Game of Thrones 7x01

© rya Stark (Maisie Williams) in „Dragonstone“ (c) HBO
Es ist nun mehr als ein Jahr her. Zu dem Zeitpunkt lief die letzte Episode - namentlich The Winds of Winter, das exzellente Finale der sechsten Staffel - des Fantasyepos Game of Thrones beim US-amerikanischen Pay-TV-Riesen HBO. Die abermillionen Fans der Serie wurden länger als gewöhnlich auf die Folter gespannt und haben die Fortführung der Saga ungeduldig herbeigesehnt. Die Erwartungen an die neue siebte Staffel sind gewaltig, auch aufgrund der vollmundigen Versprechungen, die etliche Verantwortliche sowie zahlreiche Castmitglieder im Vorfeld getätigt haben.
Kurz gesagt: Nach sechs Staffeln geht es jetzt ans Eingemachte. Die Reihen wurden immer mehr ausgedünnt, man biegt auf die Zielgerade ein und das Ende einer der beliebtesten und meistgesehensten TV-Produktionen der Welt ist in Sicht. Kann man den riesigen Erwartungen letztendlich gerecht werden? Werden die sieben neuen Episoden so aufsehenerregend, wie bereits von vielen Beteiligten trotz aller Geheimniskrämerei angedeutet wurde? Die Ansprüche der Zuschauer sind gewohnt hoch, nun liegt es an den beiden Serienmachern David Benioff und D. B. Weiss sowie deren Team, diesen gerecht zu werden - so schwierig diese Aufgabe auch ist.
The North remembers
Anstatt jedoch mit einem großen Knall in die neue Staffel zu starten, was Fans von brachialer und ausgezeichnet orchestrierter Action (siehe zum Beispiel das Battle of the Bastards) sicherlich gefallen hätte, entscheidet sich das Autorenduo für einen vergleichsweise verhaltenen Auftakt, in dem auf gelungene Art und Weise der Status quo in Westeros umrissen und der Fokus auf ein paar unscheinbare, aber schöne Charaktermomente gelegt wird. Wie bereits in Staffel sechs darf erneut Regisseur Jeremy Podeswa die Premierenfolge inszenieren, der schon in der letztjährigen Auftaktepisode The Red Woman ein Händchen für eher bedächtige Augenblicke und Nuancen bewiesen hatte.
Bei all den verhältnismäßig ruhigen Szenen in Dragonstone besteht aber keinerlei Zweifel daran, dass „Game of Thrones“ nach wie vor extrem harter Tobak sein kann und der Tod um jede Ecke lauert. Allein das Cold Open vor der Introsequenz zeigt uns einen perfiden Massenmord zu Händen der skrupellosen Arya Stark (Maisie Williams), die nach dem Attentat auf Walder Frey (David Bradley) dessen Visage übernommen hat und nun ruck, zuck seine Sippschaft ausrottet. Abermals huscht ihr ein psychopathisches Grinsen übers Gesicht, nachdem sie mehrere Menschen tödlich vergiftet hat. Ob es für sie eine Wiederkehr von diesem finsteren Pfad gibt, zum Beispiel dank einer heilenden Wiedervereinigung mit dem Rest ihrer Familie, darf stark bezweifeln werden.
Long way from home
Anstatt aber den Weg gen Norden zu suchen, tritt sie die Reise in Richtung King's Landing an, um den nächsten Namen von ihrer Todesliste zu streichen: Queen Cersei (Lena Headey). Arya ist von ihren Rachegedanken dermaßen korrumpiert, dass es ihr nicht einmal in den Sinn kommt, in ihre Heimat zurückzukehren. Dass sich dort mittlerweile Jon (Kit Harington) und Sansa (Sophie Turner) eingefunden haben, die die Boltons um Scheusal Ramsay vertrieben haben, dürfte sie doch irgendwie in Erfahrung bringen können.
Nein, der Pfad des Blutes und der Assassinen soll es sein, wobei es so scheint, als würde ein Aufeinandertreffen mit ein paar jungen Lannister-Soldaten ihr eine andere Seite des furchtbaren Krieges in Westeros aufzeigen, in dessen Verlauf sie so viel verloren hat, für das sie nun wiederum Vergeltung sucht.
Der kurze Austausch zwischen Arya und den Wegelagerern, bei dem übrigens Musiker Ed Sheeran seinen kleinen, bereits angekündigten Cameo-Auftritt feiert, hallt bei mir nach, da mit einfachen Mitteln aufgezeigt wird, was die ewig andauernde Kriegstreiberei zwischen den Lords und Ladys von Westeros für Konsequenzen nach sich gezogen hat.
Der Kontinent befindet sich nun seit Jahren im Konflikt, was Spuren hinterlassen hat. Nicht nur auf Arya, die ihre Wut in Rachegedanken kanalisiert, sondern auch auf den jugendlichen Soldaten, die nicht mehr als Werkzeuge sind und eigentlich auch ganz normale Leben abseits des Schlachtfeldes führen. Man merkt, dass diese Erkenntnis Arya zum Nachdenken bringt. Doch ihr Ziel bleibt unverändert: Tod der aktuellen Königin von Westeros! Die Soldaten haben gut lachen...

The last of us
Zu lachen ist Cersei beleibe nicht zumute, sieht die Lage für sie doch ein wenig brenzlig aus. Ja, sie hat die Macht ergriffen (und im Zuge dessen ihrer Queensguard im Ser Gregor ein paar neue, düstere Rüstungen verpasst), doch diese muss nun auch irgendwie konsolidiert werden. Die Mother of Dragons zu hoher See, der rebellische Norden um Jon Snow, die Tyrells und Dorne - an potentiellen Feinden mangelt es nicht. Doch so sehr sie dabei ist, Pläne zu schmieden, Zwillingsbruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) hegt andere Sorgen. Und zwar konkret um sein geliebtes Schwesterlein, die in ihren letzten Handlungen nicht nur Vergleiche mit dem manischen Mad King Aerys II. hervorgerufen hat, sondern auch gänzlich außer Acht zu lassen scheint, was sie bereits für herbe Verluste hinnehmen musste.
Was bringt ihr ein großes Lannister-Vermächtnis, wenn es niemanden mehr gibt, dem man es hinterlassen kann? Ihre Kinder sind allesamt tot und es wirkt nicht so, als hätte sie sich mit dem Ableben ihres jüngsten Sprosses Tommen, woran sie nicht unschuldig war, auseinandergesetzt. Doch Cersei will ungebremst weitermachen und dieses dunkle Kapitel hinter sich lassen.
Jaime sieht etwas rat- und fassungslos aus, erkennt aber auch, dass seine Schwester längst den Punkt der Wiederkehr überschritten hat. Ein Thema, das sich durch sämtliche Handlungsstränge dieser Episode zieht - sei es der Aufstieg Jons zum neuen Herrscher über den Norden und die damit einhergehenden internen Konflikte mit Sansa, die Wiedergutmachungsversuche des Hounds (Rory McCann) oder der Anfang der Invasion von Westeros durch Daenerys (Emilia Clarke).
War for survival
Cersei ist nur eine von vielen Figuren in Game of Thrones, die sich in Situationen manövriert haben, aus denen es jetzt keinen wirklichen Ausweg mehr gibt und bei denen die einzige Option lautet: Flucht nach vorne. Von jetzt an darf es keine Rückzieher mehr geben, da es Schwäche bedeuten würde. Stärke und Macht müssen demonstriert werden. Deshalb bleibt sie wohl auch sehr entspannt, als der locker-lässige Euron (Pilou Asbaeks spielerische Art macht definitiv Spaß) in King's Landing antanzt, mit allerlei Provokationen um sich wirft und dabei nonchalant noch einen kleinen Hochzeitsantrag für Cersei im Gepäck hat.
Jaime hat zu Recht Bedenken angesichts einer derartigen Allianz, ist Euron doch so unberechenbar wie die wilde See. Doch Cersei hat nicht viele Alternativen. Der Piratenkönig weiß um seinen Ruf sowie die belastende Historie der Greyjoys und möchte sich beweisen, um eventuell doch noch die Gunst Cerseis zu gewinnen. Am besten mit einem besonderen „Geschenk“, das ihr seine beschauliche Armada bereiten wird.
Wenig geschenkt bekommt indes Jon in Winterfell, doch das liegt weniger daran, dass ihn seine neuen Untertanen nicht respektieren oder ihm kein Gehör leihen. Es droht vor allem Ärger aus dem innersten Zirkel des neuen King in the North und zwar in Person von Sansa, die Jons gnädigen Umgang mit den verräterischen Häusern Umber und Karstark nicht verstehen kann. Büßen sollen sie, diese Verräter! Ähnlich wie ihre jüngere Schwester Arya krallt sich auch Sansa verbissen an ihren Rachegedanken fest. Jeder, der gemeinsame Sache mit ihrem Peiniger Ramsay und den Boltons gemacht hat, muss bestraft werden. Auch wenn ich ihren Schmerz und Gründe für diese Einstellung nachvollziehen kann, dass sie sich so vehement dagegen wehrt, das große Bild zu sehen, wirkt etwas naiv auf mich.
Stand together
Jon weiß, woher der frostige Wind wirklich weht und dass jeder, wirklich jeder gebraucht wird, um dem Night's King Einhalt zu gebieten. Ob Mann, Frau, Junge, Mädchen - der Norden muss mobil machen, Streitigkeiten innerhalb dieser Gemeinschaft sind kontraproduktiv. So vertraut Jon im Angesicht des gemeinsamen, mächtigen Feindes auf eine neue Generation an Anführern, die an seiner Seite mit ihm in die Schlacht ziehen wird.
Mit Blick auf Sansas Sozialisation im Schlangennest King's Landing und ihrem Werdegang im Dunstkreis durchtriebener Puppenspieler wie Cersei oder Baelish (Aidan Gillen) versteht man ihr Misstrauen und Credo, dass jeder, der kein Stark ist, automatisch eine Bedrohung darstellt. Littlefinger wittert eine Gelegenheit, einen Keil zwischen sie und Jon zu treiben, Sansa wehrt ihn jedoch eiskalt ab. Dennoch bleibt ein unbehagliches Gefühl, dass der Zwist zwischen ihr und Jon aufgrund ihrer unterschiedlichen Vorstellungen früher oder später eine Eskalation nach sich ziehen wird.
Während Sansa vor Cersei und der Armee der Lannisters warnt, liegt Jons Konzentration einzig und allein auf der unmittelbaren Gefahr, die von der Armee der Untoten jenseits der Mauer ausgeht. Nicht nur, dass die Bezeichnung „Army of the Dead“ (die übrigens direkt nach dem Intro einen atmosphärischen, schauerlichen Aufmarsch mitsamt Riesen hinlegt) gleich mehrfach fällt - auch bei der Wall werden ein paar Andeutungen gestreut, dass der eigentlich unüberwindbare Befestigungsbau auf wackligen Beinen steht. Bran (Isaac Hempstead Wright) durchquert gemeinsam mit Meera (Ellie Kendrick) die Wall, die, wie wir wissen, nicht nur aus Eis und Stein, sondern auch aus mächtiger Magie besteht, die böse Mächte abhält. Droht in dieser Staffel nun der Einsturz?

Cold night
Neben dem Auftrag an seine Gefolgsleute, Dragonglass zu horten und daraus Waffen zu machen, befehligt Jon die Wildlings um Tormund (Kristofer Hivju) - wieder nur mit Augen für Brienne (Gwendoline Christie), die mit Podrick (Daniel Portman) trainiert - darüber hinaus dazu, die Night-Watch-Festung Eastwatch-by-the-Sea zu bemannen. Der Hound sieht wiederum in den Flammen von Thoros (Paul Kaye), wie ebenjener Ort vom Night's King und seinen Schergen attackiert wird. Der eisige Schurke muss es also irgendwie auf die südliche Seite der Wall geschafft oder aber einen anderen Weg nach Eastwatch, gelegen an der Ostküste des hohen Nordens, gefunden haben.
Wie so oft in dieser Episode wird die drohende Gefahr hinterrücks angedeutet, um Spannung zu generieren und ein Gefühl der Sicherheit tunlichst zu vermeiden. Es brodelt ordentlich unter der Oberfläche, ob nun im Norden, in King's Landing oder wo auch immer - was auch von den sehr zurückhaltenden, ruhigeren und daher auch bedrohlicheren Versionen bekannter Musikstücke zwischendurch untermauert wird.
Wie bereits erwähnt, ist der Hound derweil an der Seite von Thoros, Beric Dondarrion (Richard Dormer) und dessen Brotherhood Without Banners unterwegs. Auf dem Weg gen Norden kommt die Truppe an dem Haus des alten Bauern und seiner Tochter vorbei, auf die Arya und der Hound in der vierten Staffel trafen. Wir erinnern uns, dass der Hound nicht besonders freundlich zu den beiden war und den Farmer um sein letztes Silber erleichterte. Inmitten eines garstigen Schneesturms („Winter is here“, auch in den Riverlands) findet man nun Unterschlupf an jenem Ort, der den Hound an frühere Tage erinnert.
Divine justice
Das Gespräch mit Brother Ray (Ian McShane), dass für ihn noch lange nicht sämtliche Hoffnungen verloren sind, rumort im Kopf von Sandor Clegane. Irgendwie will er seine unrechten Taten wiedergutmachen, auch wenn es nur die Beerdigung (eine kleine versteckte Referenz an die Buchvorlage von George R. R. Martin) des verhungerten Bauern und seiner Tochter ist, die von ihrem Vater wohl erlöst wurde.
Es ist noch nicht zu spät für den grummeligen Haudrauf, der mir mit seinen trockenen Kommentaren so manches Grinsen entlockt. Die Wege des Lord of Light sind unergründlich, wer weiß schon, warum Beric Dondarrion zu dessen unsterblichem Instrument gemacht wurde, und wer weiß schon, ob nicht auch der Hound eine neue Bestimmung finden und seine Vergangenheit hinter sich lassen kann, um eine neue Rolle im großen Krieg gegen den Night's King zu spielen...
In Oldtown möchte indes auch Sam (John Bradley) seinen Beitrag zu diesem Kampf leisten. Er kommt jedoch weniger zum Recherchieren, weil er neben Bücher- und Küchen- auch dem Latrinendienst in der Zitadelle nachgehen muss. Eine amüsante Montage gibt uns einen kleinen Einblick in Sams neuen, eintönigen, weniger glorreichen Alltag. Irgendwie schenkt ihm niemand Gehör. Zwar glaubt ihm einer der Archmaester (gespielt von Gastdarsteller Jim Broadbent), doch selbst dieser spielt die drohende Gefahr im Norden von Westeros und eine zweite „Long Night“ herunter. Die Geschichte wird weitergehen, egal, was kommt - und das dank der Archivare und Gelehrten der Zitadelle. Ein wenig blauäugig, wenn man mich fragt...
Shall we begin?
Zwischen randvollen Bettpfannen, unappetitlichen Essensrationen, dem Aufeinandertreffen mit einem alten Bekannten (wenn jemand ein Heilmittel gegen Greyscale hat, dann die Maester der Zitadelle, denkt sich wohl Jorah) und ein paar menschlichen Eingeweiden gelingt Sam aber doch noch ein kleiner Durchbruch. Ein stibitztes Buch offenbart ihm, dass es wohl auf Dragonstone reichlich Dragonglass gibt, was im Kampf gegen die White Walker helfen könnte. Diese wertvolle Information muss sofort mit Jon geteilt werden, was diesen letztendlich zur alten Heimat der Targaryens führen könnte, in der er wiederum auf die Mother of Dragons treffen würde, die die Narrow Sea hinter sich gelassen hat und in Dragonstone vor Anker geht.
Und was einen herrlichen Anblick die felsige Insel und die in Stein gehauene Festung doch abgibt. Nachdem wir in früheren Staffeln zumeist nur Innenaufnahmen von Dragonstone gesehen haben, entfaltet sich nun die gesamte Pracht des ehemaligen Sitz der Targaryens, den Daenerys nun zu ihrem Stützpunkt macht. Ein großes Lob an das Team, das sich auf die Suche nach dem perfekten Drehort gemacht hat (fündig wurde man der baskischen Küste nördlich von Bilbao an drei verschiedenen Stränden) - Dragonstone ist schlichtweg beeindruckend.
Die gesamte Inszenierung von Daenerys' Heimkehr bedarf generell weniger Worte. Von Emilia Clarke geht eine ungemein erhabene Präsenz aus, die nun den alten Sitz ihrer Vorfahren bezieht (aber erst, nachdem ein Banner von Stannis entsorgt ist...) und bereit für die kommenden Schlachten um die Vorherrschaft in Westeros ist. Also, wollen wir beginnen? Liebend gern, Game of Thrones. Liebend gern.
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 17. Juli 2017Game of Thrones 7x01 Trailer
(Game of Thrones 7x01)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 7x01
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