Game of Thrones 5x02

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Nach dem sehr soliden Auftakt in der letzten Woche mit der Episode The Wars to Come holen die Macher von Game of Thrones nun in The House of Black and White die Handlungsbögen nach, die zuvor zu kurz gekommen sind beziehungsweise noch gar keine Rolle gespielt haben. Dazu schreiten sie auch zügigen Schrittes in den bereits etablierten Händlungssträngen voran, wodurch „The House of Black and White“ insgesamt einen spannenderen und interessanteren Eindruck als die erste Episode der fünften Staffel macht.
Wie ich es mir bereits für „The Wars to Come“ gewünscht hatte, begeben wir uns jetzt nämlich an neue Orte, die bisher noch nicht zu sehen waren oder zuvor nicht vollends erkundet wurden. Dies trägt sogleich zum gesteigerten Interesse des Zuschauers bei, ebenso wie einige Entwicklungen in Geschichten, die bereits letzte Woche auf den Weg gebracht wurden. Aus diesen Gründen fühlt sich „The House of Black and White“ sehr rund und stimmig an. Es wird an bereits eingeführten Konflikten gefeilt und neue, reizvolle Handlungsstränge werden uns präsentiert.
Not afraid
Dieser Punkt wird sofort zu Beginn der Episode deutlich, als wir Arya (Maisie Williams) zu Gesicht bekommen, die am Ende der vierten Staffel mit einem Handelsschiff von Westeros nach Braavos in Essos übersetzen wollte. Nun befindet sie sich vor dem „Eingang“ zu der Handelsmetropole, dem gigantischen Titan von Braavos, den wir bereits in Staffel vier gesehen haben und der nicht umsonst Erinnerung an den gewaltigen Koloss von Rhodos weckt. Innerhalb weniger Minuten finden wir uns in der belebten Bucht von Braavos und den vielen verwinkelten Kanälen der Großstadt wieder, die vom Aufbau an europäische Handelszentren wie Venedig, Amsterdam und Brügge erinnert - Orte, an denen sich das Kreativteam bei der Gestaltung tatsächlich orientiert hat.
Wir waren zwar schon einmal in Braavos, als Stannis (Stephen Dillane) und Davos (Liam Cunningham) die Iron Bank aufsuchten, doch von der Stadt selbst haben wir nur eine Totale zu sehen bekommen. Jetzt tauchen wir komplett in diese neue Welt ein, die Lust auf mehr macht und in der einer der Hauptcharaktere eher losgelöst von den anderen Figuren der Serie auftreten wird. Das Design von Braavos (gedreht wurde in Kroatien, genauer in Kastel Gomilica) finde ich persönlich sehr ansprechend und unverbraucht frisch. Doch auch inhaltlich hat dieser Teil der Episode eine nette kleine Überraschung zu bieten, die die Erwartungen in die Höhe treibt.

No one
Arya lässt sich vom Schiffskapitän zu einem Gebäude rudern, wo sie angeblich die Person finden wird, die sie sucht. Das geheimnisvolle House of Black and White thront wie ein gigantischer Klotz etwas entfernt vom Hafen in Braavos und macht einen imposanten Eindruck. Arya klopft jedoch unerschrocken an die schwarz-weißen Pforte, wo ein älterer Herr auftaucht und sie zunächst abweist. Ist die junge Stark-Tochter ganz umsonst nach Braavos gekommen? Enttäuscht versenkt sie die Eisenmünze von Jaqen H'ghar (Tom Wlaschiha) im Wasser, nachdem sie die Nacht über ihre Todeskandidatenliste aufzählend im Regen vor dem Tempelbau verharrt hat.
Es scheint schon beinahe wie eine kleine Referenz an Aryas Anfänge, als sie mit ihrem Vater nach King's Landing kam und wenig später zersaust und verdreckt durch die Gassen der Hauptstadt tollte. In Braavos muss sie sich nun abermals irgendwie durchschlagen (und erneut von Taubenfleisch leben), ziel- und ratlos - aber deutlich abgehärtet - muss sie sich fragen, was wohl der nächstbeste Schritt für sie wäre. Jedoch tritt erneut der ältere Herr aus dem House of Black and White auf, der sich dann als Jaqen H'ghar (oder auch nicht, da er eigentlich keinen Namen hat) offenbart. Gerade als Buchleser ist dies eine sehr interessante Szene, da Jaqen an dieser Stelle keine größere Rolle in Aryas Geschichte spielt.
Anstatt eine neue Figur einzuführen (was man mit dem älteren Herren - Stichwort kindly man - ein wenig macht), greift man mit Tom Wlaschihas Charakter auf eine beliebte Figur zurück, was ich sehr begrüße. Was Arya genau in dem House of Black and White erwarten wird, bleibt unklar. Mit Jaqen haben wir jedoch einen Charakter in Aryas Handlungsstrang, den man sich als Zuschauer durchaus zurückgewünscht hat. Die Abweichung von den Büchern ist ein netter kleiner Bonus für die Leser, und so blicke ich doch sehr erwartungsvoll dieser Teilgeschichte entgegen, die sich in der Tat sehr abgeschottet von den anderen Ereignissen in der Welt von „Game of Thrones“ abspielt.
Threats
Die Macher zeigen mit diesem Teil der Episode mal wieder, über was für ein Gespür sie verfügen, geschickt eine gewisse Erwartungshaltung aufzubauen. Das zeigt sich auch in anderen Handlungssträngen dieser Folge. Die Handlung in King's Landing ist nicht minder interessant und verspricht ebenfalls ein paar spannende Entwicklungen für die kommenden Episoden. Zunächst erhalten Cersei (Lena Headey) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) eine Botschaft aus Dorne, die eindeutig als Drohung gewertet werden kann. Eine Art ausgestopfte Schlange hat das Löwen-Amulett von Myrcella (Nell Tiger Free) zwischen ihren Giftzähnen, was Cersei fuchsteufelswild macht. Am liebsten würde sie Dorne und seine Bewohner den Erdboden gleichmachen, eine typische Reaktion der impulsiven Lannister-Dame.
Jaime ist da schon weitaus vorsichtiger und muss sich gleich wieder die Vorwürfe seiner Zwillingsschwester gefallen lassen. Teilweise recht subtil, teilweise sehr direkt wird deutlich gemacht, wie sehr die Beziehung der beiden gelitten hat und dass sich Cersei und Jaime immer weiter voneinander entfernen. Um diesem Umstand vielleicht entgegenzuwirken und Tochter Myrcella in Sicherheit zu bringen, nimmt sich Jaime zur Aufgabe, gen Dorne aufzubrechen, um sie zurück nach King's Landing zu bringen. Cersei hat ihre Zweifel an ihrem verstümmelten Bruder, doch der will auf einen alten Bekannten zurückgreifen, der ihm bei diesem Unterfangen helfen soll: Bronn (Jerome Flynn).
Not alone
Bronn ist zweifellos einer der beliebtesten Charaktere der gesamten Serie, und man kann nicht froh genug sein, dass er mehr als in den Büchern auftritt, woran natürlich auch Darsteller Jerome Flynn großen Anteil hat. Dieser hat mit jedem seiner Kollegen eine vortreffliche Chemie, was in dem kurzen, launigen Gespräch mit Jaime abermals erkennbar wird. Eigentlich dachte Bronn, er könne sich nun mit seiner baldigen Frau Lollys (Elizabeth Cadwallader) zurücklehnen - den prächtigen Sitz Stokeworth wird er sich schon irgendwie beschaffen, auch wenn Lollys in der Erbfolge eher weiter hinten steht. Jaime verspricht ihm jedoch eine schönere Frau (Lollys wird per königlichem Dekret weiterverheiratet) sowie noch mehr Reichtümer und Ländereien, wenn er mit nach Dorne kommt. Die Aussicht auf dieses eigenwillige Duo könnte verlockender nicht sein und stellt eine weitere willkommene Abwechslung zu den Ereignissen in den Büchern dar, wo sich Jaime in ganz anderen Gefilden herumtreibt und Bronn deutlich weniger in Erscheinung tritt.
Cersei hält derweil in King's Landing Hof und schafft sich mit der Beförderung von Mace Tyrell (Roger Ashton-Griffiths) zum Master of Coin - zusätzlich zu seinem Titel Master of Ships - etwas Luft. Dem tattrigen Pycelle (Julian Glover) wird mit der Berufung Qyburns (Anton Lesser) als neuer Master of Whisperers auch noch eins ausgewischt, und so verschafft sich Marionettenspielerin Cersei eine für sie angenehme Position. Einzig ihr Onkel Kevan (Ian Gelder) riecht den Braten und gibt ihr ordentlich Contra, was mir gut gefällt. Letztlich kehr nun erst einmal nach Casterly Rock zurück, doch ich hoffe sehr, dass wir ihn noch einmal wiedersehen werden, auch, weil Darsteller Ian Gelder seine Sache sehr ordentlich macht und die Figur einen interessanten Gegenpol zu der machtbesessenen Cersei darstellt. Hier schlummert noch einiges an Konfliktpotential, das sehr gerne abgeschöpft werden darf.

Vengeance
Eine Randnotiz von The House of Black and White, die mir ebenfalls sehr gut gefällt, ist der kleine Abstecher nach Dorne in die Water Gardens, eine paradiesische Oase und Rückzugsort von Prince Doran Martell (Alexander Siddig), Herrscher über Dorne. Die Kulisse (die Alcázar in Sevilla) ist eine Augenweide, und auch der erste Vorgeschmack auf einen möglicherweise sehr bedeutenden neuen Spieler im Kampf um die Macht in Westeros gelingt gut. Die heißblutige Elaria Sand (Indira Varma) will natürlich Vergeltung für ihren geliebten Oberyn (Pedro Pascal), doch dessen Bruder Doran will nicht mit einem Vergeltungsschlag reagieren, der die Lage nur noch zuspitzen würde. Mit Myrcella, die seinem Sohn Trystane (Toby Sebastian) versprochen ist, haben sie einen Trumpf. Doch der ehrbare Doran stellt sich glücklicherweise gegen die Gräueltaten, welche Elaria mit Cerseis Tochter geplant hat.
Die Brüder Doran und Oberyn könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Doran hat sich weitaus mehr unter Kontrolle. Doch bereits jetzt sieht man ihm an (auch dank Alexander Siddigs nuancierten Schauspiels), dass er vom Tod seines Bruders schwer getroffen ist und es bei ihm im Innern brodelt. Die Loyalität seines Wächters Areo Hotah (Deobia Oparei) ist ihm sicher. Doch wie sieht es bei der Bevölkerung von Dorne aus, die Rache für ihren geliebten Prinzen Oberyn will? Auch hier könnte sich schon bald ein riskantes Spiel um Macht entspinnen, in dem noch einige Charaktere fehlen, die aber mit Sicherheit demnächst eingeführt werden.
Choices
Fast am anderen Ende des Kontinents, im hohen Norden von Westeros an der Wall, ereignen sich unterdessen ebenfalls vielversprechende Entwicklungen, die für neuen Spannungen an dem sonst recht biederen Handlungsort sorgen könnten. Den Einstieg dieses Handlungsbogen markiert erst einmal eine nette kleine Szene zwischen Sam (John Bradley), Gilly (Hannah Murray) und Stannis' Tochter Shireen (Kerry Ingram), die der Wildling-Dame ein wenig das Lesen beibringt, während Sam Bücher wälzt. Letztlich kommt Stannis' Frau Selyse (Tara Fitzgerald) hinzu, die ihre Abneigung gegenüber den Wildlings unmissverständlich kundtut. Das persönliche Gespräch zu Beginn über die Krankheit Grey Scale (eine Art Versteinerung des Körpers) bietet ein wenig Hintergrundwissen. Der Auftritt von Selyse hingegen ist eigentlich keine größere Erwähnung wert. Ihr Hass den Wildlings gegenüber wird einfach etabliert, womöglich mit Blick auf die Zukunft, die Figur an sich ist jedoch nicht besonders reizvoll.
Die Audienz von Jon (Kit Harington) bei Stannis hat da schon etwas mehr zu bieten und schafft es, neben ein paar Informationen zu der Welt von Game of Thrones auch die Handlung um Jon etwas in Fahrt zu bringen. Stannis möchte die Häuser des Nordens hinter sich vereinen, welche sich jedoch nur einem Anführer beugen: einem Stark. Die Bewohner der nördlichen Regionen von Westeros sind nun mal ein eigenwilliges Völkchen. Mit Jon Snow hat Stannis einen potentiellen Erben Eddards (Sean Bean), den er im Handumdrehen zu einem Stark machen könnte, ist er doch der rechtmäßige König. Jon selbst hat sich nie etwas anderes gewünscht, als ein vollwertiger Stark und somit ein anerkanntes Mitglied der traditionsreichen Familie zu sein.
The commander we turn to
Zugegeben, dies alles ist in der Buchvorlage etwas umfangreicher ausgearbeitet. Aber auch in der Serie funktioniert dieser Aspekt gut. Dass Jon letztlich Stannis' Angebot ablehnt, da er sonst seinen Schwur bei der Night's Watch brechen würde, ist angesichts seiner bisherigen Charakterzeichnung nur konsequent. Interessant wird es dann aber, als die Wahl eines neuen Lord Commander der Night's Watch ansteht und sich plötzlich Sam erhebt, um ein beherztes Plädoyer für seinen guten Freund Jon als neuen Anführer der Black Brothers hält. Letzlich entscheidet Maester Aemon (Peter Vaughan) mit seiner Stimme die Wahl Jons zum neuen Befehlshaber - auch wenn einige Grundsätze des Wahlrechts (u.a. unmittelbar und geheim) mit Fußen getreten werden.
Dass Jon zum neuen Lord Commander gewählt wird, haben einige Zuschauer sicherlich kommensehen. Mir gefällt jedoch, dass wir uns jetzt in eine neue Phase für den Charakter bewegen, in der er mehr Verantwortung trägt und um ihn herum Figuren auftreten, die ihm das Leben weiterhin sehr schwer machen werden - sei es Stannis oder der geschlagene Ser Alliser Thorne (Owen Teale). Die Handlung an der Wall ist in der Vergangenheit oft auf der Stelle getreten, doch in der fünften Staffel gibt es nun einige Neuerungen - Charaktere wie Stannis und Melisandere als neue „Spieler“, Jons neue Position -, die mein Interesse wecken und gespannt darauf blicken lassen, was noch kommen wird.

Outsider
Wo wir gerade schon bei den vermeintlichen Erben von Eddard Stark sind: Sansa (Sophie Turner) ist nach wie vor mit Littlefinger (Aidan Gillen) unterwegs und macht Rast in einer einfachen Taverne. Doch wie es der Zufall will, befinden sich auch Brienne (Gwendoline Christie) und Podrick (Daniel Portman) in diesem Etablissement. Bereits letzte Woche wären diese beiden Pärchen fast aufeinandergetroffen. Podrick - sichtlich angetan von der charmanten Bedienung in der Schenke - macht Baelish und Sansa aus und weist sogleich Brienne daraufhin, die nicht lange fackelt und sich ihnen vorstellt. Doch Littlefinger lässt sich und sein Silberzunge nicht lange bitten, und so filettiert er die Maid of Tarth mit einigen spitzen Worten, die bei Sansa Wirkung zeigen. Ähnlich wie bei Arya in The Children will Sansa nicht Briennes Hilfe. Sie konnte ja nicht einmal ihre Mutter beschützen, warum sollte sie ihr also vertrauen?
Da Brienne und Podrick nun jedoch von Sansa und Littlefinger wissen, kann letzterer natürlich nicht das Risiko eingehen, dass sie es eventuell in der Weltgeschichte herumposaunen. Es kommt zu einer sehr ansprechenden Verfolgungsjagd zu Pferde, die von Regisseur Michael Slovis (ein bekannter Breaking Bad-Alumni) rasant inszeniert ist und den Puls höher schlagen lässt. Brienne muss schlussendlich Podrick zur Hilfe eilen und macht kurzen Prozess mit zwei Angreifern. Nun möchte sie Sansa und Littlefinger verfolgen, wobei Podrick mit seiner Bemerkung nicht Unrecht hat, dass sie durch Sansa bereits von der zweiten Stark-Tochter abgewiesen wurde. Doch Briennes Ehrbarkeit verbittet ihr, ihrem Schwur zu entsagen, und so deuet sich auch hier eine spannende Zusammenführung zweier Handlungsstränge an, die so in der literarischen Vorlage nicht vorkommt. Eine gute Entscheidung, wie ich finde, da ein weiteres ziellosen Umherirren Briennes in den Riverlands wahrscheinlich doch sehr schnell extrem langweilig hätte werden können.
Roads
Nicht gerade langweilig, aber eher verhalten geht es in Essos in der Geschichte um Tyrion und Varys zu. In The Wars to Come stellten die Szenen zwischen den beiden noch meine Lieblingsmomente der Episode dar. In The House of Black and White bekommen Peter Dinklage und Conleth Hill erneut ein paar feine Dialogzeilen serviert, jedoch dient deren beider Gespräch in erster Linie dazu, zu verdeutlichen, dass sich diese beide Charaktere nun über Volantis auf den Weg nach Meereen machen werden.
Der kleine Dialog zwischen Tyrion und Varys hat aber dennoch ein paar interessante Zwischentöne zu bieten, so zum Beispiel Tyrions Aussage, dass er es durchaus genossen hatte, als er in King's Landing war und wirklich über Macht verfügte. Wie Varys ist er ein ambitionierter Mensch, jedoch bläst ihm aufgrund seiner Erscheinung und speziellen Charakters immer wieder Gegenwind entgegen. Aus diesem Grund ist auch ratsam, im Verborgenen zu reisen, will ihm doch vor allem Cersei an den Kragen, wie ein schöner Schnitt zu einem abgetrennten Kopf eines Kleinwüchsigen (eine gewisse Ähnlichkeit ist durchaus vorhanden) vor den Augen Cerseis in King's Landing beweist.
Fair trial
Am Ende bleiben nun nur noch die neuesten Geschehnisse um Daenerys (Emilia Clarke) in Meereen, dank denen dieser Handlungsstrang ebenfalls einen großen Sprung nach vorne macht. Ich hätte es bereits zuvor erwähnt. Es ist eine der großen Stärken von „The House of Black and White“, dass wir sichtlich Fortschritte an gleich mehreren Fronten machen, dass wir interessante Entwicklungen in Aussicht gestellt bekommen, die unser Interesse heben. Daenerys muss sich jetzt zum Beispiel in die innenpolitische Unruhen von Meereen stürzen, die ein neues Level erreichen und sie gerade am Ende der Episode extrem hilflos erscheinen lassen.
Daario (Michiel Huisman) und Grey Worm (Jacob Anderson) (aufgrund ihrer krassen charakterlichen Unterschiede ebenfalls ein schönes Duo) können zunächst einen Angehörigen der Rebellengruppe Sons of the Harpy ausfindig machen, über den dann gerichtet werden soll. Der erfahrenen Barristan Selmy (Ian McElhinney) setzt sich für einen fairen Prozess ein, während der ehemalige Sklave Mossador (Reece Noi) blutige Rache will, da es die ehemaligen Sklavenhalter nicht anders lernen und ihre Angriffe auf Daenerys' Regentschaft nur noch weiter führen werden. Das hitzige Streitgespräch innerhalb ihres Rates zeigt eindringlich, wie viele Variablen sie eigentlich beachten muss, um die Kontrolle über ihre Stadt zu wahren. Es deutet sich abermals eines der womöglichen zentralen Themen dieser Staffel an, wie sich eher unerprobte (Jon Snow) oder eben auch sich überschätzende (Cersei) Charaktere in neuen Machtpositionen wiederfinden, die ihnen alles abverlangen.

The law
So muss Daenerys schließlich eine harte, aber gerechte Entscheidung treffen, auch mit Hinblick auf die weisen Worte Selmys, der sie an ihren Vater, den Mad King Aerys II erinnert. Mossador (übrigens in den Büchern ein Unsullied und Bruder von Missandei) soll für seinen übereilten Mord an dem Gefangenen, über dessen Schicksal verhandelt werden sollte, hingerichtet werden. Wobei sich über die Wahl der Kulisse dieser Exekution durchaus streiten lässt. Natürlich will Daenerys öffentlich Stärke zeigen und deutlich machen, dass sie gerecht über Meereen herrschen wird. Die Enthauptung Mossadors vor den Augen der ehemaligen Sklavenhalter und Sklaven hat jedoch Eskalation und Unruhen zur Folge, was abzusehen war - Daenerys' Absichten, sich als offen und gerecht zu zeigen, in allen Ehren.
Erst dann erkennt sie, auf was sie sich hier eingelassen hat, wie schwer es ist, die richtige Balance als Herrscherin zu finden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer wartet am Ende auf sie, als der gewaltige Drogon sich ihr in einer visuell hervorragenden Szene sehr zutraulich nähert. Dass er dann doch seinen gigantischen Flügel öffnet und über Meereen hinfortfliegt, kann man schon beinahe so lesen, als würde Daenerys auch von ihm verlassen werden. Sie steht nun alleine da, ohne Drachen, hoch thronend über einer Stadt und einem Volk, von dem die Hälfte sie nicht will und die andere Hälfte ob der Hinrichtung Mossadors alles andere als erfreut ist. Eine hochinteressante neue Ausgangslage, die die Handlung um die Daenerys in meinen Augen so spannend wie selten zuvor macht.
Fazit
The House of Black and White gefällt mir persönlich auf sehr vielen Ebenen und leistet sich kaum Längen oder störenden Elemente. Die ganz großen Charaktermomente oder Überraschungen werden weiterhin ausgespart, was jedoch nicht weiter wild ist, da eigentlich in allen zu sehenden Handlungssträngen reizvolle Pfade betreten werden, deren Ende selbst für Buchleser alles andere als vorhersehbar sind. Mit „The House of Black and White“ ist die Einführungsphase in die fünfte Staffel von Game of Thrones fast abgeschlossen, denn eigentlich kann es an allen verschiedenen Fronten nun in die Vollen gehen. Die unbändige Erwartungshaltung und Vorfreude auf die neuen Folgen ist nach dem verhaltenen Staffelauftakt letzte Woche mit dieser neuen Episode bei mir wieder komplett vorhanden.
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 20. April 2015Game of Thrones 5x02 Trailer
(Game of Thrones 5x02)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 5x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?