Fear the Walking Dead 4x10

Fear the Walking Dead 4x10

Fear the Walking Dead zieht offenbar eine Hurrikan-Halbstaffel durch. In der Folge Schließ die Augen liegt der Fokus auf Alicia und Charlie. Können sich die beiden Erzfeinde vielleicht noch einmal zusammenraufen?

Alycia Debnam-Carey in der Fear-the-Walking-Dead-Folge Schließ die Augen (4x10) (c) AMC
Alycia Debnam-Carey in der Fear-the-Walking-Dead-Folge Schließ die Augen (4x10) (c) AMC
© lycia Debnam-Carey in der Fear-the-Walking-Dead-Folge Schließ die Augen (4x10) (c) AMC

Zumindest in den ersten beiden Folgen der zweiten Staffelhälfte der vierten Staffel von Fear the Walking Dead ist der Sturm beziehungsweise Tornado, der durch Texas fegt, für die Handlung in der Episode verantwortlich. Schließ die Augen widmet sich dabei in einer Art Kammerspielepisode Alicia (Alycia Debnam-Carey) sowie Charlie (Alexa Nisenson).

Zunächst aber muss sich Alicia allein durchschlagen und macht sich daher völlig durchnässt temporär in einem Haus heimisch, in dem sie die Bewohner, die inzwischen zombifiziert sind, beseitigt und herausschafft. Auch die Bilder der ehemals glücklichen Familie wirft sie raus. Offenbar mit Grund.

Allerdings merkt sie, dass sie nicht allein ist. Neben einem Untoten, der von einem Baum aufgespießt wurde, hat Charlie sich ihr unbemerkt angeschlossen, nachdem Luciana (Danay Garcia) sie in der vorherigen Folge verjagt hatte.

Das Haus dient den beiden als Unterkunft, bis der Sturm vorbeigezogen ist, denn auch der Keller ist überflutet und Essen gibt es bis auf ein paar Konserven hier wohl auch kaum.

Was ebenfalls auffällt: Der Graufilter wird weiter verwendet und diese Episode liebt ihre Nahaufnahmen auf Gesichter. Allerdings eignen sich die expressiven Gesichter der beiden Hauptakteure dafür auch sehr gut. Bei Alicia ist das Mienenspiel etwas limitierter, weil sie zwar irgendwie ihre verstorbene Mutter ehren möchte und ihre Menschlichkeit bewahren will, aber auch auf den einen Menschen trifft, der für gleich zwei Todesfälle in ihrer Familie verantwortlich zeichnet und dem sie die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dass das Stadion unbewohnbar geworden ist. Lange Zeit in der Folge sehen wir also eine kalte, hasserfüllte Alicia.

Menschlicher Abfall

Charlies Darstellerin ist für ihre jungen Jahre mimisch sehr stark. Mir fällt es schwer, mich auf Alicias Seite zu schlagen, wenn sie ihr durch die Tür sagt, welch menschlicher Abfall sie ist. Sie mag zwar faktisch richtig liegen, dennoch ist Charlie kaum zehn Jahre alt und es ist fraglich, wie viel sie von dem versteht, was sie eigentlich getan hat. Im Lauf der Episode lernen wir allerdings endlich etwas mehr über ihre Hintergründe. Kurz sieht es so aus, als würde sie die Menschen kennen, die im Haus gewohnt haben. Allerdings wird sie hauptsächlich an die eigenen Eltern erinnert, denn sie bricht endlich ihr Schweigen und muss Alicia helfen, den Sturm zu überstehen. Als Alicia Charlie sieht, möchte sie die Flucht ergreifen, wird jedoch beim Versuch, die verklemmten Autotüren zu öffnen, bewusstlos. Charlie bringt sie also zurück ins Haus (ziemlich stark für eine Zehnjährige) und rettet ihr so das Leben. Alicia bedankt sich mit der bereits erwähnten verbalen Abrechnung, die selbst eine erwachsene Person zum Zusammenbruch bringen könnte.

An Alicias Charakterisierung in der vierten Staffel störe ich mich ein wenig. Vieles kann man sich vielleicht damit zurechtlegen, dass sie von den persönlichen Verlusten gezeichnet ist und deswegen immer verbitterter und kühler wird. Immer wieder sieht man auch die alte Alicia durchblitzen, etwa wenn der tote Vogel im Kamin erscheint und sie einem imaginären Gesprächspartner zusichert, dass sie versucht durchzuhalten. Trotzdem ist ihr Verhalten Charlie, aber zuletzt auch schon Morgan gegenüber fragwürdig. Natürlich trägt das auch dazu bei, dass man Alicia interne Konflikte auf den Leib schneidert und wahrscheinlich in dieser Halbstaffel dahingehend positioniert, dass sie in die Fußstapfen der eigenen Mutter tritt, aber manchmal würde ich mir doch eine etwas weniger sprunghafte Entwicklung wünschen. Madison hatte zwischen Staffel drei und vier auch einen großen unerklärlichen Sprung gemacht, der dann erst in Folge acht erklärt worden war. Vielleicht ist das auch einfach mit dem Showrunner-Wechsel zu erklären.

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Why do you care?

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead%26quot,-Folge „Schließ die Augen%26quot,
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead%26quot,-Folge „Schließ die Augen%26quot, - © AMC

Charlie wird von der gesamten Ex-Stadion-Crew schrecklich behandelt. Auch Luciana hatte sie förmlich fortgeschrien, als sie sie in der Villa erblickte, während vor allem John, der natürlich vorher nicht Teil dieser Gruppe war, sie warm und herzlich willkommen hieß. Allerdings hatte die Stadioncrew anfangs auch versucht, sie bei sich aufzunehmen und wurde dann von ihr und den Vultures reingelegt. Also ist es nachvollziehbar, dass hier Ablehnung vorhanden ist. Dennoch schien es zum Halbstaffelfinale noch so, als würde man das hinter sich lassen und neu anfangen können. Es braucht allerdings einen Sturm, um beispielsweise Alicia zur Vernunft kommen zu lassen.

Nachdem Charlie ihr hilft, die Fenster zuzunageln, will sie ihre durchnässte Jacke zum Trocknen über das Feuer hängen. Allerdings weigert sie sich - aus gutem Grund - sie ihr zu geben. Denn darin bewahrt sie die fatale Waffe auf, die Nick das Leben kostete. Während Alicias erster Impuls ist zu vermuten, dass Charlie damit sie umbringen wollte, liegt die Lage anders: Charlie hat sie für einen potentiellen Suizid dabei. Diesen versucht sie schon, mithilfe des aufgespießten Walkers durchzuführen, wobei Alicia einschreiten muss. Alicia revanchiert sich für Charlies Rettung also direkt mit einer eigenen Rettungsaktion.

Erst dann versteht Alicia das Problem und die beiden sprechen miteinander. Alicia hätte sich ihre Nemesis vom Hals schaffen können, hat das aber nicht durchgezogen. In gewisser Weise will sie sie mit der Schuld leben lassen, weiß aber auch, dass es nicht leichter werden wird in dieser Welt. Jetzt, wo Charlie wieder spricht, versucht sie sich beim gemeinsamen Essen auch am Smalltalk, wird allerdings schroff von Alicia zurückgewiesen. Alicia muss lernen, nicht direkt den Hass auf alles auf Charlie zu projizieren, denn sie wollte nur wissen, wie die alte Heimat Kalifornien war. Gemeinsam mit ihren Eltern wollte sie nach Galveston zum Strand, doch dann kam die Zombieapokalypse und riss ihre Eltern aus dem Leben...

Der kleine Monolog in diesem Kammerspiel gehört für mich zu den stärksten Szenen der Episode, denn es ist nicht selbstverständlich, dass Kinderdarsteller so stark aufspielen. Leseratte Charlie versucht, sich in ihre Bücher zu flüchten und sich bessere Welten vorzustellen. Am Strand war sie nämlich noch nie und sie hat Schwierigkeiten, sich das auszumalen. Vielleicht führt das auch dazu, dass Alicia begreift, dass Charlies Entscheidungen nicht in einer Blase passiert sind und dass sie auch nur versucht hat, zu überleben. Denn ihre back story ist, wie bei so gut wie allen Figuren, überaus tragisch. Gutes schlummert ohne Frage in ihr, wenngleich ihre Einflüsse, wie während ihrer Zeit mit den Vultures, vielleicht nicht die besten waren. Aber Charlie denkt daran, dass jemand die Verstorbenen vielleicht suchen möchte, weswegen die Fotos ein Hinweis auf ihr Schicksal sein könnten, während Alicia offenbar bereit war, sie einfach zu beseitigen.

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Kellerflut der Emotionen

Als ein Fenster kaputtgeht und so den Untoten, die draußen warten, den Weg ins Haus ebnen könnte, fliehen die beiden in den völlig überfluteten Keller, wo bald ihr Fluchtweg abgeschnitten wird und sie einen neuen Ausgang brauchen. Das Wasser steht ihnen aber bis zum Hals und die Lage scheint zwischenzeitlich aussichtslos. Charlie sieht ihre Felle davon schwimmen und bittet Alicia, sie umzubringen, statt sie zum Untoten werden zu lassen, weil das ihr größter Albtraum ist. Allerdings möchte sie überhaupt nicht sterben. Sie erinnert sich nur noch an ihre zombiefizierten Eltern und kann sich gar nicht mehr daran erinnern, wie sie vorher aussahen. Daher wünscht sich in diesem Moment sehnlichst, ein Bild von ihnen zu haben.

In den stärksten Momenten der Folge erinnert sie mich an Alicias bisherige Sternstunde in „FtWD“, nämlich die Folge This Land Is Your Land aus der dritten Staffel. Es ist mal wieder eine Nahtoderfahrung, aber wenn diese gut und spannend geschrieben sind und zu echten emotionalen Ausbrüchen bei den Figuren führen, die ich ihnen abkaufe, dann kann man ein solches Mittel meinetwegen einmal im Jahr bemühen. Die Verzweiflung in Charlies Gesicht, als sie Alicia bittet, sie zu erschießen, Alicias Zögern und Zittern und ihre Flashbacks an ihre Verluste, das ist für mich effektiv, auch wenn die Rettung aus der Situation sich im Endeffekt wieder als reine Glückssache entpuppt, weil der Baumspieß-Walker auf die verkantete Tür fällt und somit die Flucht ermöglicht.

Feinde werden also nach dieser knappen Kiste zu Verbündeten und auch Alicia gibt zu, dass sie Morgan allein im Sturm zurückgelassen hat und ihre alten Weggefährten ebenso. Nachdem die Familie beerdigt wird, geht es im Auto zurück zum vorherigen Lager. Die Villa ist verwüstet und verlassen, John und Junes Bus ist es ebenfalls und auch von Morgan und dem Rest fehlt jede Spur. Glücklicherweise ist Charlie gut darin, Dinge zu finden und somit dürfte ein Wiedersehen nur eine Frage der Zeit sein. Während Alicia sie versucht, auf den Boden der Tatsachen zu bringen, was die Überlebenschancen der Menschen angeht, scheint Charlie gewillt zu sein, dennoch nach ihnen zu suchen. Warum auch nicht? Ist jedenfalls besser, als in Selbstmitleid zu baden. Alicia hatte sich außerdem selbst erst in der vorherigen Folge an einen Hoffnungsschimmer geklammert und wollte Wildfremden helfen. Sehr schön ist Alicias Geste, um Charlies Vorstellungskraft zu entfachen, damit sie sich einen Strandausflug zumindest vorstellen kann und damit es Charlie dabei gelingt, ihre Eltern - zumindest in ihrer Erinnerung - noch einmal als Menschen sehen zu können.

Fazit

Alycia Debnam-Carey in der „Fear the Walking Dead-Folge „Schließ die Augen%26quot, (4x10)
Alycia Debnam-Carey in der „Fear the Walking Dead-Folge „Schließ die Augen%26quot, (4x10) - © AMC

Ich war zunächst skeptisch, als die Folge begann und ich dachte, dass man sie eventuell nur Alicia allein widmen wird, wobei Erinnerungen an den Film „A Silent Place“ geweckt wurden. Die Entscheidung, die überfällige Aussprache mit Charlie einzubauen, hat sich als richtig erwiesen und ein schönes Kammerspiel der emotionalen Extreme hervorgebracht. Ich hoffe, dass Charlie trotz ihrer Taten verziehen werden kann, weil sie weder die einzige Person mit Dreck am Stecken ist noch eine solche Behandlung in ihren jungen Jahren verdient hat. Eine Herausforderung dürfte auch gewesen sein, mit den Wetterumständen aufzuspielen. Ich kann mir gut vorstellen, wie anstrengend die Nässe und der simulierte Wind sein müssen. Respekt dafür an die beiden Darstellerinnen.

Ich bin mir nicht sicher, ob man die ganze Halbstaffel auf den Sturm und seine Auswirkungen verwenden sollte, wäre aber nicht überrascht, wenn man das machen würde. Es könnte aber genauso gut sein, dass nächste Woche wieder alle miteinander vereint sind. Außerdem erwarten uns ja noch eine Reihe an neuen Figuren, wie rund um die Comic-Con verkündet worden war.

Trailer zur Episode The Code der Serie Fear the Walking Dead (4x11):

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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 20. August 2018
Episode
Staffel 4, Episode 10
(Fear the Walking Dead 4x10)
Deutscher Titel der Episode
Schließ die Augen
Titel der Episode im Original
Close Your Eyes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. August 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. August 2018
Autor
Shintaro Shimosawa
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x10

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