Game of Thrones 4x04

Game of Thrones 4x04

In der Welt von Game of Thrones sind Schwüre meist da, um gebrochen zu werden. Ob dies auch auf die aktuelle Episode Oathkeeper zutrifft, erfahrt Ihr in unserem neuen Review zur Fantasy-Serie von HBO.

Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in „Oathekeeper“ / (c) HBO
Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in „Oathekeeper“ / (c) HBO

Zwei einstige Sklaven tauschen sich über ihre Vergangenheit aus. Während die sprachgewandte Missandei (Nathalie Emmanuel) ihre traumatisierte Kindheit hinter sich gelassen hat und in eine anscheinend positive Zukunft blickt, erfahren wir in der aktuellen Episode von Game of Thrones, Oathkeeper, nun auch, was tief im sonst so undurchschaubaren Grey Worm (Jacob Anderson) schlummert. Hinter der Fassade des perfekt trainierten Unsullied versteckt sich immer noch großer Hass gegenüber den Sklaventreibern von Essos. Eine emotional aufgeladene Auftaktsequenz, die nicht nur den Hintergrund zweier wichtiger Nebenfiguren beleuchtet, sondern insbesondere ein Thema einleitet, das großes Konfliktpotenzial für die Zukunft liefert.

Wiederauferstehung eines Hauses

Denn was nun mit der Eroberung der Stadt Meeren und der Befreiung der Sklaven folgt, bedeutet für Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) nicht nur die endgültige Wiederauferstehung ihres Hauses (unmissverständlich inszeniert mit der weißhaarigen Befreierin, die unter ihrem wehenden Banner über ihr neues Königreich blickt). Mit der Frage nach dem Schicksal der gefangenen Sklavenhalter verknüpft sich die Frage, welche Art von Herrscherin die Mutter der Drachen zukünftig sein will. Diese Frage wird zunächst im direkten Dialog mit Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney), der Gnade für die Gefangenen fordert, und zudem durch eine interessante Gegenüberstellung zweier Szenen beantwortet. Wirkt der Auftritt Dannys, umgeben von der feiernden Menge, nämlich Anfangs ungewohnt pathetisch, wird schnell klar, dass diese Szene einen Gegenpol zur erschreckenden Kreuzigung im Anschluss darstellen soll.

Nur knapp zehn Minuten dauert diese Eröffnung der aktuellen Episode von Game of Thrones, geschrieben von Drehbuchautor Brian Cogman und inszeniert von Michelle MacLaren (Breaking Bad). Aber es sind beeindruckende zehn Minuten, die durch ein kompaktes Skript und perfekte audiovisuelle Aufbereitung so viel mehr beinhalten als nur eine weitere Eroberung einer Sklavenstadt. Sie lassen den Zuschauer vor allem mit der Frage zurück, wie viel negativen Eigenschaften ihrer Vorfahren tatsächlich im einst so unschuldigen Targaryen-Sprössling schlummern könnten.

Eine Verschwörung klärt sich auf

Auf der anderen Seite der Meerenge bemühen sich die Autoren von Game of Thrones relativ unmissverständlich darum, den Mord an König Joffrey möglichst lückenlos aufzuklären. Weiteres Rätselraten ist seitens der Shorwunner an dieser Stelle offenbar nicht erwünscht, und so legt Littlefinger (Aidan Gillen) gegenüber Sansa (Sophie Turner) zumindest einige seiner Karten auf den Tisch. Wie bereits von zahlreichen Zuschauern vermutet, geht der Komplott gegen Joffrey auf eine noch relativ junge Allianz zwischen Petyr Baelish und Haus Tyrell (genauer gesagt Lady Olenna) zurück, wobei der Lord von Harrenhal weiterhin seine eigene Agenda verfolgt.

Wie diese Agenda lautet, bleibt ein Mysterium, auch wenn der zwielichtige Baelish spätestens seit seines erinnerungswürdigen Monologs am Ende der Episode The Climb als Mann mit scheinbar grenzenlosen Ambitionen aufgebaut wurde. Dass er dabei mit seinem Wunsch, „alles“ zu besitzen, eben auch Sansa nicht ausschließt, wird durch die gierigen Blicke auf das junge Stark-Mädchen abermals deutlich. Gleichzeitig scheint Littlefinger seine junge Begleiterin allerdings von ihrer größten Schwäche befreien zu wollen - ihrer Naivität.

Naivität kann man Margery Tyrell (Natalie Dormer) dagegen wirklich nicht vorwerfen, auch wenn die Beichte ihrer Großmutter bezüglich des Mordes an ihrem Ehemann offenbar doch ein kleiner Schock ist. Dieser ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn es gilt den nächsten Prinzen um den Finger zu wickeln. Und Tommen (Dean-Charles Chapman) stellt sich als deutlich harmloserer Opfer heraus, als es sein Armbrust-Schwingender Vorgänger war. Und auch wenn es kurzzeitig zu befürchten ist, ersparen uns die Macher an dieser Stelle eine weitere bizarre Sexszene.

Auf der Suche nach Vergebung

Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) befindet sich unterdessen weiterhin auf der Suche, nach einer Möglichkeit, seinen immer stärker befleckten Namen reinzuwaschen. Angestoßen von der scheinbar grenzenlosen Bauernschläue seines neuen Trainingspartners Bronn (Jerome Flynn) besucht Jaime jene drei Menschen, die aktuell die wichtigsten Anlaufpunkte des Kingslayers sind. Dabei lässt sich alleine an Jaimes Sitzposition in Tyrions (Peter Dinklage) Kerker erkennen, dass der blonde Recke innerhalb der Familie Lannister wohl schon immer der einzige war, der seinem Bruder auf Augenhöhe begegnete.

Die Unterhaltung zwischen den scheinbar doch nicht so ungleichen Brüdern sowie das darauf folgenden Aufeinandertreffen zwischen Jaime und Cersei (Lena Headey) beweisen dabei erneut, wie delikat einfache Dialogsequenzen in der Serie inszeniert sind. Die Herzlichkeit, die zwischen Tyrion und Jaime herrscht, ist aus der Beziehung zwischen Cersei und ihrem einstigen Geliebten längst verflogen. Nach dem Vorkommnissen der letzten Episode herrscht eine noch eisigere Kälte zwischen den Lannister-Zwillingen - ein Fakt, der auch optisch durch Einstellungen unterstrichen wird, die beide Charaktere in größtmöglicher Distanz zeigen.

Umgekehrt kommt es zwischen Brienne (Gwendoline Christie) und Jaime zur bisher stärksten Annäherung. Dass ihre Beziehung dabei nie sexueller Natur sein wird, scheint dabei beiden Charakteren klar zu sein. Deshalb ist die Berührung ihrer Hände wohl der intimste körperliche Kontakt, den Brienne und Jaime je austauschen werden. Die Stärke ihres Bundes wird an dieser Stelle noch durch zahlreiche andere Dinge dargestellt. Jaimes Geschenke in Form des Knappen Podrick, einer Rüstung sowie nicht zuletzt seines Schwerts aus valyrischem Stahl ehrt Brienne auf der anderen Seite so gut es ihr möglich ist durch menschliche Gesten. Das Versprechen, Sansa Stark für ihn zu finden und die Namensgebung des Schwertes, welches ab jetzt den Namen Oathkeeper trägt, hinterlässt auch beim sonst so sarkastischen Jaime Eindruck. Dabei muss an dieser Stelle wieder einmal Gewndoline Christie ein großes Lob für ihr subtiles Minenspiel ausgesprochen werden.

Geburt eines Anführers?

Im Norden spitzen sich die Dinge unterdessen weiter zu. Im immer beeindruckender werdenden Set von Castle Black sehen wir Jon Snow (Kit Harington), der seine Brüder von der Nights Watch auf den kommenden Angriff von Mance Rayder vorbereitet. Die Szene funktioniert dabei als Spiegelung einer Sequenz aus Staffel eins, als seine Mitstreiter dem adeligen Bastard noch mit Verachtung entgegentraten. Nun hören sie auf sein Kommando und folgen ihm - nach einer Ansprache, die ihn womöglich als kommenden Anführer in Position bringt - sogar in das gefährliche Gebiet hinter der Mauer. Wenn sich da nur nicht der kampfeslustige Locke (Noah Taylor) in die eingeschworene Gruppe eingeschlichen hätte, der seinen ganzen Charme spielen lässt, um Jons Vertrauen zu gewinnen.

In Crasters Keep herrschen unterdessen Zustände, die Sodom und Gomorra im Vergleich wohl wie eine ländliche Klosterschule wirken lassen. In der eisige Hölle findet Bran (Isaac Hempstead-Wright) auch prompt auf unglückliche Weise seinen Weg in die Hände der einstigen Brüder der Nights Watch. Eine dringend nötige Überschneidung zweier Handlungsstränge, die der bisher relativ schwachen Geschichte um den jungen Warg und seine Begleiter zugutekommen dürfte. Dabei darf man ebenfalls gespannt darauf sein, welches Schicksal den offenbar kranken Jojen Reed (Thomas Sangster) ereilen wird.

Und auch die White Walker dürfen endlich wieder einen Auftritt haben, und vielleicht sogar den stimmungsvollsten, seit die eisigen Wesen im Piloten von Game of Thrones diverse Männer von der Nights Watch um einen Kopf kürzer gemacht haben. Nach zahlreichen Andeutungen bekommen wir zu sehen, welches Schicksal die Opfergaben in Form männlicher Babys erwartet. Dabei dürfte die Inszenierung des eisigen Rückzugsortes eines Anführers der Walker insbesondere jenen Zuschauer einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen, die sich mehr klassische Fantasy-Kost in der sonst so politischen Welt von „Game of Thrones“ wünschen.

Fazit

Game of Thrones bleibt weiter Fernsehen auf allerhöchstem Niveau, wobei man es nun beinahe wöchentlich auch mit erzählerischen Höhepunkten zu tun bekommt, die man in den vorherigen Staffeln vielleicht erst zum Ende der zehn Episoden erwarten hätte. Michelle MacLaren liefert eine präzise inszenierte Folge ab, die sowohl zahlreiche packende Dialoge zu bieten hat als auch den Vorkommnissen im Norden einen dringend nötigen Schub verpasst.

Mit Kreuzigungen, Bechern aus Totenschädeln, Vergewaltigungen und entführten Babys bleibt die Welt von Game of Thrones weiterhin schmerzhaft dunkel und stellt den Zuschauer regelmäßig vor unangenehme Aufgaben. „Game of Thrones“ ist die Serie, in der die sympathischste Figur einer Episode ein Mann sein kann, der bereits ein Kind aus dem Fenster gestürzt hat, einen Eid gebrochen hat und eine inzestuöse und teilweise brutale Beziehung mit seiner Zwillingsschwester führt. Und vielleicht ist es gerade diese Herausforderung, die uns jede Woche wieder einschalten lässt.

Verfasser: Thomas Zimmer am Montag, 28. April 2014

Game of Thrones 4x04 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 4
(Game of Thrones 4x04)
Deutscher Titel der Episode
Eidwahrer
Titel der Episode im Original
Oathkeeper
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. April 2014 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 23. Juni 2014
Regisseur
Michelle MacLaren

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 4x04

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