Game of Thrones 4x03

Game of Thrones 4x03

Game of Thrones fesselt jede Woche Millionen Menschen an ihre Fernseher und Monitore. Und das, obwohl sich gerade in der aktuellen Episode Breaker of Chains die Sympathieträger in Westeros ziemlich rar machen.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in „Game of Thrones“ / (c) HBO
Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in „Game of Thrones“ / (c) HBO

Nur selten beginnt eine Episode von Game of Thrones dort, wo die vorherige endete. Für das Ableben von König Joffrey machen die Showrunner David Benioff und D. B. Weiss allerdings wohlwissentlich eine Ausnahme. Mit einer effektiven Großaufnahme des vergifteten Herrschers eröffnet Regisseur Alex Graves die Episode Breaker of Chains. Noch einmal kann sich der Zuschauer vergewissern, dass die verhasste Figur des sadistischen Inzest-Kindes tatsächlich das Zeitliche gesegnet hat. Doch wie immer bemüht sich die Serie darum, den Zuschauer dazu zu bringen, seine emotionalen Reaktionen schnell wieder in Frage zu stellen. Denn mit „Breaker of Chains“ halten uns George R. R. Martin und die Macher der Fantasy-Saga wieder einmal deutlich vor Augen: Nach dem Ende eines Scheusals stehen in Westeros gleich mehrere Figuren bereit, die prompt dessen Nachfolge antreten könnten. Und wer zuletzt die Gunst der Zuschauer eroberte, kann schon im nächsten Moment ebenso verhasst sein, wie Joffrey dies einst war.

In den moralischen Untiefen von Westeros

Ganz oben auf der Liste der potenziellen Nachfolger steht sicherlich Petyr Baelish (Aidan Gillen) alias Littlefinger, der sich mit seinem ersten Auftritt in der aktuellen Staffel offenbar gleich als Strippenzieher hinter dem Anschlag auf den verstorbenen König outet. Denn als Sansa (Sophie Turner) gemeinsam mit Ser Dontos (Tony Way) das vor der Stadt liegende Boot des ambitionierten Lords aus einfachen Verhältnissen erreicht, weiß der schon längst über die tödlichen Geschehnisse an Land Bescheid. Und auch wenn Baelishs Motive sowie seine Mitwisser weiter im (Halb-)Dunkeln bleiben, so scheint er seinen Lohn für das erfolgreich durchgeführte Komplott bereits eingesammelt zu haben. Aidan Gillens geifernder Blick und seine theatralische Intonation kratzen an dieser Stelle zwar an der Grenze zum Overacting, seine scheinbare Besitzergreifung von Sansa wird dafür umso deutlicher.

Auf eine andere Art und Weise herzlos zeigt sich wieder einmal Ober-Pragmatiker Tywin (Charles Dance). Während wir, wie Tyrion (Peter Dinklage) später auch bestätigen wird, wohl in keiner Sekunden an der wahren Trauer Cerseis (Lena Headey) zweifeln, verschwendet der Lannister Patriarch keine Zeit und bindet prompt Thronfolger Tommen (Dean-Charles Chapman) mit Hilfe einer kleinen Fragestunde an sich. Der Leichnam seines getöteten Enkels dient ihm dabei höchstens als anschauliches Negativbeispiel für einen königlichen Herrscher. Schwer zu sagen, ob einem als Zuschauer dabei eher das beeindruckende Setting oder die Kaltschnäuzigkeit Tywins zum Staunen bringt. Wie Benioff und Weiss als Autoren dieser Episode allerdings wieder einmal die detaillierte Historie von George R. R. Martins Welt nutzen, um der Szene die entsprechende Tiefe zu verleihen, ist dagegen zweifellos meisterhaft.

Was folgt, dürfte ebenfalls ohne Zweifel zu den verstörendsten Szenen gehören, die Game of Thrones bisher hervorgebracht hat. Bei einer Serie, in der bereits unschuldigen Kindern die Kehle aufgeschlitzt und schwangeren Frauen in den Bauch gestochen wurde, sicherlich keine „einfache“ Aufgabe. Mit der Vergewaltigung Cerseis durch ihren Bruder und einstigen Liebhaber Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) kulminiert nicht nur ein Handlungsstrang rund um eine unmögliche Liebe. Es ist eine Sequenz, die mit ihrer Wucht und Maßlosigkeit den Zuschauer bis ins Mark trifft und diesen wieder einmal herausfordert, seinen moralischen Kompass neu auszurichten. Ohne Frage gewann Jaime in der letzten Staffel bei vielen Zuschauern an Sympathie. Ein Bonus, der mit einem Mal wieder zunichtegemacht wird. Zieht man in dieser Hinsicht einen Vergleich mit Serien wie The Sopranos oder The Wire heran, so dürfte Game of Thrones diese Klassiker tatsächlich noch einmal übertreffen - zumindest was die moralische Ambiguität angeht, mit welcher der Zuschauer ständig neu an die Serie herantreten muss. Dass der Hound in dieser Episode einen unschuldigen Farmer und seine Tochter ausraubt und dem sicheren Tod überlässt, unterstreicht diesen Fakt nur noch einmal.

Ein Funke Hoffnung

Wer in Breaker of Chains tatsächlich eine der wenigen aufrichtigen Figuren treffen möchte, die aktuell noch im Serien-Kosmos von Game of Thrones existieren, muss den Blick auf die Verliese von Kings Landing oder weit gen Norden richten. Im Gespräch mit dem Gefangenen Tyrion, um dessen Leben nun bereits ein zweites Mal verhandelt wird, darf sich Podrick Payne (Daniel Portman) wohl zu Recht den ehrlichsten Knappen, der je lebte, nennen lassen. Dass der Abschied zwischen Tyrion und seinem treuen Gefährten dabei emotionaler ausfällt als jener zwischen Shae (Sibel Kekilli) und Tyrion in der vorherigen Episode, unterstreicht leider noch einmal die verpasste Chance der Autoren, dem Publikumsliebling eine tatsächlich funktionierende Liebesgeschichte zu spendieren.

Eine solche kündigt sich dagegen immer stärker zwischen Sam (John Bradley) und Gilly (Hannah Murray) an. Während in Kings Landing nicht einmal ehemalige Königinnen vor brutalen Übergriffen gefeit sind, sorgt sich das wahrscheinlich wohlgenährteste Mitglieder der Nights Watch in Castle Black um die Sicherheit seiner deutlich weniger gut gestellten Begleiterin. Auch wenn dabei keine spektakulären Wortgefechte zustande kommen, wie wir sie wieder einmal beim grandiosen Aufeinandertreffen zwischen Tywin und Oberyn Martell (Pedro Pascal) bewundern dürfen, so ist an dieser Stelle ein wenig Unschuld doch Balsam für die bereits ordentlich gequälte Zuschauer-Seele.

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Es geht doch nichts über einen gezielten Pfeil durch den Hals eines unschuldigen Familienvaters, um diese Unschuld ganz schnell wieder in Luft aufzulösen. Der brutale Angriff der Wildlings auf ein kleines Dorf südlich der Mauer ist wieder einmal beeindruckend choreographiert und ruft dem Zuschauer mit einem Mal die Gefahr in Erinnerung, die von einer einhundertausendköpfigen Armee aus dem Norden ausgeht. Ebene jene Gefahr hält Jon Snow (Kit Harington) seinen Brüdern von der Nights Watch vor Augen, als klar wird, dass Mance Rayder nur wenige Schritte fehlen, um die Grenze nach Süden tatsächlich zu überschreiten.

Das Problem einer mangelnden Anzahl an Gefolgsleuten verfolgt unterdessen auch Stannis Baratheon (Stephen Dillane), der seiner rechten Hand Davos (Liam Cunningham) klar macht, lieber heute als morgen den Iron Throne erobern zu wollen. Man darf weiter gespannt sein, welche Lösungswege beide Parteien im Laufe der Staffel finden werden.

An einer passenden Strategie, ihre Feinde in die Knie zu zwingen, mangelt es Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) unterdessen nicht. Mit einer kurzen, aber umso lässigeren Actionsequenz lassen die Showrunner Michiel Huisman zunächst unter Beweis stellen, dass es vielleicht doch keine so schlechte Idee war, ihn als neuen Daario Naharis zu besetzen. Es folgt ein perfektes Beispiel für psychologische Kriegsführung durch den symbolischen Beschuss der Stadt mit geöffneten Fesseln einstiger Sklaven. So darf Team-Targaryen zum Abschluss der Episode einen weiteren Badass-Moment für sich verbuchen. Durch solche Momente gelingt es den Autoren seit Beginn von Staffel drei, diesen Handlungsstrang abseits von Westeros lebendig und aufregend zu halten.

Fazit

Mit der aktuellen Episode Breaker of Chains stellen die Macher von Game of Thrones wieder einmal unter Beweis, dass sie mit dieser Serie mehr auf die Bildschirme bringen, als "nur" ein großartig inszeniertes Fantasyepos. Wie die besten Shows der Vergangenheit fordert auch die Geschichte des Krieges um Westeros den Zuschauer stets aufs Neue heraus. „Game of Thrones“ bietet nicht nur eine unglaublich detaillierte Welt an, in die sich das Publikum jede Woche entführen lassen kann. Insbesondere Fragen nach Moral und Gerechtigkeit zwingen den Zuschauer dazu, seine eigenen Emotionen gegenüber den gezeigten zu reflektieren.

Aus diesem Grund kann der Episodentitel „Breaker of Chains“ auch diesmal wieder auf verschiedene Weisen gedeutet werden. Narrativ wird natürlich insbesondere Dany jene Figur inszeniert, die die Fesseln der Sklaverei aufbrechen möchte. Aber auch andere Verbindungen, wie eben die von Cersei und Jaime, Arya und dem Hound oder Tyrion und Podrick werden teilweise gewaltsam zerstört. Und nicht zuletzt ist es auch der Zuschauer, der sich fragen muss, ob er seine Verbindung zu gewissen Figuren nach dieser Folge aufrechterhalten möchte.

Verfasser: Thomas Zimmer am Montag, 21. April 2014

Game of Thrones 4x03 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 3
(Game of Thrones 4x03)
Deutscher Titel der Episode
Sprengerin der Ketten
Titel der Episode im Original
Breaker of Chains
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 20. April 2014 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. Juni 2014
Regisseur
Alex Graves

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 4x03

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?