Fear the Walking Dead 4x09

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Wie du und ich“ mit Alicia (Alycia Debnam-Carrey) und Morgan (Lennie James) (c) AMC
Die erste Hälfte der vierten Staffel von Fear the Walking Dead hat die Zeichen auf Reboot gestellt und die Serie ordentlich umgekrempelt. Alicia (Alycia Debnam-Carey) ist die einzige Überlebende vom Serienanfang und ihre Kollegen und sie, die zuletzt herausgefunden haben, was aus dem Stadion wurde, sind zerstritten, aber grob in der gleichen Region untergekommen. In der Folge Wie du und ich hat Strand (Colman Domingo) zusammen mit Luciana (Danay Garcia) eine Villa bezogen, die mit einem großen Weinkeller, einer schicken Musikanlage und ordentlich melancholischer Musiksammlung glänzt. Letzteres nutzt besonders Luci ausgiebig. Allerdings gibt es auch einen Schlupfwinkel für die Untoten, die ab und an Eintritt erhalten und für Nervenkitzel sorgen.
Alicia ist derweil auf eigene Faust unterwegs und vertreibt sich die Zeit damit, die Untoten zu metzeln. Ein Hoffnungsschimmer ist eine Person, die Hilfezettel an die Zombies anbringt. Alicia fühlt sich verpflichtet und würde gerne helfen - auch ein Stück weit, weil ihre Mutter so gehandelt hätte. Die Schuld an ihrem Ableben wiegt also weiterhin schwer auf ihr und sie denkt drüber nach, welche Konsequenzen sie ziehen sollte. Morgan (Lennie James) fasst den Entschluss, wieder nach Alexandria, in Virginia zurückzukehren und bietet den anderen an, sich ihm anzuschließen. Althea (Maggie Grace) verpflichtet er als Fahrerin, die natürlich auch an seiner und Alexandrias Geschichte interessiert ist.
Die Ruhe vor dem Sturm
John (Garret Dillahunt) ist derweil verletzt, aber glücklich, weil er June fka Naomi fka Laura (Jenna Elfman) an seiner Seite hat, die sich um seine Wunde kümmert. Seine Idee: Er will zurück zur Hütte, wo die beiden einst eine schöne Zeit miteinander hatten. Doch verklärt er das alles gedanklich? Ist die Hütte noch intakt und wie steht es mit Junes Gefühlen für die Beziehung und dessen idealisiertem Bild von ihr? Charlie (Alexa Nisenson) ist derweil ihr wortkarger Begleiter, die sich in ihre Bücher verkriecht und aktuell schweigt, weil der andere Gruppenteil rund um Alicia, Luci und Strand sie hasst.
Morgan besucht alle Überlebenden und bietet ihnen seinen Plan an, doch niemand will anbeißen: John glaubt, dass der Weg wegen seiner Verletzung zu weit ist und will lieber zur Hütte zurückkehren, Strand trinkt lieber den Weinkeller leer, Luciana hat ihre Emo-Musik-Phase und Alicia will den Hilfesuchenden im Sägewerk finden und klammert sich an das Erbe ihrer Mutter.
Obwohl Morgan Alicias Plan nicht gutheißen kann, bricht er zusammen mit ihr zum Sägewerk auf. Insgesamt hat sich das Autorenteam in dieser Folge auf Duos eingeschossen. Neben Morgan und Alicia sind Althea und June dem Grund auf der Spur, warum Untote angespült werden, John und Strand suchen nach Charlie, die irgendwann abhaut. Später trifft dann Luciana auf Charlie, die das Buch „Der kleine Prinz" zu ihr zurückbringt, aber von der todtraurigen Luciana verscheucht wird, die erst dann so langsam aus der Lethargie herausgeholt wird...
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Hilfe oder Selbsthilfe?

Während Morgan versucht, Alicias Vernunft zu wecken und mit einem Plan ins Sägewerk zu gehen, bleibt diese impulsiv und ruhelos. Kurze Zeit später kann er sie doch noch überzeugen und gemeinsam locken sie eine Gruppe von Zombies in eine Falle mit herunterfallenden Baumstämmen, was durchaus clever ist. Allerdings war Alicias Hoffnung vergebens, denn der Hilfesuchende ist schon mindestens seit ein paar Tagen selbst gewandelt und sie kann nichts mehr für ihn tun. Morgan ist in dieser Situation und in der gesamten Folge - wie schon im Staffelauftakt - der treibende Motor der Handlung. Man könnte fast meinen, dass er der neue Protagonist ist und der Kleber, der die Figuren zusammenhält.
Alle anderen sind halbwegs orientierungslos, nur er ist derjenige mit einem Plan, auch wenn er keine Wahl hat, als letztlich einzusehen, dass er davon abweichen muss, weil der Rest ihn als Anker braucht. Eigentlich will er diese Rolle Alicia zuschieben, doch auch sie braucht nach dem Verlust ihrer Familie eine Schulter zum Anlehnen - und diese könnte Morgan sein. Das bedeutet nicht, dass die Gruppe niemals nach Alexandria reisen wird. Doch zunächst scheint der anbahnende Sturm sie auf Trab zu halten. Althea und June im Truck, wobei June von ihren Bedenken erzählt, weil John nur eine idealisierte Version von ihr kennt. Althea aber nimmt die Journalistenbrille einmal ab und sagt ihr, dass sie die Vergangenheit ruhen lassen und den Moment genießen sollte, denn in dieser ungewissen Welt, die morgen vorbei sein könnte, zählt vorerst nur die Gegenwart. Das Hier und das Jetzt.
John versucht in der Folge an einer Stelle, zu Charlie durchzukommen. Sie hat sich nämlich abgekapselt und spricht kein Wort mehr, weil sie glaubt, für die Tragödie und die Gruppenspaltung verantwortlich zu sein. Die Zehnjährige ist direkt und indirekt tatsächlich auch Schuld an einigen schlimmen Entwicklungen. Sie hat Nick (Frank Dillane) erschossen, der aber vorher ihren Freund ermordet hatte, welcher wiederum Madison (Kim Dickens) indirekt auf dem Gewissen hat. Ein Teufelskreis des Mordens. Luciana ist nicht gut auf sie zu sprechen, weil ihr durch sie der Partner geraubt wurde. In dieser Spirale der Misere ist auch June ein Teil, von der die Gruppe geglaubt hatte, dass sie zwischenzeitlich Teil der Vultures geworden war.
Kurz gesagt: Es ist alles kompliziert, vielleicht sogar komplizierter, als es sein müsste. Man möchte meinen, dass die Trauerphase vorbei sein müsste, aber da durch die Flashback-Erzählung alles etwas verwirrend verlaufen ist, darf man nicht vergessen, dass Nicks Tod in der erzählten Zeit höchstens ein paar Tage oder Wochen her ist und der von Madison schon etwas länger. Also ist die Trauer noch völlig im Rahmen - auch wenn das Midseason-Finale suggeriert hat, dass sich eine neue Patchwork-Gruppe bildet, die sich schon irgendwie zusammenrauft. Mit dem Mörder der eigenen Familienmitglieder in den eigenen Reihen dürfte das Einkehren von Harmonie allerdings schwierig sein - wobei das wahrscheinlich genau die Lektion wäre, die Madison lehren würde. Womöglich wird diese auch einen Teil der kommenden acht Folgen mit Konflikt befeuern.
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Tornado der Toten

Gespannt sein kann man auf den Adressaten der Kiste, die June und Althea finden. Dort befinden sich eine Reihe von Utensilien für Hilfebedürftige. Auch John hat damals nach einem ähnlichen System gehandelt, als er eine Liste über Dinge führte, die er aus dem Laden mitgenommen hatte. Mit Sicherheit werden wir die Verantwortlichen noch kennenlernen und dann wird die Gruppe wieder wachsen. Dann haben vielleicht auch Strand und Luciana wieder eine neue Lebensmotivation fernab vom Trinken und Musikhören.
Die Idee eines Todestornados, wenn die Handlung schon rund um Texas spielt, gefällt mir recht gut und wird besonders schön im Cold Open der Folge inszeniert. Anders als in der Mutterserie wird die Gefährlichkeit der Untoten betont, auch wenn Mutter Natur eine nicht zu verachtende Rolle spielt. Der SWAT-Truck mit Althea und June scheint sicher, zumindest solange er nicht genau ins Auge des Sturms gerät. Das Walkie-Talkie war zwar eine gute Idee, könnte aber John und Strand wegen der Unsicherheit auch in Gefahr bringen und Alicia erkennt wohl nicht, was sich über ihr und Morgan zusammenbraut... Vielleicht braucht es aber auch genau so einen reinigenden Sturm für die Gruppe, um einen erneuten Neuanfang zu wagen und neue Überlebensmotivation zu tanken.
Fazit

Der Midseason-Auftakt ist ein weiteres Mini-Reboot für „FtWD“, das allerdings nicht ganz an den starken vierten Staffelauftakt anknüpfen kann. Ich bin vorsichtig optimistisch, weiß aber diesmal nicht ganz, was die Autoren vorhaben. Verschiebt man den Fokus endgültig auf Morgan? Ist es nur eine Transitionsstaffel? Inzwischen steht fest, dass es nicht die letzte Staffel sein wird und uns auch eine fünfte Staffel der Serie erwarten wird (siehe hier). Kurz hätte man nämlich denken können, dass Morgan tatsächlich zurück nach Virginia gehen wird und alle mitnimmt. Da sein Wunsch aber zu Beginn der Folge artikuliert wird, kann man schlussfolgern, dass es dauern wird, sofern es überhaupt passieren wird. Durch den Zeitsprung bei The Walking Dead könnte es spannend sein, die veränderten Lager irgendwann aufeinanderprallen zu lassen. Bis dahin gilt es jedoch, mindestens noch die nächste Folge abzuwarten, ehe klarer wird, was das Thema dieser Halbstaffel wird.
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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 13. August 2018(Fear the Walking Dead 4x09)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x09
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