Fear the Walking Dead 4x08

Fear the Walking Dead 4x08

Das vierte Midseason-Finale von Fear the Walking Dead klärt die Zuschauer auf, was mit Madison passiert ist. Dabei wird aufgedeckt, dass sie schon vorher auf eine andere Figur getroffen war, die sie dann zu einer Handlung erst inspiriert hat.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ (c) AMC
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ (c) AMC
© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ (c) AMC

Die erste HĂ€lfte der vierten Staffel von Fear the Walking Dead hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Ableger von The Walking Dead neues Leben einzuhauchen, auch wenn das bedeutet, sich von einigen Charakteren und Schauspielern zu trennen. Die neuen Showrunner haben diese Aufgabe ernst genommen und nach den ersten acht Episoden auch von einigen Urfiguren Abschied genommen. In Niemand ist weg gibt es nun auch Gewissheit zum Schicksal von Madison (Kim Dickens), wobei sich hier im Verlauf der Folgen bereits einiges angedeutet hatte...

Wer hat wen inspiriert?

ZunĂ€chst wird in der Vergangenheitshandlung, die man durchaus aber auch fĂŒr eine Trick halten könnte, ins Bild gerĂŒckt, was zwischen Staudammexplosion und Stadion passiert ist - zumindest teilweise. Madison bedroht Althea (Maggie Grace) nĂ€mlich mit einer Waffe. Obwohl beide Frauen Überlebenserfahrung haben, lĂ€sst Madison sich von einigen simplen Tricks ĂŒberraschen: ein Flaschenwarnsystem im Wald oder Stolperdraht etwa. Beim Stolpern ĂŒber den Draht zerstört sie beispielsweise das Abendessen der Journalistin, die storysĂŒchtig ist, aber nach eigener Aussage auch viel verloren hat. Schade nur, dass hauptsĂ€chlich Madison redet, denn viel Background zu Althea haben wir ja nicht. Die PrioritĂ€t ist aber wiederum verstĂ€ndlich, schließlich geht es hier um den langsamen, aber nun feststehenden Abschied von Madison. Zu Althea werden die Autoren zu einem anderen Zeitpunkt sicherlich weitere HintergrĂŒnde prĂ€sentieren.

Madison versucht zunĂ€chst, die SchlĂŒssel fĂŒr ihren Truck zu erlangen und kann Althea auch im Kampf ĂŒberrumpeln und sogar einige der kostbaren VideobĂ€nder stehlen, in der Hoffnung, mehr ĂŒber ihre Kinder herauszufinden. Schon bald findet Althea Madison aber in einem Auto wieder und ist nun noch brennender an ihrer Story interessiert.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ - © AMC

Twisted Round

Zumindest einen kleinen Schwank aus Altheas Vergangenheit hören wir, denn sie erzĂ€hlt Madison von ihrem Projekt und von dem Möchtegern-Diktator Twisted Round, der zwar große Reden geschwungen und Menschen bedroht hat, aber in Wirklichkeit weder Waffen noch eine Armee hatte, um Dorfbewohner zu unterdrĂŒcken. Das hatte sich dann herumgesprochen und seine Regentschaft beendet, weil Althea jemandem die Angst genommen hatte und sprechen ließ.

Amina

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ - © AMC

Madison fĂŒhlt derweil, dass sie als BeschĂŒtzerin ihrer Kinder versagt hat, weil sie des Öfteren einen Zufluchtsort versprochen, ihn aber immer wieder verloren hatte, wobei es nicht in allen FĂ€llen ihre Schuld war. Vielmehr waren es oft Dritte, die die jeweilige Lage verkomplizierten. Madisons Motivation sind ihre Kinder, die auch in der hoffnungslosesten Situation durchgehalten haben, wobei die Geschichte um einen verwundeten Vogel, den sie unablĂ€ssig gepflegt hatten, ihr dabei hilft, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die beiden und ihren Optimismus ĂŒberleben zu lassen. Ironisch, wie sehr Alicia (Alycia Debnam Carey) nach dem Tod des Bruders doch verroht ist, aber dazu an der passenden Stelle mehr...

Die Begegnung mit Althea beeinflusst Madison jedenfalls nachhaltig, denn bisher war sie es gewohnt, eine Gegenleistung zu erbringen, wenn man ihr in dieser Welt etwas Nettes tut. Das erklĂ€rt nun auch den anfangs vielleicht etwas sprunghaften Charakterwandel. Doch Althea will einfach nur irgendwann das Ende der Geschichte hören und gibt ihr NudelvorrĂ€te mit auf den Weg, um sie ĂŒber die Runden zu bringen, sollte sie ihre GefĂ€hrten wieder finden. Was kurz danach auch geschieht. Denn nicht viel spĂ€ter prĂ€sentiert Madison ihren Kindern Alicia und Nick Frank Dillane sowie Luciana (Danay Garcia) und Strand (Colman Domingo) das Baseball-Stadion, das an sich aber viel zu groß ist. Doch Madisons große Idee ist, dass es offen sein soll fĂŒr weitere Menschen, die mit anpacken möchten.

Der Kampf um Johns Leben

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ - © AMC

Wie in der vorherigen Folge angedeutet, versuchen Althea, Naomi (Jenna Elfman) und Morgan (Lennie James) in der Gegenwartshandlung in einem Akt der Verzweiflung, das Leben des angeschossenen John Dorie (Garret Dillahunt) zu retten. Naomi hatte die Idee dafĂŒr, ins von verbrannten Untoten ĂŒberrannte Stadion zurĂŒckzukehren, weil die Krankenstation die notwendigen Mittel zur Behandlung hat. NatĂŒrlich kommen auch die Schusswaffen des SWAT-Trucks hier endlich wieder gebĂŒhrend zum Einsatz, um einen Weg zu ebnen. Althea und Charlie (Alexa Nisenson) bleiben zurĂŒck, wĂ€hrend Naomi gemeinsam mit dem immer noch angeschlagenen Morgan die Materialien holen will. Allerdings erschwert das Trio um Alicia diese Mission neben den Untoten noch ungemein und sie schießt sogar mit dem Granatwerfer auf den Truck.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ - © AMC

Alicias Verhalten in dieser Episode mutet merkwĂŒrdig an und ich bin mir fast sicher, dass es gespalten aufgenommen wird. Im Kontext der Situation kann man es verstehen: Der Tod von Nick durch Charlie ist noch nicht allzu lange her, Naomi ist wieder aufgetaucht, die sie ebenfalls fĂŒr tot hielt, und dann erscheint sie mit den erklĂ€rten Feinden, die - wie wir am Ende der Episode herausfinden - den Tod der eigenen Mutter zu verantworten haben. Aber hier gilt die Regel: Man hĂ€tte ja auch mal drĂŒber reden können, statt direkt die RPG herauszuholen. Denn obwohl Althea Naomi und Charlie aufgenommen hat, hat sie per se noch nichts getan, weswegen man sie töten mĂŒsse. Da man die Vultures in der Folge zuvor relativ unspektakulĂ€r ausgeschaltet hat, haben sich die Autoren also fĂŒr die Zuspitzung des internen Konflikts entschieden, der ein wenig zulasten der Figur Alicia gilt, wenngleich sie in den vergangenen Monaten auch noch einmal einige herbe SchicksalsschlĂ€ge einstecken musste. Als letzte Überlebende der Clarks ist sie nun prinzipiell auch die Hauptfigur, denn mit ihnen - oder besser gesagt mit Nick - hatte damals alles angefangen. Dennoch muss man sich bisweilen ein bisschen ĂŒberwinden, denn innerlich möchte man sie anschreien: „Lass doch den armen John in Ruhe!

John, the good guy

Auch in dessen vermeintlichen letzten AtemzĂŒgen denkt dieser an andere, nĂ€mlich seinen Schwarm Naomi und seinen neuen besten Freund Morgan, die er dazu anregt, nicht wieder fortzulaufen, sondern zu erkennen, dass sie im Verbund mit anderen Menschen am besten ĂŒberleben werden. Auch deswegen bauen die Autoren vielleicht eine einseitige Sympathiekonstruktion zugunsten der „Neuen“ auf, was Alicias Verhalten oberflĂ€chlich gesehen noch schwieriger nachvollziehbar macht.

Dass sie Charlie als Geisel einsetzt, ist verstĂ€ndlich, auch, um an Naomi heranzukommen. Durch die Struktur der Folge wird relativ schnell klar, dass man von Autorenseite versucht, alle Handelnden irgendwie ĂŒber Althea unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig zeigt man aber auch, wie klein die Welt hier manchmal ist und wie vieles zufĂ€llig genau so klappt, wie es eben klappen soll, was aber auch schon bei John und Naomi der Fall war. Und das, obwohl in beiden FĂ€llen unterhaltsame Episoden das Resultat waren.

Deswegen ist es auch nur - vom Aufbau her - logisch, dass Alicia entdeckt, dass es eine Verbindung zwischen Althea und Madison gab, von der sie bisher nichts wusste und dass man Althea quasi einen großen Teil der guten Zeit zu verdanken hat, die im Stadion verbracht werden konnte.

Allerdings bedarf es neben dieser Offenbarung auch noch die Opferbereitschaft von Morgan, der fĂŒr eine Fremde wie Naomi sogar sterben wĂŒrde, um Alicia wieder zur Vernunft zu bringen und der selbst erst lernen musste, dass Isolation und Hass zu nichts Produktivem fĂŒhren. John kann also behandelt werden und ĂŒberlebt. Nebenbei erfahren wir noch, dass Laura aka Naomi in Wirklichkeit June heißt.

Der Tag an dem Madison starb...

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Niemand ist weg“ - © AMC

Doch was ist im Endeffekt passiert? Das Auto mit Alicia und Nick war umstellt und Luciana, Strand und Madison haben versucht, sie zu retten. Dabei haben sie einen Weg zurĂŒck zum Stadion geschafft. Madison hat darauf vertraut, dass die verstĂ€rkten WĂ€nde den Angriff aushalten, konnte die restlichen Bewohner jedoch nicht ĂŒberzeugen, die in ihren Autos flĂŒchteten und nicht ĂŒberlebten. Ihr Fluchtauto wurde von Mel genutzt, der damit Charlie das Leben rettete, wobei Mel im Endeffekt eigentlich der Gruppe gegenĂŒber wenig Böses getan hat, wenn man von der angedeuteten Essenssabotage absieht, die ĂŒberhaupt erst zum Konflikt fĂŒhrt. Naomi hat versucht, die anderen von der Flucht abzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Und als sie zurĂŒckkehrte, hat sie angenommen, dass alle tot waren, was auf Gegenseitigkeit beruhte und weswegen sie letztlich bei den Vultures landete...

Madison hat fĂŒr ihre Kinder also das ultimative Opfer gebracht: die Walker mit einer Fackel ins Stadion gelockt, hinter sich abgeschlossen und dem Rest die Flucht ermöglicht, weil es inzwischen zu viele Untoten waren. Wie bei Daniel sehen wir also nicht explizit, dass sie verbrennt oder umkommt und Zombie-Madison sehen wir ebenfalls nicht. Aber auch im Fall von Travis haben wir keine Leiche oder einen Untoten gesehen, weswegen man wohl davon ausgehen kann, dass Madison Geschichte ist, auch wenn ihre Worte, dass niemand wirklich weg ist, bis er weg ist, stutzig machen könnten (besonders, wenn man die Alpha-Theorie nicht loslassen möchte). Dieser Abschied im Feuer ist dennoch, auch wegen des großen Slo-Mo-Faktors, der bisher ausfĂŒhrlichste fĂŒr eine Figur in dieser Serie und ihrer KĂ€mpfer- und BeschĂŒtzernatur durchaus wĂŒrdig, was Madisons bisherige Rolle unterstreicht.

Strand hat sich derweil eine Narbe an der Hand zugezogen, als er Alicia abhĂ€lt, ihrer Mutter nachzulaufen. Fraglich ist, ob man bei genug Munition vom Aussichtsturm aus noch mehr hĂ€tte ausrichten können. Im Endeffekt ist es die Botschaft, die man auch aus „Thor: Ragnarok“ kennt: Es ist nicht der Ort, der entscheidend ist, sondern die Menschen, die ihn mit Leben und Moral erfĂŒllen. Am Ende der Folge kommt dann die neue Gruppe beim zeremoniellen Cup-Noodles-Diner zusammen, die sich offenbar nun eine neue Zukunft gestalten wird: Alicia, June, John, Morgan, Luciana, Strand, Charlie und Althea. Was genau der Plan fĂŒr den Rest der Folgen ist, bleibt unbekannt.

Fazit

Mit dieser Folge endet also die erste Etappe der neuen „FtWD“-Ära und nimmt eine weitere Figur vom Feld, deren Schicksal aber eigentlich schon frĂŒh angedeutet worden war. Die erzĂ€hlerische QualitĂ€t stimmt in diesen acht Folgen eigentlich fast immer. Dennoch kann man sich als Zuschauer der ersten Stunde fragen, was der Langzeitplan der neuen Showrunner ist. Eine VerlĂ€ngerung steht ebenfalls noch aus, so dass man sich fragen könnte, ob die Serie ĂŒberhaupt noch eine Zukunft hat. Der Boost durch das Crossover ist insgesamt minimal gewesen. Eine Verschmelzung beider Serien wĂ€re in der Theorie aber noch nicht vom Tisch, besonders wegen des Timings und des möglichen Neuanfangs in Staffel neun der Mutterserie.

Allerdings hÀtte ich auch nichts dagegen, wenn es unabhÀngig davon weitergeht, da bei Fear the Walking Dead insgesamt aktuell mehr Wert auf Geschichten und Charakterarbeit gelegt wird, als beim sehr actionlastigen und teils zu sensationsgierigen The Walking Dead.

Es ist eine Phrase, die im PR-Sprech oft benutzt wird, aber die neuen Figuren haben noch eine Menge Potential und bieten Stoff fĂŒr einige weitere Geschichten, weswegen ich in den letzten acht Folgen gerne in diese Welt abgetaucht bin - und das eben auch lieber als in den All-Out-War drĂŒben beim Original...

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. Juni 2018
Episode
Staffel 4, Episode 8
(Fear the Walking Dead 4x08)
Deutscher Titel der Episode
Niemand ist weg
Titel der Episode im Original
No One's Gone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. Juni 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 11. Juni 2018
Autoren
Ian Goldberg, Andrew Chambliss
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?