Fringe 5x07

Fringe 5x07

Mit der Episode Five-Twenty-Ten setzt die Serie Fringe vor allem zwei Handlungsstränge fort: Die Entwicklung von Peter und die Selbstzweifel von Walter. Einer alten Bekannten begegnen wir wieder, einem alten Bekannten hingegen nicht.

Walter, Olivia und Peter tappen in William Bells Hinterlassenschaften ein wenig im Dunkeln - Bild aus der Episode „Five-Twenty-Five“ der Serie „Fringe“ / (c) FOX
Walter, Olivia und Peter tappen in William Bells Hinterlassenschaften ein wenig im Dunkeln - Bild aus der Episode „Five-Twenty-Five“ der Serie „Fringe“ / (c) FOX

Das nächste Videoband bringt das frühere Fringe-Team in der Episode Five-Twenty-Ten auf die Jagd nach einem alten Geheimversteck von William Bell. Da dieses verschüttet wurde, wendet sich das Team an Nina Sharp (Blair Brown), um an zwei Zylinder der Observer zu kommen, die für Walters Masterplan von Bedeutung sind.

Die Nicht-Rückkehr von William Bell

Obwohl William Bell - gespielt von Leonard Nimoy - eine eigentlich wichtige Rolle in dieser Episode spielt, taucht er nicht auf. Leider. Schon am Ende der vierten Staffel von Fringe stand die Frage nach Bells Rückkehr im Raum und man erwartete sie auch irgendwie. Spätestens jetzt deutet sich allerdings sehr deutlich an, dass wir ihn wirklich nicht mehr wiedersehen werden. Was ziemlich schade ist.

Natürlich wissen wir als Zuschauer zu diesem Zeitpunkt, dass sich Nimoy - zumindest in Sachen Schauspielerei - in den Ruhestand begeben hat. Und für Fringe sogar schon Ausnahmen gemacht hatte. Eingedenk seines Alters von 81 Jahren und der bekannten Tatsache, dass ihm die Gesundheit mehr Probleme bereitet als seinem unermüdlichen, gleichaltrigen Kollegen William Shatner, gönnt man Nimoy seinen Ruhestand ohne Wenn und Aber.

So ist es im Nachhinein eher die Entscheidung der Produzenten von Fringe für Kult-Darsteller Nimoy für die Rolle des William Bell, die für leichtes Grummeln sorgt: Denn eigentlich sollte Bell nach seinem ersten Auftreten schon immer eine deutlich präsentere Rolle in der Handlung haben, als sie durch Nimoys eingeschränkte Zusage möglich war.

Gerade in dieser Episode wird deutlich, dass man die Gegensätze zwischen Belly und Walter durchaus noch weiter hätte ausloten hätte können - und dass dazu Bells Anwesenheit von Nöten wäre.

Observer Bishop

Die Folge Five-Twenty-Ten zeigt die weitere Transformation von Peter (Joshua Jackson) in einen Observer, ausgelöst durch deren Technologie, die er sich in der Folge An Origin Story eingepflanzt hatte.

Wie bei Anna Torv, die einst sehr unterhaltsam Olivia porträtierte, die von William Bell „besessen“ war, gelingt es hier Jackson sehr schön, die Darstellung eines der Zeitreisenden umzusetzen. Inklusive einer gewissen Progression, also vom Anfang der Episode bis zu deren Ende immer stärker deren stereotypen Eigenarten aufzunehmen, etwa bei seinen Erläuterungen am Ende schließlich deren Sprachmuster zu übernehmen. Dazu kommt die gelungene Schlussszene, in der Peter einige Haare verliert und schließlich als beindruckend-beängstigenden Schlussgag den Kopf in typischer Observer-Manier beim Nachdenken schief zu legen.

Nachdem Peter seinen Plan eines terroristischen Anschlags gegen den Führungskreis um Captain Windmark (Michael Kopsa) in der Episode im Geheimen ausgeführt hat und vor allem Olivia dabei immer wieder mit Lügen getäuscht hat, kommt seine Erklärung ihr gegenüber am Ende der Episode doch ziemlich überraschend.

Wenn es auch nicht allzu weit hergeholt ist, dass Peter seine Zentrale in Ettas alter Wohnung aufgeschlagen hat und dass die misstrauisch gewordene Olivia dort nachschaut, kommt die Enthüllung etwas antiklimaktisch, also zu einem Zeitpunkt, wo man diese gewichtige Enthüllung gar nicht mehr in dieser Episode erwartet.

Gerade Peters terroristischer Plot ist es, der in dieser Episode mal wieder einige bohrend Fragen im Hinterkopf aufkommen lässt. Kann man eine Spezies, die wie die Observer über die Kontraktion ihrer Augenmuskulatur im Klaren ist, wirklich mit einem „falschen Koffer“ überrumpeln? Müssten ihnen nicht die kleinsten Diskrepanzen auffallen, die Peter als Einzeltäter, der kein Zugang zum Original-Koffer hat, nicht vermeiden kann? Davon, dass Peter im Gegensatz zu Walter in der letzten Episode eben nicht von Überwachungskameras aufgespürt wurde, weil es hier die Handlung nunmal andersherum brauchte.

Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich?

Walter befindet sich in der Episode Five-Twenty-Ten im emotionalen Aufruhr. Denn nachdem sein Gehirn zwischenzeitlich wieder zu seiner alten Brillanz hergestellt worden war, muss er fürchten, dass auch die alte Hybris damit zurückgekehrt ist. Denn selbst, wenn seine geistige Kapazität nach dem Verhör durch die Observer wieder deutlich eingeschränkt ist, fürchtet Walter nach den jüngsten Erfahrungen mit sich selbst und Erkenntnissen über Belly, dass er wieder zu dem über Leichen gehenden Dr. Walter Bishop geworden ist, der einst die Grenzen zwischen Universen zum Zusammenbrechen brachte.

Während Walter sich also im Klaren ist, „Woher“ er kommt, zweifelt er über seinen momentanen Zustand und vor allem die Frage, ob es sein unumstößliches Schicksal ist, zu seinem ganz alten Selbst zu werden - während Walter sich zwischenzeitlich mit der kleinen Selbstlüge beruhigte, dass vor allem Peters Anwesenheit ihn davor bewahren würde, seine alte Entwicklung zum „menschlichen Monster“ erneut zu nehmen, wurde ihm diese Hoffnung durch die Erkenntnisse über Belly, seine Liebe zu Nina und seine trotzdem getroffenen, egomanischen Entscheidungen zerstört.

So strebt Walter nun eine schwerwiegendere Lösung an: Eine erneute Gehirnoperation.

Fazit

Die Episode Five-Twenty-Ten beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Voranschreiten der Entwicklung der Figuren auf ihrem zuvor eingeschlagenem Pfad. Dabei fällt vor allem das Fehlen von William Bell in der Episode unangenehm auf. Wie üblich transportieren die Darsteller - hier im Speziellen Joshua Jackson und John Noble - die innere Entwicklung ihrer Charaktere exzellent auf den Bildschirm.

Der kleine Einblick in die Lebenswelt der Observer - das Café mit gesonderter Kofferabgabe und Hutablage - in dieser Episode macht durchaus Appetit auf eine Episode, bei der die Handlung durch die Augen eines Observers erzählt wird und tiefer in ihr Alltagsleben eingetaucht wird. Aber das ist vermutlich etwas, was in der kurzen Finalstaffel von Fringe dann einfach keinen Raum hat.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Sonntag, 16. Dezember 2012
Episode
Staffel 5, Episode 7
(Fringe 5x07)
Deutscher Titel der Episode
Bells Vermächtnis
Titel der Episode im Original
Five-Twenty-Ten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 16. November 2012 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. Februar 2013
Autor
Graham Roland
Regisseur
Eagle Egilsson

Schauspieler in der Episode Fringe 5x07

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