Gotham 2x01

Herzlich willkommen zurück, liebe Gotham-Fans! Auch in den 22 neuen Episoden der zweiten Staffel heißt es ab heute wieder: Trash oder No-Trash? Die Auftaktepisode mit dem langen Titel Rise of the Villains: Damned If You Do... scheint dabei eher in Richtung Trash abzuwandern, wenn auch das Ende der Episode durchaus Spannung erzeugt.
Bruce Wayne and the Chamber of Secrets
Nachdem es Bruce (David Mazouz) in der ersten Staffel endlich schaffte, die berühmt-berüchtigte Batcave zu öffnen und somit einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung zum Superhelden zu vollziehen, darf er die Höhle nun endlich betreten. Er trifft dabei auf ... eine weitere verschlossene Tür! Denn es war seinem alten Herrn wohl nicht genug, eine Rätseltür vor seinem geheimen Büro zu platzieren, sondern er musste diese in bester „Harry Potter“-Manier als Reihe von Rätseln aufbauen.

Da der junge Bruce jedoch trotz verschiedenster Einträge in das Zahlenfeld nicht auf den kniffligen Code „BRUCE“ kommt, wird dieses Plotelement geschickt genutzt, damit er gemeinsam mit seinem Ex-Marine-Butler Alfred (Sean Pertwee) eine kleine Bombe basteln darf, um die Tür zu knacken. Am Ende der Episode finden wir also ein geheimes Büro mit verstaubtem PC und einem informationslosen Brief an den jungen Wayne vor. Soll das jetzt wirklich die ganze Batcave sein oder wird es die nächsten Episoden noch mehr schwierige Rätsel geben?
The Suicide Six
Der größte Trashfaktor der Episode wird jedoch durch den gesamten Plot um die Insassen des Arkham Asylum erzeugt. Der neue aufstrebende Oberbösewicht (ohne Comicvorlage) Theo Galavan (James Frain) verabreicht seinem Zögling ein ominöses Getränk, dass diesen nicht nur als „Zaardon“ (David Fierro) und als komischer schwarzer Ritter (Anspielungsalarm!) durch Gotham City schickt, sondern schließlich auch ins Arkham Asylum verfrachtet.
Zuvor schafft es unsere immer verrückter werdende Fräulein Kean (Erin Richards) ebenfalls in die merkwürdige Klapsmühle, die zwar Gefängnis genug ist, um alle Insassen in schwarz-weiß-gestreifte Uniformen zu kleiden, jedoch nicht, um eine Geschlechterteilung zu vollziehen. So darf Babsi zufälligerweise auf den bisher als Joker in spe angedeuteten Jerome (Cameron Monaghan) und den seit langer Zeit nicht mehr gesehenen Richard Sionis (Todd Stashwick) treffen, der sich in der ersten Staffel als eine Form von „Black Mask“ etablierte.
Dabei sind es vor allem die Szenen zwischen Babsi und Jerome, die eher an laienhafte Schultheateraufführungen erinnern und den Trashfaktor weiter hochhalten. Ich weiß, dass viele diese Überzeichnungen mit der Grundlage des Comics verteidigen, jedoch geht es mir vor allem um die thea-trashige Umsetzung.

Am Ende schafft es „Zaardon“ schließlich, in exakt der gleichen Abteilung wie die bisher etablierten Insassen zu landen und sich daraufhin als humane Gasbombe zu entfalten, die nicht nur Babsi, Jerome und Co., sondern zum Glück auch alle Wärter außer Gefecht setzt. So wird Platz für Theos Schwester Tabitha (Jessica Lucas) gemacht, die jedoch keinerlei Ähnlichkeit zu ihrem Bruder aufweist. War hier etwa der Postbote im Spiel?
Zusammen wandern also alle unsere Bösewichte der Episode lockerflockig aus dem gefährlichsten Gefängnis Gotham Citys, um den Titel bezogenen „Rise of the Villains“ vorzubereiten und schließlich in die Fänge Theos zu geraten. Theo sieht in den verrückten Köpfen das Potential einer eigenen Gruppierung, die er zu lenken gedenkt. Die Gruppe erinnert dabei an eine Mischung aus den „Sinister Six“ von Spider-Man und dem berühmten „Suicide Squad“ aus dem Hause DC.
So long, farewell, auf Wiedersehen, Goodbye!
Dabei nimmt dieser Plot zum Ende hin eine überraschende Wendung, die zudem den ersten Rollenausstieg der neuen Staffel präsentieren soll. Nicht etwa die überzeichneten Jerome oder Babs, sondern der als einziger authentisch und nachvollziehbar handelnde Sionis wird nach der Ablehnung des Angebotes mit Peitsche und Messer hingerichtet. Sollte er wirklich der „Black Mask“ von Gotham sein, hätten wir die erste Hinrichtung eines zentralen Batman-Bösewichts, was bei mir eher sauer aufstößt. Doch da in Gotham sogar Transplantationen von Köpfen möglich sind, ist er ja vielleicht gar nicht so tot, wie er aussieht.

Doch nicht nur für Sionis heißt es Abschied nehmen, auch das Partnerduo Gordon (Ben McKenzie) und Harvey Bullock (Donal Logue) scheint aus der Arbeit des GCPD entfernt worden zu sein. Während Bullock seitdem das Leben eines fröhlichen Wirtes führt, muss Jim erst durch die Zuarbeit von Loeb (Peter Scolari) von seiner Position enthoben werden.
Da wir jedoch aus Geschichten (wie seiner Zeit als Arkham-Wärter) wissen, dass solche Plotelemente nur genutzt werden, um andere Steine ins Rollen zu bringen und am Ende der Status Quo wieder hergestellt wird, verbündet sich Jim - mal wieder - mit dem neuen Unterweltenkönig Oswald (Robin Lord Taylor), bringt nebenbei einen nicht zahlenden Clubbesitzer um, und kann am Ende natürlich wieder seine Marke anstecken.
Fazit
Vielleicht waren meine Erwartungen an die neuen Ansätze, die uns für die zweite Staffel von Gotham versprochen wurden, zu hoch. Aber der Auftakt zu Staffel zwei kann nicht wirklich überzeugen. Zwar habe ich dem Finale auch dadurch eine hohe Wertung gegeben, dass Charaktere wie Fish Mooney (Jada Pinkett-Smith) oder Maroni (David Zayas) endlich das zeitliche segneten, doch dieser Welpenschutz ist in der zweiten Staffel langsam versiegt.
Das Ergebnis des Bruce-Plots hätte auch direkt zu Beginn der Episode ohne Zwischentür erfolgen können. Der Rücktritt Loebs und Aufstieg Essens (Zabryna Guevara) bräuchte den temporären Ausstieg Jims nicht und vor allem die sich überschlagenden Zufälligkeiten im Plan Galavans lassen einen eher über als mit der Episode lachen.
Dass ausgerechnet der Plot um die Bombenbastler Bruce und Alf der unterhaltsamste ist, während uns dagegen Edward Nygma (Cory Michael Smith) mit seiner Version der gespaltenen Persönlichkeit á la Green Goblin (Willem Dafoe) aus „Spider-Man“ weitere abgelaufene Klischees serviert, ist äußerst bezeichnend für die Serie. Wer dagegen wirklich sehen will, zu welchen schauspielerischen Leistungen Smith fähig ist, wenn er einen leicht gestörten Charakter spielt, sollte sich vielleicht mal Olive Kitteridge anschauen (sechs Emmys!).

Wie auch in der letzten Staffel werden Plotelemente motivationslos in die Länge gezogen, Charaktere unauthentisch überzeichnet und die Grenzen der Logik immer wieder überschritten. Ich bin (etwas) gespannt, wie lange Bruce noch brauchen wird, bis er auf die erste Fledermaus trifft, und wann sich Jerome endlich die Wangen aufschneidet, während Barbara bald weiterhin Leslie (Morena Baccarin) bedrohen darf. Bisher scheint der „Rise of the Villains“ eher ein „Rise of the over-acting freaks“ zu sein.
Der Red-Band Trailer zu Staffel 2: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 22. September 2015Gotham 2x01 Trailer
(Gotham 2x01)
Schauspieler in der Episode Gotham 2x01
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