau Oswald Jim in dem Mord weiterhin deckt, wird für mich nicht ganz ersichtlich. Da er vor aus seinen kriminellen Verstrickungen bereits die Kehrseite vom Arkham Asylum kennen müsste, bleibt es fraglich, ob er nicht Jim verraten und seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen würde.
Stumpf ist Trumpf
Während sich der eigentliche König von Gotham also durch die Gossen und hinter schwedische Gardinen humpelt, übernimmt der ehemalige „Handlanger“ Butch (Drew Powell) zunächst die Führung über die Unterwelt. Nicht nur hat er seinem adaptionsfähigen Körperglied ein weiteres Accessoire in Form eines formschönen Schlagbohrers versehen, er darf sich zudem auch noch mit der Ursache dieses stilsicheren Trends verbünden: Tabitha (Jessica Lucas).

Zwar sagt mir dieses Bündnis und vor allem die Charakterschreibung von Butch, der sich anscheinend mit jedem verbündet, der seinen Namen kennt, nicht wirklich zu. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass die Rückkehr von Fish Mooney (Jada Pinkett-Smith) bereits in der letzten Episode angedeutet und mittlerweile auch offiziell bestätigt wurde, könnte sich hier im Laufe der Handlung ein kleines kriminelles Bündnis aufbauen. Natürlich ist das zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation, jedoch scheint mir Butch nicht wirklich als eigenständiger Bösewicht herhalten zu dürfen.
Supercool liquid helium
Einen wirklich überzeugenden Auftritt legt dagegen Nathan Darrow als Viktor Fries hin. Nicht nur schaffen es dessen charismatischer Hundeblick und die tragische Hintergrundgeschichte uns einen Bösewichten zu servieren, der nicht nur aus „crazy weirdness“ böse Taten begehen darf. Zudem liefert er gleich bei seinem ersten Auftritt Verbindungen zu „Wayne Enterprise“, Edward „Riddler“ Nygma (Cory Michael Smith) und am Ende auch zu Hugo Strange und dessen „Indian Hills“. Könnte Gotham langsam hinter das Rätsel gekommen sein, wie man lange Storylines erzählt und miteinander verbindet?
Wir erfahren also, dass Viktors Ehefrau Nora (Kristen Hager) an einer Krankheit leidet, die er mithilfe einer besonderen Methode zu bekämpfen versucht. Ziel ist es, durch eine Art kurzzeitige Schockerfrierung die Krankheit abzutöten und seine Geliebte danach wieder sicher aufzutauen. Anhand verschiedener menschlicher Versuchskaninchen, die sich Viktor scheinbar recht willkürlich aussucht, wird jedoch deutlich, dass der Auftauprozess leider die Opfer in bester Breaking Bad-Manier verflüssigt.

Nachdem Bullocks (Donal Logue) Fährte von Gordon schließlich über die leere Arzneidose zu Nora gelenkt und diese daraufhin festgenommen wird, stellt sich Viktor schließlich selbst und zeigt dabei seine moralische Ambivalenz auf. Als sich jedoch ausgerechnet der zuvor von ihm eingefrorene Apotheker aus dem Obduktionsraum entfernt, scheint sein wissenschaftliches Experiment langsam Früchte zu tragen. Hier bleibt für mich vor allem die Frage offen, was in diesem Fall anders war und die Wiederbelebung ermöglichte. Könnte Nygma das Ergebnis vielleicht sogar beeinflusst haben und somit einen potentiellen Schurkenpartner für Viktor darstellen?
I wear my sunglasses at night.
Was dabei jedoch wieder einmal negativer ins Gewicht fällt, ist die Inszenierung des Arkham Asylums, welches von Oswald folgerichtig besucht wird. Wieder einmal wird jeder Insasse durch lautes Kreischen und Lachen als dermaßen verrückt überzeichnet, dass man sich kaum vorstellen kann, dass irgendeiner dieser Menschen mal ein normales Leben geführt hat. Oswald scheitert daran, seine Macht auch innerhalb des Gefängnisses auszuspielen, und wird stattdessen in die psychiatrischen Arme von Hugo Strange geschlossen.
Zwar wird mir hier nicht ganz klar, warum sich zum Beispiel Barbara (Erin Richards) bei ihrem ehemaligen Besuch keiner Eingangsuntersuchung unterziehen musste, jedoch liefert BD Wong für mich auf den ersten Blick eine überzeugendere Darstellung des strippenziehenden Schraubendrehers dar, als ich ihm von ersten Bildern zugetraut hätte. Sicherlich wirkt das Kostüm mit der etwas deplatzierten John-Lennon-Brille und dem filigranen Kinnbart etwas abgehoben, doch die Verbindung zu den Untergrund-Experimenten von Archam Asylum bietet auch hier ein paar spannende Versprechen.
Wir hören, wie eine Insassin die Arbeit an ihr äußerst schwierig macht - was sicherlich als kleiner Mooney-Teaser zu sehen ist -, und dürfen Zeuge der Begeisterung von Strange an dem geglückten Experiment des bereits umgetauften „Mr. Freeze“ werden. Somit wird auch hier eine weitere Verbindung der etablierten Bösewichte aufgebaut, was mich nur weiter erstaunen lässt, wie groß Hugo Strange noch im Laufe dieser Staffel aufgebaut wird.

Fazit
Insgesamt schafft es Gotham, die Spannung aus dem Cliffhanger vor der Winterpause äußerst gekonnt aufzufangen und uns mit den beiden neuen Bösewichten Viktor Fries und Hugo Strange eine ganze Bandbreite an möglichen Verbindungen und Plotentwicklungen zu liefern. Dabei überzeugt vor allem die an Batman: The Animated Series angelehnte Charakterzeichnung Viktors.
Zwar bleibt Hugo Strange imdagegen noch etwas blass, dafür kann er bereits durch das gesamte Vorspiel in „Indian Hills“ ein großes Mysterium um seine Person und seine Experimente mitbringen. Mein bisheriger Wunsch wäre dabei, dass sich eine Schurkenbrücke zwischen Fries, Strange und Nygma aufbauen ließe, was durch die zunehmende Dominanz des letzteren und dem vielversprechenden Halbstaffeltitel „Wrath of the Villains“ vielleicht gar nicht so abwegig sein könnte. Des Weiteren wird sich noch zeigen müssen, wie homogen sich die Geschichte rund um Bruce (David Mazouz) und seine halbe „Batcave“ einbauen lässt.
Trailer zur kommenden Episode von „Gotham“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 1. März 2016Gotham 2x12 Trailer
(Gotham 2x12)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?