Fear the Walking Dead 4x06

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Nur für den Fall“ (c) AMC
In der Episode Nur für den Fall von Fear the Walking Dead erleben wir den Versuch der Konfrontation zwischen dem Überbleibsel der Clark-Gruppe und den Vultures, was besonders John (Garett Dilahunt) und Morgan (Lennie James) verhindern wollen.
John erwischt nämlich ein Mitglied dieser Gruppe beim Plündern und versucht von ihm zu erfahren, ob Naomi respektive Laura (Jenna Elfman) wirklich gestorben ist, worauf er allerdings keine Antwort erhält. Die beiden pazifistisch eingestellten Außenseiter sind bisher nur indirekt auf die Geier getroffen. John glaubt seit kurzem, dass Naomi eines ihrer Opfer wurde, während Morgan Nick (Frank Dillane) nicht davon abbringen konnte Rache zu nehmen, wonach er jedoch von Charlie umgebracht wurde, als Morgans Zen-Mentalität bei ihm einen Durchbruch erreichte.
Fahrlässige Warnung
Entsprechend wirkt es für die Zuschauer, die schon andere Bruchteile des Konflikts kennen, diesmal auch etwas merkwürdig, dass die beiden Männer versuchen sie darüber in Kenntnis zu setzen, dass Strand (Colman Domingo), Alicia (Alycia Debnam-Carey) und Luciana (Danay Garcia) einen Angriff planen. Das ist nicht nur gefährlich, sondern spielt ihnen auch noch einen völlig unfairen Vorteil zu. Ich weiß nicht, ob man das der Naivität oder dem Glauben an die Menschheit zuschreiben kann, denn gerade Morgan müsste nach der Zeit in Virginia und dem Krieg mit den Saviors in The Walking Dead wissen, wie gefährlich so eine Gruppe sein kann. Besonders dann, wenn die andere Gruppierung nur noch aus drei Menschen besteht und früher einmal 48 zu ihrem Kreis gehörten. Das kann ich also beim besten Willen nicht nachvollziehen.
So sehr ich John auch mag, seine Art seine Unsicherheit mit einer großen Klappe und Selbstsicherheit als Pistolero zu überdecken, könnte noch schiefgehen. In dieser Situation klappt es und er trifft seinen Gegenüber so an der Hand, dass er einen Finger ärmer wird. Man merkt, dass ihm die Drohgebärden keine Freude bereiten, als er Morgan seinen Revolver zur Verwahrung gibt. Trotzdem ist die Aktion nicht zu Ende gedacht.

Befangen oder nicht?
Alicia hofft derweil, dass Althea (Maggie Grace) womöglich noch mehr ist als ein glorifiziertes Taxi. Mit ihrem SWAT-Truck könnte sie den Vultures etwas entgegensetzen. Allerdings will sie nur ihre Geschichten hören und sich nicht als Auftragskillerin einspannen lassen. Ob sie bei diesem Ansatz bleiben kann? Im Marvel-Universum gibt es ein Alien-Volk, zu denen die Beobachter gehören, auch sie sind stiller Zeuge bei epochalen Ereignissen, haben sich aber geschworen nicht einzugreifen. Naomi hat aber schon bei ihrem ersten Auftritt bewiesen, dass sie sich zwar um Unparteilichkeit bemüht, aber doch austeilt, wenn man sein Wort bricht. Ich habe das Gefühl, dass das bald wieder passieren könnte. Den Rest der Ereignisse in der Gegenwart widmen wir uns allerdings erst am Ende der Episodenkritik.
Feigling oder Ideengeber?

Im Flashback verarztet Naomi Alicia, die jüngst drei Konserven mit Schinken gefunden hat, die den 48 Personen aber nur kurze Zeit helfen werden. Trotzdem bewahrt Madison ihren Optimismus, der der Situation angepasst ist, weil sie eigentlich kaum eine andere Chance hat, wenn sie nicht sofort aufgeben will. Also muss weiter nach Nahrung Ausschau gehalten werden, um Samen und Dünger zu ergattern und neu durchstarten zu können.
Naomi hat auch schon die Idee, denn ein altes FEMA-Lager könnte die Rettung sein, das außerhalb des Radius liegt, den die Vultures auserkoren haben. Zusammen mit Strand und Madison geht es also auf einen Roadtrip, während Strand eine Notlüge zu seinem gefüllten Auto präsentiert und Cole (Sebastian Sozzi) somit zuvorkommt, der bisher als einziger die Wahrheit dazu kennt. Strand beschäftigt weiterhin, warum Madison (Kim Dickens) ihn nach dem Staudammvorfall überhaupt gerettet hat. Sie meint, weil sie ihn kennt und sicherlich auch um seinen Wert in schwierigen Situationen weiß und auch seine Gesellschaft schätzt. Schließlich ist er auch die einzige Bezugsperson in ihrem Alter und ein verhältnismäßig langer Wegbegleiter. Strand glaubt, dass manche Menschen nicht gerettet werden können, während Madison Verfechterin eines Neuanfangs ist und das für alle, die gewillt sind.
Naomi hingegen bleibt dem Feiglingsmotiv treu und es scheint, als wolle sie wieder einmal abhauen, was sie später auch zugibt, zunächst aber will sie in ihrer alten Wirkungsstätte suchen. Bevor es dahingeht, wird jedoch eine Nacht in einem Motel übernachtet, wo immerhin ein wenig Proviant gefunden wird, der andere aber schon das Leben gekostet hat. Dorf erfährt Naomi, dass ihre Gefährten schon den langen Weg von Kalifornien und Mexiko zurückgelegt haben, während sie andeutet, dass die eigene Vergangenheit zu schmerzhaft ist. Strand durchschaut Naomi als sprunghaften Feigling und fordert von ihr die Autoschlüssel. Das ist gut mitgedacht, verhindert aber nicht, dass sie mitten in der Nacht das Auto einfach kurzerhand kurzschließt und wieder mal Reißaus nimmt, als die beiden Begleiter schlafen. Madison und Strand müssen Naomi also hinterher, die einen gewissen Vorsprung hat.
Diese Folgen werfen weitere Fragen bezüglich Naomi auf, beantwortet aber auch einige. Beispielsweise, dass sie offenbar wirklich eine Krankenschwester in besagter FEMA-Einrichtung war und dass sie ein Kind verloren hat. Denn sonst würde sie nicht so verängstigt sein, als sie ganz allein dort unterwegs ist, zumal sie nicht davon ausgehen kann, dass die beiden anderen ihr folgen, was sie allerdings machen. Zudem kennt sie die Schlosskombination und findet Informationen, die für die Bebauung sehr wertvoll sein können.
Ihr fast fataler Fehler geht ebenfalls auf ihre Muttergefühle zurück, als ihr der Anblick einer Kinderecke schmerzhafte Erinnerungen beschert und sie unvorsichtig und laut werden lässt. Dann bei ihrer Ankunft hat sie schlau mitgedacht und die Untoten per Geräusch an die Fensterfront gelockt, damit sie unbemerkt durchschleichen kann. Nach dem Laut kann sie zwar noch den langsamen Untoten entkommen, findet aber immer mehr verteilte Beißer und muss schließlich auf ein Gerüst fliehen, wo Strand und Madison sie dann finden und eine Rettung mit Drahtseilakt improvisieren. Solch eine Aktion gab es übrigens auch schon einmal in The Walking Dead - zumindest in den Comics. Während Strand sich mal wieder um ein Seil kümmert, widmet sich Madison dabei einigen Untoten, die sie mit einer Stange ins ewige Jenseits schickt.
Nur für den Fall
Im Anschluss erzählt Naomi, dass sie von der Gefahr wusste und alleine dort hin musste, weil es zu gefährlich war. Außerdem gibt sie sich die Schuld für die zahlreichen Untoten - sie hatte eine Krankheit ihrer Tochter Rose verschwiegen, die sich zu einer Lungenentzündung entwickelte, für die sie erst verspätet die Medikamente finden konnte. Doch da hatte Rose schon dafür gesorgt, dass die anderen gebissen und zu Untoten werden konnten, wie Naomi feststellen musste. Immerhin gab es dort eine Frau namens Ellen, die Überlebenstrainingskurse gegeben hat und stets vorbereitet war. Ihr Motto lautete „Just in Case“ also Nur für den Fall wie der Episodentitel, der auch einige Gemeinsamkeiten mit einem anderen „TWD“-Motto hat: JSS („Just Survive Somehow“). Denn Ellen hat, wie auch Victor, ein Auto für den Notfall vorbereitet, wenn alles vor die Hunde geht. Vorsicht ist eben besser als Nachsicht und auch Madisons Zweckoptimismus hat seine Grenzen, wie man bei der Rückkehr ins Station sieht, als sie Alicia damit beauftragt, so einen Notfall-Truck zu bestücken und zu positionieren.
Denn die Inhalte des vom FEMA-Lager mitgebrachten Trucks helfen zwar beim Wiederaufbau und auch Alicia und Nick geben den Vultures-Anführer Mel (Kevin Zegers) zu verstehen, dass sie noch lange nicht am Ende sind und er und seine Gang abschwirren sollen, dennoch kann immer mal etwas Unerwartetes schiefgehen oder ein unschuldiges Mädchen wie Charlie sich als Mitglied der Geiergang entpuppen und auch Mels Warnung lässt auf nichts Gutes schließen.
Kuckuck, Elster oder Geier?

Zurück zur Gegenwart: Dort erreichen Alicia, Strand, Luciana und Althea den Treffpunkt der Vultures, wobei sie zunächst nur ein Auto sehen, in dem außerdem John und Morgan stecken. Die beiden Männer glauben, dass die Warnung erfolgreich war und man so einen Konflikt, bei dem man den Kürzeren ziehen würde, verhindern konnte. Doch es kommt anders und Mel und sein Vehikel-Fuhrpark tauchen auf. Mit den Waffen im Anschlag kommt es zur Stand-Off-Situation und zwei trauernden Geschwistern, nämlich Alicia und Mel, wobei Alicia Härte zeigt und Mel verlogene Anteilnahme.
Allerdings ist die Bande noch nicht komplett und wir hören eine Frauenstimme, wobei die Autoren zunächst sicherlich den Eindruck vermitteln wollen, dass es Madison sein könnte. Doch schon bald kommt ein weiteres Auto, aus dem Naomi steigt und offenbar ein Teil der Vultures ist oder vielleicht sogar die wahre Anführerin, was sehr viele Fragen aufwirft. Doch zunächst freut sich John, sie wiederzusehen, wird aber ausgerechnet von Alicia angeschossen. Mit diesem kleinen Cliffhanger entlassen uns die Macher diesmal.
Meine Fragen: War sie schon immer Teil der Vultures? Ist Rose nur ausgedacht? Könnte Charlie Rose sein und sie abgebrüht genug, um sich diese Deckgeschichte auszudenken? Dagegen spricht ihre Reaktion im FEMA-Camp und wie ist die Flashback-Geschichte aus Laura nun zu deuten? Wir wissen, dass John vor seiner Begegnung mit Morgan etwa ein Jahr allein war.
Wurde Laura doch erst im Station rekrutiert? Wie kann sie sich dann aber so schnell einen solchen Status erarbeiten? War die FEMA-Beute nur Teil eines elaborierten Plans, um das Stadion zu übernehmen? Was genau ist mit Madison passiert? Bis zum üblichen Halbstaffelfinale werden sicherlich noch einige dieser Fragen beantwortet.
Fazit
Den Fear the Walking Dead-Autoren gelingt mit Just in Case besonders mit dem Episodenende wieder eine durchaus spannende Folge dieser vierten Staffel. Allerdings rutschen einige kleine Schwächen durch, etwa die Naivität von John und Morgan, die glauben, der anderen Gruppe einen Gefallen zu tun, indem sie sie warnen und dabei ihr eigenes Verderben riskieren.
Der Naomi-Running-Gag wird auf die Spitze getrieben und nun mit einem starken Twist versehen, der viele neue Möglichkeiten eröffnet und dass Althea und ihr Truck noch das Zünglein an der Waage im Konflikt der beiden Gruppen werden wird, dürfte auch allein durch die Szene in dieser Folge sehr klar sein. Ich bin mir nicht sicher, ob man das schon so sehr hätte andeuten müssen, vielleicht ist es aber so besser, als es aus dem völligen Nichts kommen zu lassen.
Naomi lebt also, während Johns Leben in Gefahr schwebt und das ausgerechnet wegen Alicia. Oder sorgt diese Situation nun sogar dafür, dass das Kriegsbeil begraben wird? In der dritten Staffel der Serie sind schon schlimmere Dinge passiert, die zwei Gruppen zusammengeführt haben. Schließlich braucht es auch noch Stoff für die zweite Staffelhälfte. Allerdings dürfte in diesem Fall Madisons Schicksal bestimmen, ob die Differenzen beiseite gelegt werden können oder eben nicht.
Trailer zur Fear the Walking Dead-Episode The Wrong Side of Where You Are Now:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 21. Mai 2018(Fear the Walking Dead 4x06)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x06
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