Fringe 5x05

Fringe 5x05

Trauer und vor allem Wut sind die zentralen Elemente der Episode An Origin Story der Serie Fringe. Die Ereignisse der vorherigen Episode bringen zumindest für eine Figur einen unangenehmen Neuanfang mit sich.

Peter Bishop gegen die Maschine in der Episode „An Origin Story“ der Serie „Fringe“ / (c) FOX
Peter Bishop gegen die Maschine in der Episode „An Origin Story“ der Serie „Fringe“ / (c) FOX

Es ist ein Erwachen in der harschen Realität für Peter (Joshua Jackson), Olivia (Anna Torv) und die anderen alten Mitglieder der Fringe-Division: In der Episode An Origin Story ist allen klar, dass Etta (Georgina Haig) tot ist. Auf die Anfängliche Leere reagieren die einzelnen Charaktere sehr unterschiedlich. Während die Figuren, jede für sich, einen Weg suchen und finden müssen, mit der Trauer umzugehen, bemühen sie sich in der Handlung der Episode, den Observern einen empfindlichen Schlag zuzufügen - einerseits, um Ettas Andenken zu ehren, andererseits, weil sich ihnen die Möglichkeit zu einem scheinbar entscheidenden Schlag ergibt.

Der menschliche Widerstand ist auf Lieferungen für die Observer aufmerksam geworden, die ihnen ihresgleichen aus der Zukunft zukommen lassen. Für das Team gilt es, diverse Hinweise zu entschlüsseln, um rechtzeitig zur Stelle zu sein und so die nächste Lieferung sabotieren zu können: Der Nachschubkorridor durch die Zeit soll zum kollabieren gebracht werden, was laut Walters (John Noble) Prognosen bei den Observern in der Zukunft für katastrophale Folgen sorgen würde und somit deren Pläne langfristig zurückwerfen müsste.

Die fünf Phasen der Trauer

Olivia ist es, die die fünf Phasen durchmacht, welche die meisten Menschen bei Trauer und beim Abschiednehmen durchlaufen: Im Aufwachen verleugnet sie immer wieder den Verlust, ihr Verhandeln mit dem Schicksal kommt eher kurz zum Ausdruck und ihre Wutphase äußert sich im Streit mit Peter um die richtige Vorgehensweise. Walters Video bringt ihre Tränen zum Vorschein (Depression) und die Erkenntnis, dass Etta in Form von Postern einerseits zum Symbol des Widerstandes geworden ist und andererseits so ein Stück Unsterblichkeit errungen hat, sorgt schließlich für die Akzeptanz des Verlusts bei Olivia.

Vielleicht ist es ein bisschen herzlos von den Produzenten, Olivias unmittelbare Trauer eher im Schnelldurchgang ablaufen zu lassen, aber die fünf Phasen der Trauer sind sicherlich ein zu bekanntes Konzept, als dass sie diese in dieser Episode nicht aufgreifen würden.

Der weise Walter

Jedes Mal, wenn man glaubt, Walter als Figur sei bereits vollständig ausgelotet, zaubern die Produzenten eine absolut einleuchtende Quelle für eine weitere faszinierende Facette an ihm hervor - die John Noble dann auf geniale Weise umsetzt: In der Episode An Origin Story etwa sind es seine Erfahrungen mit dem Verlust des eigenen Kindes und dem Auseinanderbrechen trauernder Eltern, die Noble in sehr leisen Tönen und doch mit unglaublicher Fulminanz darstellt.

Mensch gegen Maschine

Mehrfach ergibt sich in der Episode An Origin Story der Konflikt Mensch gegen Maschine. Einerseits als philosophische Frage: Sind die Observer wirklich komplett als Maschinen zu betrachten, wie es der Gefangene (John Prosky) andeutet - ohne Überlebensinstinkt, ohne willkürliche Reflexe, sondern komplett „beherrscht“ vom eigenen Willen? Haben die Observer mit ihrer Technik ihre „Menschlichkeit“ in jeder Hinsicht ausgelöscht? Ein bisschen wäre es zu wünschen, denn dann könnten wir Peter vom Vorwurf freisprechen, mit seinem Gefangenen einen Menschen kaltblütig umgebracht zu haben.

Es bleibt auf jeden Fall die Frage, wie Peter nun den Kubus zusammengesetzt hat - wirklich allein aufgrund seiner Fähigkeiten und Intuitionen, wie sein Gefangener behauptet? Oder war die Verleugnung von Überlebensinstinkten und Reflexen seitens des Observers nur ein Täuschungsversuch, um den Gegner mit Falschinformationen zu verunsichern?

Wut

Im Gegensatz zu Olivia wird Peter sehr schnell von der Wut eingenommen und nach dem weniger erfolgreichen Anschlag auf die Nachschubwege der Observer geradezu aufgefressen. So ist denn auch der Titel der Episode, An Origin Story, klar auf ihn gemünzt, beleuchtet doch eine klassische Origin Story im Comic den Wandel eines „normalen Menschen“ zu einem „Superhelden“, oder eben: Superschurken. Da bei Peter die Wut der Katalysator ist und der Mord an einem Observer ihm die Mittel zum Wandel gibt, darf man wohl kaum die Entwicklung zum Helden erwarten. Um im (Comic-)Klischee zu bleiben, dürfte es wohl eher darum gehen, dass Peter am Ende durch die Liebe (von Olivia) aus seinem traumatisierten Zustand errettet werden wird.

Logiklöcher durch die Zeit schicken

Schon Captain Kathryn Janeway von Star Treks Voyager stellte fest, dass das Nachdenken über Zeitreisen Kopfschmerzen macht. Insofern war es vielleicht von Walter doch etwas kurz gedacht, dass die erwarteten Zerstörungen die Pläne der Observer zurückwerfen müssten. Denn wer sagt denn, dass deren Verbindung durch die Zeit notwendigerweise „linear“ sein muss, sie also ihre Transporte nur über eine genau festgelegte Zeitdifferenz schicken können. Oder anders gesagt: Wieso sollten sie nicht nach ihren mehrmonatigen Aufräumarbeiten nach der Sabotage ihre Transporte trotzdem zum gleichen Zeitpunkt in unserer Gegenwart ankommen lassen?

Daneben ist es natürlich mal wieder recht nachlässig von den Observern, das Verschwinden eines der ihren - zumal mit offensichtlich wichtigen Dokumenten ausgestattet - anscheinend komplett zu ignorieren, nicht nach ihm zu suchen, keine Loyalisten auszusenden, die das Fringe-Team bei Besichtigung des ersten Ankunftsplatzes hätten aufgreifen können.

Und bei aller Genialität, die Astrid mittlerweile im Umgang mit den Fringe-Ereignissen hat, ist es doch ein trauriges Zeichen für den Widerstand, dass in den Jahren seit der Invasion anscheinend kein einziger Mensch die Aufzeichnungen der Observer - ob sie nun nun ein Code oder einfache Alltagsschrift sind - knacken konnte.

Fazit

Die Folge An Origin Story ist wegen des Themas der Trauer an vielen Stellen bedrückend, zumindest aber ruhig gehalten. Leider kann sie im Mittelteil, bei der Befragung des gefangenen Observers durch Peter, auch die eine oder andere Länge nicht vermeiden.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Sonntag, 16. Dezember 2012
Episode
Staffel 5, Episode 5
(Fringe 5x05)
Deutscher Titel der Episode
Zum Ursprung
Titel der Episode im Original
An Origin Story
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 2. November 2012 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. Februar 2013
Autor
J.H. Wyman
Regisseur
P.J. Pesce

Schauspieler in der Episode Fringe 5x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?