Gotham 2x02

Nachdem meine Frage im Review zum Staffelauftakft, ob Gotham eigentlich „Trash“ oder „No-Trash“ sei, von vielen Usern mit ersterem beantwortet wurde, werde ich heute eine andere stellen. Frei nach dem Trinkspiel zur zweiten Staffel von Comikbook.com aus der letzten Woche, testen wir einmal anhand der aktuellen Folge, ob die Serie nicht vielmehr als Vorlage zum wöchentlichen Alkoholgenuss taugt, als dass sie als Dramaserie ernstgenommen werden kann.
They took our jobs!
Beginnen möchte ich hierbei wie auch letzte Woche bei dem durchwachsenen Plot um Bruce (David Mazouz) und seinen Butler Alfred (Sean Pertwee). So finden diese in der endlich betretenen Kammer einen geheimen Riesenrechner, mehrere Blutkonserven und eine schusssichere Weste mit zwei Einschusslöchern, die anscheinend so manchen Hinweis auf den Mord an die Waynes geben könnten.
Da Alfred diese potentiellen Informationen für den jungen Bruce für zu gefährlich hält, zerstört er den Computer und wird daraufhin entlassen (ich nehme zwei Schlucke, da ein Charakter gefeuert wird, von dem wir wissen, dass er seinen Job noch in zehn Jahren haben wird). Natürlich nur, um am Ende der Episode wieder eingestellt zu werden (ich leere mein Glas, da der Charakter noch in der gleichen Episode wieder eingestellt wird), worauf er sich an Lucius (Chris Chalk) wendet, der nicht nur den Computer, sondern vielleicht auch noch Bruce' weitere Zukunft reparieren darf.

Dabei wirken die Dialoge bezüglich Bruce' Zukunft manchmal zu sehr auf die Zukunft als dunkler Ritter geschrieben, wobei ich jedoch wieder einmal feststellen muss, dass Sean Pertwee die beste Charakterdarstellung der Serie mit der Rolle des Butlers abliefert. Mag der ganze Plot sich auch im Kreis drehen, zumindest sind seine Emotionen dabei nachvollziehbar und äußerst gut gespielt.
How do I look?
Das genaue Gegenteil finden wir natürlich wieder in der Geschichte um die „Maniax“, die übrigens keine besondere Wurzel in der Comicvorlage haben, wenngleich es auch die singenden „Maniaks“ im DC-Universum gibt. Doch die Gruppe um Heath Ledger-Imitator Jerome (Cameron Monaghan) und Crazy Babsi (Erin Richards) schlagen immer noch überzeichnet schiefe Töne an, die jedoch irgendwie dann doch nicht richtig danebenliegen dürfen.
So sehen wir zum Beispiel, wie ein Kannibale (Dustin Ybarra) und ein Vergewaltiger (Will Brill) - mit dem irgendwie an Lesie (Morena Baccarin) erinnernden Nachnamen Dobkins - nicht etwa Menschenfleisch oder Beischlafopfer suchen, sondern lediglich ein bisschen russisches Roulette spielen, daran scheitern, ein Feuerzeug anzumachen und schließlich das GCPD angreifen dürfen (ich leere mein Glas, da das GCPD angegriffen wird). Natürlich werden sie zum Ende hin das Zeitliche segnen, da sie leider keine Charaktere aus der Comicvorlage waren.

Dagegen dürfen der neu besetzte Helzinger aka Amygdala (nun Stink Fisher), Jerome und die verrückte Fräulein Kean weiterhin als Puppen Galavans (James Frain) agieren (zwei Kurze, da ich weder bei Barbara noch bei Jerome weiß, wer sie später wirklich einmal sein werden) und wieder einmal das große Andeutungsspiel spielen. So imitiert Jerome die Rede Ledgers aus „The Dark Knight“ (ich nehme einen Schluck, da er seine Entwicklung sehr breit andeutet) und macht sämtliche Anspielungen auf Comedy mit seiner subtilen Lache (und noch fünf Schlucke), während sich Barbara in Rot-Weiß-Schwarz hüllt und auch noch darauf aufmerksam macht (ich nehme noch einen Schluck, da sie anscheinend Harley Quinns Farben trägt).
Yeah, yeah, I get it, you're just crazy.
Das Ganze mündet schließlich darin, dass das GCPD von sechs Leuten, von denen zwei sterben, angegriffen und anscheinend bis auf wenige Mitarbeiter reduziert wird. Puh, gut, dass niemand in der Polizeiwache dafür gewappnet ist, eine kleine Gruppe bewaffneter Freaks auszuschalten. Am Ende heißt das jedoch leider für den Charakter von Sarah Essen (Zabryna Guevara), dass sie nicht mehr dabei ist, weshalb ich noch zwei Abschiedsschlucke nehme, da somit ein Charakter aus den Batman-Comics stirbt, bevor dieser überhaupt existiert.
Denn, wenn sie auch nicht zu einem der wichtigsten und meist vertretenen Charaktere gehört, so hatte sie jedoch Auftritte in Comics wie „Batman: Year One“ oder „The Dark Knight Returns“. Gotham setzt also nach dem Tod von Sionis (Todd Stashwick) aka Maybe-Black-Mask das lustige Morden bekannterer Charaktere weiter fort.
Doch dieses Mal hat es natürlich einen wichtigen Sinn in der Storyentwicklung der Serie, denn schlussendlich wird durch den Tod Essens endlich wieder der Whiskeymixer Harvey Bullock (Donal Logue) zum besten Detective der Welt erhoben, weshalb ich noch einmal mein Glas austrinke, da ein zuvor entlassener Charakter wieder seine sowieso bekannte Position erhält, wenn auch mit einer Episode Spannungsverzögerung.
Fazit
Somit bin ich am Ende der Episode nicht nur ziemlich bedüdelt, ich muss zudem jedoch auch feststellen, dass die zweite Episode der neuen Staffel einen besseren Eindruck als der Staffelauftakt hinterlässt. Das liegt nicht etwa daran, dass die einzelnen Elemente überraschender oder gekonnt gewählt sind (Wohin brachte uns der ganze Schulbusplot, wenn sie eh das GCPD angreifen und Essen umbringen?), sondern daran, dass wir mit Alfreds Charakterwechsel in die dominante Position, die zudem Lucius auf den Plan ruft, und dem Ableben Essens zwei, meiner Meinung nach, zumindest gelungene emotionale Entwicklungen zu sehen bekommen.

Doch diese beiden Elemente lassen die Vorhersehbarkeit der Serie, welche sich anhand meines kleinen Trinkspiels äußerst deutlich aufzeigen ließ, nicht von der Hand weisen. Alle „Verrückten“ handeln so, wie man es von ihnen erwartet, Plotelemente dienen nur zur Spannung der einzelnen Episoden und Andeutungen werden immer noch mit dem Vorschlaghammer serviert.
Zuvor wurde uns Galavans Auftreten als großer Wechsel der Dramaturgie von Gotham serviert, doch bisher sehe ich davon noch nicht sehr viel, außer dass uns die Charaktere weiterhin mit ihrem Schmierentheater von ihren losen Schrauben überzeugen dürfen. Da für mich ein Bösewicht jedoch vor allem dann interessant wird, wenn dieser vielschichtig angelegt wird und es schafft, mich von seiner Weltanschauung zu überzeugen, wie es beispielsweise bei Ledgers Joker der Fall war, bleiben die Clowns allesamt ziemlich farblos.

Nachdem ich also letzte Woche gemeinsam mit den Kommentatoren feststellen musste, dass sich die Serie vor allem als Trash bezeichnen lässt, konnte ich heute zudem noch den Wert der Dramaturgie als Trinkspiel aufzeigen. Ich hoffe, Ihr macht es mir, natürlich nur mit Apfelschorle oder einem Glas Milch, nach und macht Gotham zu einem interaktiven Erlebnis, wie es nicht einmal der „CelebrateGotham“-Hashtag von ProSieben schaffen konnte.
Trailer zur kommenden Episode der US-Serie „Gotham“, „The Last Laugh“ (2x03): Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 29. September 2015Gotham 2x02 Trailer
(Gotham 2x02)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x02
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