Fringe 5x04

Fringe 5x04

Unsere Helden aus der Serie Fringe tragen in der Episode The Bullet That Saved The World den Kampf zum Feind und ein alter Bekannter tritt an ihre Seite - aber für ihre Erfolge zahlen sie einen fürchterlichen Preis. Ein Gastreview von sw2012

Die Observer in der Episode „The Bullet That Saved The World“ der Serie „Fringe“ / (c) FOX
Die Observer in der Episode „The Bullet That Saved The World“ der Serie „Fringe“ / (c) FOX

Die große Fringe-Schnitzeljagd geht weiter. Diesmal liegt das Puzzlestück zur Rettung der Welt an einem so stark bewachten Ort, dass List und Tücke allein nicht ausreichen - Zeit, etwas handfester zu werden. The Bullet That Saved The World ist ein zentraler psychologischer Wendepunkt für die Figuren, der sie wohl bis zum Ende der Serie prägen wird.

Heute müssen wir uns die Frage stellen, ob eine Folge so gut sein, dass sie zu gut ist - ob die Autoren nicht zu viel erstklassiges Material hineingepackt haben, das später irgendwann fehlen wird. Denn es passiert diesmal ziemlich viel: Wir finden das große Fringe-Archiv, das unseren Helden als Arsenal dient; Phillip Broyles (Lance Reddick) nimmt wieder seinen Platz in der Serie ein; das Labor wird fast entdeckt. Ach ja, und ziemlich am Ende passiert da noch so eine Sache: Etta (Georgina Haig) wird von den Observern getötet.

Joss Whedon lässt grüßen

Tuen wir für einen Moment so, als wären wir nicht obsessive Fringe-Freaks, die schon im Vorfeld jede Andeutung und jedes Gerücht aufgesogen haben und vorgewarnt waren. Die Meisterleistung dieser Episode besteht darin, dass der Zuschauer den Hammer nicht kommen sieht. Einmal, weil einfach so viel passiert, dass man nicht viel Zeit zum nachdenken hat. Zum anderen ist das foreshadowing in der Folge selbst so subtil, dass man es erst am Ende der Folge versteht. „No good deed goes unpunished“, sagt Etta, als sie von Peter (Joshua Jackson) ihre neue Halskette erhält. Hier hätte es einem eigentlich schon kalt den Rücken herunterlaufen müssen.

Nun war schon immer klar: Wenn Etta sterben sollte, musste es eher am Anfang der Staffel fünf sein. Die - wohl vernichtenden - emotionalen Auswirkungen auf die anderen Figuren müssen gezeigt werden, allen voran auf Peter und Olivia (Anna Torv). Speziell bei Peter könnte jetzt das Maß voll sein. Auch wollen wir sehen, wie unsere Helden ohne ihre wichtigste Wissensquelle über die Welt der Zukunft auskommen - was für ein Zufall, dass nun Broyles wieder da ist. Und es bleibt bei der Vermutung, dass die Autoren die letzte Staffel der Serie nicht gerade mit einem Trauerfall beenden wollen. Olivia verdient nach den vergangenen fünf Jahren nicht nur einen Sieg, sondern klassische poetische Gerechtigkeit, wenn nicht sogar Glück.

Entsprechend ist die Frage nach einem reboot der Zeitlinie nun dringender denn je.

Die Sache mit dem Tod

Streng genommen muss allerdings erstmal klar sein, dass Etta (Georgina Haig) wirklich tot ist. Nach der Antimaterie-Explosion sehen wir von Captain Windmark (Michael Kopsa) nur Kopf und Schultern. Es wäre damit durchaus denkbar, dass er Etta mitgenommen hat, als er sich „herausbeamte“: Sie könnte zu seinen Füßen liegen. Es wäre sehr in seinem Interesse, mindestens die Leiche zu retten: Ganz abgesehen von ihrem Wissen über den Widerstand hatte sie offenbar als Erste die Fähigkeit, ihre Gedanken zu verstecken. Für die Observer wäre es enorm wichtig zu wissen, wie das geht.

Und weil wir es hier mit Fringe zu tun haben, müssen wir uns zudem mit einer sehr viel unangenehmeren Vorstellung befassen: Was ist, wenn Etta zwar tot ist, aber nicht tot bleibt? Wir wissen seit Staffel eins, dass die Wissenschaft in dieser Serie fürchterliche Dinge mit Leichen tun kann. Der Anblick des abgetrennten Kopfes von Simon (Henry Ian Cusick) in dieser Staffel lässt ahnen, dass sich die Dinge in der Zukunft nicht gerade verbessert haben. Würden die Autoren den Figuren und uns Zuschauern tatsächlich zumuten, auch Etta so wiederzufinden? Windmark würde kaum zögern.

Die Sache mit der Liebe

Was uns zu einer weiteren Stärke dieser Folge bringt: Die Bösen. In vielen Serien und Filmen bleiben sie statisch oder werden sogar - wie die Borg bei Star Trek: The Next Generation - nach und nach von ihren Autoren abgeschwächt. Nicht bei Fringe. Wenn überhaupt kommen die Observer gestärkt aus der Episode: Sie wissen jetzt, dass einige Menschen ihre Gedanken verstecken können, haben Etta ausgeschaltet und zumindest Windmark (Michael Kopsa) hat verstanden, was für eine mächtige Waffe die Liebe sein kann, auch wenn er das Gefühl selbst nicht teilt.

Im Kern handelt diese Folge damit über eins: die Liebe. Windmark hat Recht: Peter (Joshua Jackson) riskiert in der ersten Szene sogar die Zukunft der Menschheit, um seiner Tochter ein Schmuckstück zu bringen. In der letzten Szene ist es wieder die Liebe, die alles beherrscht. Es bleibt für das große Bild bei der Vermutung, dass am Ende die Menschheit diesen Krieg gewinnen wird, weil wir noch lieben können.

Hey, Loyalisten sind auch Menschen!

Falls das tatsächlich noch der Fall ist. Es ist auch dieses Mal befremdlich, mit welcher Kaltblütigkeit unsere Helden nicht nur die Observer, sondern auch die menschlichen Kollaborateure umlegen. Während man das Etta (Georgina Haig) als Kind des Krieges noch abnimmt, ist der plötzliche Mangel am Mitgefühl bei Olivia (Anna Torv), Peter (Joshua Jackson) und Walter (John Noble) nicht ganz nachvollziehbar. Besonders weil es hier um den grausamen Erstickungstod aus Ability geht, der sie damals noch so entsetzt hat, kann man hier nur Windmark (Michael Kopsa) zustimmen: barbaric.

Der Bruch ist um so erstaunlicher, weil The Bullet That Saved The World durch das Archiv und auch andere Szenen etwas sehr wichtiges tut: Es stellt die Verbindung zu den früheren Staffeln her und gibt der Serie damit eine Kontinuität zurück, die der Zeitsprung ihr geraubt hatte. Etta und Olivia sprechen über die Kugel, die in Brave New World (2) tatsächlich die Welt gerettet hatte; Broyles tritt wieder in die Geschichte ein; endlich, endlich wird wenigstens im Vorbeigehen erwähnt, dass da mal irgendwas mit einem Paralleluniversum war. Die Folge gibt dem Zuschauer das Gefühl zurück, Teil einer größeren Geschichte zu sein.

Die Sache mit den ganzen Sachen

Das Archiv der Fringe-Ereignisse steht knapp davor, ein deus ex machina zu sein. Allerdings ist Walter (John Noble) irre genug, dass es gerade noch glaubwürdig ist - es seien seine Geheimnisse, erklärt er, und davon hat der Mann nun wirklich reichlich. Vom Erzählerischen her ist es außerdem ein so nützlicher Einfall, dass man den Autoren verzeiht. Wer nicht weiß, was er mit seinem nächsten verregneten Nachmittag anfangen soll, hat jetzt die Antwort: Die Objekte aus jeder Einstellung den jeweiligen Folgen zuordnen. Damit ist das Archiv auch ein Wink an die Fans.

Die Meckerliste enthält nur Triviales. Es ist unwahrscheinlich, dass es sich Peter in der post-apokalyptischen Welt leisten kann, seinen Schlauch zum Benzinklau einfach hängen zu lassen. Die Entdeckung des Labors wurde weit unter Wert verkauft - damit hätte man problemlos eine eigene Folge bestreiten können. Unglaubwürdig war dabei auch, wie leicht sich die Bösen täuschen ließen. Spuren im Staub, fehlender Staub, Staub in einem Lichtstrahl, der Geruch von Schweiß, ein einziger Spürhund, der noch warme Laser, eine Wärmebildkamera, Walters Essensreste - eins davon hätte genügt, um sie auffliegen zu lassen. Es wird auch nicht klar, warum die Observer nicht diesen offensichtlich strategisch wichtigen Ort ab sofort mit Kameras oder Mikrophonen überwachen, dort einen Wachmann postiert oder das ganze Gebäude einfach in die Luft sprengen.

Fazit

Aber das ist Kleinkram. The Bullet That Saved The World gehört zu den stärksten Folgen von Fringe überhaupt. Es ist kaum zu glauben, dass sie zur selben Serie gehört wie die erbärmliche Episode The Recordist in der Woche zuvor. Spannung, die Entwicklung der Figuren, neuer Hintergrund, alles stimmt. Es ist wieder da, das Gefühl aus früheren Staffeln: Wie in aller Welt soll man die Zeit bis zur Fortsetzung überstehen?

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Montag, 29. Oktober 2012
Episode
Staffel 5, Episode 4
(Fringe 5x04)
Deutscher Titel der Episode
Die Kugel, die die Welt rettete
Titel der Episode im Original
The Bullet That Saved The World
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 26. Oktober 2012 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 9. Februar 2013
Autor
Alison Schapker
Regisseur
David Straiton

Schauspieler in der Episode Fringe 5x04

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