Gotham 2x03

Nachdem ich mich in den letzten beiden Episoden von Gotham immer wieder an überzeichneten Charakteren wie Jerome (Cameron Monaghan) oder Barbara Kean (Erin Richards) gerieben habe, schafft es die dritte Episode des „Rise of the Villains“-Arcs endlich, mit rotem Faden und einem ernst zu nehmenden Bösewicht aufzutrumpfen und mir zudem einen großen Wunsch zu erfüllen, was das Schicksal eines Charakters angeht.
What Gotham wants, is a hero
Bullock (Donal Logue) und Jim (Ben McKenzie) verfolgen nach den letzten Ereignissen im GCPD nun die Spur von Jerome, Barbara und Helzinger (Stink Fisher). Damit verfolgen sie auch zufällig die Spur von Jeromes Vater, dem blinden Hellseher Cicero (Mark Margolis), der passenderweise zugleich auf seinen ihn ermordenden Sohn trifft und noch einmal dessen Erbe erwähnen darf, welches dieser Gotham City hinterlassen wird.
Nach diesem kleinen Vorgeplänkel steht in der heutigen Episode dabei ein Spendenabend für das örtliche Kinderkrankenhaus im Zentrum, der nicht nur Dr. Leslie Thompkins (Morena Baccarin) als Laudatorin auf den Plan ruft, sondern vor allem durch unseren Maniac Jerome als großen Magier für Furcht und Schrecken sorgen soll. So ersetzt dieser kurzfristig den eigentlich gebuchten Zauberer und übernimmt fortan den unterhaltsamen Teil mit seiner Assistentin Babsi.

Wir bekommen ein paar langweilige Tricks wie die Zersägenummer an dem jungen Bruce (David Mazouz) zu Gesicht und müssen zusehen, wie ein bisher komplett unbekannter stellvertretender Bürgermeister das Zeitliche segnet. Am Ende mündet das Ganze schließlich in der Geiselnahme des jungen Bruce (so ein Zufall!). Im Zuge derer darf sich Strippenzieher Galavan (James Frain) als der eigentliche Bösewicht zeigen, der durch den Mord an Jerome nicht nur die Zuschauer von dessen nervtötendem overacting befreit, sondern sich zugleich als neuer Held Gotham Citys etabliert.
Mag meine Kritik an der schlecht inszenierten Autonomie Jeromes in den letzten Episoden auch äußerst deutlich geworden sein, hier muss ich die Entscheidung, mit den Galavans zwei bisher unbekannte Bösewichte zu etablieren, die diese Rolle dabei wesentlich besser als Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) übernehmen, wirklich positiv hervorheben. Auch wenn mir das angedeutete Liebesspiel der beiden mit der verrückt bisexuellen Barbara ein bisschen zu viel ist.
Some people say Bruce has a split personality
Im Zuge meines letzten Reviews kam darüber hinaus eine kleine Diskussion zustande, was die Vorhersehbarkeit der Serie angeht. Das möchte ich hier einmal als Prequelproblem definieren - das bremst Gotham natürlich immer wieder in seinen Möglichkeiten. So gibt es meines Erachtens im Aufbau eines Prequels das große Problem, dass man den Ausgang so mancher Situation, wie potentielle Gefahrensituationen, bereits kennt.
So funktionieren Prequelerzählungen vor allem dann gut, wenn sie sich zunächst von diesen bevorstehenden Ergebnissen distanzieren und versuchen, ihre eigene Spannung aufzubauen, wobei ich vor allem gerne auf die erste Staffel von Better Call Saul verweise. Leider tritt Gotham immer wieder in die Falle, genau solche Situationen zu schaffen, deren Ausgang selbst nicht eingefleischten Comiclesern bekannt sein sollte und somit größtenteils die Funktion eines Fanservices einnimmt.

Ich hoffe einfach, dass deshalb mit Theo Galavan als angeblichem Nachfahren der Gotham-Gründungsväter diese Rolle des heldenhaften Superschurken weiterhin aufgebaut wird. Denn diese unbekannten Charaktere beinhalten das größte Potential an einer spannenden Geschichte.
So lässt sich die gesamte Scharade um Jerome schlussendlich als weitere Irreführung der Zuschauer aufzeigen, die natürlich dazu führt, dass das Joker-Ratespiel weiterhin fortgesetzt wird. Daher sehen wir, wie ein paar Leute sein Lachen im TV sehen und aus unerklärlichen Gründen anfangen, dieses zu imitieren. Sicherlich bekommen wir also noch so manchen potentiellen Joker-Ersatz präsentiert, fürs Erste bin ich jedoch froh, dass dieser hier erst einmal ein Ende hat.

Little Umbrella Boy
Während der gesamten Taten von Theo und seinen „Maniax“ fragt man sich natürlich, was der Untergrundkönig Gotham Citys davon hält und wieso dieser keinen Bezug dazu nimmt. So verfolgt Bullock nach seinem kurzzeitigen Knockout durch das beliebte, blaue Gas (müsste so eine lange Nachwirkung nicht bei den Wächtern von Arkham festgehalten oder nachverfolgt werden?) schließlich auch die Fährte Oswalds (Robin Lord Taylor).
Dadurch erfährt er von Jims kurzzeitigem Einsatz unter dem Regenschirm, der in einem Mord mündete, und scheint nun den neuen König auf dem Kieker zu haben. Wieder einmal lässt das Prequelproblem es jedoch nicht zu, dass bezüglich der Karriere Jims oder Oswalds die Spannung steigen könnte. Tut mir leid, Bullock, aber du hast leider den langweiligen Plotteil erwischt!
Fazit
Ich möchte mich zudem noch einmal bei allen Lesern entschuldigen, die mein Trinkspiel als Indiz für die Vorhersehbarkeit der Serie als Zeichen einer herablassenden Sichtweise wahrnahmen. Jedoch wird, meiner Meinung nach, gerade an der durchaus gelungenen, heutigen Episode deutlich, wie eine Gotham-Episode aussehen kann - und genau das hatte ich bei den ersten beiden Episoden schmerzlich vermisst.
So weiß die Serie durchaus, die Auflösungen mancher Plots spannend zu inszenieren, jedoch scheitert es leider immer wieder an einem wirklich nachvollziehbaren Aufbau dieser. So strotzte Jerome von Anfang an vor Übermut und Tatendrang, so dass ich eigentlich nur auf die Taten des eigentlichen Bösewichts Theo Galavan wartete. In der heutigen Episode kommt dieser endlich zum Zug und kann sich dabei als würdiger Bösewicht der Staffel etablieren.
Sicherlich stoßen die Vorschlaghammerandeutungen von Brucys Zukunft immer noch etwas sauer auf, so dass man sich kaum vorstellen kann, dass irgendwann tatsächlich niemand hinter die wahre Identität des dunklen Ritters blicken kann. Doch die heutige Episode schafft es endlich, einen guten roten Faden aufzubauen, einen der nervigsten Charaktere aus dem Weg zu räumen und dabei einen vielversprechenden Bösewicht einzuführen.

Hier zahlt sich der neue, seriellere Weg endlich für Gotham aus, der sich zum Beispiel auch an der gelungenen Verarbeitung des Verlustes von Sarah Essen (Zabryna Guevara) anhand des noch nicht freigegebenen Tatorts aufzeigen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass Gotham sich weiterhin um ernst zu nehmende Charaktere wie Theo Galavan dreht und die „Freaks“ entweder glaubhafter inszeniert oder hinter den schwedischen Gardinen von Arkham lässt.
Der Trailer zur kommenden Episode von „Gotham“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 6. Oktober 2015Gotham 2x03 Trailer
(Gotham 2x03)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x03
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