Fear the Walking Dead 4x11

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Der Kodex“ / (c) AMC
Vom eigentlich Cast von Fear the Walking Dead ist in der Episode Der Kodex diesmal nur Morgan Jones (Lennie James) dabei. Es ist ein bisschen ironisch, dass „FtWD“ offenbar nun eine Halbstaffel einlegt, die an Staffel 7A von The Walking Dead erinnert, welche von James im Interview mit Serienjunkies sehr deutlich kritisiert wurde, weil er damals den Rest des Casts kaum gesehen hatte und die Staffel fast nur aus kleinen Einzelfolgen bestand.
Die aktuellen Showrunner haben sich den Sturm als Motiv der Halbstaffel ausgeguckt und testen daran ihre Figuren und lassen sie auf neue Überlebende treffen. Morgan klettert etwa in einen LKW, findet dort ein paar überlebenswichtige Utensilien und wird über Nacht überraschend hunderte von Meilen transportiert, nach Mississippi nämlich.War Morgan so erschöpft, dass er nicht merkt, dass er so einen weiten Weg zurückgelegt hat? Es soll bei weitem nicht die einzige offene Frage dieser Episode bleiben...
Nimm', was du brauchst, den Rest lass' da
Am nächsten Tag befindet er sich an einer Raststätte, an der Strom und Wasser noch fließen und so gönnt er sich erst einmal ein bisschen Zeit für sich und seine körperlichen Bedürfnisse. Eine frische Tasse Kaffee und einen Gang aufs Klo später wird er von einem bewaffneten Mann im Rollstuhl unsanft bei seinem Geschäft gestört. Wendell (Daryl Mitchell) möchte nicht nur von ihm wissen, warum er ausgerechnet die Behindertentoilette benutzt, sondern auch, was in seiner Tasche ist. Das beantwortet Morgen wahrheitsgemäß damit, dass ihm eine weibliche Person am Walkie-Talkie erlaubt habe, zu nehmen, was er braucht und dazulassen, was er nicht braucht, was aber irgendwann vielleicht jemand anderem helfen könnte.
Wendell bildet gemeinsam mit Sarah (Mo Collins) ein Duo, das angeblich Trucks mit hilfreichen Gütern bepackt, Kisten hinterlässt und insgesamt aushilft. Morgan haben sie vor einem Hurrikan gerettet. Doch er selbst kann sich nicht entscheiden, ob das auch wirklich war, was er wollte. Er möchte zurück nach Texas zu John, Alicia und Co und erhält dafür auch einige Anweisungen sowie einen fahrbaren Untersatz.
Dass er irgendwann zu Fuß unterwegs ist, stört ihn nicht, weil er so teilweise schon von Virginia nach Texas gekommen ist. Allerdings zögert er bei einer Brücke, die ihn zur Entscheidung zwingt. Geht er zurück nach Texas oder doch nach Alexandria zu Rick, Carol und Co?
Hier kannst Du „Fear the Walking Dead: Vierte Staffel im Stream“ bei Amazon.de kaufen
Keep on Trucking or Walking

Morgan meldet sich auf der Brücke wieder bei Sarah und Wendell und behauptet, dass sie nicht befahrbar sei, was eine Lüge ist. Doch warum lügt Morgan hier? Hat er Zweifel an den beiden und ihrer Geschichte? Will er die Gruppe nicht unnötig durch Fremde in Gefahr bringen? Will er doch lieber nach Virginia zurück, wie er es vor wenigen Folgen noch gesagt hatte?
Also verabredet er sich bei den Truckern, begegnet auf dem Weg aber noch dem Bierbrauer Jim (Aaron Stanford), der mit einem Sack auf dem Kopf vor den Untoten davonrennt und tierisches Glück hat, dass Morgan ihn sieht und rettet. Jim glaubt nämlich, dass dieser Zombiequatsch nur eine Phase ist und Bierbrauen bald wieder eine Zukunft hat, weil Bier und Alkohol immer gehen. So optimistisch kann man sein Dasein natürlich auch fristen, was Morgan gefällt. Aber der scheint spätestens seit dem Cheesemaker sowieso ein Herz für Menschen vom Fach zu haben, die etwas mit ihren Händen schaffen, was man dann genießen kann. Es verwundert ein wenig, wie viele Leute Morgan ohne Weiteres nach Alexandria einlädt. Von Ricks drei Fragen hält er dabei wenig, im Gegensatz dazu bietet er so gut wie jedem, der ihn nicht direkt umzubringen versucht, an, ihn zu begleiten. Tatsächlich findet dennoch eine Art Test in Morgans Kopf statt, ob man Neulingen vertrauen kann, aber ganz transparent ist dieser nicht...
Als die Trucker nämlich beim verabredeten Treffpunkt warten, stellt sich heraus, dass Jim deren Bekanntschaft schon gemacht hat und ihnen wahrscheinlich den Sack auf dem Kopf zu verdanken hat. Zufälle gibt es bekanntlich immer wieder in AMCs Zombieversum, was die Welt bisweilen sehr klein erscheinen lassen kann. Kurzzeitig habe ich überlegt, ob Jim, Wendell und Sarah von vornherein unter einer Decke gesteckt haben (so beispielsweise, als Morgan und Jim sich gefesselt im Truck-Stauraum befinden) und es vielleicht sogar ihr Test für Neuankömmlinge sein könnte, aber im Laufe der Episode gibt es genug gegenteilige Hinweise, die verdeutlichen sollen, dass man sich erst seit kurzem kennt.
Welche Ausfahrt führt nach Alexandria?
Die beiden Trucker haben, wie sich herausstellt, den Truck nur von einer anderen Person gestohlen, deren Motto „Nimm', was du brauchst, den Rest lass' da“ ist. Ähnlich wie bei Terminus („Those who arrive, survive“) sollte man solche catchphrases wohl immer hinterfragen. Das weiß man aber nur als Zuschauer und nicht als Charakter. Sarah und Wendell wollen nämlich nicht immer nur weitertrucken, sondern irgendwann auch mal wieder sesshaft werden und da scheint Morgans Utopia namens Alexandria genau das Richtige zu sein. Morgan will aber nicht verraten, wie man dorthin kommt, weil ihre Absichten eben doch nicht so rein sind, wie sie anfangs hatten vermuten lassen. Allerdings muss man sich auch fragen, was die beiden schon für großen Schaden anrichten könnten, mit denen Rick, Daryl und Co nicht binnen Minuten fertig werden würden...
Der Kurs wird also auf Virginia gesetzt und Morgan hat grob noch 1000 Meilen Zeit, um sich zu überleben, ob er kooperiert. Dazu kommt es aber natürlich nicht, weil eine obligatorische Panne den Truck zum Stoppen bringt. Während Jim zwischenzeitlich seine Fesseln abbekommt und einen Waffenstillstand vereinbart, bleibt Morgen gefesselt und gerät natürlich prompt in eine Zombie-Situation, weil Jim stolpert (!) und ihn somit einen Abhang runterschubst. Die Stolpereien sind jetzt also auch bei „FtWD“ mal wieder dabei. Nach der K.-O.-Tür aus der letzten Folge häufen sich die nervigen Klischees langsam etwas. Immerhin bringt uns diese Episode Morgans neuen fantastischen Spitznamen Momo.
Hier kannst Du „Fear the Walking Dead: Vierte Staffel im Stream“ bei Amazon.de kaufen
Momo aka MacGyver
Morgan hat seine Schwierigkeiten die Steigung zu überwinden und auch die restlichen Begleiter machen keine Anstalten, ihm zu helfen, denn sie wissen, dass er wegen der unpassierbaren Brücke gelogen hat. Morgan kann sich - trotz seiner Fesseln - auf ein Autodach retten. Der Rest seiner Begleiter will jedoch nur helfen, wenn er den Weg nach Virginia verrät. Morgan gibt eine Wegbeschreibung, die aber nicht der Wahrheit entspricht und erhält dennoch keine helfende Hand. Stattdessen verharrt er mehrere Stunden, bis es dunkel wird, auf dem Autodach. Die ganze Zeit ist er dabei von Untoten umzingelt, deren Energie kaum geringer wird. Nachts kann er sich noch einmal zum Kämpfen aufraffen, findet dabei Überbleibsel aus dem Survival-Karton, nämlich ein Taschenmesser, und nutzt ein abgebrochenes Straßenschild als Bo-Ersatz. Manchmal wird es auch bei „Fear the Walking Dead“ auf eine surreale Art und Weise wahnsinnig MacGyver-mäßig.
Für die Motivation bedankt sich Morgan anschließend per Walkie-Talkie bei Sarah und Wendell, die vorher noch meinten, dass die Kisten niemandem wirklich helfen würden. Und Morgan haben sie nun eben sein Leben gerettet... Außerdem versteht Morgan, warum er auf der Brücke umdrehte: weil er ein Feigling ist, nicht ausreichend helfen konnte und glaubt, dass er eher noch Schlimmeres anrichten könnte. Etwas arg konstruiert das Ganze und Morgans anschließendes Ultimatum funktioniert für mich auch nur halb. Warum sollte das Trucker-Trio bei Morgans Rückkehr nach seiner Pfeife tanzen? Der Plan sieht vor, irgendwann nach Virginia zu fahren, vorher geht es aber zurück nach Texas (?) und es werden einige Zwischenstopps eingelegt, um Care-Paket-Kisten (immerhin) an den Wegrändern zu hinterlassen. Morgan bringt ihnen also bei, bessere Menschen zu sein. Dennoch verstehe ich nicht, warum sie seinem Kommando folgen. Vielleicht sind sie also doch gar nicht so schlechte Menschen, die vom Schicksal gebeutelt wurden?!? Dafür erleben wir das erste Mal seit langer Zeit einen Teaser auf einen sadistischen Psychoschurken in „FtWD“, da Morgan die Originalbesitzerin der Trucks und der Kisten kontaktiert (Tonya Pinkins), die er nun nach Texas lockt und sich seine Sorgen über seinen Status als Unglücksbringer vielleicht doch noch bewahrheiten...
Fazit

Der Kodex wirkt auf mich unausgegoren und unrund. Das ist vielleicht auch ein Sinnbild für Morgan, der zwischen den Lagern steht und nicht weiß, ob er zur Gruppe nach Texas gehört oder nach Alexandria. Dennoch sind einige geographische Entscheidungen fragwürdig. Wenn man schon rund zehn Autostunden in Richtung Virginia gemacht hat, warum sollte er dann wieder zurückgehen und das Risiko eingehen? Alicia, Strand und Co könnten inzwischen völlig vom Winde verweht sein, wenn sie denn überhaupt überlebt haben. Wird er es jemals nach Alexandria zurückschaffen oder ist das vielleicht die große Tragödie, die die Serienmacher für Morgan planen? Dazu kommen einige Tropen, die etwas nervig sind, wie das Stolpern oder das ständige Gefangen-genommen-Werden. Morgan wurde seit seinem Wechsel zu „FtWD“ bestimmt schon eine Handvoll mal von irgendwem gefesselt...
Ob die neuen Figuren eine lange Zukunft haben, wage ich zu bezweifeln. Ihr Potential ist - zumindest nach dem Eindruck aus dieser Folge - begrenzt, wobei ich eine Figur im Rollstuhl, die so lange überleben konnte, sehr spannend finde. Allerdings beraubt man sich dann bereits des Potentials, wenn keiner der drei neuen Figuren kämpferische Überlebensskills zu haben scheint - wie die Szene suggeriert, als jemand Morgan retten soll - und das inzwischen viele Monate nach dem Zombie-Knall... Ob ich außerdem auf eine Old-School-Schurkin der Marke Governor in Fear the Walking Dead große Lust habe, würde ich auch eher verneinen. Leider in meinen Augen die bisher schwächste Folge der Staffel...
Hier kannst Du „Fear the Walking Dead: Vierte Staffel im Stream“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 27. August 2018Fear the Walking Dead 4x11 Trailer
(Fear the Walking Dead 4x11)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?