Gotham 2x04

Mit Strike Force setzt Gotham seinen ernst zu nehmenden Plot rund um Theo Galavan (James Frain) und der Neuformierung des GCPD weiter fort und zeigt dabei auf, dass sowohl das seriellere ErzĂ€hlschema als auch seriösere Charaktere es schaffen, eine gute Serie zu erzĂ€hlen. Nach der Erholung von der „Freak Show“ der letzten Wochen werden jetzt die interessanteren CharaktergeschĂŒtze aufgefahren.
Discipline and Unity
Bereits im Zuge des Reviews zur letzten Episode warf ich die Frage auf, wie eigentlich der Unterweltenkönig Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) auf den Ausbruch aus dem Arkham Asylum und den Angriffen auf das GCPD reagiert. Dieses Mal kann ich glĂŒcklicherweise feststellen, dass Gotham die continuity seiner ErzĂ€hlstrĂ€nge in dieser Staffel wesentlich ernster zu nehmen scheint. So wird die Episode durch ein GeschĂ€ftstreffen zwischen dem flugunfĂ€higen Vogel und seinen Mitarbeitern eingeleitet.
In diesem stellt Cobblepot nicht nur klar, dass er als Kopf der Unterwelt stets informiert werden muss, sondern versucht dabei auch, fortan einen harscheren Ton anzuschlagen, um seine wilden Schergen unter seine Fittiche zu bekommen. Leider kann er im Laufe der Episode durch seine Interaktion mit Theo diese Machtposition, die ein Dreigestirn der Macht in Gotham City zur Folge hĂ€tte, nicht weiter ausbauen und wird stattdessen zum Diener des potentiellen BĂŒrgermeisters in spe.

Ich weiĂ zwar nicht, wie lange ein BĂŒrgermeister nur âvermisstâ sein muss, damit gleich sein Nachfolger neu gewĂ€hlt wird, jedoch reicht die Zeit in Gotham anscheinend aus, um gleich drei Bewerber um das politische Amt auf den Plan zu rufen. Neben den beiden Politikern Caulfield und Hobbs wird dabei natĂŒrlich der neue Held der Stadt, Theo Galavan, von den Bewohnern zur Nominierung gebeten.
Indem er zudem seine BauplĂ€ne in den derzeitigen Wohnvierteln der Stadt offenbart, die er fĂŒr ein paar schicke neue Wolkenkratzer plĂ€tten will, wird schlieĂlich auch sein politisches Ziel deutlich. So setzt er Oswald durch die Inhaftierung seiner armen Mutter (Carol Kane) als Zwangslakaien ein und rĂ€umt schon einmal seine politische Konkurrenz aus dem Weg. NatĂŒrlich nicht, ohne aus TarnungsgrĂŒnden selbst Opfer eines Anschlages zu werden.
Mag es zwar die Herkunft Oswalds sein, die ihn emotional an seine Mutter und die Wohnviertel Gotham Citys bindet - so ganz wird seine neue Untergebenenrolle dennoch nicht deutlich. Es bleibt hier einfach zu hoffen, dass Butchs (Drew Powell) Hinterfragung der Dienertaten zu einer rebellischeren Haltung fĂŒhren wird - so wie wir sie von einem Untergrundkönig erwarten wĂŒrden.
Law and Order: Gotham City
Mögen Pinguins Handlungen im Laufe der Episode somit an Oberwasser verlieren, rĂŒstet das GCPD dagegen mĂ€chtig auf und kehrt mit eisernem Besen durch das korrupte Revier. Die verstorbene Sarah Essen (Zabryna Guevara) wird durch den ehemaligen âJarheadâ Nathaniel Barnes (Michael Chiklis) ersetzt, der zunĂ€chst die Frage stellt, die wohl jedem GCPD-Angestellten durch den Kopf gehen sollte: Wie konnte das Attentat auf Essen ĂŒberhaupt möglich sein und wieso empfindet es niemand als Schande?

Durch den Auftritt mit zerschmetterndem Stuhl wird zudem eine Parallele zu dem Schrotflinte schieĂenden Pinguin aufgebaut. Sowohl Unterwelt als auch die Polizei reagieren auf die Aktionen Galavans mit harscher VerstĂ€rkung ihrer Methoden. Bei Barnes sieht das so aus, dass er eine Handvoll korrupter Polizisten entlĂ€sst und stattdessen mit seiner neuen Nummer zwei, Jim Gordon (Ben McKenzie), an die Police Academy geht, um die alten, verbrauchten Gesichter durch neue, frische AnwĂ€rter zu ersetzen und diese zu einer Spezialeinheit auszubilden, der âStrike Forceâ.
Leider bleibt zwar die bereits angeteaserte, tiefere Ermittlung im Fall Pinguin noch aus, doch die Etablierung der neuen, schwer bewaffneten Streitkraft gegen den mal wieder im Gottmodus umherwandelnden Zsasz (Anthony Carrigan) wirkt bereits sehr gelungen. NatĂŒrlich wird der Mord Gordons hier noch ein zentrales Element spielen, der harsche Wind, der nun durchs Revier weht, wirkt alles in allem jedoch sehr stimmig.
Kringle me this!
Neben diesen harten Tönen der Episode schlagen Edwards (Cory Michael Smith) und Brucys (David Mazouz) Herzen dagegen mal wieder in rosaroten Takten. WĂ€hrend die Abwesenheitszeit des BĂŒrgermeisters bereits ausreicht, um dessen Nachfolger auf den Plan zu rufen, scheint sie unseren gespaltenen RĂ€tselfreund noch nicht fĂŒr ein Date ausreichend gewesen zu sein.

Doch schlieĂlich fasst er sich ein grĂŒnes Herz und befiehlt seine Herzensdame (Chelsea Spack) zu sich nach Hause, wo sie ein köstliches Messbecheressen erwartet. Zwar driften seine Versprecher bezĂŒglich seines Mordes fĂŒr meinen Geschmack etwas zu deutlich ab, jedoch funktioniert der Beginn der Szenerie zu Louis Primas „Just A Gigolo“ dagegen ausgesprochen gut. Am Ende schaffen es die beiden endlich, hinter die Brillen des jeweils anderen zu blicken und Liebe regieren zu lassen.
Bruce scheint derweil ein paar Probleme damit zu haben, sich so richtig in Schulgesellschaft einzufĂŒgen. Zwar verlĂ€sst er das SchulgelĂ€nde ĂŒber den Seitenausgang, um nicht zu sehr auf Butler und Limousine hinzuweisen, fĂŒr weitere Kontakte reicht es jedoch leider nicht. Dabei nimmt Alfred (Sean Pertwee) seine neue Rolle des dominanteren Erziehungsparts sehr ernst, zwingt ihn zu Joggingeinheiten und verweist Selina (Camren Bicondova) Ă€uĂerst rĂŒde zurĂŒck auf ihren Platz.
Im Dankbarkeitstreffen mit Theo Galavan schneidet letzterer zudem mal eine Frage an, die sich schon seit sehr langer Zeit stellt: Was ist mit den Ermittlungen im Fall des Wayne-Mords, der anscheinend genauso wie die neue Batcave Schnee von gestern ist. Perfide, wie er seinen Finger in sĂ€mtliche Wunden Gotham Citys zu legen weiĂ, stellt er ihm schlieĂlich seine Nichte Silver (Natalie Alyn Lind) vor, die sich als wunderschöne Schulkameradin entpuppt - Obacht, Bruce!
Fazit: Let's get serious!
Strike Force setzt gekonnt an der Situation an, die sich durch den „Rise of the Villains“ etabliert hat und zeigt dabei weiter auf, wie gut die Serie sein kann, wenn sie den richtigen Ton in ihren Dialogen, ihren ErzĂ€hlstrĂ€ngen und vor allem ihren Charakteren trifft. Besonders die Besetzungen von Chiklis und Frain werden hierbei zu GlĂŒcksgriffen und prĂ€sentieren uns wesentlich authentischere Machtfiguren, als sie in der ersten Staffel zu sehen waren.

Sicherlich wirken einzelne Elemente wie die plötzliche Unterwerfung Cobblepots oder die potentielle Liebschaft des jungen Bruce noch etwas holprig. Sollte sich die neue Stringenz, die die Serie in ihren letzten beiden Episoden aufzuzeigen vermag, jedoch beibehalten, mache ich mir um diese jedoch wenig Sorgen. Ich weiĂ, dass viele den Tod von Jerome (Cameron Monaghan) als herben Verlust wahrnehmen, jedoch finde ich einerseits sowohl die Idee, dass der Joker vielleicht eher ein Gesellschaftsmotto denn eine einzelne Person wird als auch den Twist um Theo Galavan Ă€uĂerst gelungen. Gotham, du bist auf einem guten Weg, hoffentlich behĂ€ltst du diesen bei!
Trailer zur kommenden Episode von âGothamâ: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 13. Oktober 2015Gotham 2x04 Trailer
(Gotham 2x04)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x04
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