FUBAR 1x08

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Bewertungschaos bei FUBAR
FUBAR gehört zu den Serien, die es einem nicht unbedingt leicht damit machen, sie zu lieben. Das spiegelt sich vor allem auch in den gemischt ausgefallenen Reviews wider. Bei Rotten Tomatoes kommt die Show auf einen Audience Score von 69 Prozent gegenüber 50 Prozent aus der Fachpresse. IMDb listet bei über 22665 Bewertungen eine sechseinhalb von zehn. Und Metacritic malt ein ganz anderes Bild: Hier vergeben die Branchenmagazine eine 48, während der User Score bei mageren dreieinhalb liegt.
Wie immer man es auch dreht und wendet. „FUBAR“ ist offensichtlich polarisierender Stoff. Doch woran liegt das? Immerhin beruft sich die Serie mit „True Lies - Wahre Lügen“ auf einen der bis heute beliebtesten Actionknaller des ehemaligen Bodybuilders und Hollywoodstars. Entsprechend fühlt sich Nick Santoras Konzept ein wenig wie aus der Zeit gefallen an. 90er Retrocharme oder altbackene Inszenierung mit einem verbrauchten Idol? Das ist eine Frage, die jeder Fan letztlich für sich entscheiden muss.
Ein kurzer Rückblick auf die Pilotfolge
Fest steht indes, dass die erste Staffel letztlich kein Überflieger ist, aber auch nicht ganz so schlecht, wie sie gerne gemacht wird. Zumindest dann nicht, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Dass Arnold Schwarzenegger inzwischen 75 Jahre alt ist und sich damit zumindest partiell von seinem Image als alles kurz und klein schlagender Kleiderschrank verabschieden musste, dürfte kaum überraschend sein.
Dennoch bietet die Pilotepisode auch Schauwerte, die Lust auf mehr machen. Da ist zum Beispiel der Einstieg in Antwerpen, wo sich die Hauptfigur Luke Brunner aka Arnie als zwar älterer, aber dennoch recht fitter Actionhero erweist. Auf coole Art verschafft er sich Zutritt zu einem Bankschließfach und klaut einem nicht genannten afrikanischen Warlord eine Ladung Diamanten, um sie gegen die Koordinaten eines Waffenschiebers einzutauschen.
Brunner, so viel wird schnell klar, ist kein Meisterdieb, sondern ein CIA-Agent kurz vor dem Ruhestand. „Schluss, aus, Ende“ erklärt er seinem Partner, dem Computergenie Barry (Milan Carter) denn auch anschließend ohne Umschweife. Der Top-Agent will endlich seinen wohlverdienten Ruhestand auf einer kleinen Yacht genießen und mit etwas Glück seine verflossene Liebe Tally (Fabiana Udenio) zurückerobern.
Dass dies ein frommer Wunsch bleibt, ist klar, denn sonst wäre die Serie an dieser Stelle bereits zu Ende. Luke muss einen letzten Auftrag annehmen und einen Agenten aus den Klauen des fiesen Terroristen Boro Polonia (Gabriel Luna) befreien, zu dem er eine persönliche Beziehung hat. Ab hier greift dann auch die Prämisse, denn der in Gefahr geratene Spion entpuppt sich als Brunners Tochter Emma (Monica Barbaro, die eigentlich als Entwicklungshelferin arbeiten sollte, aber in Wirklichkeit in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist.
Eindrücke

Bis hierhin erweist sich der Einstieg in die Serie noch als relativ flüssig, obwohl schon früh deutlich wird, dass sich etwa die Hälfte der ersten Season auf Lukes Familie fokussieren wird. Sie ist der Aufhänger für nette Anspielungen auf Schwarzeneggers frühere Karriere als Bodybuilder und sein Alter. Leider ist das auch eines der großen Mankos innerhalb der insgesamt acht Folgen der Debüt-Staffel, denn es geht zu viel Zeit für simples und letztlich langweiliges Familiengedöns drauf.
Das bremst bisweilen den Erzählfluss des Mainplots stark aus, weil es im Kern eigentlich um die Verfolgung Polonias gehen soll, der mächtig, skrupellos und on top ein Psychopath ist. Das geschieht aber in jeweils rund 20 bis 25 Minuten der ersten sechs Episoden lediglich im Finale, wo die Handlung dann regelmäßig anzieht und Fahrt aufnimmt.
Die Struktur
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die acht Teile auf narrativer Ebene insgesamt etwas sperrig konstruiert anfühlen. Das liegt an der groben Dreiteilung, die beinhaltet, dass die einzelnen Einsätze nie in einer Folge zum Abschluss gebracht, sondern stets in den nächsten Teil überführt werden. So benötigt das Drehbuch rund zehn Minuten für die Auflösung und weitere 15 bis 20 für die Familienangelegenheiten der Brunners.
Das ist unglücklich konzipiert, weil die Episoden rund eine Stunde lang sind, was im Umkehrschluss bedeutet, dass es stets über eine halbe Stunde dauert, bis die Action endlich losgeht. Im Grunde genommen offenbart FUBAR damit ein viel zu lange Staffel, die künstlich auf acht Stunden gestreckt wurde, keine gute Entscheidung.
Klischeefiguren

Bitte nicht falsch verstehen, die genannten Kritikpunkte bedeuten nicht, dass „FUBAR“ keinerlei Schauwerte aufweisen würde. Die Actionelemente sind hübsch oldschool und immer wieder sind die Dialoge vor allem zwischen Luke und Emma mit witzigen Slapstickeinlagen und Sprüchen aufgelockert. Zu Schmunzeln gibt es also verhältnismäßig viel, ein durchaus unterhaltendes Element der Serie. Auch die absichtlich starke Überzeichnung der Hauptfiguren regt bisweilen zum Lachen an, wenn auch mit Abstrichen. Vor allem Lukes Team ist nämlich gnadenlos klischiert - und das nicht immer zum Positiven, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt.
Luke ist der typisch alternde Topspion, Emma die superkluge hübsche Heroine, Barry das nerdige Computergenie, Aldon der sprachbegabte Schönling und so weiter. Am schlimmsten erwischt es Roo, gespielt von Fortune Feimster, eine Protagonistin, die vollgepackt mit 90er-Jahre-Klischees ist. Sie ist eine „Mann-Weib-artige“ Lesbe und hochintelligent, aber irgendwie auch völlig daneben. Sie ist diejenige des Teams, die von einem Fettnäpfchen ins andere tritt und stellt damit eine perfekte „Miss MacGuffin“ und Stichwortgeberin in persona dar.
Zwischentöne, Charaktertiefe und interessante Entwicklungen einzelner Figuren sucht man weitestgehend vergebens. Nicht, dass „FUBAR“ in seiner Machart tatsächlich auf derartige Details ausgelegt wäre, doch ein wenig mehr Ausgereiftheit hätte hier und da ganz gutgetan.
The Same Procedure

Das alles führt dazu, dass die Staffel im Kern über acht Episoden hinweg immer denselben Stiefel fährt: Der Terrorist Polonia wird geschnappt, Luke versucht, seinen Familienstreit zu klären, Polonia heckt etwas aus und wird im letzten Moment gestoppt, bevor er entkommt. Am Ende erwischen Luke und sein CIA-Team ihn natürlich und es kommt zu einem zwar vorhersehbaren, aber witzigen Cliffhanger. Das ist für eine Spitzenserie mit einem der großen Actionstars des Hollywood-Kinos eindeutig zu wenig.
Fazit
FUBAR ist weder das sprichwörtliche Fleisch noch Fisch. Für eine gestandene Actionserie passiert einfach zu wenig, und für ein Familiendrama reicht die Figurentiefe nicht im Geringsten aus. Die komödiantischen Einlagen fügen sich zwar gut in das Gesamtkonstrukt ein, nutzen sich aber im Verlauf von acht Stunden viel zu schnell ab, während neue Impulse fehlen.
Das ist schade, weil die Pilotfolge eigentlich vielversprechend war und von uns deshalb auch mit vier von fünf Sternen bewertet wurde (das Review zur FUBAR-Pilotfolge findet Ihr hier). So betrachtet verwundern die eingangs erwähnten gemischten Kritiken kaum. Man will diese Serie lieben, allein schon, weil Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielt. Man erfreut sich am Retrofeeling, darf lachen und einige coole Szenen erleben. Und doch: Das alles ist zu wenig, um vollauf zu überzeugen.
Der moderne Serienmarkt gibt so viele Titel her, die es um Längen besser machen, so dass man unwillkürlich fragt, ob es das nun tatsächlich gewesen ist. Trotzdem scheint der Erfolg Nick Santora und Netflix recht zu geben. Die Klickzahlen waren offenbar stark genug, um schnell eine zweite Staffel zu bestätigen. Ob der Showrunner einige seiner Fehler in Season zwei ausbügeln wird? Drei von fünf CIA-Agenten.
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur ersten Staffel der Serie „FUBAR“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Samstag, 24. Juni 2023(FUBAR 1x08)
Schauspieler in der Episode FUBAR 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?