Gotham 1x22

Mit All Happy Families Are Alike verabschiedet sich die Batman-Prequel-Serie Gotham aus ihrer ersten Staffel. Zwar trieft die Episode immer noch von unerträglichen Dialogen und wild konstruierten Entwicklungen, schafft es aber auch, mit ein paar wenigen Entwicklungsschritten endlich aufzuzeigen, was wir wirklich sehen wollen: Die Entwicklungen der Protagonisten aus dem Batman-Universum.
How much is the Fish?
So widmet sich das Staffelfinale unter anderem natürlich der Rückkehr Fish Mooneys (Jada Pinkett-Smith) nach Gotham City. Sie schippert nicht nur gekonnt ungekonnt lässig in die Stadt ein, sondern trifft dabei auch auf unseren frühreifen Langfinger Selina Kyle (Camren Bicondova), was natürlich schnurstracks zu einer neuen Paarung im Gotham-Universum führt - frei nach dem Motto All Main Characters Must Build A Team.
So legen sich die beiden erst einmal ein paar neue Haarschnitte zu und pimpen die kleine Katze zu einer bewaffneten Gangsterin auf, um schließlich ihre Rolle in dem großen Straßenkrieg zwischen Falcone (John Doman) und Maroni (David Zayas) zu spielen. So warten sie passenderweise in der Garage, die Jim (Ben McKenzie), Bullock (Donal Logue), Falcone, Butch (Drew Powell) und der kleine Pingu (Robin Lord Taylor) als Fluchtziel vor den Schergen Maronis ausgesucht haben.

Mooney holt daraufhin natürlich sofort Maroni an Bord, um im Austausch für Falcone zum gleichberechtigten Partner zu werden. In einem der wohl schlechtesten Dialoge der ganzen ersten Staffeln merkt sie dabei sehr langsam, dass das wohl nicht so laufen wird, und erschießt Maroni schließlich. Womit wir uns schon mal von David Zayas und seinem unauthentischen Mafiosi verabschieden können - ein Pluspunkt für das Staffelfinale!
Nun geht es weiter im Machtkampf, aus dem sich Falcone langsam eh entzieht, da er sich, wie bereits zuvor in der Staffel angekündigt, aus dem Gangsterleben zurückziehen möchte. Es bleiben somit, wie könnte es anders sein, der Schnabel und die Emo-Grete zurück, über deren Leben schließlich niemand anderes als der kleine Butch entscheiden darf. Hin- und hergerissen schießt er einfach beide an, woraufhin der Pinguin endlich den Fisch verputzen darf, indem er ihn vom Hochhaus stürzt. Sollte uns die Meisterin des Overactings nicht noch einmal wider Erwarten zu Gesicht kommen, wäre dieser Abschied von Jada Pinkett-Smith bereits der zweite Pluspunkt, der eine bessere zweite Staffel erahnen ließe.
Hope is for losers.
Während somit Oswald Cobblepot am Ende endlich als neuer King of Gotham City den Thron erklimmt, stellt sich noch die Frage, inwiefern Jim ihm noch seine Gefallen schuldig ist, oder war bereits das Abführen in die Garage die lang ersehnte, große Geste, die wir von ihm sehen durften? Sollte sie es nicht gewesen sein, könnte die neue Position Cobblepots noch wesentlich mehr Gefahren für unseren ambitionierten Supercop in sich bergen.
Derweil kümmert sich seine derzeitige Herzensfrau Leslie Thompkins (Morena Baccarin) um die Genesung seiner ehemaligen Herzensfrau Babsi (Erin Richards) und bietet dabei das nächste bei den Haaren herbeigezogene Szenario der Episode. Nicht nur, dass Thompkins selbst keine ausgebildete Psychotherapeutin ist, allein durch ihre gemeinsame Beziehung zu Jim Gordon würde eine solche Therapie in keiner Weise für eine gesunde Therapie sprechen.

Der unauthentischen Dramaturgie der Serie ist das natürlich egal, weshalb wir den beiden natürlich dabei zusehen dürfen, wie sie sich nicht nur über Barbaras Erlebnisse mit dem Ogre (Milo Ventimiglia) unterhalten, sondern dabei natürlich auch eine Gegenübertragung stattfindet, indem sie auf ihre Beziehungen zu Jim zu sprechen kommen. Am Ende darf unsere bisexuelle Nebenplotqueen sich noch einmal von ihrer verrücktesten Art zeigen, indem sie sich nicht nur als eigentliche Mörderin ihrer eigenen Eltern entpuppt, sondern sich auch in bester „The Shining“-Manier durch eine Tür schlagen und Thompkins mit dem Messer bedrohen darf.
Zum Glück schafft es unser strahlender Ritter Gordon mal wieder, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Doch was das traumatische Erlebnis Keans und den Mord an ihren eigenen Eltern angeht, stellt sich langsam die Frage, was die Serie wirklich noch mit ihr vorhat. So entwickelt sich ihr Charakter eigentlich derzeit in bester Manier in Richtung Batman-Villain - auch wenn es meines Wissens derzeit keinen gibt, dem sie vom Alter entsprechen würde, da zum Beispiel Harley Quinn eher im Alter Selinas sein müsste. Es bleibt abzuwarten, auf welche verrückten Trips uns ihr Charakter in der zweiten Staffel noch mitnimmt.
We put the bat in Batman.
Wieder einmal sind es jedoch nicht die Hauptplots der Episode, die diese zu retten vermögen, sondern zwei zwar sehr kurze, jedoch sehr bedeutsame Nebengeschichten. So greift Bruce (David Mazouz) das Rätsel um seinen Vater Thomas (Grayson McCouch) auf und begibt sich mit Alfi (Sean Pertwee) auf die Suche nach diesem. Am Ende der Episode finden sie schließlich in einem Buch eine Fernbedienung, die Bruce Zugang zu einem Ort verschafft, auf den wir schon lange gewartet haben: die Fledermaushöhle!

Während der junge Wayne sich somit nur langsam seinem späteren Alter Ego annähert, transformiert sich Edward Nygma (Cory Michael Smith) nun komplett in den Riddler. Nachdem ihm seine Angebetete auf das von ihm „subtil“ untergebrachte Namensrätsel hinweist, sehen wir, auf sehr gekonnter Art und Weise, wie er mit sich selbst einen zwiespältigen Dialog führt. Neben ein paar normalen Fragen an sich selbst sind dabei auch immer wieder Rätsel in der Montage der verschiedenen Ichs zu hören, die sich somit zu seinem Alter Ego manifestieren. Diese Entwicklung vom normalen Charakter hin zum schizophrenen Bösewicht bietet meiner Meinung nach zusammen mit der Geschichte um Jonathan Crane (Charlie Tahan) die bisher am schlüssigsten aufgebaute Charakterentwicklung.
Spoken like a real Mafioso - Fazit
Die gesamte erste Staffel von Gotham hatte immer wieder mit dem Problem zu kämpfen, den Mafia-Plot, den Fall der Woche und die Entwicklung der späteren Batman-Charaktere unterzubringen, in Waage zu halten und authentisch zu verknüpfen. Auch das Staffelfinale hat mit diesen Problemen zu kämpfen, schafft es jedoch zugleich auch, mit dem Mafiakrieg zumindest diesen Teil der Geschichte etwas auszumerzen und stattdessen mit dem Pinguin und dem Riddler zwei nun komplett entwickelte Batman-Bösewichte zu präsentieren.
Zudem war in der ersten Staffel auch die nur langsam voranschreitende und zum Teil belanglose Entwicklung Bruce Waynes zu kritisieren, welcher zum Teil mehr mit der Beziehung zu Selina Kyle als mit seiner Verarbeitung des Elternverlusts zu kämpfen hatte. Auch hier bietet die Etablierung der Batcave eine positive Aussicht auf Staffel zwei, in welcher dieses wichtige Element der Jugend Waynes nachgeholt werden könnte.

Mag das Staffelfinale somit auch trotz der Schwächen etwas an Fahrt gewinnen, so sind die Schwächen der gesamten ersten Staffeln nicht von der Hand zu weisen und lassen sich vor allem auf ein Kernproblem zurückführen: Es fehlt der Serie schlichtweg an einem roten Faden, der die verschiedenen Handlungsstränge befriedigend zusammenbringt und durch die Serie zieht. Die Fall-der-Woche-Struktur schafft es bisweilen nicht, zu überzeugen, da auch der Krimianteil nicht wirklich spannend ausgebaut wird. Mögen Vergleiche zu anderen Serien auch nicht immer ganz aufgehen, so muss ich doch als positives Vergleichsbeispiel The Flash heranziehen, der die verschieden Erzählelemente wesentlich besser einbaut und trotz der Fälle der Woche seinen roten Faden nicht aus dem Auge lässt. Es bleibt zu erwarten, dass die Reduzierung des Mafiaplots hoffentlich auch Gotham zumindest in eine ähnliche Richtung bringt. Die neuen Villains und die Batcave machen zumindest Lust auf mehr.
Als Abschied von Staffel 1: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 5. Mai 2015Gotham 1x22 Trailer
(Gotham 1x22)
Schauspieler in der Episode Gotham 1x22
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?